26. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen
Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft
02. – 04. Oktober 2026
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 01. Sept. 2026 11:05:05 MESZ
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Tagesübersicht |
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IV. Freie Themen Ort: Haus 1, Konzertsaal | |
| Präsentation 3 | |
15:00 - 15:30
Einzelvortrag Themen: Sektion IV: Freie Themen und Offene Studierenden-Sektion Stichworte: Hören, Gehör, Geniebegriff Wie hört ein „Genie“? Musikalisches Hörvermögen im Geniediskurs 1: mdw Wien; 2: MUK Wien Was bedeutete es in unterschiedlichen Zeiten und Kontexten, ein „feines“ bzw. „gutes Gehör“ zu haben? Wie wurde über das musikalische Hörvermögen von Musiker:innen berichtet, um die ein Geniekult gesponnen wurde? Wie wurde in ausgewählten Fallbeispielen des 18. und 19. Jahrhunderts die musikalische Hörwahrnehmung idealisiert und versucht, sie zu erforschen? In den 1806 erstveröffentlichten Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst von C.F.D. Schubart beschreibt dieser als Charakterzug des „musikalischen Genies“ das „höchst feine Ohr, das jeden Wohllaut verschlingt, und jeden Mißton mit Widerwillen anhört“. Erkennbar sei das „Genie“ bereits früh daran, dass ein Kind einen konsonanten Akkord bevorzuge und eine zweite Stimme zu einem Volkslied singen könne. Auch in Schubarts Musikerbiographien tritt immer wieder das Kriterium des „feinen Gehörs“ zu tage, so beispielsweise, wenn er über die Sängerin Caroline Rellstab schreibt, dass diese „schon in ihren Kinderjahren [...] ein ungemein gutes musikalisches Gehör und Gedächtnis“ gezeigt hätte. Konkret festmachen ließe sich das daran, dass Rellstab Melodien nach paarmaligem Hören nachsingen könne. Die Faszination an den Fähigkeiten von zu „Genies“ hochstilisierten Musiker:innen reichte in manchen Fällen so weit, das Gehirne seziert oder Schädelformen vermessen wurden. Dieses Fallbeispiel führt in die pseudowissenschaftlichen Vorläufer einer neurowissenschaftlichen Beschäftigung mit der Verarbeitung von akustischen Reizen im Gehirn. Als J. Haydns Schädel gestohlen wurde, geschah das unter anderem aufgrund des von F.J. Gall gesteigerten Interesses an der Lokalisierung eines „Tonsinns“. Der Vortrag konzentriert sich auf Quellen des 18. und 19. Jahrhunderts, besonders auf Musikerbiographien und Rezensionen, weist aber mit dem Thema bis ins 21. Jahrhundert: Am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik wurden 2024 Erkenntnisse aus einer Studie zur Taktsynchronisation Beethovens veröffentlicht. „Wir glauben, dass die große Diskrepanz zwischen dieser DNA-basierten Vorhersage und Beethovens musikalischem Genie eine wertvolle Lektion ist.“ (Projekt: Musik und Genome). Die Suche nach dem Hörvermögen eines „Genies“ durchzieht die Jahrhunderte. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Mag.art. Mag.art. Clara Ziegelbauer, PhD, ist Musiktheoretikerin, Musikwissenschaftlerin und Dirigentin. Seit 2025 ist sie Gastprofessorin für Musiktheorie an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien und lehrt dort Tonsatz, Gehörbildung und Strukturanalyse. Seit 2019 lehrt sie Musikalische Analyse an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und an der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Interpretationsforschung, insbesondere zu Gustav Mahler und der sogenannten Wiener Schule, das LaSalle-Quartett, Methoden der musikalischen Analyse, zeitgenössische Musik und Notation, Geschichten der Musiktheorie. Künstlerisch interessiert sich Clara Ziegelbauer für die (Wieder)entdeckung noch unbekannten Repertoires. Sie forschte zu und dirigierte u.a. Werke von Erich Zeisl, Louise Farrenc, Ida Gotkovsky, Hugo Kauder und Gideon Klein. | |


