26. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen
Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft
02. – 04. Oktober 2026
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 01. Sept. 2026 11:06:09 MESZ
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II. Musikalische Wahrnehmung aus Sicht der Neuro- und Kognitionswissenschaften sowie der Psychoakustik Ort: Haus 2, Studiobühne | |
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14:00 - 14:30
Einzelvortrag Themen: Sektion II: Musikalische Wahrnehmung aus Sicht der Neuro- und Kognitionswissenschaften sowie der Psychoakustik Stichworte: Gehörbildung, Psychoedukation, Hirnphysiologie und zerebrale Verarbeitung auditiver Stimuli, Stress- und Angstreduktion, affektiver Hörzugang. Gehörbildung und Psychoedukation. Einblicke in hirnphysiologische Vorgänge im Rahmen der Hochschul-Gehörbildung Hochschule für Musik und Theater München, Deutschland Im Fach Gehörbildung sind negative Stimmungslagen bei Studierenden und Dozenten besonders kontraproduktiv für die angestrebten Bildungsziele. Bei Eignungsprüfungen, studienbegleitenden Propädeutika und Abschlussprüfungen baut sich oft ein ungeheurer Druck auf, weil Studierende den Prüfungsstoff nicht auswendig lernen können, sondern ad hoc klar falsifizierbar reagieren müssen. - Ein Paradoxon: Gerade im Fach Gehörbildung, wo Prüfungsangst besonders kontraproduktiv ist, taucht sie häufig auf. Eine instinktive Wahrnehmung und blitzschnelle Reaktion auf Höreindrücke sind naturgemäß angelegt, der psychomotorische oder affektive Hörzugang erfolgt zuverlässig; erst die rationale Dekodierung, sprachsymbolische Darstellung und rasche Notation funktionieren nicht konfliktfrei (vgl. Matthesson, 1739 und Aristoxenos von Tarent, 350 a. C.). Am Gehör liegt es also nicht, wenn man den differenzierten Anforderungen einzelner Gehörbildungs-Aufgaben nicht gerecht werden kann. Der erfahrene Gehörbildungsdozent integriert intuitiv psychoedukative Elemente in den Unterricht. Hirnphysiologische Gesetzmäßigkeiten und verhaltensorientierte Hörmodalitäten sind in ihrer unmittelbaren Auswirkung auf Stress- und Angstphänomene zu sichten und in der praktischen Gehörbildungsarbeit bewusst positiv zu steuern. Das menschliche Gehirn kann Höreindrücke schnell decodieren, das Verbalisieren von Strukturen aber ist mit dem Passieren etlicher Regelkreise verbunden. Im Kontext interessant ist die komplizierte zerebrale Verarbeitung auditiver Stimuli, die über das Innenohr und den Hörnerv über weitere Umschaltzentren ins Stammhirn, ins Zwischenhirn und schließlich in die primäre Hörrinde im Schläfenlappen des Großhirns gelangen: Erst hier wird ein akustisches Signal tatsächlich als Ton wahrgenommen. Da das Wachsen neuronaler Verbindungen zwischen Hörcortex, motorischem Cortex und Sprachzentrum bei Relativhörern vier bis fünf Jahre dauert, ermöglicht nur konsequentes Training eine organische Veränderung der Hirnstruktur und zuverlässige, sprachliche Zuordnung. Unter Angst und Flucht-Modus wird der zerebrale Wachstumsprozess blockiert. Eine Ausnahme bildet die Gruppe der Absoluthörer, die neben verschiedenen hirnphysiologischen Besonderheiten auch über eine zerebrale Verbindung von Hörcortex und Sprachzentrum verfügen und so Höreindrücke sofort verbalisieren können. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Diemut Köhler-Massinger, Dr. phil., geboren 1963 in München, unterrichtet seit 1989 Gehörbildung und Solfège an der Hochschule für Musik und Theater München. Ihre Unterrichts-Schwerpunkte sind: Vorlesung zur Geschichte der Gehörbildung, Seminare zur Gehörbildung mit Absoluthörern, zu Interpretationsvergleichen und zur Methodik & Didaktik der Gehörbildung sowie zyklische Seminare mit Hörstunden zur abendländischen Musikgeschichte. Von 2015 an war Diemut Köhler-Massinger für mehrere Jahre als stellvertretende Frauenbeauftragte der HMTM tätig. Zuvor war sie von 1994 - 2014 Dozentin am Institut für Musikpädagogik der LMU München; parallel hielt sie seit 2006 Lehrerfortbildungen am LBZ (Lehrerbildungszentrum LMU) und hatte von 2009 – 2011 die stellvertretende Institutsleitung am Institut für Musikpädagogik inne. Während der 1990-Jahre unterrichtete sie als Lehrbeauftragte an verschiedenen Konservatorien die Fächer Kontrapunkt, Musiktheorie und Gehörbildung. Weitere Praxis- und Forschungs-Schwerpunkte sind: Fachspezifische Gehörbildung, Musikpädagogik & Hörerziehung, Hörphysiologie - Hörpsychologie - Gesundheitspädagogik, Musikpädagogik & Otologie (Inklusion von CI-Trägern), Interdisziplinäre Musikpädagogik (Sprachdidaktik und Geschichte), integrative, ganzheitliche Musikpädagogik und Musiksoziologische Genderforschung. Verschiedene Rundfunk- und TV-Sender und Zeitschriften machten Features, Unterrichts-Mitschauen und Interviews mit Diemut Köhler-Massinger zu den Themen Absolutes Gehör, Lärminduktion und Stille, Klezmer Musik und Musiksoziologische Genderforschung. | |


