26. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen
Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft
02. – 04. Oktober 2026
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 01. Sept. 2026 11:04:18 MESZ
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Tagesübersicht |
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I. Musikalische Wahrnehmung und Gestalt Ort: Haus 1, Konzertsaal | |
| Präsentation 4 | |
18:00 - 18:30
Einzelvortrag Themen: Sektion I: Musikalische Wahrnehmung und Gestalt Stichworte: Zitat, Gedächtnis, Erinnerungskultur, Intertextualität, Gestaltpsychologie Erinnertes Weiterhören: Musikalisches Zitat in der Mnemochora Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy Leipzig, Deutschland Was geschieht im Hören, wenn ein musikalisches Fragment mehr aufruft, als es selbst enthält? Unsere Untersuchung entwickelt einen Begriff der Mnemochora, um jene musikalische Gedächtnissphäre zu beschreiben, in der historisch sedimentierte Gestalten, Gesten, Idiome, Topoi, Klangfarben, Satzmodelle und neuerdings auch Samples als Möglichkeiten der Wiedererkennung zirkulieren. Ein Zitat entsteht nicht allein durch materielle, d.h. lediglich klangliche Ähnlichkeit, sondern durch die Aktivierung dieses Raums: Wo ein Fragment eine im Hintergrund stehende, ja abwesende musikalische Ganzheit aufruft, beginnt das erinnerte Weiterhören. Die Mnemochora überträgt Platons Begriff der chōra aus dem Timaios auf musikalische Erinnerungsprozesse. Dort bezeichnet chōra jene schwer fassbare dritte Gattung neben Ideenwelt und sinnlicher Erscheinungswelt: ein aufnehmendes Feld, ein „Worin“ des Werdens (Platon, Timaios, 48a–52c). Musikalisch verstanden meint Mnemochora entsprechend keinen bloßen Erinnerungsraum, sondern jenes Feld, in dem sich musikalische Gestalten als erinnerbare Formen zu einem Repertoire gruppieren. Ausgangspunkt ist nicht die Frage, ob ein Komponist oder eine Komponistin bewusst zitiert. Entscheidend ist vielmehr, wann eine Ähnlichkeit, eine Stilmaske oder ein Klangrest im Hören eine Erinnerungskette auslöst und wie diese beschaffen ist. Damit verschiebt sich die Perspektive von der Intention zur Wahrnehmung und zum hörenden Verstehen und berührt intertextualitätstheoretische Fragen nach Text, Spur und Wiederholung (Kristeva 1969; de Man 1979; Genette 1982). Danusers Begriff der Metamusik bleibt dafür wichtig, insofern er musikalische Bezugnahmen auf einer materiellen Ebene als strukturbildende Praxis beschreibt (Danuser 2017). Untersucht werden drei Konstellationen musikalischer Wiedererkennung: Jennifer Walshes URSONATE$ (2024), in denen Kurt Schwitters’ Ursonate durch KI-Stimmen und Stilmasken als digitales Klanggespenst wiederkehrt; Simon Steen-Andersens Don Giovanni’s Inferno (2023), das Operngeschichte als Höllenarchiv aus vorhandenen Stimmen, Gesten und Arien- und Orchesterfragmenten montiert; sowie Moor Mothers Jazz Codes (2022), wo Jazz, Blues, Soul, Hip-Hop und Spoken Word als Spuren einer Black musical memory ihr Wesen treiben. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Fojan Gharibnejad ist eine kurdisch-iranische Komponistin, Künstlerin und Forscherin. Sie studierte zunächst Geige an der Teheraner Kunstuniversität und schloss 2022 die Studien Komposition und Musiktheorie an der HMT Leipzig mit Auszeichnung ab. Ergänzend absolvierte sie ein Gaststudium in Medienkunst an der HGB Leipzig; seit 2024 promoviert sie im Fach Philosophie. 2021 wurde sie mit dem DAAD-Preis ausgezeichnet; 2024 gewann sie den IFCA Award. Seit 2024 ist sie Alumna des Genshagener Kreises, seit 2025 Alumna der Akademie Musiktheater heute. Von 2016 bis 2022 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leipziger Musikinstrumentenmuseum. Seit 2022 lehrt sie musiktheoretische Fächer an der HMT Leipzig. Ihre Arbeit umfasst Instrumentalmusik, Musiktheater, Elektroakustik und Multimedia und verhandelt menschliche Grenz- und Extremzustände sowie Formen von Gewalt. | |


