26. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen
Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft
02. – 04. Oktober 2026
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 01. Sept. 2026 11:06:10 MESZ
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Tagesübersicht |
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I. Musikalische Wahrnehmung und Gestalt Ort: Haus 1, Konzertsaal | |
| Präsentation 2 | |
16:30 - 17:00
Einzelvortrag Themen: Sektion I: Musikalische Wahrnehmung und Gestalt, Sektion IV: Freie Themen und Offene Studierenden-Sektion Stichworte: Georg Philipp Telemann, Barockmusik, komplexe Harmonik, historische Traktate, Diskrepanz zwischen Sehen und Hören Unanalysierbar? Telemanns „Et permanebit“ aus der Pariser Psalmvertonung „Deus judicium tuum“ TWV 7:7 Schola Cantorum Basiliensis / Hochschule für Musik Basel FHNW, Schweiz Ähnlich wie die häufig zitierte "Unspielbarkeit" ist auch die "Unanalysierbarkeit" eines komplexen und in seiner Zeit neuartigen Werkes verbunden mit dem Nimbus, dieses Phänomen widerlegen zu wollen. Während die komplexesten Stellen im Werk Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrich Händels schon seit Anbeginn der Disziplin "Musiktheorie" im 19. Jahrhundert im Fokus der Analytiker und Analytikerinnen standen und das Bild der Komponisten entscheidend geprägt haben, fristet sogar noch in der heutigen Musiktheorie ihr Zeitgenosse Georg Philipp Telemann ein Schattendasein. Auch und besonders seine harmonisch extremen Stellen kommen im gegenwärtigen musiktheoretischen Diskurs nicht vor. In diesem Vortrag soll versucht werden, Georg Philipp Telemann als Komponist des musikalischen Wagnisses zu rehabilitieren. Im Jahr 1737 trat der Mitte 50-jährige Telemann auf dem Höhepunkt seiner Karriere eine Parisreise an, wo er als Star gefeiert wurde. Neben den heutzutage wesentlich bekannteren Pariser Quartetten, die als ein Hauptwerk Telemanns gelten, führte Telemann in den Concerts spirituels den vermutlich für diesen Anlass komponierten Grand Motet "Deus judicium tuum" für fünfstimmigen Chor, Soli und großes Orchester mehrmals auf. Wahrscheinlich auch als Herausforderung für das musikalisch gebildete Pariser Publikum versah er die Partitur mit vielen harmonischen Extravaganzen, die auch in seinem immensen und teilweise auch experimentellen Werk einzigartig erscheinen. Im Zentrum der Motette steht mit dem "Et permanebit" ein etwa zweiminütiges Stück zwischen Rezitativ und Arioso für Bass und Orchester, das zum Kühnsten der überlieferten spätbarocken Harmonik gehört. Mit welchen zeitgenössischen und modernen Werkzeugen lässt sich ein solches Stück interpretieren, ohne in reine Deskriptivität zu verfallen? Ist es realistisch, dass ein solches Werk einen heutigen Hörer noch genauso aufrüttelt wie einen damaligen? Und beginnt schließlich die Beurteilung von harmonischer Komplexität beim phänomenologischen Hören, beim analytischen Sehen oder bei der historischen Einordnung in zeitgenössische musiktheoretische Konzepte? Anhand dieser "noch unbeschriebenen Musik" soll auf all diese Fragen ein neues Licht geworfen werden. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Der Schleswig-Holsteiner Tilman Clasen, geboren 2000, wuchs in der Nähe von Hamburg auf. Nach seinem Jungstudium in Blockflöte an der HfMT Hamburg studierte er dort BA Blockflöte bei Peter Holtslag und BA Musiktheorie bei Jan Philipp Sprick und Volkhardt Preuß. Seit 2023 lebt er in Basel, wo er an der Schola Cantorum Basiliensis zuerst Theorie der Alten Musik bei Johannes Menke und Florian Vogt und danach Blockflöte bei Andreas Böhlen studierte. Derzeit absolviert er ein Ergänzungsstudium in Musiktheorie mit Schwerpunkt Historische Komposition bei Ralph Bernardy. Tilman Clasens musikalischer Schwerpunkt - als Musiktheoretiker, Blockflötist, Traversflötist, Cembalist und Komponist - liegt auf der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. | |


