26. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen
Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft
02. – 04. Oktober 2026
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
Bitte beachten Sie, dass sich alle Zeitangaben auf die Zeitzone des Konferenzortes beziehen.
Die momentane Konferenzzeit ist: 01. Sept. 2026 11:06:10 MESZ
|
Tagesübersicht |
| Sitzung | |
|
I. Musikalische Wahrnehmung und Gestalt Ort: Haus 1, Konzertsaal | |
| Präsentation 1 | |
16:00 - 16:30
Einzelvortrag Themen: Sektion I: Musikalische Wahrnehmung und Gestalt Stichworte: Hörtheorien, Hörhaltungen, musikalische Wahrnehmung, Neue Musik nach 1945, Wahrnehmungsmodelle Kompositorische Hörtheorien: Eine Genealogie musikalischer Wahrnehmung nach 1945 Hochschule für Musik Saar, Deutschland Der Beitrag untersucht, wie Neue Musik nach 1945 in der kompositorischen Praxis spezifische Hörhaltungen entwirft, die das Verhältnis von Hören, Wahrnehmen und Verstehen phänomenologisch neu bestimmen. Ausgehend von Hörtheorien des 20. Jahrhunderts wird gezeigt, dass Hören nicht als passives Erfassen musikalischer Strukturen zu verstehen ist, sondern als kulturell modellierte, zeitlich entfaltete Praxis. Neue Musik wird damit zu einem Feld, in dem sich Wahrnehmung selbst reflektiert und transformiert. Entlang einer genealogischen Entwicklungslinie werden unterschiedliche Modi des Hörens herausgearbeitet: Hören als ethische Aufmerksamkeit für das kaum Hörbare (Nono), als Wahrnehmen struktureller Verwandtschaft (Stockhausen), als Orientierung in divergierenden Zusammenhängen (Boulez), als Präsenz ohne Bedeutungszuschreibung (Cage), als Erfahrung von Klangzuständen und Zeitmodi (Ligeti), als Freilegung und Widerstand gegen Hörgewohnheiten (Lachenmann), als Wahrnehmung gesellschaftlicher Widersprüche (Spahlinger) und als mediale Kontextlektüre (Kreidler). Diese Modelle zeigen, dass Hören zunehmend auf Prozesse, Relationen und Bedingungen gerichtet ist – und damit auf jene zeitlichen und qualitativen Dimensionen, die phänomenologische Ansätze als konstitutiv für Wahrnehmung beschreiben. Der Beitrag argumentiert, dass Neue Musik ein Ort ist, an dem die Bedingungen musikalischer Wahrnehmung in besonderer Weise erfahrbar werden: Hören wird zur aktiven, kritischen und kontextbewussten Praxis, die sich an ästhetischen und medialen Setzungen ausbildet. Die aus der kompositorischen Arbeit hervorgehenden Hörtheorien prägen dabei die Weise, in der Musik wahrgenommen werden kann. Daraus ergeben sich Konsequenzen für Theorie und Lehre: Eine zeitgemäße Gehörbildung sollte Räume eröffnen, in denen solche differenzierten Hörhaltungen erfahrbar werden und musikalisches Verstehen als phänomenologische Erfahrung von Zeit, Struktur und Bedeutung entstehen kann. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Jan Meßtorff, geboren 1988 in Bremen, ist Komponist, Musiktheoretiker und seit 2026 Professor für Musiktheorie und Gehörbildung an der Hochschule für Musik Saar. Er studierte Komposition, elektroakustische Komposition und Musiktheorie an den Musikhochschulen in Bremen und Mainz und verfasste seine Dissertation über Hugo Riemann und den harmonischen Dualismus. Bis 2026 war er als Künstlerischer Mitarbeiter an der Hochschule für Musik und Theater Rostock tätig, nachdem er zuvor bereits durch Lehraufträge an den Musikhochschulen in Bremen, Dresden, Lübeck, Mainz, Osnabrück, Rostock und an der Universität Greifswald tätig war. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in der historischen Musiktheorie mit Fokus auf dem 19. und 20. Jahrhundert. Sein kompositorisches Schaffen reicht von instrumental-vokalen Werken über elektroakustische Kompositionen bis hin zu Klanginstallationen. | |


