26. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen
Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft
02. – 04. Oktober 2026
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsprogramm
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Die momentane Konferenzzeit ist: 01. Sept. 2026 11:06:28 MESZ
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Tagesübersicht |
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III. Musikpädagogische Ansätze zwischen Musiktheorie, Gehörbildung und Kunstanspruch Ort: EHK, Chorsaal | |
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14:30 - 15:00
Einzelvortrag Themen: Sektion III: Musikpädagogische Ansätze zwischen Musiktheorie, Gehörbildung und Kunstanspruch Stichworte: Improvisation, Musikpädagogik, Modelle, Solosuiten, Generalbass Generalbass ohne Tasten: Continuo-Denken für Melodieinstrumente HKB Bern, HMT München, HfM Freiburg Theorie- und Gehörbildungsunterricht orientiert sich traditionell stark am Klavier – mit der Konsequenz, dass harmonisches und kontrapunktisches Denken vielen Studierenden von Melodieinstrumenten als etwas erscheint, das primär für Pianisten, Organisten oder Cembalisten relevant sei. Die unterschiedlichen Voraussetzungen von Tasten- und Melodieinstrumentalisten werden so nicht ausgeglichen, sondern eher verstärkt. Dabei lässt sich gerade einstimmige Sololiteratur vor dem Hintergrund eines impliziten Generalbass- oder Kontrapunktsatzes besser verstehen, differenzierter gestalten und vor allem kreativ weiterentwickeln. Bei geringen Klavierkenntnissen ist es oft erfolgversprechender, hierfür das eigene Melodieinstrument heranzuziehen, statt harmonische Zusammenhänge ausschließlich am Tasteninstrument nachzuvollziehen. Der Beitrag stellt eine ganzheitliche Unterrichtsmethode vor, die Musiktheorie, Gehörbildung, Analyse, Improvisation, Komposition, Spieltechnik und Interpretation miteinander verbindet und dabei das improvisatorische Arbeiten am Melodieinstrument ins Zentrum rückt. Bezugspunkt sind nicht in erster Linie Akkorde und tastenbezogene ›Griffmuster‹, sondern melodische Patterns, auf deren Grundlage ein Denken und Hören in Bassstufen, Intervallen, Stimmebenen und satztechnischen Modellen entwickelt wird. Terzen- und Sextenketten, Vorhaltsketten, Oktavregelausschnitte und Ostinatobässe werden auf dem Melodieinstrument einstimmig und latent mehrstimmig realisiert und dienen als Ausgangspunkt für Variationen, freie Diminutionen und improvisatorische Weiterführungen. Geschult wird so ein inneres Hören, das die implizite, modellbasierte Mehrstimmigkeit sukzessiv erklingender Linien erfasst und ihr kombinatorisches sowie kreatives Potential am eigenen Instrument entfaltet. An Beispielen aus der Sololiteratur Georg Philipp Telemanns und Johann Sebastian Bachs wird gezeigt, wie manifeste Einstimmigkeit als Auskomponierung eines strukturell mehrstimmigen, kontrapunktischen Satzes verstanden werden kann. Die Analyse hilft Studierenden, interpretatorische Entscheidungen zu Artikulation, Phrasierung und Agogik fundierter zu treffen und die implizierte Mehrstimmigkeit für Hörende nachvollziehbar zu machen. Zugleich eröffnet sie Wege, figurative Variationen zu entwickeln und sich improvisatorisch mit dem Material auseinanderzusetzen. Kontrapunkt erscheint dabei nicht als bloße Satztechnik, Generalbass nicht als reine Begleitpraxis, sondern beide als eng verwobene Aspekte einer umfassenden musikalischen Hör- und Denkweise – zentral für Analyse, Interpretation und kreatives Musizieren auch jenseits des Tasteninstruments. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Georg Thoma studierte Klavier, Musiktheorie, Gehörbildung und Klavierimprovisation in Salzburg, München und Stuttgart. Als Doktorand an der Hochschule der Künste Bern in Kooperation mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz forscht er zur Klavierimprovisation im 19. Jahrhundert. Darüber hinaus arbeitet er als Dozent für Musiktheorie, Gehörbildung und Improvisation an den Musikhochschulen in München und Freiburg, konzertiert mit Klavierimprovisationen in unterschiedlicher Stilistik und ist als Schatzmeister im Vorstand der GMTH aktiv. Weitere Forschungsschwerpunkte: Reduktionsanalyse (Satzmodelle, Schema-Theorie, Schenker-Analytik), erweiterte Tonalität im 20. Jahrhunderts (insbesondere Debussy und Ravel, Tonfelder/Achsen, Modi), Neue Musik, Methoden der Solmisation, pianistischer Anschlag und Timing-Aspekte im Klavierspiel. | |


