26. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen
Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft
02. – 04. Oktober 2026
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 01. Sept. 2026 10:10:23 MESZ
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Tagesübersicht |
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III. Musikpädagogische Ansätze zwischen Musiktheorie, Gehörbildung und Kunstanspruch Ort: EHK, Chorsaal | |
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9:00 - 9:30
Einzelvortrag Themen: Sektion IV: Freie Themen und Offene Studierenden-Sektion Stichworte: Musica Ficta, False Relations, Ockeghem, 15th century Ausreizung der Möglichkeiten: Der „Ockeghem-Akkord“ und andere falsche Konsonanzen im 15. Jahrhundert. Schola Cantorum Basiliensis / Hochschule für Musik Basel FHNW, Schweiz In einer Zeit, in der akzidentielle Alterationen (Musica ficta) implizit aus melodischen Cantizans-Bewegungen bzw. harmonischen Regeln der kleinsten Schrittweite hin zu einem perfekten Intervall folgten, schien Johannes Ockeghem die Möglichkeiten bewusst auszureizen. In mehreren vierstimmigen Motetten und Messen scheint er die doppelte Leittonkadenz zu erweitern: eine Tenorizans-Kadenz, bei der der „Leitton“ – eine große Sexte über dem Bass – eine Quarte tiefer durch eine große Terz über dem Bass „verdoppelt“ wird und die Quinte bei der Ultima anstrebt. Diese Kadenz, typischerweise ein rein dreistimmiges Modell, verschwindet laut dem Experten für Musica ficta, Peter Urquhart, „irgendwann im 15. Jahrhundert“, da sie weitgehend inkompatibel mit einem vierstimmigen Satz ist. In Ockeghems prägenden Jahren war diese dreistimmige Kadenz jedoch allgegenwärtig und findet sich in seinem gesamten Werk. Um dem eine vierte Stimme hinzuzufügen, entschied sich Ockeghem in mehreren Werken für eine Oberstimme, die in parallelen Dezimen über dem Bass geführt wird und somit keine Ficta-Alteration erfordert. Das Ergebnis ist ein Zusammenklang zwischen der „doppelten Leitton-Stimme“ (die oft ein melodisches Cantizans-Klischee singt) und der „Parallel-Dezimen-Stimme“ in Form einer verminderten Oktave. Es ist keine theoretische Quelle des 15. Jahrhunderts bekannt, die Sänger vor diesem Zusammenstoß warnt. Tinctoris empfiehlt Komponisten zwar, solche „falschen Konsonanzen“ nicht zu schreiben, stellt jedoch fest, dass fast alle Komponisten sie dennoch verwenden – insbesondere unmittelbar vor einer Ultima. Mit Blick auf spätere Musik folgert Urquhart, dass Theoretiker sich nicht über Dinge beschweren konnten, die nicht stattfanden, die Schuld jedoch stets beim Komponisten liege. Daraus resultiert der sogenannte „Ockeghem-Akkord“ als Paenultima-Sonorität, bestehend aus einer großen Terz, einer großen Sexte und einer kleinen Dezime. Zukünftig könnte dieser Intervallsatz (3-6-10 gefolgt von 5-8-10) in einem umfangreichen Korpus digital erforscht werden, um die Verbreitung dieser markanten Klanglichkeit zu bestimmen. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Samuel Reid Navarro (1997) studierte Musikpädagogik in Leiden und Chorleitung in Utrecht, bevor er sein Masterstudium in Theorie der Alten Musik/Komposition an der Schola Cantorum Basiliensis abschloss. | |


