26. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen
Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft
02. – 04. Oktober 2026
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 01. Sept. 2026 11:06:15 MESZ
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Tagesübersicht |
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IV. Freie Themen Ort: Haus 1, Konzertsaal | |
| Präsentation 2 | |
14:30 - 15:00
Einzelvortrag Themen: Sektion I: Musikalische Wahrnehmung und Gestalt, Sektion II: Musikalische Wahrnehmung aus Sicht der Neuro- und Kognitionswissenschaften sowie der Psychoakustik Stichworte: Virtual Agency, Embodied Cognition, Gesture Theory, Benjamin Britten, John Dowland “Come, or I die forever”: Gesture, Agency und Embodied Cognition in Brittens Nocturnal after John Dowland Universität Mozarteum Salzburg, Österreich Benjamin Brittens Nocturnal after John Dowland gehört zu den wichtigsten Werken für Gitarre im 20. Jahrhundert. Doch warum empfindet man es als so wirkungsvoll und eindringlich? Welche musikalischen Eigenschaften ermöglichen diesem ‘umgekehrten Variationssatz’ – der in einem Zitat John Dowlands Lied Come, Heavy Sleep kulminiert – emotionale Resonanzen hervorzurufen? Mein Vortrag analysiert Brittens Nocturnal aus einer wahrnehmungszentrierten Perspektive um zu erklären, wie das Werk affektive Bedeutung entstehen lässt. Ausgehend von Ansätzen der Embodied Cognition (Cox, 2016) wird Brittens kompositorische Schreibweise als Abfolge expressiver Gesten gedeutet (Godøy/Leman, 2010), die Emotionen wie Erschöpfung, Qual und Auflösung physisch spürbar machen. Aus der Perspektive der Virtual Agency (Hatten, 2018) vollzieht diese Musik eine dramaturgische Entwicklung, in der ein zerrissenes und leidendes Subjekt allmählich zur Klarheit und Ruhe findet. Der Dowlands Lied zugrundeliegende Text intensiviert diese Interpretation: Formulierungen wie „shadow of my end“ und „come, or I die forever“ lassen das abschließende Dowland Zitat als musikalischen Topos von Schlaf und Tod erscheinen und rahmen so Brittens Nocturnal als Meditation über Melancholie und Sterblichkeit. Der Beitrag zeigt, dass ein ausschließlich am Notentext orientierter Zugang nicht vollständig ausreicht, um alle Bedeutungsdimensionen, insbesondere die expressive und interpretative Komplexität eines solchen Werks zu erfassen. Als produktiver erweist sich hierfür eine Verbindung von struktureller Analyse mit wahrnehmungsorientierten Ansätzen. Dadurch verschiebt sich der Fokus vom Notentext als statischem Objekt hin zu Musik als einem zeitlich und kognitiv vermittelten Ereignis. Die durch die Analyse aufgezeigten performance-orientierten Aspekte werde ich anhand ausgewählter Beispiele auf der Gitarre demonstrieren, um zu verdeutlichen, dass sich affektive Dimensionen des Werkes besonders in der körperlich und klanglich vermittelten Erfahrung der Aufführung entfalten. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Roberto Zadra ist ein italienischer Gitarrist, Komponist und Musiktheoretiker. Seine Werke als auch sämtliche Transkriptionen und Arrangements wurden von Les Production D'Oz (Kanada), Pizzicato Verlag (Schweiz) und Edition Margaux (Deutschland) veröffentlicht. Derzeit studiert er Musiktheorie an der Universität Mozarteum Salzburg. | |


