26. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen
Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft
02. – 04. Oktober 2026
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 01. Sept. 2026 11:05:05 MESZ
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Tagesübersicht |
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I. Musikalische Wahrnehmung und Gestalt Ort: Haus 1, Konzertsaal | |
| Präsentation 2 | |
17:00 - 17:30
Einzelvortrag Themen: Sektion I: Musikalische Wahrnehmung und Gestalt Stichworte: posttonale Musik, harmonische Analyse, Expektanz, Implikation, Gestalttheorie Expektanzanalyse am Beispiel der Musik Dmitrij Schostakowitschs Hochschule für Musik Freiburg, Deutschland Durmolltonale Musik ist von einer Spannung zwischen melodischer Nähe und harmonischer Ferne gekennzeichnet. In einem Paradigma der Quintverwandtschaft sind die melodisch nächstmöglichen Halbtonrelationen Momente harmonischer Ferne. Dmitrij Schostakowitschs Musik – so meine These – macht dieses Spannungsverhältnis fruchtbar. Gefordert für die Analyse ist daher nicht die Herausarbeitung von abstrakten regelhaften Strukturen und Mustern, sondern ein wahrnehmungssensitiver Zugang, der nach der Bedeutung des Analysierten für die Hörwahrnehmung fragt. Denn durch Evozieren bekannter Muster werden Hörerwartungen aufgebaut, die anschließend gezielt unterlaufen werden: Schostakowitsch komponiert Expektanz. Der Vortrag zielt entsprechend darauf, Expektanzanalyse am Beispiel Schostakowitsch zu diskutieren. Dafür wesentlich ist der auf gestalttheoretischen Überlegungen basierende Begriff der Implikation, worunter „musikalische Erwartungen“ verstanden werden können, die unter der Voraussetzung einer „hinreichend stabilen Korrelation zwischen einem musikalischen Reiz und den psychologischen Reaktionen, die er bei verschiedenen Hörerinnen hervorruft, […] als objektive Eigenschaften der musikalischen Struktur“ aufgefasst werden können (Margulis 2015, 324). Unterschieden werden kann dabei zwischen „veridikaler“ und „schematischer“ Expektanz (Bharucha 1987): Erstere zielt auf kontextspezifische, letztere auf allgemeine Erwartungen. Darunter fallen etwa, auch bei Schostakowitsch, standardisierte Harmonisierungsmuster, Kadenzformeln und Melodieverläufe diatonischer Durmolltonalität, die einer gezielten „Überraschungs-Spannung“ (Margulis 2005) ausgesetzt werden. Ein wesentliches Mittel ist ihre chromatische Verfremdung, etwa durch unvermittelte, durch melodische Nähe legitimierte Wechsel des durmolltonalen Bezugsrahmens, z.B. halbtönige Shifts zu Dreiklängen, welche die erwarteten diatonischen Harmonien ersetzen, sogenannte „chromatic displacements“ (Bass 1988). Expektanzanalytische Überlegungen können auf diese Weise den zeitlichen Verlauf der Hörerfahrung bewusst machen, indem sie das Spiel mit Erwartung und ihrer (Nicht-)Erfüllung dechiffrieren. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Tobias Eduard Schick (*1985) studierte Komposition in Dresden und Rom, u.a. bei Mark Andre, Ernst Helmuth Flammer und Manos Tsangaris, elektronische Musik u.a. bei Franz Martin Olbrisch sowie Kontrabass und Klavier. Im Jahr 2017 wurde er mit einer musikwissenschaftlichen Arbeit über Weltbezüge in der Musik Mathias Spahlingers promoviert (Veröffentlichung in den BzAfMw). Schick ist Alumnus der Studienstiftung des deutschen Volkes und des Cusanuswerks. Veröffentlichungen über die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts sowie über ästhetische Fragestellungen erscheinen regelmäßig u.a. in Publikationsreihen und Zeitschriften wie Musik-Konzepte, Musik & Ästhetik, Archiv für Musikwissenschaft oder MusikTexte. 2020 und 2024 erschienen Portrait-CDs beim Label NEOS. Schick unterrichtete von 2015 bis 2022 Musikwissenschaft und Analyse an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden und war von 2022 bis 2024 Manager und Dramaturg von Ensemble Aventure Freiburg. Seit 2025 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem DFG-Forschungsprojekt zur Harmonik von Dmitrij Schostakowitsch an der Hochschule für Musik Freiburg. | |


