26. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen
Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft
02. – 04. Oktober 2026
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 01. Sept. 2026 11:06:15 MESZ
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Tagesübersicht |
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IV. Freie Themen Ort: Haus 1, Konzertsaal | |
| Präsentation 1 | |
14:00 - 14:30
Einzelvortrag Themen: Sektion IV: Freie Themen und Offene Studierenden-Sektion Stichworte: Gustav Mahler, Choral, Chromatik, Galante Schemata, Ambiguität, Dichotomie, Analysemethoden, Methodenpluralismus Dichotomie als Prinzip? Der Choral in Mahlers 6. Sinfonie Hochschule für Musik und Theater Rostock, Deutschland Das „Choralthema“ (Floros 1985) im ersten Satz aus Mahlers sechster Sinfonie mutet relikthaft an (vgl. Oechsle 2010). Tatsächlich erweist es sich als vielschichtiges Objekt, anhand dessen sich demonstrieren lässt, wie ein methodisch pluraler Zugriff den sich im Höreindruck unmittelbar manifestierenden Gehalt musiktheoretisch präzise benennen kann (vgl. Jülg 1986). Die erste Ebene der Vielschichtigkeit betrifft die formale Funktion: Der Abschnitt dient als modulierende Überleitung vom ersten zum zweiten Thema (Samuels 1995) und weist gleichzeitig eine bemerkenswerte formale Geschlossenheit und Symmetrie auf (Floros 1985) – eine charakteristische Mahler'sche Dichotomie (vgl. Oechsle 2010). Jene Symmetrie wird durch Kadenzen ausgedeutet, die mal phrygisch, mal authentisch strukturieren. Die satztechnische Ebene ist vom Generalbassdenkens geprägt: Die Bassziffernverläufe folgen im Sinne barocker Stilistiken weitgehend konventionellen Mustern; Außenstimmen in Terzen und ein durchgehender Intervallsatz schaffen historische Reminiszenzen. Verschleiert wird der barocke Choral durch Synkopendissonanzen, Spiel mit Tongeschlechtern sowie chromatische Durchgänge. Der passagenweise hohe Grad an Chromatik wird durch galante Schemata (Gjerdingen 2007) aufgefangen: Nachweisbar sind ein chromatisierter Prinner sowie ein mediantisch variiertes Do-Re-Mi-Modell, die eine Atmosphäre des Vertrauten erzeugen. Das Do-Re-Mi-Modell trägt zugleich die übergreifende harmonische Logik des Chorals: Die mediantische Wechselnote und ihre Harmonisierung erzeugen eine mediantische Widersprüchlichkeit, die den Choral und seine Kadenzen durchgehend strukturiert und in der ausschließlich im letzten Takt stattfindenden Modulation (Jülg 1986) zur Simultaneität kumuliert. Der Choral schließt janusköpfig: Das alterierte C-Dur leitet halbschlüssig das zweite Thema ein – lässt sich aber auch als E-Dur deuten, das den in a-Moll beginnenden Choral plagal beschließt. Es ist dies vielleicht die alle Parameter zusammenfassende Dichotomie: Mahler lässt Überleitung und Abschluss, Halbschluss und Ganzschluss, C-Dur und a-Moll in einem einzigen Akkord koinzidieren. Eine ganzheitliche Betrachtung ist dabei nur unter Einbezug von formaler Analyse, Bassziffern, Intervallsatz- und Modelldenken sowie spätromantischer Funktionsharmonik möglich: Methoden, die – Hand in Hand gehend – die dichotomische Unschärfe aufzuzeigen vermögen. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Sophia Susanne Westenfelder schloss ihr Masterstudium im Fach Musiktheorie im Jahr 2021 bei Prof. Dr. Dr. Benjamin Lang ab. Seit 2022 promoviert sie über tonale Anleihen in Thomas Adès' Personalstil bei ihm. Sie ist außerdem als Musikjournalistin tätig und schreibt für Magazine wie Opernwelt, VAN oder ... Sie hat für rbb Kultur als Musikredakteurin gearbeitet und gestaltet Konzerteinführungen für rennomierte Ensembles wie den RIAS Kammerchor oder die Berliner Philharmoniker. Sie ist Host und Produzentin des Podcast des RSB "Muss es sein?" in dem sie die Konzertprogramme des Orchesters vorstellt. | |


