26. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen
Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft
02. – 04. Oktober 2026
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsprogramm
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Die momentane Konferenzzeit ist: 01. Sept. 2026 11:05:02 MESZ
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Tagesübersicht |
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I. Musikalische Wahrnehmung und Gestalt Ort: Haus 1, Konzertsaal | |
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14:30 - 15:00
Einzelvortrag Themen: Sektion I: Musikalische Wahrnehmung und Gestalt Stichworte: Musik und Sprache, Intertextualität, Markierung, Gestaltwahrnehmung, Musikverstehen Gestaltwahrnehmung als intertextuelles Phänomen 1: HMTM Hannover; 2: UdK Berlin; 3: Universität Hildesheim „Musiktheorie beginnt mit Ontologie“ (Janz 2010, 217), sie beginnt mit der Frage danach, als was ein musikalischer Sinnzusammenhang aufgefasst bzw. aus welcher Perspektive er betrachtet wird. In diesem Vortrag werden musikalische Gegenstände unter drei ontologischen Annahmen untersucht: erstens die Sprachähnlichkeit von Musik, zweitens ihre intertextuelle Natur, drittens ihre Gestalthaftigkeit. Einem poststrukturalistischen Paradigma folgend, ist jeder Text (entsprechend jeder Musiktext), „Absorption und Transformation eines anderen Textes“ (Kristeva 1967, 337). Wenn Musik als intertextuelle Collage verstanden wird, muss aber auch angenommen werden, dass ein wahrnehmendes Subjekt die vielfältigen Textbeziehungen erkennt. Eine Weise, einen Text in einem anderen zu erkennen, vollzieht sich durch die Wahrnehmung von Gestalten. Basierend auf diesen drei Grundannahmen kategorisiert der Beitrag intertextuelle Phänomene in der Musik von der Renaissance bis zur Moderne auf der Basis eines hierarchisch strukturierten Modells textueller Einheiten: Es geht im ersten Schritt um die Benennung von Arten von Textbezügen und die Frage, welche Kategorien der Literaturwissenschaft (Genette 1993) sinnvoll auf Musik übertragen werden können. Im zweiten Schritt wird, ausgehend von einem von Broich und Pfister (Broich / Pfister 1985) für Sprachtexte eingeführten Konzept, die Stärke solcher Bezüge (intertextuelle Intensitäten) studiert. Zentral in diesem Zusammenhang sind die Begriffe Markierung und strukturelle Korrespondenz, in denen sich das analytische Potenzial der Gestaltgesetze nach Ehrenfels offenbart. Anhand ausgewählter Beispiele wird der Einfluss von Gestalthaftigkeit auf die Intensität von verschiedenartigen Bezügen zwischen Musiktexten untersucht. Referenzen: Broich, Ulrich / Manfred Pfister (1985), Intertextualität. Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien. Tübingen: Niemeyer. Genette, Gérard (1993), Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe, Frankfurt: Suhrkamp. Janz, Tobias (2010), »Qualia, Sound, Ereignis. Musiktheoretische Herausforderungen in phänomenologischer Perspektive«, in: ZGMTH 7/Sonderausgabe (2010), 217-239. Kristeva, Julia (1967), Bachtin, das Wort, der Dialog und der Roman, in: Texte zur Literaturtheorie der Gegenwart, hg. von D. Kimmich et al., Stuttgart: Reclam, 1996. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Martin Kohlmann studierte Kirchenmusik (M. Mus.) mit dem Schwerpunktfach Orgelliteraturspiel, Chor-/Ensembleleitung (M. Mus.) und Musiktheorie (M. Mus.) an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Er ist freiberuflich als Organist und Chorleiter tätig, zusätzlich unterrichtet er als Lehrbeauftragter für Musiktheorie und Gehörbildung an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, an der Universität der Künste Berlin und an der Universität Hildesheim. Als Organist pflegt er ein umfangreiches, epochenübergreifendes Repertoire und übernimmt die künstlerische Leitung einer Orgelkonzertreihe (Schweimb/John-Orgel von 1696/1707) in seiner Heimatstadt Salzgitter. Mit dem 2019 von ihm gegründeten professionellen Ensemble Vokalwerk Hannover führt er regelmäßig anspruchsvolle Chormusik auf; groß besetzte chorsinfonische Werke bilden daneben einen weiteren Repertoireschwerpunkt. Zahlreiche CD-, Video- und Rundfunkaufnahmen dokumentieren seine vielseitige künstlerische Arbeit. Im Bereich der systematischen Musiktheorie forscht er an der Schnittstelle von Musik und Mathematik (Habilitation 2016, Göttingen), Physik (Diplom 2009, Braunschweig), Sprachwissenschaft und Philosophie (u. a. musikalische Intertextualität, Zeitphänomene in der Musik, Geometrie und Harmonik), mit Kongressbeiträgen u. a. in Basel, Salzburg, Freiburg, Köln, Lübeck, Cottbus und Detmold. Kompositionen und Neueditionen sind u. a. in den Verlagen Dohr und Strube erschienen, musikpädagogische und fachwissenschaftliche Aufsätze u. a. im Journal of Mathematics and Music, in der Zeitschrift der Gesellschaft für Musiktheorie, Organ, Forum Kirchenmusik und Musica Sacra. | |


