
25. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Unschärfen, Leerstellen, blinde Flecken
17. - 19. Oktober 2025 | Musikhochschule Lübeck
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 24. Apr. 2026 13:47:08 MESZ
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Sitzungsübersicht |
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V. Freie Sektion
Sitzungsthemen: Sektion V – Freie Themen
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16:30 - 17:30
Diskussionsforum Themen: Sektion V – Freie Themen Stichworte: Musikanalyse, Musiktheorie, Musikwissenschaft, Interdisziplinarität Musikanalyse als kritische Praxis. Diskussion und Präsentation des „Handbuchs Musikanalyse. Pluralität und Methode“, Kassel: Bärenreiter/Metzler 2025 Ariane Jeßulat, Oliver Schwab-Felisch, Jan Philipp Sprick, Christian Thorau (Hg.) 1Universität der Künste Berlin, Deutschland; 2Technische Universität Berlin, Deutschland; 3Universität Potsdam, Deutschland; 4Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Deutschland Musikanalyse gehört zum Kern musiktheoretischer Arbeit. Kein Studium der Musik, Musiktheorie oder Musikwissenschaft kann auf sie verzichten. Analytische Perspektiven sind so individuell wie Musik selbst, erschließen interdisziplinäre Verbindungen und bilden ein Feld intensiver wissenschaftlicher Diskussionen. Neue methodische Ansätze sind in den vergangenen Jahrzehnten vor allem in der anglophonen Analysekultur entstanden. An den Schnittstellen von Musiktheorie zu verwandten Wissenschaften hat sich Musikanalyse in den letzten Jahrzehnten beträchtlich ausdifferenziert; ein Ende ihrer dynamischen Entwicklung ist nicht abzusehen. Das am 13. 5. 2025 bei Bärenreiter/Metzler erschienene Handbuch Musikanalyse informiert in mehr als 50 Essays internationaler Autorinnen und Autoren über historische wie aktuelle musikanalytische Theorien, Methoden und Diskurse, es reflektiert Grenzen und Potentiale und gibt Anstoß zu weiteren Diskussionen. Als Forschungshandbuch wie auch als Lehrtext an Universitäten, Hochschulen und Schulen ist das Handbuch Musikanalyse vielseitig einsetzbar. Die Buchvorstellung durch die Herausgebenden gibt Gelegenheit zum kritischen Austausch über die Publikation, aber auch über den Wandel analytischer Praxis in der Disziplin und über sie hinaus. In der Hochschullehre ist Musikanalyse ein Werkzeug der Professionalisierung. Dabei kann in den Hintergrund treten, dass Kriterien und Methoden nicht gegeben sind, sondern Resultate einer kritischen Praxis – insofern steht der Titel „Handbuch“ nicht für einen enzyklopädischen Wissensstand, sondern vielmehr für eine Sammlung höchst individueller Auseinandersetzungen mit aktuellen und älteren Theorien und Methoden, für einen Querschnitt eher als eine Landkarte. Die Präsentation des Buchs im Rahmen eines Diskussionsforums spiegelt die Pluralität von Analyse und bietet Raum für Fragen nach - den ideologischen Prämissen von Musikanalyse - den Interdependenzen von Analyse, Komposition und Interpretation - der interdisziplinären Verfasstheit von Musikanalyse - der digitalen Transformation musikanalytischer Ansätze - dem Umgang mit dem Strukturbegriff in analytischer Praxis Geplant sind ein Input der Herausgeber*innen in Form einer die Diskussion vorbereitenden Buchpräsentation (25 min) und ein Panel mit offener Diskussion (35 min). Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Ariane Jeßulat studierte Schulmusik und Musiktheorie an der UdK Berlin. 1999 promovierte sie an der UdK Berlin und habilitierte sich 2011 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2004 bis 2015 war sie Professorin für Musiktheorie an der Hochschule für Musik Würzburg. Seit 2015 ist sie Professorin für Musiktheorie an der Universität der Künste Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Musik des 19. Jahrhunderts, historische Improvisation seit dem 16. Jahrhundert und zeitgenössische Musik seit 1950. Von 2015 bis 2021 arbeitete sie im Redaktionsteam der ZGMTH, derzeit arbeitet sie im Redaktionsteam der Zeitschrift Musurgia. Seit 2020 ist sie PI im DFG-Graduiertenkolleg 2638 Normativität, Kritik, Wandel, seit 2021 leitet sie ein Teilprojekt im DFG-Sonderforschungsbereich 1512 Intervenierende Künste, seit 2025 ist sie PI im DFG/AHRC-Forschungsprojekt Technologies of Touch. Seit 1989 arbeitet sie als Komponistin und Performerin im Ensemble für zeitgenössische und experimentelle Musik die maulwerker. 17:30 - 18:00
Einzelvortrag Themen: Sektion V – Freie Themen Stichworte: Boulanger, Frankreich, Partimento, Mehrdeutigkeit Ein Partimento von Nadia Boulanger und harmonische Mehrdeutigkeit in der französischen Moderne 1Hochschule für Musik Karlsruhe, Deutschland; 2Hochschule für Musik Freiburg, Deutschland In jüngster Zeit erfahren immer mehr Komponistinnen, die sich zeitlebens in einer männlich dominierten Welt haben behaupten müssen, eine künstlerische und gesellschaftliche Würdigung. Eine herausragende Persönlichkeit, die an diesem Wandel einen wichtigen Anteil hat, ist Nadia Boulanger (1887-1979). Ein Blick auf die vorliegende Forschungsliteratur zeigt, dass Boulanger im musikwissenschaftlichen Diskurs der letzten Jahrzehnte vor allem als Pädagogin gewürdigt wird. Untersuchungen zu ihrer Person widmen sich vornehmlich biographischen Themen. Daneben waren bisher vor allem ihr Einfluss auf ihre Schüler sowie Anekdoten über die berühmten Musiker, mit denen sie zusammenarbeitete, von Interesse. Ihre Musik selbst bleibt bei alldem jedoch deutlich im Hintergrund. Neben dieser fehlenden kompositorischen Würdigung zeigt sich außerdem noch ein weiteres Desiderat der Boulanger-Forschung: Zwar wurden ihre Unterrichtsprinzipien und -formate eingehend beschrieben; der konkrete Inhalt ihres Unterrichts ist meines Wissens aber noch gänzlich unerforscht. Neben der von ihr im Unterricht ausgiebig genutzten Sammlung von 178 bezifferten Bässen Paul Vidals (1863-1913) sind durch eine 2006 von Narcís Bonet veröffentlichte Edition der Vidal-Übungen auch eine Handvoll Partimenti überliefert, die Boulanger selbst verfasst hat. Im Zentrum meines Vortrags steht das erste dieser Partimenti in b-Moll. Anhand einer eingehenden Analyse arbeite ich unter Bezugnahme auf historische Quellen und Beispiele aus der Kompositionspraxis insbesondere die von ihr genutzten Techniken zur Erzeugung harmonischer Mehrdeutigkeit, also von Akkorden und Klangprogressionen, die unterschiedliche harmonische Möglichkeitsräume eröffnen, heraus. Neben dem verminderten Septakkord macht Boulanger in diesem Partimento dazu Gebrauch von doppelt verminderten Septakkorden, frei leittönigen Akkordauflösungen und Mixturtechnik. Mein Vortrag verdeutlicht, wie diesen Elementen eine entscheidende Rolle bei der Weitung des harmonisches Raumes und der damit zur Geltung kommenden ,modernen‘ französischen Tonsprache in Boulangers Partimenti zukommt. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Jakob Bonasera, geboren 1999. Studium der Fächer Künstlerisches Lehramt an Gymnasien (Schulmusik), Geographie und Musiktheorie in Karlsruhe (Michael Moriz) sowie Freiburg (Ludwig Holtmeier, Hans Aerts, Robert Bauer). Zwischen 2023 und 2024 Lehraufträge in Karlsruhe und Detmold, 2024-2025 akademischer Mitarbeiter für Musiktheorie und Gehörbildung an der HfM Karlsruhe, zusätzlich ebenda Vertretung einer Professur für Musiktheorie. | ||