
25. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Unschärfen, Leerstellen, blinde Flecken
17. - 19. Oktober 2025 | Musikhochschule Lübeck
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
Bitte beachten Sie, dass sich alle Zeitangaben auf die Zeitzone des Konferenzortes beziehen.
Die momentane Konferenzzeit ist: 24. Apr. 2026 13:47:07 MESZ
|
Sitzungsübersicht |
| Sitzung | ||
II. Zeitgenössische Musik
Sitzungsthemen: Sektion II – Zeitgenössische Musik
| ||
| Präsentationen | ||
9:00 - 9:30
Einzelvortrag Themen: Sektion II – Zeitgenössische Musik, Sektion IV – Das (un-)scharfe Gehör Stichworte: Georg Friedrich Haas, Mikrotonalität, Spektren, Obertonakkorde Spektrenbehandlung in „11.000 Saiten“ von Georg Friedrich Haas Konservatorium Bozen, Italien In 11.000 Saiten für 50 im Raum verteilte Klaviere im Hundertsteltonabstand und Kammerorchester von Georg Friedrich Haas sind die 50 Pianinos im Abstand von 2 Cent voneinander gestimmt, d. h. der Abstand zwischen dem am höchsten und dem am tiefsten gestimmten Klavier beträgt einen Halbton minus 2 Cent. Dies bietet dem Komponisten die Gelegenheit, diesen einzigartigen Klangkörper in ein einziges mikrotonales Instrument zu verwandeln, das eine Art weißes Rauschen erzeugt, denn die zwölf Tonhöhen des temperierten Systems sind mal 50 verschiedene Stimmungen zu vervielfachen. Diese dadurch intonationsrein gewordenen Spektren werden ständigen Verschiebungen unterzogen. Die konsequente Vermeidung jedes Unisonos im Sinne der Klangspaltung führt zu einer permanent lebendigen, vibrierenden weil nicht temperierten Klangqualität. Darüber hinaus lotet der Komponist die Wege einer räumlich gestaffelten Klangrotation aus. Dieses so vielfältige und facettenreiche Klangmaterial (Obertonakkordbrechungen und -tremolos, mikrotonale Clusters, mikrotonal verschobene Dreiklangketten, vielfach aufeinander gestapelte Klangschichten) wird anhand einer Adaption von Lewins und Rings´ Transformational Theory angegangen. Auf diese Weise wird Einsicht gewährt in die komplexen Verfahrensweisen, anhand derer dieses gut einstündige Werk ausgestaltet wurde. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Pierluca Lanzilotta (Genua 1965) lehrt Musikgeschichte in deutscher Sprache am Konservatorium Bozen (Südtirol). Er hat u. a. ein Studium des Klaviers und eines der Komposition (einschließlich eines postgradualen Lehrgangs in Basel bei Georg Friedrich Haas) abgeschlossen. Als Musikwissenschaftler beschäftigt er sich unter anderem mit Fragen der historischen Aufführungspraxis in der Musik des Spätmittelalters und mit dem Einsatz der Elektronik im zeitgenössischen Spektralismus. 9:30 - 10:00
Einzelvortrag Themen: Sektion II – Zeitgenössische Musik, Sektion V – Freie Themen, Sektion VI – Offene Studierenden-Sektion Stichworte: Zeitgenössische Musik, Mikrotonalität, alternative Stimmungen, Georg Friedrich Haas, Streichquartett „…gesucht ist ein freies Gleiten durch unbekannte Tonräume“ – Mikrotonale Kompositionstechniken in den Streichquartetten von Georg Friedrich Haas Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart, Deutschland Die Werke von Georg Friedrich Haas gehören zu den eindrucksvollsten Beispielen mikrotonalen Komponierens in der zeitgenössischen Musik. Die Streichquartette von Haas, die abgesehen vom 3. Streichquartett in der Literatur kaum Niederschlag gefunden haben, sind dafür beispielhaft: Mit elf Quartetten liegt nicht nur ein umfassender Werkbestand vor, sondern auch eine Gattung, die sich besonders für mikrotonales Komponieren anbietet. So lassen sich verschiedene Strategien zur Erweiterung des bisherigen Tonsystems darstellen. Durch mikrotonale Skordatur der Saiten (z.B. Streichquartett Nr. 1), durch die Obertonvielfalt mittels Flageoletts oder Glissandi (um nur einige Möglichkeiten zu nennen) lässt sich dabei theoretisch jedes (mikrotonale) Intervall in jedem denkbaren Tonsystem darstellen. Der Vortrag untersucht die mikrotonalen Tonsysteme und die sich daraus ergebenden kompositionstechnischen Konsequenzen exemplarisch an ausgewählten Quartetten (u. a. Streichquartett Nr. 1, Nr. 6, Nr. 8) und fragt nach ihrer musiktheoretischen Erfassbarkeit. Im Zentrum steht die Frage, wie sich Haas’ mikrotonale Verfahren jenseits einer auf Tonhöhenschrift fixierten Theorie beschreiben und analysieren lassen. Ergänzende Aspekte dabei sind das Verhältnis von kompositorischer Konstruktion und klanglicher Wahrnehmung sowie das Spannungsfeld zwischen Notation und Realisation. Zudem erfolgt eine kompositionsgeschichtliche Kontextualisierung – im Hinblick auf spektrale Denkweisen, historische Bezugnahmen (u. a. Wyschnegradsky) sowie auf Haas’ eigene ästhetische Positionierungen. Im 6. Streichquartett beispielsweise sind die IV. Saiten der 2. Violine und Viola mikrotonal umgestimmt, während die Quinten der restlichen Saiten in reiner Stimmung gestimmt sind. Durch diese Verstimmung zielt Haas auf eine „Verunsicherung des Hörens, eine konsequente Zerstörung der tonalen Fixpunkte – gesucht ist ein freies Gleiten durch unbekannte Tonräume“. Inwiefern sich diese ästhetische Zielsetzung kompositionstechnisch im 6. Streichquartett niederschlägt und welche weiteren mikrotonalen Techniken Haas in seinen übrigen Streichquartetten einsetzt, gilt es nachzuspüren. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: David Florian Müller (*1999) hat einen Masterabschluss im gymnasialen Lehramt mit den Fächern Musik (Hauptfach Klavier) und Mathematik erworben. Seinen Bachelor in Musiktheorie bei Prof. Bernd Asmus schloss er 2023 an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart ab. Derzeit studiert er dort im Master Musikwissenschaft (mit künstlerischem Hauptfach Klavier) sowie Musiktheorie bei Prof. Dr. Hubert Moßburger und Prof. Bernd Asmus. Auslandssemester führten ihn an die Kunstuniversität Graz und die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. 10:00 - 10:30
* * Beitrag fällt aus! Einzelvortrag Themen: Sektion VI – Offene Studierenden-Sektion Stichworte: Zeitgenössische Musik, Orchesterwerke, Analyse, Querverweise alter und neuer Musik Dieter Ammann: Aus ,alten‘ Formen eine Neue Musik Hochschule für Musik Mainz / Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutschland Der Schweizer Komponist Dieter Ammann ist für seine langsame Arbeitsweise bekannt. So sind in den vergangenen 30 Jahren nicht besonders viele Werke entstanden, aber gleichzeitig ist seine Musik höchst raffiniert, feinfühlig und – nach seinem langjährigen Weggefährten Wolfgang Rihm – „triftig“. „Nichts ist am ,falschen Platz‘“, beobachtet wiederum Thoma Schulz, „alles hat seinen Sinn in der kleinsten metikulösen Art und Weise“. Ammanns Schaffen besteht hauptsächlich aus Instrumentalmusik; vieles davon sind Kammermusikwerke, jedoch steht im Mittelpunkt vor allem das Orchester, „der schönste Anachronismus unserer Zeit“, so Ammann. Die Auseinandersetzung mit musikgeschichtlichen Entwicklungen und gattungsmäßigen Traditionen steht dabei im Zentrum von Ammanns Ästhetik. Vielfach sucht er nach Symbiosen neuer und alter Kompositionstechniken. Beispielsweise sind die formalen Strukturen seiner Musik eng mit wesentlichen Aspekten der historischen Formenlehre verbunden – etwa in Bezug auf seinen Umgang mit wiederkehrenden Formteilen und Motiven. Ammann aktualisiert diese Techniken sogar werkübergreifend. So beziehen sich Formteile der einzelnen Kompositionen des Orchester-Triptychons Boost (2000/01) Core (2002) und Turn (2010) in Form von Zitaten und Allusionen direkt aufeinander. Auch sein Klavierkonzert Gran Toccata (2016/19) und das Orchesterwerk Glut (2014/16) weisen unübersehbare Verwandtschaften auf, und das Kammermusikwerk Le reseau des reprises (2014) stellt sogar das musikalische Phänomen der Reprise in den Mittelpunkt. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Benjamin Janisch (*1997) wurde in der USA geboren. In 2021 schloss er Komposition bei Prof. Dieter Mack und in 2023 Musiktheorie bei Prof. Sascha Lino Lemke in Lübeck ab. Seit 2023 studiert er an der HfM Mainz im Master Musiktheorie bei Prof. Immanuel Ott und Prof. Birger Petersen. | ||