
25. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Unschärfen, Leerstellen, blinde Flecken
17. - 19. Oktober 2025 | Musikhochschule Lübeck
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 24. Apr. 2026 12:12:11 MESZ
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Sitzungsübersicht |
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V. Freie Sektion
Sitzungsthemen: Sektion V – Freie Themen
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14:30 - 16:00
Vortragspanel Themen: Sektion V – Freie Themen Stichworte: Analyse, romantische Harmonik, 19. Jahrhundert, Krise, Geschichte der Musiktheorie Die „Krise“ der romantischen Harmonik – eine analytische Notwendigkeit 1Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart, Deutschland; 2Hochschule für Musik Basel FHNW, Schweiz; 3Hochschule für Musik Freiburg, Deutschland; 4Schola Cantorum Basiliensis, Schweiz Die Rede von Krisen ist derzeit allgegenwärtig. Gemeint ist damit meist eine Häufung von komplexen Problemen, die mit einfachen Mitteln nicht lösbar erscheinen. Im musiktheoretischen Kontext ist „Krise“ vor allem mit Ernst Kurths Diktum der „Krise der romantischen Harmonik“ verbunden. Kurths Diagnose von einer Krise als „nicht nur der Gipfelung sondern auch genial gedrängter Zusammenfassung von Entwicklungsvorgängen“ soll im Panel aus heutiger analytischer Perspektive nachgegangen werden. Welche Mittel stehen uns heute 100 Jahre nach Kurth zur Verfügung, um die Musik des 19. Jahrhunderts zu betrachten und zu beschreiben? Welche „Einzelzüge“ und welche „Fäden“ (um mit Kurth zu sprechen) interessieren uns heute und was sagen sie uns über die Musik der Zeit? Kompositionen exemplifizieren als klingende Repräsentanten die von Kurth benannte Krise; in ihnen sollten also die „Einzelzüge“ und die „rücklaufenden Fäden“ auffindbar sein. Im Laufe der Kompositionsgeschichte haben sich auf betrachtender Seite unterschiedliche Techniken entwickelt, in denen u.a. harmonische Aspekte beschrieben, vermittelt und zunehmend systematisiert wurden. Im Panel sollen die Fäden durch die Anwendung dieser unterschiedlichen Techniken – seien es die der Generalbass- und Kompositionslehren, Fundament-Bass orientierte Systeme wie die Stufen- oder Funktionstheorie, aber auch über die Tonalität hinausweisende Theorien wie Neo-Riemannian oder Pitch-Class-Theory – in der Musik auffindbar gemacht und in ihrem Zusammenspiel darstellbar werden. Es wird dabei Bezug genommen auf Fragen der Beschreibung von Klangprogressionen, mit denen Theoretiker sich in unterschiedlichen Zeiten auseinandergesetzt haben. Die Übernahme und Überformung von Mustern vorhergehender Epochen ist dabei – sowohl in der Theorie als auch in der (kompositorischen) Praxis – entscheidender Bestandteil in der Entwicklung von Musik und ihrer Sprache. Faszinierend an der Musik der (Spät-) Romantik ist insbesondere der hohe Grad an Individualisierung, der sich auch in der unterschiedlichen Gestaltung einzelner Passagen eines Werkes zeigen kann – eine Individualisierung, die sich u.a. in Hinblick auf die Auswahl und Einbindung der rücklaufenden Fäden beschreiben lässt. Der im Panel vorgestellte pluralistische Analyse-Ansatz ist dabei im besten Sinne historisch verortet, als dass er in der Lage ist, die Elemente der unterschiedlichen Epochen in ihrer Etablierung, Entwicklung, Ausdifferenzierung, und Hybridisierung aufzuspüren, darzustellen und deren Zusammenspiel aufzuzeigen. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Tanja Spatz studierte Musiktheorie und Gehörbildung im Master an der HfM Freiburg. Nach ihrem Studium arbeitete sie im Projekt "Musiktheorie verbindet" (HMTM Hannover) an der Vernetzung mit Akteuren der außer- und vor-hochschulischen Musiktheorie. Nach einigen Jahren an der HfM Freiburg lehrt sie zur Zeit als Dozentin an der HMDK Stuttgart im Bereich Musiktheorie/Hörerziehung. Ergänzend dazu forscht sie zu Generalbass-Traktaten aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in London. | ||