
25. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Unschärfen, Leerstellen, blinde Flecken
17. - 19. Oktober 2025 | Musikhochschule Lübeck
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 24. Apr. 2026 12:12:07 MESZ
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Sitzungsübersicht |
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II. Zeitgenössische Musik
Sitzungsthemen: Sektion II – Zeitgenössische Musik
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16:30 - 17:00
* * Beitrag fällt aus! Einzelvortrag Themen: Sektion II – Zeitgenössische Musik Stichworte: Morphologie, musikalische Gestalten, Musem, Morphem, musikalische Massen Wie sich die musikalischen Gestalten der zeitgenössischen Musik beschreiben lassen Hamburg, Deutschland Was sind musikalische Gestalten? Welche Gestalten gibt es und mit welchen Vokabeln lassen sie sich belegen? Wo liegen die Unterschiede der Gestalten der traditionellen Musik (etwa Motive, Melodien, Themen) zu jenen der Neuen Musik (etwa Figuren, Gruppen, Massen, Texturen)? Gibt es jenseits der Unterschiede Gemeinsamkeiten, und falls ja, wie lassen sie sich begrifflich darstellen? Es sind dies die Fragen, die am Anfang meines 2022 in Buchform veröffentlichten Dissertationsprojektes Morphologie in der Musik. Struktur und Gestalt in der komponierten Kunstmusik, insbesondere seit 1950 standen und die ich in seinem umfangreichsten Kapitel, jenem zum Phänomen der musikalischen Gestalt, zu beantworten suchte. Die wesentlichen Ergebnisse dieses Kapitels fasse ich in meinem Vortrag zusammen und konzentriere mich dabei auf dreierlei: erstens, auf die Terminologie, mit der sich musikalische Gestalten technisch präzise beschreiben lassen. Zentral ist hier der Begriff des „Muphems“, des musikalischen Morphems, der eine Erweiterung des von Charles Seeger ersonnenen Begriffs des „Musems“, des kleinsten musikalischen Teilchens, darstellt. Alsdann, zweitens, führe ich anhand zweier Stückausschnitte Beethovens und Brian Ferneyhoughs vor, wie sich die musikalische Analyse solch Begriffsrepertoire zu eigen machen kann. Schließlich, drittens, handle ich von dem vielleicht jüngsten Gestalttyp der komponierten Kunstmusik, der musikalischen Masse, und lege dar, welcherart musikalische Massen sich von anderen Gestalttypen unterscheiden. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Adrian Kleinlosen, geboren 1987 in Wyk auf Föhr, studierte der Komponist zunächst Jazz-Posaune und schloss 2011 mit einem Bachelor of Arts an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz ab. Parallel dazu erhielt er mehrere Stipendien und Auszeichnungen, darunter den Ehrenpreis der Universität Graz. 2013 erwarb er einen Master of Arts in Komposition an der Hochschule Luzern. Anschließend studierte er Komposition an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. Seine Arbeit wurde durch zahlreiche Stipendien gefördert, darunter das Friedrich-Ebert-Stipendium. Seine Forschung führte 2021 zum Doktor der Musikwissenschaften. Er war mehrfacher Stipendiat in Künstlerresidenzen in Deutschland und Italien. 2021-2022 studierte er im DMA-Programm für Musikkomposition an der UC Santa Cruz, USA. Zuletzt komponierte er das große, komplexe und mikrotonale Werk Stufen für zwei vierstimmige Chöre, acht Posaunen und zehn Streicher. 17:00 - 17:30
Einzelvortrag Themen: Sektion II – Zeitgenössische Musik Stichworte: An Index of Metals, Video-Oper, Fausto Romitellis, Loop, Analyse Loop unter der Lupe – Ein Analyseversuch von „An Index of Metals“ von Fausto Romitelli 1Musikhochschule Lübeck, Deutschland; 2Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Deutschland; 3Hochschule für Musik und Theater Rostock, Deutschland Das Werk An Index of Metals (2003) ist Fausto Romitellis letzte Komposition. Als ein Schmied der Klänge wollte Romtelli dem Klang eine Materialität geben, sich an den Grenzen von Wahrnehmung und Halluzination bewegen sowie den Klang sichtbar machen. In Zusammenarbeit mit der Librettistin Kenka Lekovich und den Videokünstlern Paolo Pachini und Leonardo Romoli entstand ein Gesamtkunstwerk, das laut Martin Hiendl an Wagner oder Skrjabin erinnert; das Publikum soll alle Genres von Kunst als eine Erlebnismaterie erfahren und darin eintauchen, oder – in den Worten des Komponisten – wie eine „rituelle Soundmesse“. Ein wesentliches Element, um diesen musikalischen Ausdruck zu erreichen, ist die Verwendung von Repetitionen und mehr oder weniger veränderten Wiederholungen, also verschiedene Arten von Loop. Mehrfache Wiederholung dient dazu, rituelle und tranceartige Erfahrungen auszulösen (Rolf Großmann). Statt im Elfenbeinturm zu bleiben, hat sich Romitelli kompositorisch mit Einflüssen der Popmusik (wie z. B. Pink Floyd oder Brian Eno), der technologischen Musikverarbeitung und der Medienlandschaft auseinandergesetzt. Hierbei spielen verschiedenste Arten von Repetitionen eine große Rolle. In diesem Vortrag möchte ich daher Loop unter die Lupe nehmen, von unveränderten Repetitionen der gleichen Figur wie in technisch ganz einfachen Loops bis zu sich mit jeder Wiederholung wandelnden Elementen, die Loopwirkungen mit musikalischer Entwicklung verknüpfen. Die Analyse zeigt, dass Romitelli wiederholte Elemente in verschiedenen Funktionen einsetzt. Dazu gehören harmonische Grundlagen (Bassostinati), Übergänge zwischen Formteilen, Lenkung der dramaturgischen Entwicklungsprozesse, für Instrumente komponiert oder als Teil der Zuspielung, auf Ebene der Makro- und Mikrostruktur. Ziel der Untersuchung ist es, sich Loops zu lokalisieren, zu kategorisieren und deren Rolle für das Stück herauszuarbeiten und in Verbindung zur Musik anderer zu setzen. Dieser Vortrag setzt den Schwerpunkt auf Loop als formbildendes Element, und berücksichtigt davon ausgehend noch weitere Aspekte wie Pendeln zwischen verschiedenen Materialien, serielle Gestaltungsprinzipien sowie spektrale Kompositionstechniken, um einen Überblick über die Struktur und Form des Werkes zu erlangen. Er ist eine musiktheoretische Annäherung die für in einem Kongresskonzert zu hörende Komposition, die zwar strukturell komplex, aber auch sinnlich ist. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Ya-Chuan Wu begann ihre musikalische Ausbildung mit Klavier. Ab dem Alter von acht Jahren nahm sie an einem Frühstudienprogramm teil und gewann mehrere Wettbewerbe in ihrer Heimat. Später spielte die Querflöte eine größere Rolle, dieses Instrument studierte sie an der TNUA in Taipeh und der HMT Rostock. Anschließend folgte ein weiteres Studium in Musiktheorie und Gehörbildung an der MH Lübeck bei Prof. Dr. Oliver Korte. Derzeit unterrichtet sie an den Musikhochschulen in Lübeck, Hamburg und Rostock. 17:30 - 18:00
Buchpräsentation Themen: Sektion II – Zeitgenössische Musik Stichworte: (Post-)Spektralismus, analoge Effektmaschinen, Looptechnik, Sound, Körperlichkeit Klangrausch und Dystopie. Der Komponist Fausto Romitelli, Olms 2025 Musikhochschule Lübeck, Deutschland Fausto Romitelli, geboren 1963 in Gorizia, ist einer der bedeutendsten Komponisten seiner Generation. Er studierte zunächst in Italien, u.a. bei Umberto Rotondi und Franco Donatoni. Im Jahr 1990 zog er nach Paris, um seine Studien am IRCAM fortzusetzen. Dort fand er die Werkzeuge zur Entwicklung seines unverwechselbaren „Sounds“, welchen er selbst, „schmutzig, verzerrt, gewaltsam [und] visionär“ nennt. Besonders bekannt wurde sein Triptychon Professor Bad Trip, Lesson I-III, ein Werk, welches von den Meskalin-Protokollen Henri Michauts ebenso inspiriert ist, wie vom Psychedelic Rock der 60er und 70er Jahre. Viel zu früh starb Romitelli im Jahr 2004. Sein Schaffen ist heute ein Referenzpunkt für viel jüngere Komponistinnen und Komponisten, bspw. die Gruppe der „Saturisten“. Bei der Neuerscheinung, die auf dem GMTH-Kongress vorgestellt werden soll, handelt es sich um die mit Abstand umfangreichste Publikation zu Romitelli und zugleich um das erste ausschließlich Romitelli gewidmete Buch in deutscher Sprache. Der Band enthält vier Essays zu Romitellis Stil im Kontext der Musik um die Jahrtausendwende sowie zwölf umfangreiche Werkanalysen, welche sämtlich auch das in der Fondazione Giorgio Cini in Venedig verwahrte Skizzenmaterial berücksichtigen. Zu den diskutierten kompositionstechnischen Aspekten zählen:
Der Band ist auch eine repräsentative Quellensammlung. Er vereint sämtliche Schriften Romitellis in ihrer jeweiligen Originalfassung nebst deutscher Übersetzung. Ferner enthält er erstmals ein komplettes Werkverzeichnis, eine Diskografie und eine umfangreiche Bibliographie zur Romitelli-Forschung. Ein Großteil des internationalen Autorenteams wird bei der 25. Jahrestagung der GMTH anwesend sein. Gemeinsam wollen sie einen kurzen Einblick in den neuen Band geben, und dabei den Fokus besonders auf analytische Fragestellungen richten, auf Romitellis Kompositionswerkstatt, und seine Ideen von „Sound“ vor dem Hintergrund der Entwicklungen im 20. und 21. Jahrhundert beleuchten. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Oliver Korte ist Komponist, Musiktheoretiker und Musikwissenschaftler; seit 2006 ist er Professor für Musiktheorie an der Musikhochschule Lübeck, seit 2020 dort auch Vizepräsident. Zuvor lehrte und forschte er an der UdK Berlin und der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin sowie der Hochschule für Musik und Theater Rostock; eine Gastprofessur führte ihn 2017/18 nach Mainz an die Johannes Gutenberg Universität. Korte ist Mitglied der European Academy of Sciences and Arts. Er studierte Komposition, Musiktheorie und Musikwissenschaft in Hamburg, Wien und Berlin und wurde mit einer Arbeit über Bernd Alois Zimmermann promoviert. Seine Forschungsschwerpunkte sind Musik des 20./21. Jahrhunderts (Publikationen u.a. zu Haas, Nono, Romitelli, Webern und Zimmermann), Kompositionstechnik um 1500, sowie Beethoven und Mahler. Kortes vielfältiges kompositorisches Schaffen ist mehrfach preisgekrönt – sein bislang umfangreichstes Werk, die abendfüllende ,Raum-Oper‘ Copernicus für Stimmen, Orchester und Elektronik, erlebte ihre Uraufführung 2015 in Dresden. | ||