
25. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Unschärfen, Leerstellen, blinde Flecken
17. - 19. Oktober 2025 | Musikhochschule Lübeck
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 24. Apr. 2026 13:47:29 MESZ
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Sitzungsübersicht |
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V. Freie Sektion
Sitzungsthemen: Sektion V – Freie Themen
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16:30 - 17:00
Einzelvortrag Themen: Sektion V – Freie Themen Stichworte: Richard Strauss, vier letzte Lieder, Leitmotiv, September, Orchesterlieder Leitmotivik in den „Vier letzten Liedern“ von Richard Strauss 1Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart, Deutschland; 2Berufsfachschule für Musik Krumbach, Deutschland Die Vier letzten Lieder für Sopran und Orchester nach Texten von Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff komponierte Richard Strauss von Mai bis September 1948, ein Jahr vor seinem Tod. Diese als Schwanengesang bezeichneten Orchesterlieder zählen zu seinen populärsten Werken. In der Literatur der letzten Jahrzehnte wurden diese Lieder vor allem aus biografischer und harmonischer Perspektive, aber auch in Bezug auf die Textauslegung, ausführlich besprochen. Weniger beleuchtet wurde die Tatsache, dass jedem Lied zwei bis drei Leitmotive zugrunde liegen, die bei einigen Liedern beinahe das ganze thematische Material ausmachen. Jedes zentrale Element oder jede zentrale Idee eines Gedichts ist an ein semantisch eindeutiges Leitmotiv gekoppelt, welches sowohl in der Gesangstimme als auch im Orchester präsent ist. Im Lied September sind drei Leitmotive zu beobachten: Wörter wie ‚kühl‘, ‚Ende‘ und ‚Sterben‘ (todesnahe Elemente) werden mit einem ersten Leitmotiv verbunden, das unter anderen von fallenden Schritten und Vorhalten geprägt ist. Das wiederholt vorkommende Wort ‚Sommer‘ sowie die damit symbolisch verbundene ‚Rose‘ werden einem lebendigen kontrastierenden Leitmotiv zugeordnet. Zuletzt werden Naturelemente wie ‚Garten‘, ‚Regen‘, ‚Blätter‘ usw. systematisch mittels punktierter Rhythmen und Arpeggio-Begleitungen vertont. Im ersten Teil des Vortrags soll die Leitmotiv-Technik im Lied September exemplarisch besprochen werden. Dazu zählen beispielsweise Aspekte wie die akribische Genauigkeit der Leitmotive bei der Textausdeutung, die Bildung von Kantilenen und kontrapunktischen Geflechten basierend auf der Kombination von Leitmotiven und die Rolle der Leitmotive in den langen – an sinfonische Dichtungen erinnernden – Vor- und Nachspielen. Im zweiten Teil des Vortrags werden die Hintergründe der Leitmotivik in den Vier letzten Liedern aus einer breiteren Perspektive betrachtet. Bereits um 1900 bemerkte Eduard Hanslick, dass die neuen Orchesterlieder „schwer zu klassifizieren“, und „weder Lied noch Arie, noch dramatische Scene“ seien. In gewisser Weise rückte der „Orchestergesang“ (wie ihn Hermann Danuser nennt) in die Nähe des Opernhaften. Dadurch liegt es nahe, dass Leitmotive in diesen Liedern eine wichtige Rolle spielen. In Verbindung damit wird untersucht, inwieweit in den früheren Orchesterliedern von Strauss eine vergleichbare Leitmotivik zu sehen ist. Ist das Vorhandensein von gegensätzlichen Elementen wie das Leben und der Tod in den Gedichten der Vier letzten Lieder ausschlaggebend für seine Arbeit mit Leitmotiven? Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Unai Ruiz de Gordejuela wurde 1995 in Mendaro (Spanien) geboren und wuchs in einer musikalischen Familie auf. Von 2013 bis 2016 studierte er Violoncello an der Musik-Akademie Basel bei Rafael Rosenfeld und bekam weitere wertvolle Impulse bei Violoncello- und Kammermusikmeisterkursen unter anderen von Sol Gabetta, Nikolas Altstaedt, Eberhard Feltz und Ferenc Rados. Darauf folgte ein Musiktheorie-Studium an der HMDK Stuttgart bei Bernd Asmus mit einer Abschlussarbeit über Johann Sebastian Bachs zweistimmige Inventionen. 2023 schloss er mit Auszeichnung ebenda ein Musiktheorie-Masterstudium bei Dr. Hubert Moßburger mit einer Abschlussarbeit über Autonomie und Heteronomie in Richard Strauss´ Don Quixote ab. 2023 und 2024 war er Preisträger bei den künstlerischen Wettbewerben der deutschen Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH). Unai hält Vorträge bei internationalen Musiktheorie-Tagungen und ist auch als Kammermusiker und Chorleiter tätig. Neben seiner intensiven Lehrtätigkeit im musiktheoretischen Bereich der BFSM-Krumbach hat er seit dem Wintersemester 2024-2025 einen Lehrauftrag für Musiktheorie an der HMDK Stuttgart. 17:00 - 17:30
Einzelvortrag Themen: Sektion V – Freie Themen, Sektion VI – Offene Studierenden-Sektion Stichworte: Alkan, Klangfarbe, Charakterstück, Analyse The Timbral Features of Alkan’s “Les Diablotins” (op.63 no.45) Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Österreich Charles Valentin Alkan (1813-1888) was a renowned pianist and composer in 19th century Paris. Nevertheless, his oeuvre never became an essential part of the musical canon and his unique compositional style remains largely unfamiliar. As a result, some moments in Alkan’s music, containing rather exceptional features, sound inscrutable to contemporary listeners. Numerous performers and musicologists who have shown an increasing interest in Alkan’s music over the last five decades believe him worthy of renewed attention. Their agenda has been to grant him his ´rightful´ position in music history. The strategy taken by most researchers is to emphasize points of resemblance between Alkan’s compositions and those of his better-known contemporaries. Rather than following that strategy, my research project focuses on Alkan’s musical attributes that differ from those of 19th century canon, using the 49 short piano pieces of his Esquisses (Op. 63) as case studies. Upon reviewing these pieces, it seems that their most distinctive attribute is their unique timbral character, revealing the rich sonorous diversity of the piano. It is achieved by incorporating timbral features - stylistic characteristics which enhance the timbral properties of the musical material. These timbral features and their prominence in Alkan’s compositional technique are clearly evident in the 45th piece of Esquisses, Les Diablotins. In this striking example, features such as non-tertian harmony, excessive repetition, extreme registration, and sustained sonorities are integrated, establishing a highly vivid and sensual musical experience. In this lecture, Alkan’s timbral features will be introduced and demonstrated through the intriguing case of Les Diablotins. It will be shown how these features are used to form and transform the musical motifs of Les Diablotins, as well as to depict the extra-musical character of this piece, as implied by its programmatic title. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Ari Rabenu (b. 1990) is a composer, researcher and notation editor. He finished his Master’s degree in Composition (Summa Cum Laude) and a diploma in music education at Tel-Aviv University. In addition, Rabenu completed his postgraduate studies in composition at the University of Music and Performing Arts Vienna (MDW) in the class of Professor Detlev Müller Siemens. His works have been performed in Vienna, Berlin, Budapest and Tel Aviv. 17:30 - 18:00
Einzelvortrag Themen: Sektion VI – Offene Studierenden-Sektion Stichworte: Komponistinnen; Analyse; Kammermusik; Spätromantik; Moderne Zwischen Spätromantik und individueller Klangsprache: Dora Pejačevićs Klavierquartett d-Moll op. 25 im Kontext ihrer Kammermusik Hochschule für Musik Würzburg, Deutschland Die kroatische Komponistin Dora Pejačević (1885–1923) wird heute vergleichsweise wenig rezipiert, obwohl ihre Beiträge zur mitteleuropäischen Musik des frühen 20. Jahrhunderts umfangreich sind – ein Umstand, der mutmaßlich auch mit ihrer Position als Frau in einer männlich dominierten Musiklandschaft zusammenhängt. Exemplarisch wird anhand des Klavierquartetts d-Moll op. 25 (1910) ihre individuelle Tonsprache aufgezeigt, die spätromantische Ausdruckskraft (bspw. durch harmonische Kontraste und schnelle dynamische Wechsel) mit struktureller Klarheit verbindet. Der Vortrag widmet sich der Faktur dieses Werkes im Kontext von Pejačevićs kompositorischer Entwicklung. Im Fokus steht die Analyse formaler, harmonischer und motivischer Strukturen, die sowohl traditionsverbundene als auch innovative Merkmale aufweist. Die Untersuchung zeigt, wie sich Pejačević romantischer Idiome – etwa Brahms’scher motivisch-thematischer Arbeit oder der klanglichen Dichte von Max Reger – bedient, zugleich aber eine unverwechselbare Handschrift entwickelt. Sie ist durch den fein nuancierten Einsatz der Instrumente, kontrapunktische Verdichtung und expressive Harmonik geprägt und weist über den stilistischen Rahmen der Spätromantik hinaus. Ein Ausblick auf Einflüsse und stilistische Parallelen zu Zeitgenossen wie Alexander Zemlinsky, Erich Wolfgang Korngold und Richard Strauss beleuchtet die Einbindung Pejačevićs in die musikalische Moderne Mitteleuropas. Die Analyse versteht sich als Beitrag zur vertieften musiktheoretischen Auseinandersetzung mit Pejačevićs Werk und zur Erweiterung des Kanons, der bislang vor allem durch männliche Komponisten geprägt ist. Sie zeigt die komplexe Faktur ihrer Kammermusik als Ausdruck einer eigenständigen ästhetischen Position im Übergang von der Romantik zur Moderne. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Paula Kaiser absolvierte ein Lehramtsstudium mit den Fächern Musik und Latein an der HfM Würzburg und studiert derzeit dort Musiktheorie bei Prof. Friedemann Brennecke, Prof. Almut Gatz und Prof. Matthias Tschirch. | ||