
25. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Unschärfen, Leerstellen, blinde Flecken
17. - 19. Oktober 2025 | Musikhochschule Lübeck
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 24. Apr. 2026 13:47:29 MESZ
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Sitzungsübersicht |
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V. Freie Sektion
Sitzungsthemen: Sektion V – Freie Themen
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14:30 - 16:00
Vortragspanel Themen: Sektion V – Freie Themen Stichworte: Symphonische Dichtung, Geschichte der Musiktheorie, Musikkritik, Bearbeitung Symphonische Dichtung – Komposition, Analyse und Interpretation Hochschule für Musik Mainz / Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutschland Symphonische Dichtungen stellen einen besonderen Schnittpunkt zwischen externen programmatischen Anleihen, musikimmanenten formalen Innovationen und interpretatorischen Herausforderungen dar. Während sich die Forschung bislang überwiegend auf einzelne Komponistenpersönlichkeiten oder Einzelwerke konzentriert hat, zielt dieses Panel darauf ab, die Gattung aus drei komplementären analytischen Perspektiven zu beleuchten: Bearbeitungspraxis, zeitgenössische Analysemethoden und zeitgenössische Rezeption. Die erste Perspektive hinterfragt grundsätzlich die Gattungszuschreibung angesichts der zeitgenössischen Transformationsprozesse des Repertoires zwischen Klavierfassungen, kammermusikalischen Besetzungen und Umarbeitungen anhand der Rekonstruktion von zwei Symphonischen Dichtungen Franz Liszts; dabei steht im Mittelpunkt die Einordnung narrativer Elemente und ihr Einfluss auf kompositorische Prozesse – und damit ein Einblick in vermeintliche Kernelemente der musikalischen Substanz. Die zweite Perspektive betrachtet historische Analyseansätze zur Symphonischen Dichtung. Da die Gattung durch ihre programmatische Ausrichtung traditionelle Formmodelle herausforderte, gibt die Untersuchung zeitgenössischer Analyseversuche (ca. 1850-1880) Aufschluss darüber, wie Musiktheoretiker:innen mit den ästhetischen und strukturellen Innovationen umgingen und wie sich theoretische Paradigmen an der Schnittstelle zwischen Programmmusik und absoluter Musik herausbildeten. Die dritte Perspektive widmet sich der zeitgenössischen Rezeption Symphonischer Dichtungen. Untersucht wird die Aufnahme dieser Gattung in der historischen Musikkritik sowie die Interpretationsmöglichkeiten, die sich aus den genannten Titeln oder begleitenden Texten ergeben. Dieser Zugang erlaubt es, die kulturelle Einbettung und Wirkung der Gattung im Konzertleben des 19. Jahrhunderts zu rekonstruieren. Das Panel ist als dreifache Vortragsreihe konzipiert, bei der jeder der drei thematischen Schwerpunkte in einem 20-minütigen Vortrag mit anschließender Diskussion präsentiert wird. Jeder Vortrag wird im Tandem von einer Betreuerin oder einem Betreuer mit einer Promovendin oder einem Promovenden gehalten. Eine abschließende Diskussionsveranstaltung rundet das Panel ab und ermöglicht den Teilnehmenden, übergreifende Fragen zur Methodik und zu den Ergebnissen zu erörtern. Diese Betrachtungsweise erlaubt es, die Symphonische Dichtung nicht als statisches Repertoire, sondern als dynamisches kulturelles Phänomen zu verstehen, das sich durch Prozesse der Bearbeitung, analytischen Reflexion und kulturellen Kontextualisierung kontinuierlich transformiert. Das Panel steht im Kontext des interdisziplinären Minigraduiertenkollegs „Ideengeschichtliche und kompositionsästhetische Perspektiven zur Symphonischen Dichtung“ (IKOPS) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, erweitert jedoch dessen primär ästhetisch-historischen Fokus um dezidiert musikanalytische und kulturhistorisch-praxeologische Dimensionen. Durch diese thematische Öffnung werden die Werke der Gattung als Gegenstände musikalischer Praxis und kultureller Aushandlung in den Mittelpunkt gerückt. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Stefanie Acquavella-Rauch ist Professorin für Historische Musikwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen neben der Beschäftigung mit Kompositionsprozessen, mit musikalischen Praktiken vom 18. bis 20. Jahrhundert und mit Methoden der Musikforschung insbesondere auch Themen der digitalen Musikwissenschaft und der Musikedition. Zu ihren Veröffentlichungen gehören neben zahlreichen Aufsätzen die Monographien „Musikgeschichten: Von vergessenen Musikern und ,verlorenen‘ Residenzen im 18. Jahrhundert“ (2019) und „Die Arbeitsweise Arnold Schönbergs“ (2010) sowie diverse Herausgeberschriften. ORCID: 0000-0003-2743-7416. | ||