
25. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Unschärfen, Leerstellen, blinde Flecken
17. - 19. Oktober 2025 | Musikhochschule Lübeck
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 24. Apr. 2026 13:47:49 MESZ
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Sitzungsübersicht |
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II. Zeitgenössische Musik
Sitzungsthemen: Sektion II – Zeitgenössische Musik
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11:30 - 12:00
Einzelvortrag Themen: Sektion II – Zeitgenössische Musik, Sektion V – Freie Themen Stichworte: Charles Seeger, Ruth Crawford Seeger, Kompositionslehre, Atonalität, Ultra-Modernism Seeger's Kompositionslehre „Tradition and Experiment in (the New) Music“ im Spiegel der Werke Ruth Crawford Seegers Hochschule für Musik Würzburg, Deutschland Durch die posthume Veröffentlichung der Studies in Musicology II von Charles Seeger im Jahr 1994 wurde sein theoretisches Traktat Tradition and Experiment in (the New) Music aus dem Jahr 1929 erstmals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Ungeachtet der Rolle Seegers als prägende Lehrer-Persönlichkeit innerhalb der amerikanischen Ultra-Modernist-Composers wurde diese Quelle im deutschsprachigen Raum bisher noch wenig rezipiert und ihre Rolle für die Entwicklung einer amerikanischen Avantgarde beleuchtet. Als ein vielleicht letzter Versuch, in einer nicht mehr regelpoetischen Tonsprache normative Kompositionsregeln zu formulieren scheint „Tradition und Experiment“ zunächst zum Scheitern verurteilt zu sein. Zugleich ist es Dokument eines radikalen Neu-Denkens musikalischer Strukturen. Vor dem Hintergrund, dass die Komponistin Ruth Crawford – Seegers Schülerin und spätere Ehefrau – maßgeblich an der Erstellung des Manuskripts beteiligt war, liegt es nahe, die ästhetischen und kompositionstechnischen Überlegungen aus Tradition and Experiment einem Vergleich mit Crawfords Werken aus den frühen 30er Jahren zu unterziehen. Der Vortrag möchte durch analytische Schlaglichter den Einfluss des Traktats auf die atonale Tonsprache der amerikanischen Avantgarde der 30er Jahre aufzeigen und zugleich Fragen zur Relevanz einer „historischen Kompositionslehre“ der Neuen Musik für die zeitgenössische Unterrichtspraxis aufwerfen. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Friedemann Brennecke, geboren 1988, studierte Musiktheorie und Komposition in Hamburg, Paris, Freiburg und Essen. Nach Lehrtätigkeiten an Musikhochschulen in Mainz, Bremen, Düsseldorf und Essen ist er seit 2024 Professor für Musiktheorie an der Hochschule für Musik Würzburg. 12:00 - 12:30
Einzelvortrag Themen: Sektion II – Zeitgenössische Musik Stichworte: Lachenmann, Darmstädter Schule, serielle Musik, Analyse, Klaviermusik Echo eines Anfangs: Lachenmanns serielle Wurzeln 1Hochschule für Musik und Theater München, Deutschland; 2Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, Deutschland Helmut Lachenmann (*1935) gehört zu den einflussreichsten und bedeutendsten Komponisten unserer Zeit. Bekannt wurde er insbesondere durch die Entwicklung der musique concrète instrumentale. Ausgehend von den Skizzen, die in der Paul Sacher Stiftung in Basel aufbewahrt werden, werden in diesem Beitrag ausgewählte Ausschnitte aus Echo Andante (1962) analysiert, ein Werk, das der Komponist selbst als sein Opus 1 bezeichnet hat. Dieses Stück markiert somit einen bewussten Ausgangspunkt seines kompositorischen Schaffens. Eine zentrale Rolle spielen dabei verschiedene kompositionstechnische Verfahren, die im Fall von Echo Andante in engem Zusammenhang mit den Prinzipien der seriellen Musik stehen. Die strukturelle Organisation des Klangmaterials, die parametrische Kontrolle sowie die Idee der klanglichen Transformation weisen deutlich auf eine Auseinandersetzung mit der Nachkriegsavantgarde hin – insbesondere mit der Darmstädter Schule und Komponisten wie Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen, mit denen Lachenmann auch persönlich in Kontakt stand. Ziel dieses Beitrags ist es, Lachenmanns frühe kompositorische Phase hervorzuheben und eine Linie aufzuzeigen, die von seinen ersten kompositorischen Erfahrungen zur Entwicklung der musique concrète instrumentale führt. Diese Entwicklung ist nicht als abrupter Bruch, sondern als kontinuierlicher Prozess zu verstehen, in dem Lachenmanns Reflexion über Material, Geste und Hören immer radikalere Konsequenzen annimmt. Vor diesem Hintergrund stellt Echo Andante ein Schlüsselwerk dar – nicht nur als »Anfang«, sondern auch als Zeugnis eines Übergangs, in dem sich bereits zentrale ästhetische Fragestellungen andeuten, die sein späteres Schaffen prägen sollten. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Giovanni Michelini, geboren 1997 in Modena (Italien), hat Klavier, Orgel, Cembalo, Historische Aufführungspraxis sowie Musiktheorie und Gehörbildung in Padua, Bologna, München, Salzburg und Berlin studiert. Er ist im Fach Cembalo und Orgel Preisträger verschiedener internationaler Wettbewerbe. Seit dem Sommersemester 2022 unterrichtet er Generalbass und Partiturspiel an der Hochschule für Musik und Theater München. | ||