
25. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Unschärfen, Leerstellen, blinde Flecken
17. - 19. Oktober 2025 | Musikhochschule Lübeck
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
Bitte beachten Sie, dass sich alle Zeitangaben auf die Zeitzone des Konferenzortes beziehen.
Die momentane Konferenzzeit ist: 24. Apr. 2026 13:47:50 MESZ
|
Sitzungsübersicht |
| Sitzung | ||
II. Zeitgenössische Musik / III. Zwischen Kunst und Wissenschaft
Sitzungsthemen: Sektion II – Zeitgenössische Musik, Sektion III – Musiktheorie zwischen Kunst und Wissenschaft
| ||
| Präsentationen | ||
11:30 - 12:30
Lecture Recital Themen: Sektion II – Zeitgenössische Musik Stichworte: Ferneyhough, Carceri d'Invenzione, Mnemosyne, Querflöte, Interpretation „Architekturphantasie“ von Brian Ferneyhough. Entschlüsselungsstrategien für „Carceri d’Invenzione IIc” und „Mnemosyne” überdenken 1Universität für Musik und darstellende Kunst Graz, Österreich; 2Zürcher Hochschule der Künste, Schweiz Brian Ferneyhoughs Werke Mnemosyne für Bassflöte und Tonband sowie Carceri d'Invenzione IIc für Flöte und Tonband repräsentieren zwei kontrastreiche, aber dennoch eng miteinander verbundene Ansätze in Bezug auf Analyse und Aufführungsstrategie. In Carceri d’Invenzione IIc stehen extreme Virtuosität und Kraftlinien im Vordergrund. Das aus 48 Modulen bestehende Werk vereint abwechslungsreiche Spieltechniken, extreme Tonhöhen, Mikrotöne und komplexe Rhythmen zu einem musikalischen „Kerker“, dass an die architektonischen Fantasiegebilde Carceri d’Invenzione von Piranesi erinnert. Die Flöte spielt hier die Rolle, einen weitläufigen, rätselhaften Klangraum physisch zu erkunden. Mnemosyne hingegen führt in einen introspektiven, psychologischen Klangraum. Hier tritt die Bassflöte als „Stimme der Erinnerung“ auf, die spiegelt sich in den auf den ursprünglichen Harmonien von Carceri d’Invenzione II basierenden Zuspielband wider, einander verzerrt oder aufeinander reagierend. Die Musik evoziert den Zustand der Erinnerung, in dem Klangfragmente aus dem Unterbewusstsein auftauchen, sich verändern und wieder verschwinden. Das Band von 2c und Mnemosyne besteht aus Flötenklängen, die ein zeitliches und harmonisches Strukturraster wiedergeben, was Cordula Paetzold in ihrem Buch über Ferneyhough als „reinste Form“ bezeichnet hat. Der Vergleich beider Werke führt vielfältige Aspekte zur Entgrenzung von Interpreten. Die geforderte extreme Virtuosität erweitert die körperlichen Grenzen der Flötistin und ermöglicht ihr einen flexibleren und feineren Ausdruck. Gleichzeitig muss die Flötistin komplexe Rhythmusstrukturen verstehen und fragmentarische Materialien neu zusammensetzen, um eine Interpretation zu finden, die die Multidimensionalität des Notenkontexts für monodisches Instrument, das auf den ersten Blick „Unspielbare“, transzendiert. Die Notation von Ferneyhough dient dabei nicht der numerischen Realisierung, sondern als Ausgangspunkt für die Erfahrung sich verschiebender Grenzen. Darüber hinaus erfordern diese Werke eine präzise Koordinierung mit zuvor vom Flötisten aufgenommenen Tonaufnahmen. Im Gegensatz zu traditionellen Ensembles sind hierfür eine exakte zeitliche Orientierung und ein feines Gespür für die Klangbalance notwendig. Dabei ist interdisziplinär eine Interpretation mithilfe Ästhetik, Philosophie, Musiktheorie und Musikinformatik unerlässlich, um diese Notation zu entschlüsseln. In dieser Präsentation werden computergestützte Analyse- und Visualisierungsverfahren von Informationen zur Unterstützung musikalischer Darbietungen vorgestellt. Anschließend werden die beiden Werke aufgeführt. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Yuri Matsuzaki ist Flötistin. Sie wird von der internationalen Musikwelt gefeiert, nachdem sie zahlreiche erste Preise bei Wettbewerben gewonnen hat, darunter den internationalen Wettbewerb für zeitgenössische Musik in Karlsruhe, Deutschland. Yuri ist eine weltweit aktive Musikerin und hat in ganz Europa und Ostasien konzertiert. Sie war eingeladene Künstlerin bei Festivals wie Acht Brücken, den Wittener Tagen für Neue Kammermusik, den Darmstädter Ferienkursen, den Festivals ManiFeste am Ircam, Abbay de Royaumont, Gaudeamus Muziekweek, Witold Lutosławski und den Kyiv Contemporary Music Days. Als Ensemblemusikerin spielt Yuri regelmäßig mit dem Ensemble Modern in Frankfurt a.m. und dem Contemporary Insights e.V. in Leipzig. Yuri unterrichtet derzeit Aufführungspraxis für zeitgenössische Musik an der Hochschule für Musik Dresden und ist Doktorandin an der Kunstuniversität Graz. Sie erhielt Stipendien von mehreren Institutionen, darunter der Internationalen Ensemble Modern Akademie, dem DAAD und der Japan Agency for Cultural Affairs. Sie hat einen Bachelor-Abschluss der Tokyo University of the Arts und absolvierte ihr Masterstudium und die Meisterklassenexamen an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, wo sie bei Prof. Irmela Boßler studierte. 12:30 - 13:00
Lecture Recital Themen: Sektion III – Musiktheorie zwischen Kunst und Wissenschaft Stichworte: Partimento Generalbass Stilkopie Improvisation Norddeutsche Partimenti im galanten Stil bei Wilhelm Westphal Hochschule für Musik Freiburg, Deutschland Unter dem Titel „Theoretisch practischer Leitfaden zur Erlernung des Generalbasses besonders für diejenigen, welche denselben ohne Lehrer erlernen wollen“ hat sich in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe (Don Mus.Ms. 2647) ist eine vollständige Generalbasslehre aus der Feder Wilhelms Westphals, seines Zeichens Hannoveraner Hoforganist um 1812, erhalten. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Frederik Kranemann, 2011-2018 Studium Musiktheorie, Cembalo, Orgel in Freiburg und Basel (Schola Cantorum), jeweils Bachelor und Master. Seit 2019 Konzertexamensstudium Orgel in Hamburg. Lehraufträge für Musiktheorie und Partimento in Freiburg, Essen, Trossingen, Mainz, z. Z. in Freiburg. | ||