
25. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Unschärfen, Leerstellen, blinde Flecken
17. - 19. Oktober 2025 | Musikhochschule Lübeck
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 24. Apr. 2026 12:12:07 MESZ
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Keynote
Eine kritische Apologie des Atonalen, und weshalb diese Musik weiterhin „so schwer verständlich“ ist... Université Côte d'Azur, Frankreich Eine gängige Formel in Einführungen zum wissenschaftlichen Arbeiten handelt von den für die Fortentwicklung der Forschung entscheidenden „richtigen Fragen“. Doch woran sind richtige Fragen zu erkennen, wenn wie bei der „neuesten“ Musik nach 1945 keine existierende Musiktheorie eine sinnvolle Aussage treffen kann? Entsprechend diagnostizierte man an der „neuen“ Musik der ersten Jahrhunderthälfte ein Negativum und benannte sie anhand eines Privativums: „atonale Musik“. Im Schatten der neoklassichen Internationale der Zwischenkriegszeit mausert sich der Begriff hingegen zu einem Positivum: so forderte Pierre Boulez 1948 die Vervollständigung der Tonhöhenreihe um eine ebenfalls wahrhaft atonale Rhythmik, während John Cage bereits zuvor die herkömmlichen Töne verworfen hatte und zur Verwendung von Geräuschen aufrief, dem aus seiner Sicht einzigen Klangmaterial, das dem Gedanken der Atonalität im Rahmen einer Strukturierung von Zeitlängen adäquat sei. Mehr als ein dreiviertel Jahrhundert später sieht es um einen multiparametrischen Analyseansatz für die „neueste“ Musik weiterhin noch nicht wirklich rosig aus, trotz so verschiedener Beiträge wie denen von Jan Larue (Style Analysis), Wallace Berry (Structural Functions), Robert Cogan und Pozzi Escot (Sonic Design) bis hin zu Denis Smalley (Spectromorphology), Lasse Thoresen (Aural Sonology) und Christian Utz (Morphosyntax). Wechselnde dominierende Strömungen im wissenschaftlichen Betrieb haben die Energien immer wieder in andere Richtungen magnetisiert: kompositorische Werkstatt, Hintergrundstrukturen, Wahrnehmung, Gestenforschung, neue Form- und Zeitbegriffe oder das Geräusch u.a.m. wurden in den Vordergrund gerückt, so dass man sich freudig an Einzelfragen abarbeitete ohne aber einen übergreifenden Ansatz zu befördern. Übergreifender Ansatz? Entspricht das nicht einer veralteten Ideologie? Wie jede andere ist auch die neueste Weltsicht vergänglich: darin ist selbst die glücklich globalisierte Postmoderne „historisch“. So gibt es noch eine ganze Reihe von Fragen zur neueren Musik des 20. und 21. Jahrhunderts und deren Analyse, die sinnvoll zu stellen wären. Gar bis hin zu einer „Theorie“, die jede Form von Nominalismus positiv hinter sich ließe, ohne die Besonderheiten der Einzelbeiträge einzudampfen; die kompositorische, perzeptive und interpretatorische Strategien untersuchen würde, um den Erfahrungshorizont beständig zu erweitern? Wäre das nicht zumindest eine „berechtigte Frage“? Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Pascal Decroupet. Studium der Musikwissenschaft an der Universität Liège (B, 1982-86). Spezialisierungen in Berlin, Paris und Basel. Promotion an der Universität Tours (F, 1994) mit einer Dissertation zu den Verzweigungen des seriellen Denkens bei Boulez, Pousseur und Stockhausen in den 1950er Jahren. 1994-96 wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem DFG Forschungsprojekt zu den Darmstädter Ferienkursen an der Humboldt Universität zu Berlin unter der Leitung von Prof. Hermann Danuser (resultierende Publikation: Im Zenit der Moderne, Rombach, Freiburg i.Br., 1997). Autor eines systematischen Skizzenkatalogs zu Stockhausens Werken von Kreuzspiel bis Momente (Paul Sacher Stiftung, Basel, 1993) sowie von Monographien zu Stockhausens Gruppen (Contrechamps, Genf, 2023) und Cages Sonatas and Interludes (Contrechamps, Genf, 2025), Herausgeber zweier Bände von Schriften Pousseurs (Mardaga, Wavre, 2004 et 2009) sowie der Skizzen und Manuskripte zu Le Marteau sans maître von Boulez (Schott, Mainz, 2005). Zahlreiche Aufsätze zur Musik des 20. Jahrhunderts speziell unter Berücksichtigung von Quellen zum kompositorischen Prozeß. Ab 1994 Professor an der Universität Liège, ab 2005 an der Université Côte d’Azur in Nizza (als Mitglied des laboratoire de recherche CTELA, UPR 6307, 06200 Nice, France). | ||