
25. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Unschärfen, Leerstellen, blinde Flecken
17. - 19. Oktober 2025 | Musikhochschule Lübeck
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 24. Apr. 2026 13:47:07 MESZ
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Keynote
Leerstelle interdisziplinär: wissenschaftshistorische Annäherung ans Thema Universität zu Lübeck, Deutschland Die Leerstelle hält einen Platz frei. – Oder eine Lücke wird mehr oder weniger plötzlich wahrgenommen, obwohl zuvor von ihr nicht die Rede war. Leerstellen fordern zum Nachdenken heraus und provozieren Interventionen in die Wirklichkeit. Das ist der Ausgangspunkt meiner fachfremden Annäherung ans Thema: Der Vortrag verdankt sich der freundschaftlichen Zusammenarbeit im Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck – aber lassen sich Musiktheorie und Wissenschaftsgeschichte unter dem Label „Kulturwissenschaften“ überhaupt zusammendenken? Als Wissenschaftshistoriker kenne ich Leerstellen als „weiße Flecken auf der Landkarte“, wo Weltbild und Weltmodelle eigentlich längst konkrete Anschauung erwarten lassen, aber die Vermessung noch fehlt, wo chemische Elemente erst noch entdeckt oder Beweise für längst übliche Theoreme noch aufgestellt werden müssen. Als Historischer Epistemologe rekonstruiere ich aus den Realisierungsbedingungen von Forschung und Wissenschaft die heute gängigen Vorstellungen wissenschaftlicher Objektivität, denn längst will Wissenschaftsgeschichte über die Nacherzählung der Entwicklung von Wissen hinaus auch deren Geltungsbedingungen herausarbeiten: Gibt es eine analoge Konkurrenz der Musiktheorie mit der Historischen Musikwissenschaft? Eine solche strukturelle Perspektive führt schließlich auf die Leerstelle zurück: Wie kommt es, dass Musik in Theorie und Wissenschaft zwar zentral zum Kanon europäischer Kultur gehört, aber im Diskurs geisteswissenschaftlicher Selbstverständigung meist randständig blieb? – Oder ist dies vielmehr die Leerstelle eines Wissenschaftshistorikers? Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Cornelius Borck ist Wissenschaftshistoriker und Medizinphilosoph. Er leitet seit 2007 das Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung der Universität zu Lübeck und ist Sprecher des Zentrums für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck. Er hat Medizin, Philosophie, Religionswissenschaften und Medizingeschichte studiert, mit einer Arbeit über Retroviren in der Medizin promoviert, eine Magisterarbeit über vorsokratische Philosophie geschrieben und eine experimentelle Doktorarbeit in den Neurowissenschaften vorgelegt. Stationen seines Werdegangs waren das MPI für Wissenschaftsgeschichte in Berlin, die Medien-Fakultät der Bauhaus-Universität in Weimar und die McGill University in Montreal. Cornelius Borck ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und wurde 2023 in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina gewählt. | ||