29th Annual Conference of DeGEval
Evaluation and Time
September 23–25, 2026 | Frankfurt am Main, Germany
Conference Agenda
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Daily Overview |
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C5: Mut in der Evaluation – Zeitdruck, Evidenz und professionelle Integrität
Session Topics: Einreichung zum Tagungsthema, 1.13 Umwelt (AK), 1.16 Sonstiger Evaluationskontext oder -gegenstand, 2.2 Evaluationstheorie und Evaluationsansätze (z.B. Nutzungsorientierte Evaluation etc.), 2.4 Berichterstattung und Visualisierung, 2.6 Sonstige theoretische und methodische Aspekte der Evaluation, 3.1 Professionalisierung der Evaluation (AK), 3.1.3 Sonstige Themen der Professionalisierung, 3.5 Nutzung und Einfluss von Evaluationen, 3.7 Standards der Evaluation und ethische Fragen, 3.9 Sonstige übergreifende Themen der Evaluation
Gemeinsame Session des AK Umwelt mit dem AK Professionalisierung | |
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C5: Mut in der Evaluation – Zeitdruck, Evidenz und professionelle Integrität Evaluationen bewegen sich häufig in einem Spannungsfeld zwischen Zeitdruck, politischer Sensibilität und wissenschaftlicher Qualität. Deadlines, Budgets und Vorgaben für Umsetzung von Erkenntnissen erzeugen Situationen, in denen Evaluierende Entscheidungen treffen müssen, die nicht nur methodisch, sondern auch professionell und ethisch anspruchsvoll sind. Solche Situationen erfordern eine unterschätzte Dimension professioneller Evaluation: Mut. Mut kann erforderlich sein, um methodische Qualität trotz Zeitdruck einzufordern, um politisch unbequeme Befunde transparent zu kommunizieren, um Unsicherheit offen zu benennen, oder um gegenüber Auftraggebern und Stakeholdern auf wissenschaftlichen Standards zu bestehen. Mut ist aber auch zeitgebunden, denn was mutig, was ansprechbar ist, hängt ab vom jeweiligen gesellschaftlichen Kontext. Dieser hat sich, wenn wir uns umhören, in den letzten Jahren gewandelt und das Einstehen für wissenschaftliche Erkenntnis ist schwieriger geworden. Für Evaluierende stellt sich häufig eine professionelle Herausforderung, die in der Literatur oft als ‘moral courage’ oder als Bereitschaft beschrieben wird, ‘truth to power’ zu sprechen. In einer Evaluation Mut zu zeigen, kann für Evaluierende wirtschaftliche Konsequenzen haben, aber auch solche in Bezug auf die professionelle Reputation. Die Session geht der Frage nach, welche Rolle Zeitdimensionen für solche Situationen spielen. Zeit wirkt in Evaluationen nicht nur als organisatorischer Rahmen, sondern beeinflusst auch die Möglichkeit, Evidenz sorgfältig zu erheben, Ergebnisse zu interpretieren und kritische Befunde zu kommunizieren. Unterschiedliche Zeitlogiken, etwa von Politik, Verwaltung und Wissenschaft, können Zielkonflikte erzeugen, die Evaluierende vor schwierige Entscheidungen stellen. Ausgehend von einem historischen Beispiel, praktischen Erfahrungen und theoretischen Überlegungen zu ‘moral courage’, Evaluationsethik und professionellen Standards wird diskutiert, wo Mut in Evaluationsprozessen erforderlich ist, welche Möglichkeiten professionell mutigen Handelns bestehen und welche Rolle institutionelle Rahmenbedingungen dabei spielen. Evaluationsstandards schaffen normative Referenzpunkte, die helfen können, auch unter Druck auf Qualität, Fairness und Transparenz zu bestehen. Die Session beginnt mit drei kurzen Inputs: Andreas Hammer: Das Beispiel von Emil Gumbel Ausgangspunkt für diese Session ist das 2025 durchgeführte Kolloquium Emil Gumbel. Emil J. Gumbel (1891–1966) war Statistiker, Pazifist und ein Pionier evidenzbasierter Kritik. Er analysierte politisch motivierte Morde in der Weimarer Republik und zeigte unter existenzbedrohendem Druck grossen Mut, indem er statistische Evidenz zur systematischen Ungleichbehandlung von Straftätern aus unterschiedlichen politischen Lagern publizierte. Reinhard Zweidler: Beispiele aus der Evaluationspraxis Beispiele, u.a. aus Fällen der Beratungsstelle der SEVAL, zeigen, dass in der Evaluationspraxis immer wieder Gefälligkeit eingefordert und auch durchgesetzt wird. Wird die Gefälligkeit nicht erbracht, steht oft die unverzerrte Widergabe der Evaluationsergebnisse in Frage. Mut kann in mannigfachen Zusammenhängen gefordert sein: im Umgang mit heiklen Befunden und Machtstrukturen oder Begleitgruppen, bei Methodenwahl und Datenqualität oder auch bei der Transparenz über eine allfällig begrenzte Validität oder Reliabilität von Erkenntnissen. Evelyn Funk: Was sagen Evaluationsforschung und -theorie zum erforderlichen Mut? Evaluationsforschung und -literatur sprechen den Druck auf die Evaluation und den erforderlichen Mut, für Erkenntnisse einzustehen oft an unter ‘moral courage’ und ‘truth to power’. Professionalisierung des Berufsfeldes, Evaluationsstandards und eine starke Fachgesellschaft können helfen, auch unter Druck für die gewonnen Erkenntnisse einzustehen. Die Teilnehmenden reflektieren danach anhand konkreter Beispiele aus ihrer Evaluationspraxis Situationen, in denen Zeitdruck, Evidenzansprüche und Interessen von Stakeholdern so aufeinandertreffen, dass die Professionalität der Evaluation betroffen ist. Typische ‘Mut-Situationen’ im Evaluationsprozess werden identifiziert und es wird diskutiert, wie mit politisch sensiblen Befunden, methodischen Einschränkungen unter engen Zeitvorgaben oder Versuchen, Ergebnisse zu beeinflussen umgegangen werden kann. Ziel der Session ist es, gemeinsam zu reflektieren, wie Zeitdruck die Qualität und Integrität von Evaluationen beeinflusst, welche professionellen Strategien Evaluierende in solchen Situationen entwickeln können, und welche Rolle Evaluationsstandards als Orientierung und Legitimation für mutiges Handeln spielen. Der Austausch zu diesen Themen soll über diese Session hinaus fortgeführt werden und dazu beitragen, Strategien zu entwickeln, wie unter Druck wissenschaftliche Erkenntnisse verteidigt werden können. Die Session richtet sich an Evaluierende aus Forschung und Praxis sowie an Personen, die Evaluationen beauftragen oder begleiten. | |