29. Jahrestagung der DeGEval
Evaluation und Zeit
23. - 25. September 2026 | Frankfurt a. M.
Veranstaltungsprogramm
Hier können Sie das Tagungsprogramm unserer 29. DeGEval-Jahrestagung einsehen.
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Hinweis: Blau eingefärbte Sitzungen beziehen sich inhaltlich auf das Tagungsthema "Evaluation und Zeit".
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Tagesübersicht |
| Sitzung | |
D3: Spannungen im Verhältnis von Evaluation und evidenzbasierten Entscheidungen
Sitzungsthemen: Einreichung zum Tagungsthema, Allgemeine Einreichung, 1.6 Gesundheitswesen (AK), 1.7 Hochschulen (AK), 1.8 Kultur und Kulturpolitik (AK), 1.14 Verwaltung (AK), 1.16 Sonstiger Evaluationskontext oder -gegenstand, 2.1.1 Mixed Methods, 2.1.2 Quantitative Methoden, 2.3 Programmtheorie und Wirkmodelle, 2.6 Sonstige theoretische und methodische Aspekte der Evaluation, 3.1 Professionalisierung der Evaluation (AK), 3.5 Nutzung und Einfluss von Evaluationen, 3.6 Auftraggebende von Evaluationen, 3.7 Standards der Evaluation und ethische Fragen
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| Zusammenfassung der Sitzung | |
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Die Beiträge dieses Panels richten den Fokus auf zentrale Spannungsfelder im Verhältnis von Evaluation und evidenzbasierten Entscheidungen: Fachliche Evaluationsstandards können konfligieren mit den Bedarfen der Auftraggeber; der mangelnde Einbezug unterschiedlicher Stakeholder in die Konzeptualisierung und Umsetzung von Evaluationen kann die Qualität der Entscheidungsgrundlage schmälern; zu wenig koordinierte Einzelevaluationen können ohne Effekt auf übergreifende Entscheidungen bleiben. Diese Themen werde in den Beiträgen anhand von drei ganz unterschiedlichen Gegenständen vorgestellt und diskutiert. | |
| Präsentationen | |
Anwendung der DeGEval-Standards auf die Evaluation der Hessischen „Landarztquote“ 1: Philipps-Universität Marburg, Deutschland; 2: Goethe-Universität Frankfurt, Deutschland Hintergrund Zum WiSe 2019/2020 hat Nordrhein-Westfalen als erstes Bundesland eine sogenannte „Landarztquote (LAQ)“ eingeführt, um dem Ärzt:innenmangel im ländlichen Raum entgegenzuwirken. Heute gibt es artverwandte Quoten in nahezu allen deutschen Flächenländern, so auch seit 2022 in Hessen. Allen LAQ ist gemein, dass diese Studienplätze nach speziellen Verfahren grundsätzlich vergleichbarer Art vergeben werden, bei denen formale Studierfähigkeit eine deutlich geringere Rolle spielt als in den meisten herkömmlichen Vergabeverfahren. So wird eine Klientel zum – sehr anspruchsvollen – Medizinstudium zugelassen, mit dem es bislang nahezu keine empirische Erfahrung gibt. Für das Gesetz, das die hessische LAQ determiniert, wurde eine Prozess- und Ergebnisevaluation ministeriell beauftragt, die aufgrund der Größe des Projekts und der Vielzahl an Stakeholdern einige Herausforderungen lösen muss(te); so sind verschiedene Stellen an den drei beteiligten Universitäten, zwei Ministerien und eine Behörde involviert. Um diese Evaluation in möglichst hoher Qualität durchzuführen, wurde sich an den DeGEval-Standards für Evaluation orientiert. Zielsetzung Im Vortrag wird die wirkmodellorientierte Evaluation mit ihren (relevantesten) Herausforderungen vorgestellt, die vor dem Hintergrund ausgewählter Standards thematisiert werden. Daneben werden empirische Befunde aus der Evaluation präsentiert. Datengrundlage & Methode Für diesen Beitrag wird auf Daten aus der theoriebasierten Prozess- und Ergebnisevaluation der hessischen „Studienplatzquote Medizin“ zurückgegriffen. Diese umfassen Bewerbungsdaten der LAQ-Studierenden, Studienleistungen an den Universitäten Frankfurt und Marburg sowie Daten aus begleitenden Primärerhebungen. Ergebnisse & Diskussion Vor allem die Bereiche Fairness und Nützlichkeit stellen eine Herausforderung dar, da aus den vorgestellten empirischen Befunden, die die Besonderheit der Klientel im Medizinstudium belegen (v. a. eine deutlich niedrigere formale Studierfähigkeit neben weiteren Parametern), ein Spannungsfeld zwischen individuellen Rechtsgütern und einem gesellschaftlichen Bedarf nach ärztlicher Versorgungssicherheit resultiert. Da aktuell in einigen Bundesländern der politische Wunsch nach einer Ausweitung auf weitere Fachärzt:innengruppen besteht, ist eine qualitativ hochwertige – die DeGEval-Standards beachtende – Evaluation gesellschaftlich relevant. Evaluation im Rückbau – Die Wirkungsampel im Kirchenkreis Herford impaekt - Evaluation und Wirkungsforschung gUG, Deutschland Evaluationen werden idealerweise im Aufbauprozess von Organisationen und Programmen geplant, um deren Entwicklung und Wirkungen zu messen. Körperschaftliche Linienfunktionen werden seltener evaluiert. Impaekt – Institut für Evaluation und Wirkungsforschung gGmbH begleitet den in seiner Art einzigartigen Prozess des Kirchenkreises Herford; der in einer Globalperspektive die Wirkungen all seine zehn Arbeitsfelder (Kita, Schule und Bildung, Gottesdienste, Kasualien, Verwaltung/Organisation, Jugend, Diakonie, Ökumene, Seelsorge, Kirchenmusik) auf gemeinsame Ziele hin evaluiert. Einige Punkte an diesem Projekt sind, mindestens hinsichtlich des Evaluationsfeldes, bemerkenswert: 1. Die Verständigung aller Beteiligten auf operationalisiert messbare Wirkungsziele des Kirchenkreises im Rahmen eines partizipativen Prozesses; 2. Die globale empirische Herangehensweise durch Outcome-Messungen bei vier Zielgruppen mit zwei Fragebogeninstrumenten (Kinderfragebogen und Erwachsenenfragebogen); 3. Die Nutzung der Wirkungsmessung für Entscheidungen des organisationalen Rückbaus im Rahmen einer eigens entwickelten Wirkungsampel. Die Ambition des evidenzbasierten Entscheidens konnte somit im Raum der Kirchen erstmalig und mustergültig durchgeführt werden. Auf der Suche der verlorenen Zeit. Die geforderte aber bislang ausgebliebene Evaluation der Standards für die Lehrerbildung. 1: Institut für Erziehungswissenschaft / Universität Münster, Deutschland; 2: Institut für Erziehungswissenschaft / Universität Münster, Deutschland; 3: Institut für Erziehungswissenschaft / Universität Münster, Deutschland; 4: Institut für Erziehungswissenschaft / Universität Münster, Deutschland Mit dem Anspruch der Qualitätssicherung in Schulen und dem Ziel der (inhaltlichen und administrativen) Vergleichbarkeit der Lehrerbildung an den Hochschulen und im Vorbereitungsdienst hat die Kultusministerkonferenz (KMK) vor über 20 Jahren die Standards für die Lehrerbildung in den Bildungswissenschaften veröffentlicht. In der Beschlussfassung vom 16.12.2004 heißt es dazu, dass die Länder übereinkommen, „die Lehrerbildung regelmäßig auf der Grundlage der vereinbarten Standards zu evaluieren“ (KMK, S. 280). Zum zehnjährigen Jubiläum stellt Terhart (2014) fest, dass „eine eher implizite, vergleichend-evaluierende Evaluation von unterschiedlichen Lehrerbildungssystemen international und in Deutschland durchaus in Angriff genommen [wurde]“ (ebd., S. 317), es aber zu wenig belastbare Ergebnisse und robuste Qualitätskriterien gebe. Er konstatiert, „dass es eine allmähliche Umstellung der Currciula in der universitären Phase […] gegeben hat“ (S. 318) und dass die KMK-Standards in NRW nicht oder nur bedingt in offiziellen Studiendokumenten Einzug gehalten haben (Lohmann et al. 2011). Nahezu zeitgleich stellen Hohenstein et al. (2013) die Frage, ob die bildungswissenschaftlichen Standards für Lehrerbildung im gesamten Bundesgebiet in den Curricula zu finden sind. Ihr Fazit ist, dass die Unterschiede an deutschen Universitäten für die Lehrerbildung groß sind und die Standards „noch nicht flächendeckend […] implementiert sind“ (S. 505). Es handelt sich hier folglich nicht um Zeitdruck, sondern eher zu viel verlorener Zeit zwischen unsystematischen und nicht flächendeckend durch die KMK orchestrierten (Teil-)Evaluationen. Der von uns im Rahmen einer Vorstudie in NRW gewählte Ansatz verfolgt die Fragen, ob 20 Jahre nach der erstmaligen Veröffentlichung der Standards für die Lehrerbildung die Lehramtsstudierenden 1) genügend (Lern-)Zeit in Form von Leistungspunkten haben, um die Standards zu erreichen und 2) ob die Standards an allen Hochschulstandorten erreichbar sind. Zur Beantwortung der Fragen wurde eine Dokumentenanalyse der aktuellen Prüfungsordnungen bzw. Modulhandbücher aller lehrerbildenden Universitäten in NRW durchgeführt. Dadurch konnte sowohl der Umfang der Leistungspunkte als auch die Erfüllung der Standards in Lehrveranstaltungen eruiert werden. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Hochschulen in NRW die Standards sehr heterogen implementieren und einige Kompetenzen nicht oder nur teilweise Einzug in die Curricula gefunden haben. | |