29. Jahrestagung der DeGEval
Evaluation und Zeit
23. - 25. September 2026 | Frankfurt a. M.
Veranstaltungsprogramm
Hier können Sie das Tagungsprogramm unserer 29. DeGEval-Jahrestagung einsehen.
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Hinweis: Blau eingefärbte Sitzungen beziehen sich inhaltlich auf das Tagungsthema "Evaluation und Zeit".
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Tagesübersicht |
| Sitzung | |
B3: Dynamiken, Transformationswirkungen und Programmlernen
Sitzungsthemen: Einreichung zum Tagungsthema, 1.4 Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik (AK), 2.1.1 Mixed Methods, 2.2 Evaluationstheorie und Evaluationsansätze (z.B. Nutzungsorientierte Evaluation etc.), 2.3 Programmtheorie und Wirkmodelle, 3.5 Nutzung und Einfluss von Evaluationen
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| Zusammenfassung der Sitzung | |
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Evaluationen bewegen sich immer im Spannungsfeld zwischen dem Anspruch auf fundierte Analyse und dem Druck, zeitnah steuerungsrelevante Erkenntnisse zu liefern. Doch was passiert, wenn der Gegenstand selbst – ein transformationsorientiertes Programm – ganz eigenen zeitlichen Logiken folgt? Und wie lassen sich Wirkungen sichtbar machen, die sich über Jahre oder Jahrzehnte entfalten? Diese Session beleuchtet Zeit als zentrale, aber oft unterschätzte Dimension der Evaluationspraxis – anhand zweier Fälle, die unterschiedliche Zeitskalen und methodische Zugänge in den Blick nehmen. Der erste Beitrag umfasst die Begleitevaluation des 7. Energieforschungsprogramms und zeigt, wie Zeit auf mehreren Ebenen zur zentralen Herausforderung wird: als Dimension soziotechnischer Transformation, als Taktgeber politischer Entscheidungsfenster und als Gestaltungselement im Evaluationsdesign selbst. Der zweite Beitrag wechselt die Perspektive – von der begleitenden zur retrospektiven Evaluation, von der Transformationsdynamik zur langfristigen Wirkungsentfaltung. Am Beispiel der FFG-Basisprogramme wird gezeigt, wie eine Evaluation den Zeitraum von über einem Jahrzehnt methodisch erschließen kann. Gemeinsam werfen beide Beiträge eine Frage auf, die für die Evaluationspraxis zunehmend drängend wird: Wie gestalten wir Evaluationen, die der Komplexität und Dynamik von Innovations- und Transformationsprozessen gerecht werden – mit dem Anspruch, methodisch und analytisch am aktuellen Stand des Wissens zu sein? | |
| Präsentationen | |
Zeit als Gestaltungfaktor in der Begleitevaluation des 7. Energieforschungsprogramms 1: Kerlen Evaluation, Vereinigtes Königreich; 2: Austrian Institute of Technology Zeit spielt in Evaluationen transformationsorientierter Programme eine zentrale Rolle. Sie prägt sowohl die Dynamik politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen als auch die Möglichkeiten, Wirkungen empirisch zu erfassen und Evaluationsergebnisse für Steuerungsprozesse nutzbar zu machen. Am Beispiel der Begleitevaluation des 7. Energieforschungsprogramms (2021 bis 2026) wird gezeigt, wie zeitliche Dimensionen im Evaluationsdesign berücksichtigt werden können und welche Herausforderungen daraus entstehen. Das Evaluationsdesign kombiniert einen programmtheoriebasierten Ansatz mit Konzepten der Transformationsforschung. Ausgangspunkt bildet die Mehrebenenperspektive soziotechnischer Transformation, die Veränderungen im Energiesystem auf Nischen, Regime und Landschaftsebene analysierbar macht. Ergänzend wird das Konzept der transformative outcomes genutzt, um Beiträge von Forschungs- und Innovationsprojekten zu Transformationsprozessen empirisch zu erfassen. Dieser Ansatz ermöglicht es, unterschiedliche Dynamiken von Innovations und Transformationsprozessen sichtbar zu machen und sowohl Beschleunigung als auch strukturelle Trägheit im Energieinnovationsystem analytisch zu berücksichtigen. Damit wird zugleich ein Bezug zum aktuellen Diskurs über missionsorientierte Innovationspolitik hergestellt, in dem staatliche Forschungsprogramme als strategische Instrumente zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen verstanden werden. Gleichzeitig zeigt die Begleitevaluation, dass Zeit auch auf der Ebene der Evaluationspraxis selbst eine zentrale Rolle spielt. Das Evaluationskonzept war darauf ausgerichtet, kontinuierlich Erkenntnisse für das Programmlernen zu generieren und diese in laufende Entscheidungsprozesse einzuspeisen. Vor dem Hintergrund sich wandelnder Rahmenbedingungen wie energiepolitischer Krisen, veränderter strategischer Prioritäten und der frühzeitigen Entwicklung des 8. Energieforschungsprogramms wurde die Evaluation adaptiv weiterentwickelt. Der Beitrag reflektiert diese Erfahrungen anhand von drei zentralen Punkten. Erstens Berücksichtigung zeitlicher Dynamiken von Transformationsprozessen im Evaluationsdesign, zweitens Rolle von Begleitevaluationen in dynamischen politischen Kontexten bei der Vermittlung zwischen analytischer Robustheit und zeitnaher Entscheidungsunterstützung. Drittens Lessons Learned zur Integration retrospektiver und prospektiver Perspektiven in Evaluationen missionsorientierter Forschungsprogramme. Programmlogik und Innovationsdynamik: Zeitdimensionen in der Evaluation der FFG-Basisprogramme 1: AIT Austrian Institute of Technology, Österreich; 2: Kerlen Evaluation Ltd. Die Basisprogramme der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) zählen zu den zentralen Instrumenten der österreichischen Forschungs- und Innovationspolitik. Als themenoffene Förderprogramme unterstützen sie seit vielen Jahrzehnten Forschungs- und Entwicklungsprojekte von Einzelunternehmen und zielen darauf ab, Innovationsaktivitäten zu stimulieren, technologische Risiken zu reduzieren und wirtschaftliche Verwertung zu ermöglichen. Über die Zeit wurden die Programme kontinuierlich angepasst und erweitert, um neue innovationspolitische Prioritäten aufzugreifen, etwa Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Geschlechtergerechtigkeit. Der Beitrag greift diese langfristige Perspektive auf und analysiert, welche Rolle Zeit in der Weiterentwicklung und Evaluation solcher Förderprogramme. Am Beispiel der 2025/2026 durchgeführten Evaluation der FFG-Basisprogramme für den Zeitraum 2008–2021 wird gezeigt, wie unterschiedliche Zeitperspektiven in Hinblick auf die Analyse von Programmentwicklung und Programmsteuerung sowie Wirkungsentfaltung aufgegriffen werden können. Ziel der Evaluation ist es, Wirksamkeit, Additionalität und systemische Effekte der Förderung auf Innovationsaktivitäten, Wettbewerbsfähigkeit sowie zur Unterstützung von langfristigen Transformationsprozessen aufzuzeigen, und Perspektiven für die zukünftige Entwicklung der FFG-BP zu entwerfen. Vorgestellt wird das Mixed-Methods-Evaluationsdesign der zukunftsorientierten Wirkungsevaluation, das quantitative Wirkungsanalysen auf Basis umfangreicher Mikrodaten mit qualitativen Methoden kombiniert, darunter Expert:inneninterviews und innovationsbiografische Fallstudien. Letztere ermöglichen insbesondere, langfristige Innovationsentstehung und Wirkmechanismen öffentlicher Förderung retrospektiv sichtbar zu machen. Der Beitrag diskutiert, wie solche methodischen Ansätze dazu beitragen können, zeitliche Dynamiken in Evaluationen innovationspolitischer Programme systematisch zu berücksichtigen. | |