29. Jahrestagung der DeGEval
Evaluation und Zeit
23. - 25. September 2026 | Frankfurt a. M.
Veranstaltungsprogramm
Hier können Sie das Tagungsprogramm unserer 29. DeGEval-Jahrestagung einsehen.
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Hinweis: Blau eingefärbte Sitzungen beziehen sich inhaltlich auf das Tagungsthema "Evaluation und Zeit".
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Tagesübersicht |
| Sitzung | |
C8: Zeitliche Perspektiven auf Steuerungs- und Entwicklungsprozesse
Sitzungsthemen: Einreichung zum Tagungsthema, Allgemeine Einreichung, 1.2 Demokratie (AK), 1.11 Stadt- und Regionalentwicklung (AK), 2.2 Evaluationstheorie und Evaluationsansätze (z.B. Nutzungsorientierte Evaluation etc.), 2.6 Sonstige theoretische und methodische Aspekte der Evaluation, 3.2 Forschung über Evaluation (Evaluation als Forschungsgegenstand), 3.5 Nutzung und Einfluss von Evaluationen
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| Zusammenfassung der Sitzung | |
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Die Session nimmt die Bedeutung von Zeit für Evaluationen in demokratiebezogenen Handlungsfeldern in den Blick – und fragt dabei insbesondere, wie unterschiedliche zeitliche Perspektiven von Akteuren und Evaluationsgegenständen Evaluation prägen. Staatliche Strukturen, zivilgesellschaftliche Projekte, Förderperioden, Projektlaufzeiten, Reportingzyklen, politische Entscheidungsfenster und Beteiligungsprozesse folgen jeweils eigenen Zeitlogiken und beeinflussen, was wann beobachtet, bewertet und genutzt werden kann. Die Beiträge entfalten diese Fragen schrittweise: zunächst mit Blick auf strukturell erzeugte Zeitlichkeit durch Förderlogiken und Organisationstypen, anschließend mit Blick auf deren demokratische und machtbezogene Implikationen. Im Handlungsfeld Demokratieförderung und Extremismusprävention wird deutlich, dass Evaluationen nicht nach einheitlichen Schablonen funktionieren können. Am Beispiel des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ zeigt der Beitrag, wie sich verstetigte Strukturen wie Landesdemokratiezentren von zeitlich begrenzten Innovationsprojekten unterscheiden und welche Konsequenzen dies für Wirkmessung, Zusammenarbeit mit Akteur, Kontextanalyse und Evaluationsdesign hat. Der Beitrag zu kommunalen Smart-City-Prozessen erweitert diese Perspektive um Fragen von Partizipation, Macht und Technokratisierung. Zeitliche Taktungen durch Förderlogiken, Meilensteine und Berichtspflichten strukturieren Beteiligungsräume und beeinflussen, ob Evaluation als Lern- und Deliberationsraum oder als Instrument administrativer Verdichtung wirkt. Gemeinsam fragen die Beiträge, wie Evaluationen unter Zeitdruck methodisch angemessen, nutzungsorientiert und demokratisch anschlussfähig gestaltet werden können. | |
| Präsentationen | |
Unterschiedliche Zeitlichkeiten bei Evaluationen im Handlungsfeld Demokratieförderung und Extremismusprävention: die Rolle von Förderlogiken und Organisationstypen DeZIM Institut Zeitlichkeiten unterscheiden sich nicht nur zwischen Evaluationsfeldern, sondern auch bei unterschiedlichen Akteuren innerhalb eines Evaluationsfelds. Der Beitrag blickt auf das Handlungsfeld Demokratieförderung und Extremismusprävention und bringt aktuelle Erkenntnisse sowie methodologische Reflexionen aus einer Evaluation im Kontext des Bundesprogramms „Demokratie Leben!“ ein. Ausgehend vom Beispiel der Landesdemokratiezentren, bei denen es sich vorwiegend um staatliche Stellen handelt, die an Landesministerien angegliedert sind, über mehrere Förderperioden hinweg gefördert werden und dadurch eine gewisse Verstetigung erfahren, geht der Beitrag der Frage nach, wie sich Organisationstypen und Förderlogiken auf Zeitlichkeit im Evaluationskontext auswirken. Kontrastiert werden die Landesdemokratiezentren mit den ebenfalls durch „Demokratie leben!“ geförderten Innovationsprojekten. Bei diesen handelt es sich um zeitlich begrenzte Vorhaben, die vorwiegend von zivilgesellschaftlichen Trägern umgesetzt werden. Abgeleitet von aktuellen Erkenntnissen zeigt der Beitrag, dass Organisationstypen und Förderlogiken die strukturelle Verfasstheit des Evaluationsgegenstandes manifestieren und unterschiedliche Zeitlichkeiten produzieren. Hieraus leiten sich komplexe Fragen für Evaluationen ab: Wie müssen Wirkmessung und -analyse bei laufenden (Struktur-)Projekten mit langer Förderung gegenüber neuen Projekten (als kurze, zeitlich begrenzte Interventionen) angepasst werden. Wie unterscheidet sich das Herangehen an die Zusammenarbeit mit den Akteuren (z. B. beeinflusst durch die Personalsituation und -fluktuation). Und wie müssen Kontextfaktoren jeweils mitgedacht werden. Der Beitrag zeigt auf, dass Evaluationen nicht nach einheitlichen Schablonen geleistet werden können. Das Evaluationsdesign wird von den genannten Faktoren beeinflusst. Evaluationen müssen diesen situationsgerecht begegnen und ihre Vorgehensweisen anpassen. Der Beitrag präsentiert konkrete Einblicke und Strategien aus der Evaluation der Landesdemokratiezenten. Basierend auf diesen aktuellen Erkenntnissen adressiert der Beitrag damit das Konferenzthema „Evaluation und Zeit“. Demokratische Evaluation unter Zeitdruck? Smart City-Transformation zwischen Partizipation und Technokratie Inga Marken / Stadt Flensburg, Deutschland Smart City-Strategien gelten als zentrale Arenen urbaner Transformation. Sie verbinden digitale Innovation, Nachhaltigkeitsziele und neue Formen kooperativer- Governance. Evaluation spielt dabei eine Schlüsselrolle: Sie soll Wirkung sichtbar machen, Steuerung ermöglichen und Legitimität sichern. Zugleich steht sie unter erheblichem Zeit- und Ergebnisdruck – insbesondere in geförderten Modellprojekten mit klaren Indikatorensets und Berichtspflichten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, unter welchen institutionellen, normativen und politischen Bedingungen Smart-City-Evaluation demokratische Transformationsprozesse stärkt – und wann sie zur technokratischen Verkürzung beiträgt. Der Beitrag entwickelt ein theoretisch fundiertes Analysemodell demokratischer Evaluation im Kontext kommunaler Smart-City-Programme. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Evaluation nicht neutral ist, sondern als Wissens- und Machtordnung wirkt. Drei Hypothesen strukturieren die Argumentation: (1) Je stärker Evaluation partizipativ gestaltet ist, desto höher ist ihre demokratische Legitimitätswirkung, da unterschiedliche Perspektiven in Zieldefinition und Wirkungsbewertung einfließen. (2) In konfliktiven Transformationsfeldern steigt unter Zeitdruck die Tendenz zur Technokratisierung, indem komplexe Aushandlungsprozesse in quantifizierbare Kennzahlen übersetzt werden. (3) Indikatorendominierte Evaluationsdesigns verschieben Machtverhältnisse zugunsten administrativer Akteur:innen und externer Expert:innen, während zivilgesellschaftliche Perspektiven an Einfluss verlieren. Anhand von Erfahrungen aus kommunalen Smart-City-Prozessen wird gezeigt, wie zeitliche Taktungen (Förderlogiken, Meilensteine, Reportingzyklen) demokratische Beteiligungsräume strukturieren. Evaluation erscheint dabei entweder als Lern- und Deliberationsraum oder als Instrument administrativer Verdichtung. Der Beitrag plädiert für eine zeit- und machtreflexive Smart-City-Evaluation, die Partizipation institutionell verankert, Indikatoren mit deliberativen Verfahren kombiniert und demokratische Qualität explizit als Evaluationskriterium ausweist. Damit verbindet der Beitrag Evaluationsforschung, Demokratietheorie und Transformationsgovernance und leistet einen konzeptionellen Impuls für eine demokratieorientierte Weiterentwicklung kommunaler Evaluationspraxis. | |