29th Annual Conference of DeGEval
Evaluation and Time
September 23–25, 2026 | Frankfurt am Main, Germany
Conference Agenda
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Daily Overview |
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B1: Qualitätsentwicklung und Qualitätsmanagement an Hochschulen
Session Topics: Einreichung zum Tagungsthema, 1.7 Hochschulen (AK), 3.2 Forschung über Evaluation (Evaluation als Forschungsgegenstand)
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| Session Abstract | |
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Qualitätsmanagement an Hochschulen entwickelt sich zunehmend von einem Evaluationsinstrument zu einem Motor organisationaler und didaktischer Entwicklung. Die Beiträge dieser Session beleuchten innovative Ansätze zur Qualitätsentwicklung: Sie thematisieren Evaluation als historisch eingebetteten Entwicklungsprozess, stellen rekonstruktions- und artefaktbasierte Verfahren für eine agile Lehrentwicklung vor und untersuchen, wie die Motivation Studierender zur Mitwirkung im Qualitätsmanagement gestärkt werden kann. Gemeinsam zeigen die Beiträge, wie Qualitätsentwicklung partizipativ, reflexiv und nachhaltig gestaltet werden kann. | |
| Presentations | |
Von der Evaluation zur Qualitätsgeschichte. QM als historische Dokumentation organisationaler Entwicklung Hochschule der Bildenden Künste Saar, Deutschland Evaluation und Qualitätsmanagement an Hochschulen sind bislang überwiegend als zeitpunktbezogene Monitoring- und Kontrollinstrumente konzipiert. Evaluationen liefern Kennzahlen, Befunde und Empfehlungen, bleiben jedoch häufig isolierte Ereignisse, deren Einbettung in langfristige Entwicklungsverläufe unzureichend reflektiert wird. Der vorliegende Beitrag entwickelt mit dem Konzept der Qualitätsgeschichte einen innovativen Ansatz, der Evaluation als historisch eingebettete Praxis versteht und Qualitätsmanagement als kollektives Gedächtnis organisationaler Entwicklung neu bestimmt. Ausgehend von organisations- und evaluationstheoretischen Überlegungen wird gezeigt, dass Qualität in Hochschulen nicht punktuell entsteht, sondern sich über Zeit durch Entscheidungen, Reformen, Kontextveränderungen und Lernprozesse herausbildet. Der Beitrag plädiert dafür, Evaluationen systematisch in zeitliche Entwicklungslinien einzubetten und ihre Ergebnisse narrativ, kontextualisiert und längsschnittlich auszuwerten. Methodisch umfasst der Ansatz unter anderem die Rekonstruktion von Entscheidungslogiken, die Analyse von Evaluationssequenzen sowie die Entwicklung von Qualitätszeitachsen für zentrale Handlungsfelder wie Studiengangsentwicklung, Lehrqualität oder Hochschulstrategie. Anhand hochschulspezifischer Beispiele wird aufgezeigt, wie Qualitätsgeschichte dazu beitragen kann, organisationsinternes Lernen zu fördern, Pfadabhängigkeiten sichtbar zu machen und die Anschlussfähigkeit von Evaluationsergebnissen für zukünftige Entscheidungen zu erhöhen. Der Beitrag diskutiert abschließend Herausforderungen der Implementierung – insbesondere Ressourcenaufwand, Selektivität von Narrativen und institutionelle Verankerung – und argumentiert, dass ein historisch-reflexives Qualitätsmanagement einen zentralen Beitrag zur nachhaltigen Qualitätsentwicklung an Hochschulen leisten kann. Zu wenig Zeit, zu wenig Information oder zu wenig Effekt? Ein partizipatives Forschungsdesign zur Analyse begrenzter studentischer Motivation im Qualitätsmanagement 1: FH Münster, Deutschland; 2: Goethe Universität Frankfurt, Deutschland Studentisches Feedback ist – neben Beiträgen aktiver Lehrender und externer Expert*innen – eine zentrale Informationsquelle für die Evaluation und Qualitätsentwicklung von Studiengängen (Leben et. al 2024; Raffaele & Rediger 2021). Gleichwohl beobachten viele Hochschulen seit Jahren geringe Rücklaufquoten bei Evaluationen sowie eine begrenzte Bereitschaft von Studierenden, in der akademischen und studentischen Selbstverwaltung mitzuwirken. In Befragungen an der Goethe Universität Frankfurt und der FH Münster haben die Befragten – wie auch in anderen Studien – „fehlende Zeit“ als zentralen Hinderungsgrund angegeben und häufig mit der Notwendigkeit argumentiert, in der nicht dem Studium gewidmeten Zeit erwerbstätig sein zu müssen (Boentert et al. 2023; Mordel & Winkler 2023). Daher erscheint es plausibel, Studierenden einen Gegenwert für QM-Aufgaben anzubieten, etwa durch Sitzungsgelder (z.B. Universität Gießen, Universität des Saarlandes) oder Credits (z.B. Universität Göttingen, FH Münster). Bei genauerer Betrachtung stellt sich jedoch die Frage, warum Studierende meinen, „keine Zeit“ für die Mitwirkung im QM-Kontext zu haben: Wahrgenommene Zeitknappheit ist ja nicht auf eine faktische Kürzung der Stunden zurückzuführen, sondern auf eine als ungünstig erlebte Relation zwischen objektiv vorhandener Zeit und den Tätigkeiten, mit denen sie gefüllt werden soll. Sie ist somit eng mit Fragen der Priorisierung und Motivation verknüpft. In unserem Vortrag möchten wir (1) diese Aspekte der Bewertung knapper Zeit und die erwähnten empirischen Daten vorstellen, (2) erläutern, wie wir ähnliche Fragen in einem BMFTR-geförderten Projekt mit einem partizipativen Mixed-Methods-Design untersuchen möchten, und (3) erste Ergebnisse dazu präsentieren, welche Anreizstrukturen für Studierende u. a. in Hochschulgesetzen verankert sind. Boentert, A., Behrens, W. & Waschitzek, Y. (2023, 27. November). Jenseits des Studiums: Studentisches Engagement in Hochschulen. Vortrag für das Austauschforum systemakkreditierter Hochschulen. Leben, N., Katja Reinecke, & Heiner, C. E. (2024). Prozessbegleitung studentischer Partizipation in Hochschullehre und Curriculumsentwicklung. Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 19(3), 209–227. Raffaele, C., & Rediger, P. (2021). Die Partizipation Studierender als Kriterium der Qualitätssicherung in Studium und Lehre (Bd. 117). Institut für Hochschulforschung (HoF). Mordel, J., & Winkler, A. (2023). Universitätsweite Studierendenbefragung. Zentrale Ergebnisse. | |