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Sitzungsübersicht
Sitzung
C5: Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik
Zeit:
Freitag, 16.09.2022:
9:00 - 10:30

Leitung der Sitzung: Dr. Marianne Kulicke, Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung

Zusammenfassung der Sitzung

Innovativer Förderansatz „Schaufenster“ – Mehrebenen-Governance als zentrale Herausforderung bei der Evaluation (Christiane Kerlen, Stefan Meyer, Kathleen Toepel)

Im Zentrum des Förderprogramms SINTEG „Schaufenster intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende“ des BMWK standen Musterlösungen für eine sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung. In fünf Modellregionen, den sogenannten „Schaufenstern“, wurden bis Ende März

2021 Musterlösungen für die zukünftige Energieversorgung entwickelt und demonstriert. Aus den Lösungen der Schaufenster wurden von dem Begleitvorhaben „Ergebnissynthese“ generalisierte Lösungen (Blaupausen) für die Energiewende erarbeitet. Mit den Schaufenstern, die mittlerweile auch als „Reallabore“ bezeichnet werden, nutzte SINTEG einen jungen instrumentellen Ansatz der Innovationsförderung. Nicht nur die erfolgreiche Durchführung, sondern auch die Evaluation dieses innovativen Förderansatzes ist mit neuen Herausforderungen verbunden.

„Schaufenster“ sind Modellregionen, in denen anwendungsorientierte Akteursverbünde zusammenkommen, um mit umfassenden Ressourcen experimentelle Entwicklung zu betreiben. Dabei sollen übertragbare Problemlösungen

(Innovationen) auf Systemebene entwickelt, demonstriert und potenziellen weiteren Anwendern bekannt gemacht werden. Der Förderansatz ist damit in den Entwicklungen zur transformationsorientierten FTI-Politik zu verorten.

Im Evaluationsdesign muss die Mehrebenen-Governance – vom einzelnen Projekt bis zur schaufensterübergreifenden Synthese – mit unterschiedlichen Zielsystemen, Interessenlagen und Akteursstrukturen abgebildet werden. Zudem sind unterschiedliche zeitliche Perspektiven – Innovationen für morgen und für übermorgen - und unterschiedliche Verwertungsperspektiven – unter aktuellen (regulatorischen) Rahmenbedingungen oder nach einer dauerhaften Anpassung – zu berücksichtigen. Erwartete Ergebnisse sind technologische, wirtschaftliche oder regulatorische Lösungen (oder Kombinationen davon), die zur Transformation des Energiesystems beitragen sollen. Da es sich um einen jungen Förderansatz handelt, gibt es kaum Erfahrungen/Vergleichsmaßstäbe, auf die in der Evaluation zurückgegriffen werden kann; die Evaluation transformationsorientierter Innovationsprogramme befindet sich erst in der Entwicklung.

Die Evaluation von SINTEG hatte als zentrales Ziel, „Programmlernen“ zu ermöglichen, und hat dazu entsprechende Formate und Teilnehmende definiert.

In diesem Beitrag werden Design und zentrale Ergebnisse der als Ex-ante, begleitende und Ex-post-Evaluation des Programms vorgestellt.

Wenn Programmtheorien nicht ausreichen: Zur Nutzung theoretischer Ansätze der Systeminnovation für die Evaluation transformationsorientierter Programme (Michael Dinges, Christiane Kerlen, Peter Kaufmann, Harald Wieser, Kathleen Toepel, Anna Wang, Jakob Kofler, Stefan Meyer)

Der Beitrag zeigt, wie ein programmtheoretischer Ansatz mit einer Mehrebenenperspektive der Systeminnovation (Geels et al. 2017) und dem Konzept der „transformativen Outcomes“ (Ghosh et al. 2020, Ghosh et al. 2021) kombiniert werden kann, um die Evaluierbarkeit von komplexen, transformationsorientierten Forschungs- und Innovations (FuI)-Programmen zu erhöhen.

Die Analyse bezieht sich auf das Energiesystem, das für die sozio-technische Transformation von besonderer Bedeutung ist. Im Mittelpunkt steht das "7. Energieforschungsprogramm" (7. EFP) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, das als zentrales Instrument der FuI-Politik zur Transformation des Energiesystems in Deutschland und zum Gelingen der Energiewende beitragen soll.

Die Mehrebenenperspektive wurde als umfassende Heuristik entwickelt, um Übergänge in verschiedenen soziotechnischen Systemen wie Mobilität oder Ernährung zu erfassen (EEA 2018; Geels et al. 2017). Der Grundgedanke ist, dass dominante Regime (z. B. die Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen) aufgrund bestehender Pfadabhängigkeiten nur durch tiefgreifende technologische und soziale Maßnahmen verändert werden können, die gleichzeitig die Regime destabilisieren und Räume für radikal andere Lösungen schaffen (Nischen). Die inzwischen erweiterte Mehrebenenperspektive (vgl. Rosenbloom 2020) ermöglicht eine theoretische Einordnung der mit dem 7. EFP verfolgten Strategien und ihrer jeweiligen Interventionslogik, indem sie auf die verschiedenen Übergangspfade verweist, die zur Zielerreichung beschritten werden können (Geels & Schot 2007; Geels et al. 2016).

Raven et al. (2016) betonen, dass die Energiewende durch strategische Nischenförderung realisiert werden muss. Zudem sind schädliche Regime zu dekonstruieren (Turnheim & Geels 2012; Kiviima & Kern 2016). Das Konzept der "transformativen Outcomes“ identifiziert drei allgemeine, räumlich begrenzte Makroprozesse, auf die Akteure Einfluss nehmen können: (1) Aufbau oder Pflege von Nischen; (2) Ausweitung und Mainstreaming von Nischen und (3) Öffnung und Freischaltung von Regimen. Für die begleitende Evaluation des 7. EFP gehen wir der Frage nach, inwieweit die Instrumente und identifizierten Wirkungspfade des Programms mit den „transformativen Outcomes“ übereinstimmen. Es wird deutlich, dass das Programm so angelegt ist, einen Beitrag zur Veränderung bestehender sozio-technischer Innovationssysteme zu leisten.

Evaluation im richtigen Takt?! Begleitende und Ex-ante-Evaluation für die Weiterentwicklung eines Rahmenprogramms (Sebastian von Engelhardt, Christiane Kerlen, Guido Zinke)

Das Rahmenprogramm „Forschung für die zivile Sicherheit 2018-2023“ der Bundesregierung (umgesetzt durch das BMBF) verfolgt die Erhöhung des Schutzes von Bürgerinnen und Bürger vor Gefahren aus Naturkatastrophen, Großschadenslagen, Terrorismus und Kriminalität. Die zivile Sicherheitsforschung nimmt hier eine wichtige Rolle ein: sie bringt Lösungen auf den Weg, die in der Vorsorge, der Vermeidung, der Bewältigung von und der Wiederherstellung nach krisenhaften Ereignissen Wirkung entfalten können.

Aktuell evaluieren das Institut für Innovation und Technik (iit) und Kerlen Evaluation im Auftrag des BMBF dieses Rahmenprogramm - und zwar begleitend und ex-ante. Die begleitende Evaluation fokussiert auf Zielerreichung, Wirkung und Wirtschaftlichkeit, während die Ex-ante-Evaluation die sich abzeichnenden gesellschaftlichen und sicherheitspolitischen Veränderungen sowie neue Forschungs-, Technologie- und Anwendungsfelder im Bezug zur zivilen Sicherheitsforschung analysiert. U.a. kommt hierfür ein Delphi-Verfahren zum Einsatz. Auf dieser Basis werden Gestaltungsoptionen und Vorschläge zur Weiterentwicklung des Förderprogramms abgeleitet.

Parallel zum Evaluationsprozess und darüber hinaus läuft ein durch das BMBF geführter Agendaprozess, in dem Akteure aus Wissenschaft, Anwendung und Wirtschaft ihre Sichtweisen und Anliegen einbringen können und mit dem eine Abstimmung mit den Ressorts und sonstigen politischen Akteuren stattfindet. Beide Prozesse sind inhaltlich aufeinander abgestimmt und berücksichtigen die jeweils generierten Erkenntnisse. Auf Basis dieser Erkenntnisse wird anschließend ein neues Rahmenprogramm ausgearbeitet.

In der Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik haben in den letzten Jahren auf Bundesebene nur wenige Ex- ante-Evaluationen stattgefunden. Eine Kombination aus begleitender, eher ex-post-gerichteter, und Ex-ante-Evaluation ist noch seltener. Daher bietet dieser Fokus sowie die zeitliche Taktung die Chance, Erkenntnisse rechtzeitig für die Programmneuentwicklung bereit stellen zu können. Gleichzeitig ergeben sich Herausforderungen, die sich auf die Gestaltung des Prozesses, die Methodik und die Nutzung der Evaluation beziehen.

Im Rahmen des Vortrags sollen das Evaluationskonzept und erste Ergebnisse vorgestellt werden, insbesondere aber ein Resümee zu den Erfahrungen aus der Umsetzung der Evaluation gezogen werden und Hinweise für die Weiterentwicklung von Ex-ante-Evaluationen gegeben werden.


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Präsentationen

Innovativer Förderansatz „Schaufenster“ – Mehrebenen-Governance als zentrale Herausforderung bei der Evaluation

Christiane Kerlen, Stefan Meyer, Kathleen Toepel

Kerlen Evaluation, Edinburgh



Wenn Programmtheorien nicht ausreichen: Zur Nutzung theoretischer Ansätze der Systeminnovation für die Evaluation transformationsorientierter Programme

Michael Dinges1, Christiane Kerlen2, Peter Kaufmann3, Harald Wieser3, Kathleen Toepel2, Anna Wang1, Jakob Kofler3, Stefan Meyer2

1Kerlen Evaluation, Edinburgh; 2Austrian Institute of Technology, Wien; 3KMU Forschung Austria, Wien



Evaluation im richtigen Takt?! Begleitende und Ex-ante-Evaluation für die Weiterentwicklung eines Rahmenprogramms

Sebastian von Engelhardt1, Christiane Kerlen2, Guido Zinke1

1Institut für Innovation und Technik, Berlin; 2Kerlen Evaluation, Edinburgh



 
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