Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
B6: Gesellschaftlichen Wandel durch Evaluation mitgestalten
Zeit:
Donnerstag, 16.09.2021:
16:30 - 18:00

Leitung der Sitzung: Franziska Heinze, Deutsches Jugendinstitut e.V., Außenstelle Halle
Leitung der Sitzung: Stefanie Reiter

Gastgeber: AK Soziale Dienstleistungen


Zusammenfassung der Sitzung

In der Session werden im Rahmen von zwei Einzelbeiträgen unterschiedliche fachliche und konzeptionelle Perspektiven auf „Wandel durch Evaluation“ als ein Kernthema der Tagung aufgezeigt. Dabei steht als übergreifende Problemstellung im Vordergrund, wie (gesellschaftliche) Veränderungen durch Evaluation angeregt und mitgestaltet werden können. Die Session betrachtet, welche Lernerfahrungen Meta-Evaluierungen ermöglichen und reflektiert, wie sich Evaluationspraxis und Organisationen dadurch verändern können; sie fragt danach, inwiefern (sozialer) Wandel als legitimes Ziel innerhalb von Evaluationen verfolgt werden kann und setzt sich mit förderlichen und hinderlichen Faktoren bzw. zukunftsweisenden Perspektiven in der Gestaltung von Evaluationen auseinander.

 

Wandel durch Metaevaluierung

Martin Noltze, Laura Kunert, Marian Wittenberg

Deutsches Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval), Deutschland

Beitrag 1 reflektiert den Einfluss von organisationsübergreifenden Meta-Evaluierungen auf die Evaluationspraxis sowie den institutionellen Wandel deutscher Entwicklungsorganisationen. Dies erfolgt u.a. am Beispiel einer Meta-Evaluierung von über 500 Projekt-Evaluierungen von zwei staatlichen Durchführungsorganisationen durch das DEval. Die Vortragenden entwerfen Perspektiven für eine konzeptionelle und methodische Gestaltung zukunftsweisender Evaluierungsarbeit.

 

Durch Evaluation und wissenschaftliche Begleitung ein Programm zur Demokratieförderung mitgestalten? Anregungen von Wandel und Veränderung in der (sozial-)pädagogischen Fachpraxis

Maren Zschach, Diana Zierold, Aline Rehse

Deutsches Jugendinstitut e.V., Außenstelle Halle, Deutschland

Beitrag 3 thematisiert mögliche Folgen, die Qualifikationsdefizite und Fachkräftemangel für die Arbeit von Modellprojekten und die Fachkräfte selbst haben können. Anhand dieses Ergebnisses einer Evaluation wird die Frage diskutiert, inwiefern das Anliegen von Evaluierenden, Prozesse zum Wandel von Arbeitsbedingungen für pädagogische Fachkräfte und zur weiteren Professionalisierung von präventiv-pädagogischen Angeboten anzustoßen, ein legitimes Vorgehen in der Evaluation darstellt.

 

Schlagworte: Nutzung und Einfluss von Evaluationen, gesellschaftliche Relevanz, Rollen von Evaluierenden, Standards der Evaluation und ethische Fragen, Forschung über Evaluation, Meta-Evaluation


Externe Ressource:
Präsentationen

Wandel durch Metaevaluierung

Martin Noltze, Laura Kunert, Marian Wittenberg

Deutsches Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval), Deutschland

Mit dem universalen Leitbild „Transforming our world“ der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung haben sich die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen 2015 dem gesellschaftlichen Wandel verschrieben. Die Evaluierung als angewandte Wissenschaft, hat sich zum Ziel gesetzt diesen Wandel nach Kräften zu unterstützen. Doch wie können Evaluierungen diesem Anspruch gerecht werden und zum Anstoß von Transformationsprozessen in Organisationen beitragen?

Mit dem Ziel den institutionellen Wandel durch die Schaffung von Evidenz und Empfehlungen zu unterstützen erweist sich die Meta-Evaluierung als wirkmächtiges Instrument. Auf Basis einer systematischen Auseinandersetzsetzung mit der Qualität von Evaluierungen und begleitet von entsprechenden Lern- und Rechenschaftslegungsmechanismen, bringen Meta-Evaluierungen relevante Hebel für einen Wandel in Stellung. Im Bereich der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind Meta-Evaluierungen bereits bei einigen Organisationen institutionalisiert, untern anderem am Deutschen Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval).

Im Rahmen des vorliegenden Beitrags diskutieren die Autor*innen den Einfluss von organisationsübergreifenden Meta-Evaluierungen auf die Evaluationspraxis und den institutionellen Wandel deutscher Entwicklungsorganisationen. Auf Basis eines wirkungsorientierten Monitorings beginnt der Beitrag mit einer Auseinandersetzung mit den Wirkungen einer 2018 abgeschlossenen Meta-Evaluierung von über 500 Projekt-Evaluierungen von zwei staatlichen Durchführungsorganisationen durch das DEval. Anschließend erfolgt eine konzeptionelle und methodische Reflektion zukunftsweisender Evaluierungsarbeit mit Blick auf eine am DEval laufende Meta-Evaluierung, die sich mit Aspekten der Qualität von ca. 350 Projekt-Evaluierungen unterschiedlicher staatlicher und nichtstaatlicher Akteure in der EZ befasst.



Durch Evaluation und wissenschaftliche Begleitung ein Programm zur Demokratieförderung mitgestalten? Anregungen von Wandel und Veränderung in der (sozial-)pädagogischen Fachpraxis (Arbeitstitel)

Maren Zschach, Diana Zierold, Aline Rehse

Deutsches Jugendinstitut, Außenstelle Halle, Deutschland

Forschungsvorhaben (und im engeren Sinne Wissenschaftler:innen) mit einem evaluativen Auftrag sind immer wieder vor die Frage gestellt, welche Position gegenüber den Auftrag gebenden auf der einen Seite und den Beforschten auf der anderen Seite eingenommen werden soll. Daran gebunden steht die Frage danach im Raum, inwiefern ein „Wandel durch Evaluation“ ein Arbeitsziel sein kann. Wesentlich für eine Beantwortung ist die Vergegenwärtigung der Folgen des forschenden Handelns, sowohl für die eine wie für die andere Seite.

Diese Problemstellung berührt das Evaluationsprojekt, welches als zentrales Beispiel dienen soll in besonderer Weise: Im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ sind wir als Evaluierende vor die schwierige Aufgabe gestellt, die praktische Umsetzung der Projekte zu bewerten und zugleich vor Ort aktiv und kritisch zu begleiten. Zudem stehen Evaluationen dieser Art jeweils in einem Spannungsfeld des Blicks einer breiten Öffentlichkeit, politischer Akteure, von Fach- und Berufsverbänden, gesellschaftlich und politisch relevanten Vereinen und Institutionen, aber auch der Träger und Beschäftigten der Praxis-Projekte selbst.

Anhand von Daten aus einer standardisierte Online-Befragung, die als Vollerhebung für den Bereich der Modellprojekte innerhalb der ersten Förderphase des Bundesprogramms (2015-2019) durchgeführt wurde, einer Dokumentenanalyse des Interessenbekundungsverfahrens sowie einer genuin qualitativen Interviewerhebung mit Fachkräften möchten wir im Vortrag der Frage nachgehen, wie der Fachkräftemangel im Feld der Radikalisierungsprävention und der politischen Bildung und die Heterogenität des vorfindlichen Berufsfeldes zu bewerten ist. Wir konzentrieren uns dabei auf den Bereich der Modellprojekte zu ausgewählten Phänomenen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und zur Demokratiestärkung im ländlichen Raum sowie zur Radikalisierungsprävention.

Unserer Analyse verweist im Ergebnis auf mögliche Folgen, die Qualifikationsdefizite für das Programm, aber auch Beschäftigte haben können, orientiert darüber hinaus jedoch zugleich auch auf Lösungsmöglichkeiten. Bestehen bleibt die Frage, inwiefern unser Anliegen, Prozesse anzustoßen, die zu einem Wandel von Arbeitsbedingungen für pädagogische Fachkräfte und zur weiteren Professionalisierung von präventiv-pädagogischen Angeboten beitragen können ein legitimes Vorgehen in der Evaluationsforschung darstellen. Diese Frage möchten wir im Anschluss an den Vortrag gern diskutieren.