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Sitzungsübersicht
Sitzung
C5: Wirkungsmodellierung als Grundlage für Wirkungsmessung in unterschiedlichen Politikfeldern
Zeit:
Freitag, 17.09.2021:
10:30 - 12:00

Leitung der Sitzung: Dr. Jan Tobias Polak, DEval

Gastgeber: AK Methoden


Zusammenfassung der Sitzung

Wirkungsorientierte Evaluationen werden in den verschiedensten Politikfeldern zunehmend nachgefragt, sei es im Arbeitsfeld Deradikalisierung oder in der kirchlichen seelsorgerischen Arbeit. Grundlage für Evaluierungen bilden dabei häufig Wirkungsmodellierungen, die die Wirkungsannahmen darstellen und zentrale Einflussfaktoren benennen (theorie-basierte Ansätze). Die Modelle werden operationalisiert und so einer Wirkungsmessung zugänglich gemacht. Im Rahmen der Session werden Evaluierungen aus den genannten Politikfeldern vorgestellt und Herausforderungen sowie Lösungsansätze diskutiert. Ein Fokus liegt dabei auf der Bedeutung der Wirkungsmodellierung für die Evaluationen.

 

Beitrag 1: Wirksamkeitsorientiert Evaluieren im Arbeitsfeld Deradikalisierung

Vortragende: Teresa Rupp, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Deutschland

 

Das Forschungszentrum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge überprüft regelmäßig, welche Deradikalisierungsmaßnahmen sich im Bereich der Tertiärprävention bewähren. Dabei wird der Ruf nach wirksamkeitsorientierten Evaluationen immer deutlicher vernehmbar. Im Fokus steht die Frage: Was funktioniert für wen, wann, wie und unter welchen Bedingungen?

Um diese Frage zu beantworten, entwickelt das BAMF Forschungszentrum gemeinsam mit einem/-r externen Partner/-in geeignete Instrumente, mit denen Evaluationen in eine wirksamkeitsorientierte Zielrichtung überführt werden können. Im Rahmen des Vortrags wird die Evaluation zweier bundesfinanzierter Beratungsstellen vorgestellt, bei denen die der Beratungsarbeit zugrundeliegenden Wirkungsannahmen (Theories of Change) und anekdotische, in der Arbeitspraxis bewährte Evidenzen wissenschaftlich überprüft werden. Durch die formativ-partizipative Umsetzung der Evaluation soll eine positive Fehlerkultur etabliert werden.

 

Beitrag 2: Das Unverfügbare messen – ein Wirkungsmodell religiöser Vitalität zur Evaluation kirchlicher Projektarbeit

Vortragende: Miriam Zimmer & Veronika Eufinger, Ruhr-Universität Bochum, Deutschland

 

Säkularisierung beschreibt als fortschreitende Entkirchlichung und Privatisierung des Religiösen einen gesellschaftlichen „Megatrend“ (Pollack 2018). Aus kirchlicher Innenperspektive handelt es sich um eine multikausale Krise.

Auf der Suche nach Wegen aus der organisationalen Krise wird Evaluation kirchlichen Handelns zunehmend nachgefragt und als Instrument evidenzbasierter Steuerung auch in der Kirche eingesetzt. Für die im Rahmen des Vortrags vorgestellte Evaluation wurde ein Wirkungsmodell religiöser Vitalität entwickelt, das ein interdisziplinäres Evaluationskonzept seelsorgerischer Arbeit zwischen Religionssoziologie, Theologie und Evaluationsforschung darstellt. Das Wirkungsmodell nimmt theoretisch fundiert vier Merkmale kirchlicher Arbeit (Professionalität, Kontextualität, Spiritualität und Intentionalität) als zentrale Einflussfaktoren auf Vitalität an. Die empirische Operationalisierung mit qualitativen und quantitativen Instrumenten und die Überprüfung des Modells wird anhand von 40 Seelsorgeprojekten vorgestellt.

 

Schlagworte: Verwaltung (AK), Soziale Dienstleistungen (AK), Methoden in der Evaluation (AK), Mixed Methods, Quantitative Methoden, Qualitative Methoden, Programmtheorie und Wirkmodelle, Nutzung und Einfluss von Evaluationen, Auftraggebende von Evaluationen, Sonstiger Evaluationskontext oder -gegenstand


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Präsentationen

Wirksamkeitsorientiert Evaluieren im Arbeitsfeld Deradikalisierung

Teresa Rupp

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Deutschland

Das Forschungszentrum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge überprüft regelmäßig, welche Deradikalisierungsmaßnahmen sich im Bereich der Tertiärprävention bewähren. Nach der Durchführung von Netzwerk- und Prozessevaluationen wird der Ruf nach wirksamkeitsorientierten Evaluationen (auch international) in Praxis, Wissenschaft und im politischen Raum immer deutlicher vernehmbar. Im Fokus steht dabei die Frage: Was funktioniert für wen, wann, wie und unter welchen Bedingungen?

Um diese Frage zu beantworten, entwickelt das BAMF Forschungszentrum gemeinsam mit einem/-r externen Partner/-in geeignete Instrumente, mit denen Evaluationen aus einer prozessorientierten Perspektive in eine wirksamkeitsorientierte Zielrichtung überführt werden können. Im Rahmen der wirksamkeitsorientierten Evaluation zweier bundesfinanzierter Beratungsstellen werden die der Beratungsarbeit zugrundeliegenden Wirkungsannahmen (Theories of change) und anekdotische, in der Arbeitspraxis bewährte Evidenzen wissenschaftlich überprüft. Nur so können konsolidierte Aussagen über die Effektivität und Effizienz von Beratungsmaßnahmen getroffen werden. Die Evaluation wird formativ-partizipativ umgesetzt und strebt an, eine positive Fehlerkultur zu etablieren, die es den verschiedenen Akteuren erlaubt, auch Misserfolge konstruktiv aufzuarbeiten.

Der Einzelvortrag skizziert am Beispiel dieses konkreten Evaluationsvorhabens die Weiterentwicklung von Zielen, Rollen und Durchführungen von Evaluationen in der öffentlichen Verwaltung. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf den notwendigen Rahmenbedingungen für die Umsetzung dieser Grundlagenarbeit sowie den Herausforderungen und innovativen Ansätzen bei der methodischen Umsetzung. Dabei wird durch ein Vortragsduo bestehend aus BAMF Forschungszentrum und externem/-r Partner/-in auch die Beziehung zwischen Auftragnehmer/-in und Bedarfsträger/-in thematisiert.



Das Unverfügbare messen – ein Wirkungsmodell religiöser Vitalität zur Evaluation kirchlicher Projektarbeit

Miriam Zimmer, Veronika Eufinger

Ruhr-Universität Bochum, Deutschland

Säkularisierung beschreibt als fortschreitende Entkirchlichung und Privatisierung des Religiösen einen gesellschaftlichen „Megatrend“ (Pollack 2018). Aus kirchlicher Innenperspektive handelt es sich um eine multikausale Krise: Missbrauchsskandale führen zu Austrittswellen und die Alterung der kirchlichen Trägerschicht akzentuiert die Milieuverengung der Gemeindereligiosität (Sellmann 2006). Das Wegbrechen personaler und finanzieller Ressourcen sowie der Verlust gesellschaftlicher Relevanz bedingt einen enormen organisationalen Veränderungsdruck. Auf der Suche nach Wegen aus der organisationalen Krise wird Evaluation kirchlichen Handelns zunehmend nachgefragt und als Instrument evidenzbasierter Steuerung auch in Kirche eingesetzt. Während in den USA (vgl. etwa US Congregational Vitality Survey) und Australien (vgl. National Church Life Survey) bereits seit den 1990er Jahren auf der Ebene lokaler Kirchengemeinden Mitgliederzufriedenheit, Qualität von Gottesdiensten oder Eigenschaften der kirchlichen Führungskräfte erfasst werden (Powell et al., 2019), stellt im deutschsprachigen Raum die Evaluation kirchlicher Seelsorgearbeit eine neue Entwicklung dar.

Die katholische Kirche Deutschland ringt derweil um Einsatz und Rolle von Evaluation als „change agent“ für organisationalen Wandel: Das wachsende interne Selbstverständnis als Organisation, und der steigende Rechtfertigungs- und Transparenzdruck von außen fördern ein zunehmendes Bewusstsein für Wirkungsmessung als Steuerungsinstrument (Zimmer & Eufinger, in Vb.). Der Umgang mit innerkirchlicher Skepsis gegenüber der Quantifizierung von Erfolgskriterien und die Operationalisierung komplexer Outcomes stellen jedoch spezifische Herausforderungen dar. Insbesondere stehen Evaluator:innen vor der Aufgabe der empirischen Messung des, per definitionem, Unverfügbaren.

Das hierfür entwickelte Wirkungsmodell religiöser Vitalität stellt ein interdisziplinäres Evaluationskonzept seelsorgerischer Arbeit zwischen Religionssoziologie, Theologie und Evaluationsforschung dar. Zugrunde liegt diesem ein mehrdimensionales Konzept der Vitalität religiöser Gemeinschaften. Das Wirkungsmodell nimmt theoretisch fundiert vier Merkmale kirchlicher Arbeit (Professionalität, Kontextualität, Spiritualität und Intentionalität) als zentrale Einflussfaktoren auf Vitalität an. Die empirische Operationalisierung mit qualitativen und quantitativen Instrumenten und die Überprüfung des Modells wird anhand von 40 Seelsorgeprojekten vorgestellt.



 
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