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21. Jahrestagung der DeGEval:
„Wirkungsorientierung und Evaluation“

12. - 14. September 2018  ·  Technische Universität in Dresden

 

Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Tagung.
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Sitzungsübersicht
Session
A5: Hochschule im Spannungsfeld von Lernen, Steuerung und Legitimation
Zeit:
Donnerstag, 13.09.2018:
14:30 - 16:00

Leitung der Sitzung: Dr. Lukas Mitterauer, Universität Wien, Besondere Einrichtung für Qualitätssicherung

Zusammenfassung der Sitzung

Hochschulen waren in den letzten Jahren einer Fülle von Änderungen unterworfen. Die Steuerungssysteme an Hochschulen wurden massiv geändert durch die Verlagerung vieler Entscheidungen von der ministeriellen Ebene hin zu den Hochschulen, der Wechsel von einer Input- zu einer Outputsteuerung und der Abschaffung kollegialer Entscheidungsgremien durch monokratische Organe. Auf Seiten der Forschung ist vor allem die steigende Bedeutung von Drittmitteln bei gleichzeitiger Verringerung der Basisausstattung festzustellen. Damit verknüpft hat sich die Personalstruktur dahingehend verändert, dass der Anteil befristeter Stellen massiv angewachsen ist. Im Bereich der Lehre sind vor allem die Einführung dreigliedriger Studiensysteme (Bachelor, Master, Doktorat), eine weiterer Anstieg der Studierendenzahlen, der Wechsel hin zu einer kompetenzorientierten Lehre und damit verbunden der Fokus auf forschendes Lernen sowie die zunehmende Digitalisierung der Lehre und der Lehrverwaltung zu nennen.

Alle diese Entwicklungen stellen die Evaluation an Hochschulen abseits bereits etablierter Instrumente der Qualitaetssicherung vor neue Herausforderungen. Die in dieser Session diskutierten Evaluationsmethoden setzen genau an dieser Stelle an:

Stefan Schelske und Andreas Fritsch problematisieren bisherige Erhebungsformen zur Messung des Kompetenzerwerbs durch Befragungen bei AbsolventInnen und stellen einen alternativen Ansatz zur Evaluation des Kompetenzerwerbs vor.

Mandy Schiefner-Rohs und Eileen Lübcke systematisieren unterschiedlichste Ansätze, die unter dem Schlagwort forschendes Lernen firmieren, um daraus eine theoriegeleitete Evaluation dieser Aktivitäten zu ermöglichen.

Der dritte Beitrag von Marcel Faaß, Thi Nguyen, Olaf Ratzlaff und Wenke Seemann geht der Frage nach, wie hochschulische Projekte, seien sie intern initiiert oder über Drittmittel gefördert, auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden können.


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Präsentationen

Kompetenzen oder Kompetenzvermittlung? Auf was wir bei der Evaluation von Studiengängen abzielen sollten.

Stefan Schelske, Andreas Fritsch

Universität Greifswald

Ein Hochschulstudium soll die Vermittlung von Fachwissen und fachübergreifendem Wissen sowie den Erwerb von fachlichen, methodischen und generischen Kompetenzen ermöglichen (Akkreditierungsrat 2013, S.11). Gemäß dieser Vorgabe ist die „Wirksamkeit“ eines Studienangebotes gegeben, wenn Wissen und Kompetenzen vermittelt werden. In der Praxis der Studiengangsevaluation wird in der Regel versucht, die Output-Variablen Wissenstand und Niveau der Kompetenzen über die Selbsteinschätzung der Studierenden zu erfassen (z. B. KOAB). Hierbei bestehen jedoch mehrere Probleme. Erstens werden dabei Prozessvariablen und somit die Wirkung des Studiengangs außer Acht gelassen. Zweitens ist die Selbsteinschätzung von wünschenswerten Eigenschaften und Fähigkeiten durch Selbstdarstellungsmotive beeinträchtigt. Drittens verfügen Studierende mit mangelnder Kompetenz oftmals nicht über das nötige Wissen, um das Niveau ihrer Kompetenz korrekt einzuschätzen (Kruger & Dunning, 1999). Wir raten daher von dieser Praxis ab und empfehlen stattdessen einen wirkungsnäheren Zugang: die Messung der Kompetenzvermittlung.

Natürlich können Studierende nur unzureichend einschätzen, wie gut ihnen durch Curriculum und Lehrende die zentralen Kompetenzen des Fachs vermittelt werden. Aber sie können sehr gut einschätzen, ob und in welchem Ausmaß es in ihrem bisherigen Studium bestimmte Aktivitäten und Bedingungen gab. Kennen wir jene Aktivitäten und Bedingungen, die für den jeweiligen Kompetenzerwerb notwendig oder günstig sind, können wir die Studierenden danach fragen, ob und in welchem Ausmaß diese Möglichkeiten im Studium vorlagen. Da diese Fragen nicht auf selbstwertrelevante Aspekte sondern auf Mechanismen des Kompetenzerwerbs abzielen, können wir damit viel über Wirkung und Wirksamkeit eines Studienangebots erfahren.

Im Vortrag wird der Ansatz anhand von Skalen zur Vermittlung von fachlichen, methodischen und generischen Kompetenzen näher vorgestellt. Zudem werden erste empirische Befunde zu drei Studiengängen berichtet. Im Vergleich zu herkömmlichen Kompetenzskalen differenzieren die neuen Skalen stärker zwischen den Studiengängen.

Der Ansatz fördert die valide, differenzierte und wirkungsorientierte Analyse von Studienangeboten. Durch den Zugang über Lernaktivitäten und -bedingungen wird die Gestaltung der Lehre und der Curricula direkt angezielt und ermöglicht die Optimierung von Wissens- und Kompetenzvermittlung.


Wirkungen forschenden Lernens an der Schnittstelle zwischen Evaluation und Grundlagenforschung

Mandy Schiefner-Rohs1, Eileen Lübcke2

1TU Kaiserslautern, Deutschland; 2Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen (HUL)

Forschendes Lernen wird oft gefordert, aber nur vereinzelt evaluiert (u.a. Tremp & Futter 2012). In unserem QPL-Begleitforschungsprojekt FideS beschäftigen wir uns mit der Frage nach Wirkungsebenen von Forschungsorientierung. Unsere Ergebnisse zeigen gut, dass es „nicht ‚das allgemeine‘ beste Design“ (Balzer et. al. 1999: 131) gibt, sondern Wirkung abhängig von den Zielen der jeweiligen Projekte ist. Somit ist es notwendig, Evaluationsforschung stärker in Abhängigkeit der Zielebenen zu planen und Unterschiede zwischen den hochschuldidaktischen Handlungsebenen zu fokussieren. Zur Ermittlung von Wirkungsplausibilisierungen nutzt man meist Programmtheorien (u.a. Rogers et al. 2000), in denen auf Basis von Wirkannahmen für Programme ‚individuelle‘ Theorien mittlerer Reichweite (Reith & Kelle 2016) entwickelt werden (Giel 2016).

Wir möchten eine weitere Form der Nutzung vorstellen: Wir entwickeln projektübergreifende Zielsysteme forschenden Lernens aus 19 untersuchten QPL-Projekte. Diese können zu einer allgemeinen Programmtheorie forschenden Lernens beitragen, die nicht nur eine theoriegeleitete Evaluation unterstützt, sondern einen grundlegenden Forschungsrahmen bietet. So ist es möglich, nicht nur Steuerungswissen für Qualitätsentwicklung zu generieren, sondern auch Perspektiven für Grundlagenforschung zu adressieren. Wir möchten daher zeigen, wie sich eine solche Zielanalyse in die Frage nach Wirkungen sowohl unter Perspektive der Qualitätsentwicklung als auch der Grundlagenforschung einbetten lässt.

Literatur: https://tinyurl.com/ycvzfsuh


Projektevaluation an Hochschulen – Steuerungsinstrument oder Legitimationsfassade

Marcel Faaß1, Thi Nguyen1, Olaf Ratzlaff1, Wenke Seemann2

1Universität Potsdam ZfQ, Deutschland; 2Technische Universität Berlin

Bei drittmittelgeförderten Projekten an Hochschulen in Bereichen wie Studium & Lehre, Governance oder Hochschulentwicklung (beispielsweise Projekte im Rahmen des Qualitätspakts Lehre oder der Exzellenzinitiative) werden schon in den Projektausschreibungen zunehmend begleitende Evaluationen verlangt, die Projektziele überprüfen und als Grundlage für wirkungsorientierte Steuerungsentscheidungen dienen sollen. Anders als in anderen Bereichen der DeGEval ist das Feld der Projektevaluation an Hochschulen noch vergleichsweise neu und wenig professionalisiert.

Im geplanten Einzelvortrag werden wir aufzeigen, wie EvaluatorInnen die Wirksamkeit von Projektevaluationen bewerten und in welchem Zusammenhang die Bedingungen wirkungsorientierter Projektevaluationen mit den strukturellen Besonderheiten von Projekten an Hochschulen stehen. Dienen Projektevaluationen als Grundlage für wirkungsorientierte Steuerungsentscheidungen oder fungieren sie lediglich als Legitimationsfassade? Wir werden dabei u.a. auf folgende Fragestellungen eingehen: Wer führt Projektevaluationen durch?“; „Welche Funktionen sollten Projektevaluationen haben, welche haben sie tatsächlich?“; „Wie wird die Wirksamkeit von Projektevaluationen an Hochschulen durch EvaluatorInnen eingeschätzt?“.

Grundlage des Einzelbeitrages sind die Ergebnisse einer Befragung an Berliner und Brandenburger Hochschulen von für Projektevaluationen verantwortlichen MitarbeiterInnen zu den Herausforderungen und Problemstellungen von Projektevaluationen an Hochschulen. Die Datengrundlage umfasst die Rückmeldung von 36 mit Projektevaluationen betrauten Akteuren. Die Befragungsergebnisse werden im Rahmen eines Forums zur Thematik auf der 16. Jahrestagung des Arbeitskreises Evaluation und Qualitätssicherung der Berliner und Brandenburger Hochschulen in Vorträgen der verschiedenen Stakeholder an Projektevaluationen an Hochschulen aufgegriffen und zur Diskussion gestellt. Die Ergebnisse des Forums werden im Beitrag systematisiert und mit den Befragungsdaten verknüpft, so dass wir zudem auch gemeinsam erarbeitete Lösungsansätze auf die genannten Fragestellungen auf der DeGEval-Jahrestagung innerhalb der Evaluationsgemeinschaft zur Diskussion stellen können.



 
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