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Sitzungsübersicht
Session
Oliver Höner: Talentforschung im Fussball: Sportpsychologische Erkenntnisse im Rahmen eines sportwissenschaftlichen Forschungsprogramms
Zeit:
Freitag, 26.05.2017:
14:15 - 15:15

Chair der Sitzung: Günter Amesberger, Universität Salzburg
Ort: Hörsaal 001
400 Plätze, Fabrikstrasse 6

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Präsentationen

Talentforschung im Fußball: Sportpsychologische Erkenntnisse im Rahmen eines sportwissenschaftlichen Forschungsprogramms

Oliver Höner

Eberhard Karls Universität Tübingen

Angesichts der zunehmenden Leistungsdichte im Spitzensport sind Sportverbände und -vereine darauf angewiesen, das Leistungspotenzial talentierter NachwuchssportlerInnen langfristig zu entwickeln, um auch zukünftig konkurrenzfähig bleiben zu können. Die vorhandenen Ressourcen zur Förderung solcher Talente sind jedoch limitiert und damit ist die Selektion der vielversprechendsten Talente eine unabdingbare Aufgabe der Sportpraxis. An der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis ergibt sich für eine anwendungsorientierte Talentforschung dabei ein Dilemma: Einerseits erwartet die Praxis unterstützende Hinweise zur Talentprognose, da ansonsten die Selektion von Talenten fast ausschließlich auf subjektiven Trainerurteilen (z. B. im Sportspiel) oder auf der Beurteilung von Wettkampfleistungen (z. B. in Individualsportarten) beruhen muss. Andererseits mangelt es bisher an empirischer Evidenz für prognostische Merkmale, auf Basis derer eine Talentselektion zu rechtfertigen wäre. Vor diesem Hintergrund ist in den letzten Jahren die sportwissenschaftliche Talentforschung intensiviert worden, und es liegen mittlerweile prospektive Befunde zur Prognoserelevanz von Talentmerkmalen vor. In dem Vortrag soll am Beispiel der Talentforschung im Fußball die Erkenntnislage prospektiver Studien aus sportpsychologischer Perspektive aufbereitet werden. Neben systematischen Reviews zur internationalen Talentforschung im Fußball werden exemplarisch Daten aus der sportwissenschaftlichen Begleitung des DFB-Talentförderprogramms berichtet, die Informationen über die Prognoserelevanz motorischer Fähigkeiten und Fertigkeiten, psychologischer Persönlichkeitsdispositionen sowie perzeptuell-kognitiver Leistungsfaktoren bereitstellen. Dabei bieten sowohl die Reviews als auch die eigenen Daten eine heterogene Befundlage, die insbesondere durch einen starken Einfluss von Moderatorvariablen gekennzeichnet ist. So unterscheidet sich die Prognoserelevanz einzelner Merkmale z. T. deutlich in Abhängigkeit davon, auf welchem Leistungsniveau oder in welcher Altersklasse die Studien durchgeführt wurden. Im Anschluss an die Analyse des empirischen Forschungsstands im Fußball werden Herausforderungen für die sportpsychologische Forschung mit Bezug zur Theoriebildung und Forschungsmethodik herausgearbeitet. Sportpsychologische Talentforschung sollte demnach idealerweise Ansätze der prospektiven Begabungsforschung und der retrospektiven Expertiseforschung verknüpfen. Dabei ist von einem weiten, dynamischen und bereichsspezifischen Talentbegriff auszugehen, der eine multidimensionale, längsschnittliche sowie spezifische Erfassung potenzieller Talentprädiktoren impliziert. Weitere Herausforderungen bestehen darin, die Prognosevalidität sowohl gruppen- als auch individuumsbezogen zu beurteilen und die Relevanz empirischer Indikatoren (z. B. motorischer Tests, Fragebogenskalen) von derjenigen der zugrunde liegenden theoretischen Faktoren (z. B. motorische Fähigkeiten oder Fertigkeiten, psychische Dispositionen) konzeptionell zu trennen. Als übergeordnetes Ziel sollte die sportpsychologische Theorienbildung in dem Sinne weiterentwickelt werden, dass zukünftig – über aktuelle heuristische Rahmenmodelle der Talentforschung hinausgehend – vermehrt empirisch prüfbare Theorien formuliert werden, in denen die jeweilige Wirkungsweise psychologischer und anderer Merkmale spezifiziert wird.



 
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