Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Session
AK 21: Motorische Leistungsfähigkeit als Determinante für eine gesunde Entwicklung
Zeit:
Samstag, 27.05.2017:
10:50 - 12:10

Chair der Sitzung: Till Utesch, Universität Münster
Chair der Sitzung: Claudia Albrecht, Karlsruher Institut für Technologie
Ort: Hörsaal 102
120 Plätze, Fabrikstrasse 6

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Präsentationen

Eine realistische Selbsteinschätzung der motorischen Leistungsfähigkeit fördert die gesunde Entwicklung insb. von Kindern aus Risikogewichtsgruppen

Till Utesch1, Dennis Dreiskämper1, Roland Naul2, Katharina Geukes1

1Westfälische Wilhelms-Universität Münster; 2Willibald Gebhardt Institut

Aktives Bewegungsverhalten trägt aufgrund von geringerem Übergewichtsrisiko maßgeblich zur gesunden Entwicklung von Kindern und Jugendlichen bei (Janssen & LeBlanc, 2010). Als wichtige Indikatoren von zukünftiger physischer Aktivität gelten aus sportwissenschaftlicher Sicht insbesondere das physische Selbstkonzept sowie die tatsächliche motorische Leistungsfähigkeit (vgl. Stodden et al., 2008). (Nicht nur) im Kindesalter kann die Güte der motorischen Selbsteinschätzung jedoch von der tatsächlichen Leistungsfähigkeit divergieren. Ein Kind, das hohe Werte im physischen Selbstkonzept aufweist, muss nicht notwendigerweise auch motorisch leistungsstark sein (z. B. Helmke, 1999). Dies gilt besonders für Kinder aus Risikogewichtsgruppen (Über- sowie Untergewicht), denn diese erhalten situationsübergreifend und insbesondere im Sport, häufig stigmatisiertes Feedback. Ziel dieser Studie ist es, (1) den Einfluss der Übereinstimmung von motorischer Selbsteinschätzung und tatsächlicher motorischer Leistung auf zukünftige physische Aktivität zu modellieren und (2) den moderierenden Effekt des Gewichtstatus zu prüfen. In die Untersuchung gehen nach WHO-Kriterien 55 untergewichtige, 494 normalgewichtige, 130 übergewichtige und 36 adipöse DrittklässlerInnen (GKGK, Naul et al., 2012; Alter: M = 9.21, SD = 0.52) ein. Als Indikator motorischer Leistungsfähigkeit wurden drei produkt-orientierte Ballfertigkeiten (AST; Bös & Wollmann, 1987) genutzt. Fragebogenbasiert wurden die physische Aktivität und das physische Selbstkonzept (PSK-K; Dreiskämper et al., 2015) erhoben. Polynomiale Regressionsmodelle mit Response Surface Analysen wurden angewendet, um Effekte der Übereinstimmung (Kongruenz) zwischen physischem Selbstkonzept und tatsächlicher motorischer Leistung auf zukünftige physische Aktivität zu untersuchen. Durch eine quasi-DIF Modellierung wurde die Moderation des Körpergewichts untersucht. Die polynomiale Regression zeigt einen additiven Übereinstimmungseffekt (CFI > .99, R2 = .05). Additiv bedeutet, dass höhere Werte im physischen Selbstkonzept sowie der tatsächlichen Leistung mit aktiverem Bewegungsverhalten assoziiert sind (.05 < bi < .09, p < .05). Darüber hinaus zeigen Kinder, deren physisches Selbstkonzept mit der tatsächlichen Leistungsfähigkeit übereinstimmt, substantiell höhere physische Aktivität (.07 < ai < .16, p < .05). Der Übereinstimmungseffekt wird durch das Gewicht moderiert (U-Form: R2Untergewicht = .31; R2Normalgewicht = .03; R2Übergewicht =.13; R2Adipositas = .16). Das bedeutet, dieser Effekt gilt insbesondere für zu leichte und zu schwere Kinder. Die Förderung der motorischen Leistungsfähigkeit und des physischen Selbstkonzepts werden häufig als Kernstrategien beschrieben, um z. B. in Schulsettings die physische Aktivität von Kindern zu fördern und ein gesundes Aufwachsen zu unterstützen. Diese Studie zeigt, dass eine eindimensionale Perspektive auf beide Faktoren unzureichend ist. Das komplexe Zusammenspiel dieser sollte insbesondere bei Kindern aus Risikogewichtsgruppen für eine holistische motorische und psychosoziale Förderung berücksichtigt werden. Insbesondere Maßnahmen hin zu einer veridikalen Einschätzung des physischen Selbstkonzepts können aktives Bewegungsverhalten und somit eine gelingende Entwicklung unterstützen.


Elaboration der Environmental Stress Hypothesis – Ergebnisse einer populationsbasierten Längsschnittstudie

Matthias Wagner1, Darko Jekauc2, Annette Worth3, Alexander Woll4

1Universität Konstanz; 2Humboldt Universität Berlin; 3Pädagogische Hochschule Karlsruhe; 4Karlsruher Institut für Technologie

Kinder mit grossmotorischen Problemen zeigen oftmals auch physische und psychosoziale Auffälligkeiten; die Relevanz grossmotorischer Probleme für die Entwicklung ebd. Auffälligkeiten ist in der Environmental Stress Hypothesis (ESH; Mancini et al., 2016) modelliert. Ziel des Beitrages ist die längsschnittliche Elaboration der ESH. Hierzu wird angenommen, dass im Vergleich zu grossmotorisch unauffälligen Kindern, Kinder mit grossmotorischen Problemen ein höheres Risiko für persistente grossmotorische Probleme (H1), die Vermeidung vereinsorganisierter Aktivitäten (H2), Übergewicht/Adipositas (H3), Peerprobleme (H4), ein vermindertes prosoziales Verhalten (H5), einen inaktiven Freundeskreis (H6) sowie internalisierende (H7) und externalisierende (H8) Probleme im Jugendalter aufweisen. Zur Überprüfung der Hypothesen H1-H8 dienen die Daten des Motorik-Moduls (MoMo). MoMo gründet auf einem populationsbasiert-repräsentativen Querschnitt der Vier- bis 17-Jährigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland (T1), der nach sechs Jahren längsschnittlich weitergeführt wurde (T2) und beinhaltet standardisierte Instrumente in den Bereichen Motorik, Aktivität und Gesundheit (im Überblick Wagner et al., 2014). Basis der hier vorgenommenen längsschnittlichen Betrachtung sind die Sechs- bis Zehnjährigen Kinder zu T1 (N = 1'681; M = 8.27 Jahre, SD = 1.48; 50.40% Jungen); diese wurden zu T2 als Zwölf- bis 16-Jährige Jugendliche erneut untersucht (N = 940; Response: 55.90%; M = 14.37 Jahre, SD = 1.46; 49.10% Jungen). Die Identifikation von Kindern/Jugendlichen mit grossmotorischen Problemen erfolgte über drei grossmotorische Tests in Anlehnung an den Körperkoordinationstest (vgl. Worth et al., 2015) und unter Verwendung des alters- und geschlechtsspezifischen, 15. Perzentils. Zur Analyse der längsschnittlichen Daten dienen binär logistische Regressionen unter Berücksichtigung der Stabilität der jeweiligen abhängigen Variablen. Hiernach zeigen Kinder mit grossmotorischen Problemen im Vergleich zu grossmotorisch unauffälligen Kindern ein höheres Risiko für persistente grossmotorische Probleme (OR = 7.99, p < .0001), die Vermeidung vereinsorganisierter körperlich-sportlicher Aktivitäten (OR = 1.53, p < .05), Übergewicht/Adipositas (OR = 1.78, p < .05), einen körperlich-sportlich inaktiven Freundeskreis (OR = 1.84, p < .001) sowie internalisierende (OR = 1.73, p < .05) und externalisierende (OR = 1.79, p < .05) Probleme im Jugendalter. Die Entwicklung der Peerbeziehungen (OR = 1.35, p = .164) sowie des prosoziales Verhalten (OR = 1.90, p = .168) werden durch grossmotorische Probleme dagegen nicht beeinflusst. Die Ergebnisse zeigen die Relevanz grossmotorischer Probleme für die Entwicklung physischer und psychosozialer Auffälligkeiten. Im Zentrum der Folgeanalysen stehen die Einflüsse der personalen und sozialen Ressourcen.


Diagnose und Modellierung motorischer Basiskompetenzen und ihre Entwicklung

Christian Herrmann1, Christopher Heim2, Fabienne Ennigkeit2, Harald Seelig1

1Universität Basel; 2Goethe-Universität Frankfurt am Main

Motorische Basiskompetenzen gewährleisten als erlernbare Leistungsdispositionen, dass Kinder qualifiziert an der Sport- und Bewegungskultur teilnehmen können. Ziel des Beitrags ist es, die Entwicklung motorischer Basiskompetenzen über ein Schuljahr abzubilden und potentielle Einflussfaktoren zu untersuchen. Im Rahmen der Evaluation des Projekts „Schulkids in Bewegung“ (SKIB) wurden N = 1'031 Kinder der ersten und zweiten Jahrgangsstufe (54% Jungen, Mt1 = 6.83 Jahre, SD = 0.44) im Oktober 2014 (t1) und im Juni 2015 (t2) längsschnittlich in den Kompetenzbereichen Sich-Bewegen und Etwas-Bewegen (MOBAK-1 Testinstrument; Herrmann, Gerlach & Seelig, 2015) untersucht. Weiterhin wurde die sportliche Aktivität der Kinder über Elternfragebögen erfasst. Mittels autoregressiver IRT-Strukturgleichungsmodelle wurde die Stabilität der motorischen Basiskompetenzen über die Zeit geprüft. Darauf aufbauend wurde der Einfluss endogener (Geschlecht, BMI, Alter) und exogener Variablen (Teilnahme am SKIB-Projekt und Vereinssport) auf die Veränderung der motorischen Basiskompetenzen untersucht. Die faktorielle Invarianz über die Zeit war für die beiden MOBAK-Faktoren Sich-Bewegen und Etwas-Bewegen gegeben, so dass das MOBAK-1 Testinstrument für Längsschnittsanalysen genutzt werden konnte. Die Resultate lassen eine Verbesserung der motorischen Basiskompetenzen im Verlauf eines Schuljahres deutlich erkennen. Die motorische Kompetenzentwicklung war bei den Jungen stärker im Etwas-Bewegen und bei den Mädchen stärker im Sich-Bewegen ausgeprägt. Kinder mit hohem BMI zeigten im Vergleich zu Kindern mit geringerem BMI weniger Kompetenzzuwächse. Das Vereinsengagement im Mannschaftssport besaß einen positiven Einfluss auf die Entwicklung des Etwas-Bewegens, während ein Engagement im Individualsport einen positiven Einfluss auf die Kompetenzentwicklung im Sich-Bewegen hatte. Das MOBAK-1-Testinstrument erwies sich als konstruktvalide und messinvariant. Die motorische Kompetenzentwicklung im Grundschulalter konnte adäquat abgebildet werden und wurde von endogenen und exogenen Faktoren beeinflusst.


Motorische Leistungsfähigkeit als Prädiktor für den allgemeinen Gesundheitszustand im Kindes- und Jugendalter? Ergebnisse MoMo-Längsschnittstudie

Claudia Albrecht1, Anke Hanssen-Doose2, Alexander Woll1, Annette Worth2

1Karlsruher Institut für Technologie; 2Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Bewegung gilt als Prädiktor für ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen (Bouchard et al., 2012). Im Kindes- und Jugendalter existieren wenige Studien, welche die Analyse von kausalen Zusammenhängen zwischen motorischer Leistungsfähigkeit und dem Gesundheitszustand untersuchen. Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit diesen Zusammenhängen. Die Analyse basiert auf Daten der für Deutschland repräsentativen MoMo-Studie sowie der KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts (Bös et al., 2009; Hölling et al., 2012). Die Längsschnittbetrachtung bezieht 429 Teilnehmende (214 m; 215 w) ein, welche zur Basiserhebung t0 (2003-2006) zwischen 11 und 17Jahren waren und nach 6 Jahren zur Welle 1 (t1) erneut untersucht wurden (2009-2012). Die motorische Leistungsfähigkeit (nachfolgend „Motorik“) wurde mit dem MoMo-Testprofil erfasst (Worth et al., 2015). Die Einschätzung des allgemeinen Gesundheitszustands (nachfolgend „Gesundheit“) erfolgt anhand einer 1-Item-Frage: „Wie würdest du deinen Gesundheitszustand im Allgemeinen beschreiben?“ (5-stufige Antwort-Skala: »sehr gut«, bis »sehr schlecht«). Mittels Cross-Lagged-Panel-Analysen (AMOS 23) werden die Zusammenhänge zwischen Motorik (Standweitsprung, seitliches Hin- & Herspringen (Gesamtkörperkoordination), PWC 170) und Gesundheit für beide Geschlechter analysiert. Das Modell (CMIN/DF = 7.15; CFI = 0.76) für die weiblichen Studienteilnehmer zeigt eine hohe Stabilität für die motorische Leistungsfähigkeit über die Zeit (R = 0.984; p ≤ 0.01) und für den allgemeinen Gesundheitszustand (MW t0 = 1.8; SD = 0,56; MW t1 = 1.8; SD = 0.63) eine geringe Stabilität (R = 0.293; p ≤ 0.01). Die Kreuzpfade erweisen sind auf 0,01 Niveau als nicht signifikant (Motorik t0àGesundheit t1: R = 0.01,n.s; Gesundheit t0àMotorik t1: R = 1.14, n.s.). Das Modell (CMIN/DF = 7.57; CFI = 0.70) für die männlichen Studienteilnehmer zeigt ebenfalls eine hohe Stabilität für die Motorik über die Zeit (R = 0.66; p <= 0.01), der Zusammenhang zwischen Gesundheit zu t0 (MW = 1.84; SD = 0.56) und t1 (MW = 1.71; SD = 0.58) wird nicht signifikant. Bei männlichen Teilnehmenden erweisen sich die Kreuzpfade als nicht signifikant (Motorik t0àGesundheit t1: R = 0.004, n.s; Gesundheit t0àMotorik t1: R = 2.36, n.s.). Die dargestellten Ergebnisse zeigen keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Motorik zu t0 und Gesundheit zu t1 bei 11-17-Jährigen. Eine Erklärung kann die für diese Fragestellung grobe Operationalisierung des allgemeinen Gesundheitszustands anhand einer 1-Item-Frage darstellen und die erwartungsgemäß guten Werte der 11-17-Jährigen (Deckeneffekt). Der geringe Zeitraum von 6 Jahren oder Auswirkungen wie die Besonderheiten der Lebensphase Pubertät oder anderen Drittvariablen sind eine andere Erklärung. Weiterführende Analysen unter Einbeziehung zusätzlicher subjektiver und objektiver Gesundheitsparameter (Lebensqualität, Schmerzskalen, BMI, Blutparameter) sind notwendig sowie die weitere Kontrolle von Drittvariablen.



 
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