Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Session
AK 7: Persönlichkeit im Leistungssport
Zeit:
Freitag, 26.05.2017:
8:30 - 9:50

Chair der Sitzung: Katharina Geukes, Westfälische Wilhelm-Universität Münster
Chair der Sitzung: Svenja Anna Wolf, Universität von Amsterdam
Ort: Hörsaal 104
120 Plätze, Fabrikstrasse 6

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Präsentationen

Perfektionismus und Burnout bei AthletInnen – Eine Meta-Analyse

Lena Busch, Paul Bürkner, Linda Schücker, Heinz Holling, Bernd Strauss

Westfälische Wilhelms Universität Münster

Perfektionismus und fehlerfreie Performanz werden im Leistungssport von TrainerInnen, Medien und der Öffentlichkeit erwartet und sind mit dem Gewinn von olympischen Goldmedaillen assoziiert (Gould, Dieffenbach & Moffett, 2002). Gleichzeitig zeigen sich Zusammenhänge zwischen Perfektionismus und Burnout (Hill & Curran, 2015). In Hill und Currans (2015) Meta-Analyse wurde der Zusammenhang von Dimensionen von Perfektionismus mit Burnout im allgemeinen Kontext untersucht, und die Domänen Arbeit, Erziehung und Sport als Moderatorvariablen eingegeben. Aufbauend auf Hill und Currans (2015) Analyse war es Ziel dieser Studie, den Zusammenhang der Dimensionen von Perfektionismus (perfectionistic strivings; internale Komponente als Ausrichten des Handelns an eigenen hohen Ansprüchen und perfectionistic concerns; externale Komponente als Ausrichten an Erwartungen anderer und Angst, Standards nicht gerecht zu werden) mit Burnout in einer Population von AthletInnen zu untersuchen und vier neue Studien einzubeziehen. Diese Studie ist die erste auf diesem Gebiet, bei der eine sportspezifische Moderatoranalyse durchgeführt wurde, und die längsschnittliche Daten integriert. Es wurden 22 querschnittliche Datensätze (N = 4'206) und drei längsschnittliche Datensätze (N = 432) separat analysiert. Random-Effects Modelle ergaben eine kleine negative Korrelation für perfectionistic strivings mit Burnout, ausgenommen der Burnout-Subskala Physische und Emotionale Erschöpfung. Für den Zusammenhang von perfectionistic concerns mit Burnout wurde eine mittlere Korrelation gefunden, die über die Burnout-Subskalen stabil ist. Semi-partielle Korrelationen der Dimensionen von Perfektionismus mit Burnout waren größer als die entsprechenden Korrelationen, vor allem die von perfectionistic strivings mit Burnout. Die Ergebnisse wurden durch eine Reihe von Studiencharakteristiken moderiert (u. a. Erhebungsinstrument für Perfektionismus, Risiko für selektiven Outcome-Bias). Die Ergebnisse wurden nicht durch Stichprobencharakteristiken (z. B. Alter der SportlerInnen,Trainingsaufwand oder Zugehörigkeit zu Team- oder Individualsportarten) moderiert. Längsschnittliche Analysen ergaben größere Effektstärken für den negativen Zusammenhang von perfectionistic strivings und Burnout. Aufgrund der geringen Studienzahl und hohen Heterogenität einiger Analysen sollten die längsschnittlichen Daten jedoch vorsichtig interpretiert werden. Für den Zusammenhang von perfectionistic strivings und Burnout legen die Ergebnisse einen Publication Bias in geringem Maße nahe. Da ein Großteil der inkludierten Studien in Europa erhoben wurde, lassen sich die Ergebnisse nicht auf nicht-westliche Kontexte übertragen. Insgesamt kann ein Puffereffekt von perfectionistic strivings auf Burnout angenommen werden. Für reliable Ergebnisse und das Verständnis unterliegender Prozesse sind weitere längsschnittliche Daten nötig. Es werden Interventionsstudien vorgeschlagen, die perfectionistic concerns reduzieren und perfectionistic strivings erhöhen.


PerfektionistInnen unter Druck: Über den Zusammenhang von Perfektionismus und motorischer Leistung wenn es drauf ankommt

Christine Wiese1, Svenja A. Wolf2, Christpoher Mesagno3, Stephanie J. Hanranhan4, Michael Kellmann5, Katharina Geukes1

1Westfälische Wilhelms-Universität Münster; 2University of Amsterdam; 3Federation University Australia; 4University of Queensland Australia; 5Ruhr-Universität Bochum

In der Sportpsychologie wird kontrovers diskutiert, ob sich Perfektionismus förderlich oder hemmend auf den Abruf motorischer Leistung auswirkt. Gerade bezogen auf die Rolle des Perfektionismus für den Leistungsabruf unter Druck ist die Befundlage uneindeutig. Gemäß des Eigenschaftsaktivierungs-Prinzips (Tett & Guterman, 2000) resultiert die Leistung in einer Situation aus einem komplexen Zusammenspiel von Situation (situationale Charakteristika oder Druck) und Person (Ausprägung von Persönlichkeitseigenschaften. Ziel der vorliegenden Studie ist es, dieses komplexe Zusammenspiel zu untersuchen. Hierfür untersuchen wir die Leistung in einer Wurfgenauigkeitsaufgabe, differenzieren wir innerhalb der Person den Perfektionismus in zwei Facetten (Perfektionistisches Streben und Perfektionistische Besorgnis) und innerhalb der Situation in eine Kontrollbedingung und eine Druckbedingung. 59 zukünftige SportstudentInnen haben zunächst einen Perfektionismusfragenbogen ausgefüllt und anschließend in einer laborbasierten Erhebung in zwei Situationen eine Wurfgenauigkeitsaufgabe bearbeitet. Ziel dieser Aufgabe, die einen Siebenmeterwurf im Handball simulierte, war es, in acht Versuchen ein mittiges, rundes Ziel im Handballtor zu treffen. Die Druckmanipulation in der Druckbedingung beinhaltete motivationale Faktoren (eine Coverstory und finanzielle Anreize), in der Kontrollbedingung wurden die TeilnehmerInnen lediglich gebeten, so genau wie möglich zu werfen. Direkt vor jedem Durchgang machten die TeilnehmerInnen Angaben zu ihrer State-Ängstlichkeit. Die Ergebnisse weisen auf eine erfolgreiche Druckmanipulation hin, da sich die State-Ängstlichkeitsangaben in den beiden Bedingungen sowohl für somatische Angst, t(58) = -2.43, p = 0.01, d = -0.43, als auch für kognitive Angst, t(58) = -3.08, p = 0.002, d = -0.59, signifikant unterschieden. Regressionsanalysen ergaben keinerlei signifikante Assoziationen der Perfektionismusfacetten mit Leistung in der Kontrollbedingung (bs < 0.03, ps > .75). In der Druckbedingung jedoch zeigten sich differenzierte und (marginal) signifikante Haupteffekte für die beiden Perfektionismusfacetten: Entgegen der Hypothesen war Perfektionistisches Streben negativ (b = -0.13, p = 0.09) während Perfektionistische Besorgnis positiv mit Leistung unter Druck assoziiert (b = 0.15, p < 0.01). Die Interaktion der Perfektionismusfacetten trug nicht signifikant zur Leistungsvorhersage bei (b = 0.00, p = 0.64). Die unterschiedlichen Ergebnisse in der Druck- und Kontrollbedingung unterstreichen die Anwendbarkeit des Eigenschaftsaktivierungs-Prinzips für die Vorhersage von Leistung (unter Druck) durch Persönlichkeitseigenschaften, hier im Speziellen durch Perfektionismus. Die differenzierten und kontraintuitiven Effekte der Perfektionismusfacetten für Leistung unter Druck implizieren, dass dem Perfektionismuskonstrukt für die Leistungserbringung in Situationen, in denen es drauf ankommt, sowohl leistungsförderliche als auch leistungshinderliche Aspekte zuzuschreiben sind. Zukünftige Studien sollten die unterliegenden Prozesse adressieren, um eine differenziertes Verständnis für die situationale (Dys-)Funktionalität von Perfektionismus zu erlangen und um in auf Empirie gestützten Interventionen AthletInnen zu Höchstleistungen unter Druck zu verhelfen.


Persönlichkeit und Leistung und Druck: Die Vorhersage von Leistung durch Persönlichkeitseigenschaften bei drei motorischen Aufgaben

Lukas Mundelsee, Katharina Geukes, Mitja D. Back

Westfälische Wilhelms-Universität Münster

SportpsychologInnen interessiert schon seit langem, welche Persönlichkeitseigenschaften ein Athlet mitbringen sollte, um auch unter Druck in der Lage zu sein, motorische Höchstleistungen abzurufen. Im Kontext der Untersuchung dieser Frage etablierte sich das Prinzip der Eigenschaftsaktivierung (Tett & Guterman, 2000). Es sieht vor, dass Persönlichkeitseigenschaften vor allem in solchen Situationen relevant sein sollten, die Eigenschaftsrelevanz besitzen. Für Drucksituationen, in denen es um den Abruf optimaler Leistung geht und die typischerweise mit erhöhter State-Ängstlichkeit einhergehen, werden Eigenschaften, die diese Leistungs- und (Un-)Ängstlichkeitsattribute miteinbeziehen, diskutiert. In diesem Kontext werden deshalb häufig Eigenschaften wie zum Beispiel Perfektionismus und Gewissenhaftigkeit, Optimismus und Selbstwert oder Ängstlichkeit und Neurotizimus untersucht. Bisherige Studien, die den Zusammenhang von Persönlichkeitseigenschaften und motorischer Leistung unter Druck untersucht haben, bezogen sich nur auf eine einzige motorische Aufgabe, so dass fraglich ist, ob eine Generalisierung auf andere motorische Aufgaben gerechtfertigt ist. Deshalb ist das Ziel der vorliegenden Studie, erstmals Zusammenhänge von Persönlichkeitseigenschaften mit Leistungen in drei motorischen Aufgaben (Dart-Wurf, Golf-Put und heißer Draht) in jeweils zwei Druckbedigungen (einer Kontrollbedingung und Druckbedingung) zu untersuchen. 103 Sportler haben zunächst einen umfassenden Onlinefragebogen zur Persönlichkeitserfassung ausgefüllt. Anschließend wurden sie ins Labor eingeladen, um dort die drei motorischen Aufgaben jeweils in einer Kontroll- und einer Druckbedingung zu absolvieren. Die Druckmanipulation bestand aus einer Coverstory, einem Wettbewerb und einer Videoaufzeichnung. Die Druckmanipulation wurde über Ängstlichkeits- und Druckangaben direkt vor der Leistungserbringung überprüft. Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen den Erfolg der Druckmanipulation und unterstützen weiterhin die globalen Annahmen des Eigenschaftsaktivierungsprinzips. Eine signifikante Leistungsvorhersage gelingt nur in den Druckbedingungen, da in diesen mutmaßlich Eigenschaftsrelevanz vorliegt, nicht aber in den Kontrollbedingungen. In Multilevelanalysen ergeben sich für die Leistungsvorhersage durch Persönlichkeitseigenschaften in der Druckbedingung eine Reihe differenzierter Effekte. Während Ängstlichkeit und Neurotizimus für den Leistungsabruf hinderlich sind, sind Optimismus und Selbstwert leistungsförderlich. Für Gewissenhaftigkeit und Perfektionismus ergibt sich ein inkonsistentes Bild für die Leistungsvorhersage unter Druck. Wichtigster Befund aber ist, dass die Zusammenhänge von Persönlichkeitseigenschaften mit Leistung unter Druck über die motorischen Aufgaben hinweg konvergieren. Diese Befunde stützen die bislang unbestätigte Annahme der Generalisierbarkeit von Befunden zu Zusammenhängen von Persönlichkeit und Leistung unter Druck über motorische Aufgaben. Sie geben einen tiefen Einblick in die „Athletenpersönlichkeit“ und vermitteln ein umfassendes Bild über situationsspezifische Konsequenzen oder (Mal-)Adaptivität von Persönlichkeit im Kontext von Leistung unter Druck, also genau dann, wenn über den Erfolg und Misserfolg eines Sportlers entschieden wird.


Die Summe unserer Teile: Mannschaftspersönlichkeit, Mannschaftsemotionen und Spielergebnis

Svenja Wolf1, Sebastian Harenberg2, Kelvin Boogaard1, Thomas Oosterink1

1University of Amsterdam; 2Ithaca College, NY, USA

Eine Sportmannschaft besteht stets aus individuellen Mannschaftsmitgliedern und die Eigenschaften dieser Mitglieder prägen das Mannschaftsklima. Ein zentraler und leistungsrelevanter Teil des Mannschaftsklimas ist der kollektive emotionale Zustand mit dem die Mannschaft in einen Wettkampf geht (Totterdell, 2000). In der vorliegenden Studie war unser Ziel zu untersuchen (1) inwiefern die Persönlichkeit einer Mannschaft (sowohl auf Mitglieder- als auch auf Mannschaftsebene) den kollektiven emotionalen Zustand vor einem Spiel vorhersagt und (2) wie diese kollektiven Vorstartemotionen mit dem Spielergebnis in Beziehung stehen. Zu diesem Zweck haben wir 435 erwachsene Fußballer (63%) und Fußballerinnen (37%) aus 28 Mannschaften gebeten im Vorfeld eines Spiels Fragebogenangaben zu ihrer Persönlichkeit (Unsicherheitsintoleranz, Carleton, Norton & Asmundson, 2007; Wettkampfängstlichkeit, Smith, Smoll, Cumming & Grossbard, 2006; Selbstbild & Dweck, 1999) und ihren Vorstartemotionen (Angst und Vorfreude; Jones, Lane, Bray, Uphill & Catlin, 2005) zu machen. Außerdem, haben wir die Spielergebnisse (0 = Niederlage, 1 = Unentschieden, 2 = Sieg) festgehalten. Die Analyse dieser Daten belegte signifikante Mannschaftseffekte hinsichtlich des emotionalen Vorstartzustands (Angst ICC = .33, p = .002, Vorfreude ICC = .10, p = .036) und damit die Existenz kollektiver Vorstartemotionen. (1) Während die Persönlichkeit der Mitglieder diese kollektiven Emotionen nicht vorhersagte, sagte die Mannschaftspersönlichkeit vor allem die kollektive Vorstartangst in starkem Maße vorher (kollektive Vorstartangst R2 = .85, Unsicherheitsintoleranz-Mannschaft β = .09 bis .15, Wettkampfängstlichkeit-Mannschaft β = .80; kollektive Vorfreude R2 = .16, Wettkampfängstlichkeit-Mannschaft r = -.33, statisches Selbstbild-Mannschaft r = -.13, dynamisches Selbstbild-Mannschaft r = .12) und erklärte auch die vorherigen Mannschaftseffekte (Angst ICC = .12, p = .106, Vorfreude ICC = .09, p = .176). (2) Der kollektive emotionale Vorstartzustand, insbesondere die kollektive Vorstartangst, wiederum sagte das Spielergebnis auf negative Weise mit moderater Stärke vorher (R2 = .09, kollektive Vorstartangst β = -.31, Vorfreude β = .07). Diese Ergebnisse zeigen dass die Zusammensetzung einer Mannschaft mit deren emotionalen Klima in Beziehung steht. Speziell Mannschaften mit höherer Unsicherheitsintoleranz und Wettkampfängstlichkeit sowie statischem anstatt dynamischem Selbstbild könnten vor einem Spiel negative und leistungshindernden kollektiven Emotionen erleben.



 
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