Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Session
AK 1: Identifikation, Entwicklung und Selektion sportlicher Talente
Zeit:
Donnerstag, 25.05.2017:
15:50 - 17:30

Chair der Sitzung: Sören D. Baumgärtner, Goethe-Universität Frankfurt/M.
Ort: Hörsaal 102
120 Plätze, Fabrikstrasse 6

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Präsentationen

Prognoserelevanz von fußballspezifischen Entscheidungsleistungen in der U12 für zukünftigen Erfolg

Florian Schultz1, Klaus Roth2, Markus Schmid2, Oliver Höner1

1Eberhard Karls Universität Tübingen; 2Universität Heidelberg

Seit Jahren ist die hohe Bedeutung kognitiver Fähigkeiten im Spitzensport unbestritten (z. B. van Maarseveen et al., 2016). Dennoch liegen bislang kaum prognostische Daten für kognitive, sportartspezifische Tests vor. Deshalb wurde im Rahmen des DFB-Talentförderprogramms bei der von 2010-2012 einmal jährlich stattfindenden Veranstaltung „Fußball interdisziplinäre Talentdiagnostik“ (FIT), an der die besten U12-DFB-Stützpunktspieler teilnahmen, u. a. ein kognitiver Test zum fußballspezifischen Entscheidungshandeln (Höner, 2005) durchgeführt. Die vorliegende Studie untersucht die prognostische Validität dieses Entscheidungstests für eine hochselektive Stichprobe. Zu den drei FIT-Veranstaltungen wurden aus den rund 5.000 U12-Stützpunktspielern (den besten ca. 5% aller U12-Spieler ihres Jahrgangs) der Kohorten 1998-2000 jeweils die 32 eingeladen, die in der technomotorischen Testbatterie des DFB bundesweit die höchste Gesamtleistung (Score) erzielten und damit zu dem besten 1% aller Stützpunktspieler ihres Jahrgangs gehörten. Die Personenstichprobe für den Test zum Entscheidungshandeln umfasste insgesamt 94 Spieler (MAlter = 11.59 ± 0.50 Jahre). Den Probanden wurden in der Laboruntersuchung auf einer Großleinwand 36 Videos offensiver 3:2- und 3:3-Situationen aus Perspektive des ballführenden Spielers gezeigt. Die Videos bestanden aus 12 Szenen und wurden in drei Blöcken randomisiert präsentiert: Die Blöcke 1 und 3 umfassten identische Videos, in Block 2 wurden sie spiegelverkehrt dargeboten. Aufgabe der Versuchspersonen war es, per Tastendruck von Fußpads schnellstmöglich korrekt zu entscheiden, ob sie den rechten oder linken Mitspieler anspielen würden und nach Ablauf jedes Videos verbal anzugeben, ob sie den Pass in den Fuß oder in den Lauf spielen wollen. Als abhängige Merkmale dienten Reaktionszeit und Antwortrichtigkeit (Kombination aus Tastendruck und verbaler Antwort) sowie ein daraus berechneter, kombinierter Punktescore der Entscheidungsqualität. Die instrumentelle Reliabilität konnte für alle drei Maße nachgewiesen werden (.86 < r < .94). Als Kriterium zur Beurteilung der prognostischen Validität des Tests diente die Zugehörigkeit zu einer Mannschaft der A- bzw. B-Junioren-Bundesliga in der Saison 2016/17 (N = 26). Die Testwerte im Entscheidungshandeln in der U12 waren für aktuelle Junioren-Bundesligaspieler bzgl. Antwortrichtigkeit (t[69.70]= 2.54, p = .01, d = 0.49) und Entscheidungsqualität (t[92]= 2.09, p = .04, d = 0.48) mit mittleren Effekten signifikant besser als für die anderen Spieler, Unterschiede bzgl. Reaktionszeit wurden nicht signifikant (t[92] = 0.81, p = .42). Diese Ergebnisse belegen die Prognoserelevanz des kognitiven Tests zum Entscheidungshandeln bei einer hochselektiven Stichprobe. Der technomotorische Score, der als Auswahlkriterium für die Teilnahme an den FIT-Veranstaltungen verwendet und dessen Prognoserelevanz für die Gesamtheit der U12-Spieler im DFB-Talentförderprogramm nachgewiesen wurde (Höner & Votteler, 2016), besaß bei der FIT-Stichprobe hingegen keine prognostische Validität. Daraus ergibt sich, dass der Einsatz von kognitiven Diagnostiken an hochselektiven Stichproben wichtige zusätzliche Hinweise zum Zwecke der Vorhersagbarkeit späteren sportlichen Erfolgs liefern kann.


Entwicklung technomotorischer Leistungsmerkmale von Nachwuchsfußballspielern und deren prognostische Relevanz für adulten Erfolg

Daniel Leyhr1, Augustin Kelava2, Oliver Höner1

1Eberhard Karls Universität Tübingen, Institut für Sportwissenschaft; 2Eberhard Karls Universität Tübingen, Hector-Institut für empirische Bildungsforschung

In zahlreichen Talentförderprogrammen werden motorische Leistungsdiagnostiken durchgeführt. In den letzten Jahren generierte die Forschung hierbei empirisches Wissen in Bezug auf die prognostische Relevanz von einmalig erhobenen Testleistungen. Obwohl in der Theorie oftmals ein dynamisches Konzept des Talentbegriffs gefordert wird (Hohmann, 2009), besteht weiterhin Bedarf an Studien, die die Relevanz der Entwicklung von Talentmerkmalen untersuchen (Höner & Votteler, 2016). Ziel dieser Studie war es, die Entwicklung technomotorischer Leistungsmerkmale talentierter Nachwuchsfußballspieler über einen Zeitraum von drei Jahren zu analysieren und die Bedeutung dieser Entwicklung für den zukünftigen Erfolg im Erwachsenenalter zu untersuchen. N = 1134 Spieler der Jahrgänge 1993 bis 1995 aus dem DFB-Talentförderprogramm wurden in dieser Längsschnittstudie von der U12 bis zur U15 begleitet. Zwischen 2004 und 2009 nahm jeder Spieler insgesamt viermal (einmal jährlich im Herbst) an der technomotorischen Diagnostik des DFB teil (20m Sprint, Gewandtheitslauf, Dribbling-Parcours, Ballkontroll- und Torschusstest). Zudem wurde das relative Alter (RA) des Spielers erhoben. Das zukünftige Leistungsniveau (Adult Performance Level APL) eines Spielers ergab sich anhand dessen erreichtem Leistungsniveau in der Saison 2014/15. Dabei wurde zwischen Spitzenspielern (1.-5. deutsche Liga, n = 145) und Amateurspielern (darunterliegende Ligen, n = 989) unterschieden. Mithilfe von Mehrebenen-Regressionsanalysen (Random-Intercept-and-Random-Slope-Modelle) wurde jede Testleistung durch Zeit, Zeit2 (Level-1-Prädiktoren) und APL bzw. RA (Level-2-Kovariate) vorhergesagt. Interaktionseffekte zwischen den betrachteten Variablen wurden ebenfalls untersucht und nur signifikante Prädiktoren (α = .05) in das finale Modell aufgenommen (sowohl Random als auch Fixed Effects). Zeit und Zeit2 erwiesen sich als signifikante Prädiktoren, so dass von einer nichtlinearen Verbesserung der Testleistungen der Spieler innerhalb der untersuchten drei Jahre auszugehen ist (p < .05). Der Einfluss des RA bestätigte sich lediglich für den Sprinttest (p < .05). Dagegen ergab sich eine signifikante Bedeutung des APL für die restlichen Tests (p < .05). Die betrachteten Interaktionseffekte verfehlten das Signifikanzniveau deutlich. Aus der Analyse der Random Effects lässt sich eine interindividuelle Variation in Bezug auf die Interzepte und die Slopes Zeit und Zeit2 ableiten. Die Studie zeigte eine Leistungsverbesserung der Spieler für alle betrachteten technomotorischen Prädiktoren über einen 3-jährigen Untersuchungszeitraum von der frühen bis hin zur mittleren Adoleszenz. Während sich das APL für fast alle Tests als signifikanter Prädiktor erwies, konnten keine signifikanten Interaktionen zwischen APL und Zeit gefunden werden. Dies zeigt, dass zukünftig erfolgreiche Spieler bereits bei Eintritt in das DFB-Talentförderprogramm bessere Leistungen zeigten und diese über die gesamte Förderdauer hinweg aufrechterhalten konnten. Letztere Erkenntnis sollte jedoch nicht verallgemeinert werden, sondern könnte auch auf Selektionseffekte in der Stichprobe (bedingt durch Dropouts aus dem Talentförderprogramm oder Selektionen für ein Leistungszentrum) zurückzuführen sein.


Talentförderung im Fussball: Der frühspezialisierte Vogel fängt den Wurm!

Roland Sieghartsleitner, Claudia Zuber, Marc Zibung, Achim Conzelmann

Universität Bern

Zur Entwicklung von Expertise wird Inhalten im Nachwuchstraining übereinstimmend eine wichtige Rolle beigemessen. Hinsichtlich der Breite der Ausrichtung bestehen jedoch kontroverse Ansichten: Soll auf eine Sportart spezialisiert oder polysportiv ausgebildet werden (Côté, Baker & Abernethy, 2007)? Die Relevanz von sportartspezifischem Training für Erfolge im Höchstleistungsalter konnte bei U-Nationalspielern im Schweizer Fussball bereits nachgewiesen werden (Zibung & Conzelmann, 2013). Allerdings können weniger als 2% aller Schweizer Fussballspieler überhaupt dieses Selektionslevel erreichen (Romann & Fuchslocher, 2013). Somit interessiert aufbauend die Frage, ob sportartspezifisches Training auch die Wahrscheinlichkeit für ein U-Nationalmannschaftsaufgebot positiv beeinflusst? 294 Nachwuchsfussballer (darunter 57 U-Nationalspieler; 19.4%) wurden retrospektiv zu ihrem Sportverhalten bis zwölf Jahre befragt. In Anlehnung an gängige Methoden aus dem Bereich der Entwicklungswissenschaft bzw. vorangegangene Publikationen zur Talententwicklung wurde ein personorientierter Ansatz zur Datenanalyse verwendet (LICUR-Methode; Bergman & El-Khouri, 2003; Zibung & Conzelmann, 2013). Die Variablen Clubtraining, freier Fussball, weiterer Sport (jeweils Umfänge) sowie das Club-Eintrittsalter wurden dabei einer hierarchischen bzw. partitionierenden Clusteranalyse zugeführt. Abschliessend wurden Übertrittswahrscheinlichkeiten in die U-Nationalmannschaften für die Spieler einzelner Cluster berechnet und auf signifikante Abweichungen vom Erwartungswert überprüft (Exakter Test nach Fisher; χ2(.05; 1)). Insgesamt konnten fünf Cluster identifiziert werden. Späteinsteiger mit geringem Trainingsaufwand finden nur in 8.2% (χ2(.05; 1; n = 61) = 4.07, p = .02) der Fälle Zugehörigkeit zur U-Nationalmannschaft, während Vollblutfussballer mit hohem sportartspezifischem Trainingsumfang (Clubtraining und freier Fussball) überzufällig häufig U-Nationalspieler werden (40.0%; χ2(.05; 1; n = 25) = 5.26, p = .03). Zwischen diesen Extremen findet man Cluster mit hohem Umfang an Clubtraining (Clubfussballer; 30.4%; χ2(.05; 1; n = 56) = 3.26, p = .05) bzw. weiteren Sportarten (Polysportive; 16.7%; χ2(.05; 1; n = 42) = .19, p = .42) sowie Durchschnittliche ohne charakteristische Eigenschaften (17.0%; χ2(.05; 1; n = 106) = .39, p = .31). Die Wahrscheinlichkeit für U-Nationalmannschaftsaufgebote weicht in diesen drei Gruppen jeweils nicht signifikant vom Zufall ab. Die Relevanz von frühem sportartspezifischen Training für den Erfolg im Höchstleistungsalter wurde im Schweizer Fussball bereits nachgewiesen (Zibung & Conzelmann, 2013). Darüber hinaus konnte gegenwärtig aufgezeigt werden, dass die Wahrscheinlichkeit für U-Nationalmannschaftsaufgebote durch sportartspezifisches Training ebenso positiv beeinflusst wird. Die Spezialisierung erfolgreicher Vollblutfussballer erfolgt neben überdurchschnittlichem Aufwand im Clubtraining besonders auch durch hohe Umfänge an freiem Fussball. Daher könnte es in der Talententwicklung über den sportartbezogenen Fokus hinaus sinnvoll sein, diese unterschiedlichen Settings (angeleitete vs. nicht angeleitete Sportausübung) zu berücksichtigen.


Entwicklung eines Qualitätsmanagementsystems sportpsychologisch unterstützter Talententwicklung im Deutschen Segler-Verband

Svenja Pallowski1, Nadine Thomas2, Ole Benthien1

1Universität Potsdam; 2Beratungsbüro Thomas, Landau

Die Erkennung und individuelle Förderung sportlichen Talents, vom Nachwuchs bis hin zur Spitzenathletin oder zum Spitzenathleten, sind wichtige Aufgaben im Spitzensport. In einschlägigen Positionspapieren zum Spitzensport in Deutschland wird entsprechend auf die besondere Bedeutung der Talentsichtung und -entwicklung hingewiesen. Aufgrund der Multideterminiertheit sportlicher Leistung ist diese Aufgabe jedoch sehr komplex und wird über die verschiedenen Sportverbände hinweg deutlich unterschiedlich gehandhabt. Folglich verweisen die Positionspapiere auf die Notwendigkeit einer besseren Systematik der Sichtungs- und Förderaktivitäten im Nachwuchsbereich (OSP, 2012; IAT, 2013). Dabei bleibt jedoch relativ undeutlich, was besser, im Sinne eines Gütekriteriums, bezeichnen soll. Ziel des im Vortrag dargestellten Projektes war es, aus sportpsychologischer Perspektive einen Beitrag zu leisten, um die Erkennung (Diagnostik) und individuelle Förderung (Intervention) sportlichen Talents effektiver und bei sich verbessernder Qualität (zum Begriff der Qualität vgl. DIN 33430, 2002) gestalten zu können. Hierzu wurden – unter Zuhilfenahme etablierter Methoden aus der Personaldiagnostik (Westhoff et al., 2015), der DIN 33430 sowie der Aktionsforschung (Burns, 2007) – einzelne Elemente sportpsychologisch unterstützter Talentidentifikation und -entwicklung für das Nachwuchsfördersystem des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) entwickelt und dort implementiert. Zu Beginn des Projekts wurden – als Ausgangspunkt der Diagnostik – in Co-Creation Workshops, auf der Basis von Expertenwissen (N = 17 A-Trainer), sportartspezifische Leistungsparameter für den Segelsport identifiziert und daraus die Pilotversion eines psychologischen Anforderungsprofils für den Nachwuchs entwickelt. Im Anschluss erfolgte eine systematische Operationalisierung der gesammelten sportartspezifischen Leistungsparameter durch den Rückgriff auf bewährte psychologische Messverfahren, die zu einem Diagnose-Tool nach DIN 33430 zusammengeführt (s. Kersting, 2008) wurden. Das Diagnose-Tool umfasst damit etablierte sport- und persönlichkeitspsychologische Testinventare, mit denen sich die individuelle Ausprägung der AthletInnen in den jeweiligen Parametern des Anforderungsprofils erfassen lassen. Es wurde zum ersten Mal im Rahmen der zentralen Leistungsüberprüfung in 2016 am Bundesstützpunkt Segeln eingesetzt. Erfasst und ausgewertet wurden die Daten von 46 D/C-Kader KandidatInnen. Die gewonnen Ergebnisse flossen in die für die Sichtungsveranstaltung zentralen Perspektivplanungsgespräche (PPL) unter Leitung des sichtungsverantwortlichen Bundestrainers ein und fungierten als Grundlage für einen anschließenden individuellen sportpsychologischen Beratungsprozess (mit Blick auf die Entwicklungsmöglichkeiten der jeweiligen SportlerInnen). Es zeigte sich, dass Ergebnisse der Diagnostik in den meisten Fällen von den beteiligten Personen im Rahmen des PPL kommunikativ validiert (Seale, 1999) werden konnten. Perspektivisch ist die weitere Validierung mit validen Leistungskriterien geplant.


Talentselektion im Deutschen Volleyball-Verband: Entwicklung eines Erhebungsinstrumentes zur Erfassung psychologischer Leistungskomponenten

Jessica Oppawsky1, Sören D. Baumgärtner2, Frank Hänsel1

1Technische Universität Darmstadt; 2Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main

Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) führt alle zwei Jahre im Rahmen einer viertägigen Talentsichtung eine Selektion ihrer Hallenvolleyballer für den C-/D-Kader durch. Für diese Selektionsentscheidung werden nicht nur Wettkampfformen, Technik-/Koordinations-/Athletiktests, Funktionstests und anatomische Aspekte herangezogen, sondern auch psychologische Leistungskomponenten. Zur Erfassung der psychologischen Selektionskriterien wird bisher ein intuitiv entwickelter, teilstandardisierter Beobachtungsbogen verwendet. Im Rahmen eines vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft geförderten Projektes (ZMVI4-072071/16-17) soll die Erfassung der psychologischen Talentkriterien im Kontext der Nominierungsentscheidung verbessert werden. Die Ziele der Studie sind die Bestimmung der psychologischen Leistungskomponenten, die von Experten aus dem Bereich des spitzensportlichen Volleyballs als zentrale Kriterien der Talentselektion beurteilt werden sowie die Entwicklung eines standardisieren Erhebungsinstrumentes als Element der Nominierungsentscheidung. Das methodische Vorgehen orientiert sich am Act-Frequency-Approach von Buss und Craik (1983), bei dem die beobachtete Häufigkeit prototypischer manifester Verhaltensweisen in konkreten Situationsklassen als Indikator für latente Eigenschaften im Sinne „natürlicher“ kognitiver Kategorien (Amelang, Schwarz & Wegemund, 1989) betrachtet wird. Ein theoretisches Sampling von N = 11 Bundes-/Landestrainer und A-Kaderspieler wurde mit Hilfe eines leitfadengestützten problemzentrierten Interviews zu psychologischen Kriterien der Talentselektion sowie prototypischen Verhaltensweisen befragt. Die Interviews wurden in Anlehnung an die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (2015) ausgewertet. N = 40 weitere Experten bewerteten die Relevanz der psychologischen Talentkriterien. N = 7 Experten (Bundestrainer) bewerteten die genannten Verhaltensweisen nach ihrer Prototypizität. Der so entwickelte standardisierte Beobachtungsbogen umfasst die fünf Selektionskriterien Einsatz und Leidenschaft, Handlungsorientierung, Lösungsorientierung, Lernbereitschaft sowie guter Umgang mit Misserfolg. Die Selektionskriterien werden über insgesamt 15 hoch prototypische „acts“ erfasst. (z. B. „Der Spieler setzt Hinweise bzw. Korrekturen schnell erfolgreich um“) erstellt. Der Beobachtungsbogen wurde im Rahmen der männlichen C-/D-Kadersichtung eingesetzt (N = 43 Athleten, N = 13 Trainer). Die Trainer bewerteten den Bogen als sehr gut strukturiert, sehr verständlich und ökonomisch anwendbar. Außerdem empfanden sie den Bogen und die Ergebnisdarstellung als hilfreich zur Unterstützung der Nominierungsentscheidung. Nichtsdestotrotz wurden die Möglichkeiten einer Verhaltensbeobachtung im Rahmen der Kadersichtung noch als verbesserungswürdig beurteilt. Auch aus diesem Grund wurden weitere Varianten des Beobachtungsbogens für andere Beobachtungsszenarien entwickelt: (1) zur Trainingsbeobachtung, (2) zur Wettkampfbeobachtung sowie (3) zur allgemeinen Bewertung in Form von Selbstbeobachtung und Fremdbeobachtung. Insgesamt ermöglicht das nach dem Act-Frequency-Approach entwickelte Beobachtungsinstrument über die Registrierung der Anzahl manifester Verhaltensweisen eine Konkretisierung und Objektivierung latenter Talentkriterien aus der Perspektive von Experten. In weiteren Studien sind die einschlägigen Gütekriterien sowie die prognostische Qualität zu prüfen.



 
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