Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Session
AK 15: Wahrnehmung im Sport
Zeit:
Freitag, 26.05.2017:
12:40 - 14:00

Chair der Sitzung: Felix Ehrlenspiel, TU München
Ort: Seminarraum C102
72 Plätze, Fabrikstrasse 8

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Präsentationen

Not quite so blind: Semantic processing despite inattentional blindness

Carina Kreitz1, Schnuerch Robert2, Henning Gibbons2, Daniel Memmert1

1Deutsche Sporthochschule Köln, Deutschland; 2Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

We sometimes fail to consciously notice stimuli right in front of our eyes if those stimuli occur unexpectedly and our attention is diverted by another task. This phenomenon has been termed inattentional blindness (Mack & Rock, 1999) and can have fatal consequences in daily-life situations as well as a severe impact on sports performance (Furley, Memmert, & Heller, 2010; Memmert & Furley, 2007). The mediators of such failures of awareness and their potential consequences have been studied extensively (e.g., Kreitz, Furley, Memmert, & Simons, 2015; Newby & Rock, 1998). Surprisingly, however, hardly anything is known about whether and how we process the objects that go unnoticed during inattentional blindness. In two experiments (N = 160) we investigated how deep such stimuli are processed and whether they leave traces in our overt responses despite the fact that we do not consciously perceive them. Participants were instructed to categorize a single peripheral numeral as smaller or greater than five as quickly as possible. Crucially, a seemingly irrelevant distractor array that was positioned centrally around fixation contained either only letters (neutral condition), multiple instances of a numeral matching the category of the peripheral, to-be-judged numeral (congruent condition), or multiple instances of a numeral pertaining to the opposite category (incongruent condition). Our findings show that the speed of categorizations was affected by the simultaneously occurring unexpected numbers even though they were never consciously perceived; incongruent unexpected numbers significantly slowed down the classification of the target numbers, F(2, 120) = 8.69, p < .001. Crucially, the numerals appearing in the distractor array were perfectly visible when participants’ attentional focus was not shifted elsewhere (control condition). In a second experiment we established that the effect found in Experiment 1 was not merely due perceptual incongruency: We found the exact same pattern of results when participants categorized number words in the periphery while the unexpected distractors were still numerals, F(2, 114) = 4.37, p = .015. In sum, we demonstrate that objects that remain unconscious due to inattentional blindness are indeed processed and can have an impact on overt responses. This unconscious processing is not limited to perceptual features of the objects but extends to their meaning (i.e., semantic content). A next step should be to transfer these findings into a clear sport setting and investigate to which extent performance and decisions may be altered by the unconscious processing of unattended stimuli.


Aufmerksamkeit im Auge des Betrachters – die Pupillengröße als Indikator für periphere Aufmerksamkeit

Raphael Harbecke1, Stefanie Hüttermann1, Andreas Brocher2, Tim Graf2, Daniel Memmert1

1Deutsche Sporthochschule Köln, Deutschland; 2Universität zu Köln, Deutschland

In vielen Situationen sind Menschen gefordert, mehrere Ereignisse gleichzeitig wahrzunehmen, teilweise foveal, teilweise peripher. Bei der Messung der Aufmerksamkeitsbreite (Distanz zwischen zwei simultan präsentierten, peripheren Reizen) konnten Hüttermann, Memmert, Simons und Bock (2013) eine abnehmende Aufmerksamkeitsleistung bei größer werdender Distanz der präsentierten Reize zum Fixationspunkt feststellen. Ziel dieses Forschungsprojekts war es, die periphere Aufmerksamkeitsleistung in Zusammenhang mit der Pupillengröße zu setzten und damit die Pupillenweitung als Indikator für kognitive Verarbeitungsprozesse zu etablieren. Darüber hinaus sollte eine Unterscheidung zwischen den Aufmerksamkeitsprozessen detection und recognition nach Massaro (1985) herausgestellt werden. Nach seiner Definition können mit diesen Prozessen unterschiedliche Fragen beantwortet werden: bei detection-Prozessen die Frage, ob ein Objekt wahrgenommen wurde; in recognition-Prozessen die Frage, welches Objekt genau wahrgenommen wurde. Hierfür wurde in zwei Eye-Tracking-Experimenten die visuelle Aufmerksamkeitsbreite mithilfe unterschiedlicher Reizpositionen getestet und die Pupillengröße gemessen. In Experiment 1 mussten die Teilnehmer zwei Reize in fünf unterschiedlichen Abständen zur mittigen Fixation erkennen und weiße Dreiecke zählen (recognition-Bedingung). Im Experiment 2 wurde der recognition-Prozess mittels einer zusätzlichen Bedingung, in der die Teilnehmer zwei Reize in unterschiedlichen Abständen zur Fixation (ohne Dreiecke zu zählen) wahrnehmen mussten, von dem detection-Prozess abgegrenzt. Durch die ansteigende Aufmerksamkeitsanforderung bei größer werdender Distanz zur Fixation, wie sie Hüttermann et al. (2013) nachweisen konnte, ist in Experiment 1 eine Weitung der Pupille in Abhängigkeit von der manipulierten Aufmerksamkeitsbreite zu erwarten. Im zweiten Experiment sollte für die detection-Bedingung keine unterschiedliche Pupillenweitung trotz variierter Distanzen auftreten, da eine gleichbleibende Aufmerksamkeitsanforderung zu erwarten ist. Die Ergebnisse bestätigen die vermuteten Zusammenhänge. Im ersten Experiment (N = 32) kann die Pupillenweitung in Abhängigkeit zur Distanz der präsentierten Reize gesehen werden: Je größer die Distanz, desto stärker weitet sich die Pupille (p < .001). Die Ergebnisse des zweiten Experiments (N = 23) zeigen keine signifikante Weitung der Pupille in der detection-Bedingung auf. Damit konnte herausgestellt werden, dass die Aufmerksamkeitsverschiebung in die Peripherie eine Weitung der Pupille hervorruft. Die Ergebnisse sind insofern für die Aufmerksamkeitsforschung von Bedeutung, da sie in folgenden Experimenten eine explizite Abfrage von peripher präsentierten Reizen überflüssig machen. Allein über die Pupillengröße kann (unter kontrollierten Bedingungen) auf eine periphere Aufmerksamkeitsfokussierung geschlussfolgert werden.


Wechselt der Aufmerksamkeitsfokus beim motorischen Lernen?

Felix Ehrlenspiel, Helena Lammel

Technische Universtität München, Deutschland

Auf der Basis von Theorien des motorischen Lernens (z. B. Fitts & Posner, 1967) wird vielfach angenommen, dass zu Beginn des Lernprozesses Aufmerksamkeit auf die Bewegungsausführung gerichtet wird. Im späteren Lernverlauf, wenn die Bewegung „automatisiert“ ist, richtet sich die Aufmerksamkeit dann auf externe Reize. Entsprechend führen bewegungsbezogene Zusatzaufgaben bei Experten zu Beeinträchtigungen, bei Novizen aber zu Leistungsvorteilen, wohingegen kognitive Zusatzaufgaben zu Vorteilen bei Experten und Beeinträchtigungen bei Novizen führen (z. B. Beilock, Wierenga & Carr, 2002; Gray, 2004). Die Studien zeigen zudem einen intra-individuellen Zusammenhang zwischen Leistung und Aufmerksamkeitslenkung. Allerdings ist bislang nicht untersucht worden, ob bzw. wann innerhalb des intraindividuellen Lernverlaufs der Wechsel von bewegungsbezogenem zu externalem Aufmerksamkeitsfokus stattfindet. In dieser Studie wurde daher überprüft, ob sich der Wechsel im Aufmerksamkeitsfokus im Verlauf des Lernens einer einfachen Fingersequenz nachweisen lässt. Die ProbandInnen (N = 24 Studierende) sollten 2 Fingersequenzen (3- bzw. 6 Elemente; Stöcker & Hoffmann, 2004) erlernen. In Phase 1 wurden die Elemente der Sequenzen (Tasten) als serielle Reaktionszeit-Aufgabe auf einem Monitor präsentiert (je 60 trials), die jeweilige Sequenz wurde mit dem Hinweisreiz "X" bzw. "Y" angekündigt. In Phase 2 sollte in 16 Blöcken á 2 x 12 trials dann die Sequenzen möglichst schnell nach ausschließlicher Präsentation des jeweiligen Hinweisreiz ausgeführt werden. In Phase 2 wurde während jeder Sequenz an einem der 3 bzw. 6 Elemente ein Ton präsentiert. Die ProbandInnen sollten als Zusatzaufgabe entweder angeben, ob sie den tiefen (250Hz) oder den hohen Ton (500Hz) gehört hatten („external“), oder angeben, an welchem Element der Ton erschienen war („bewegungsbezogen“). Die Zusatzaufgabe wurde geblockt immer abwechselnd präsentiert. Ausgewertet wurde für Phase 2 die Reaktionszeit auf den Hinweisreiz (Initiation Time, IT) und die Gesamtbewegungsdauer (Movement Time, MT) sowie die Fehlerrate in den beiden Zusatzaufgaben, jeweils getrennt für die beiden Sequenzen. Über den gesamten Lernverlauf ist die IT tendenziell, die MT signifikant geringer unter der „externalen“-Zusatzaufgabe im Vergleich zur „bewegungsbezogenen“ Zusatzaufgabe. Die „bewegungsbezogene“ Zusatzaufgabe ist über den gesamten Lernverlauf schwieriger (= mehr Fehler) als die „externale“. In der kurzen Sequenz (3 Elemente) nimmt zudem der Fehler in der „bewegungsbezogenen“ Zusatzaufgabe im Lernverlauf zu, bleibt in der „externalen“ aber konstant niedrig. Die Studie liefert keinen Hinweis auf einen Wechsel im Aufmerksamkeitsfokus während des Lernens von einfachen Fingersequenzen. Allein die zunehmenden Fehler in der „bewegungsbezogenen“ Zusatzaufgabe können als Hinweis auf eine weiter abnehmende bewegungsbezogene Fokussierung interpretiert werden. Die Befunde bestätigen aber Ansätze, die einen generellen Nachteil eines bewegungsbezogenen Aufmerksamkeitsfokus für das motorische Lernen postulieren (Wulf, 2015).



 
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