Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Session
AK 10: Körperliche Aktivität, Stress und Wohlbefinden
Zeit:
Freitag, 26.05.2017:
10:20 - 11:40

Chair der Sitzung: Sandra Klaperski, University of Roehampton
Ort: Hörsaal 103
120 Plätze, Fabrikstrasse 6

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Präsentationen

Sport als Stresspuffer - Der Benefit habitueller und akuter sportlicher Aktivität für die Stressreaktivität

Kathrin Wunsch1, Ramona Wurst1, Nadine Kasten1, Bernadette von Dawans2, Jana Strahler3, Reinhard Fuchs1

1Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Deutschland; 2Institut für Psychologie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; 3Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft, Justus-Liebig-Universität Giessen

Die „Stresspuffer-Hypothese der Sportaktivität“ postuliert, dass sportlich aktive Personen eher in der Lage seien, die gesundheitsschädigenden Auswirkungen von Stress „abzupuffern“, als sportlich Inaktive (Klaperski, von Dawans, Heinrichs & Fuchs, 2014). Eine Metaanalyse von Hamer, Taylor und Steptoe (2006) legt nahe, dass sich diese Pufferwirkung auch nach einmaliger, akuter sportlicher Aktivität zeigt. Ziel der vorliegenden Studie ist somit, den Einfluss akuter und habitueller sportlicher Aktivität auf Stress und Gesundheit auf der Basis einer randomisierten, kontrollierten Studie zu analysieren. Es wurden je N = 42 männliche, hoch aktive Ausdauersportler (MSportaktivität = 492 min/Woche, Alter = 24.6 Jahre) und inaktive Probanden (Alter = 23.4 Jahre) randomisiert einer von zwei akuten Interventionsgruppen zugeteilt: einer aeroben Ausdauergruppe (30 min Fahrradergometer bei 70% maximaler Leistungsfähigkeit) oder einer Placebo-Sportgruppe (30 min Stretching). Anschließend durchliefen beide Gruppen den TSST-G (von Dawans, Kirschbaum & Heinrichs, 2011) als standardisiertes Instrument zur Messung der individuellen Stressreaktion. Sowohl die physiologische Stressantwort der SNS- (α-Amylase, Herzfrequenz, Herzratenvariabilität und Blutdruck) und der HHNA-Achse (Kortisol), als auch die psychologische Stressantwort (Angst, Affektivität) wurden erfasst. Erste Ergebnisse zeigen, dass akute sportliche Aktivität eine signifikante Veränderung der endokrinen (FKortisol(1,83) = 26.04, p < .001; np2 = .243) sowie der physiologischen (FHerzfrequenz(3,84) = 54.340, p < .001; np2 = .671) Stressparameter zur Folge hat. Während der Stressexposition zeigen sich signifikante Haupteffekte für habituelle (FHerzfrequenz(1,84) = 24.977, p < .001; np2 = .238) und akute sportliche Aktivität in der Reaktivität der Herzfrequenz (FHerzfrequenz(1,84) = 20.060, p < .001; np2 = .200) bzw. der Kortisolausschüttung (FKortisol(1,84) = 4.875, p < .05; np2 = .057) sowie eine Interaktion der Kortisolreaktion und der akuten Intervention (FKortisol(1,79) = 10.529, p < .01; np2 = 118). Ähnliche Effekte zeigen sich auch in der Regeneration nach der Stressexposition (FHerzfrequenz(1,83) = 32.536, p < .001; np2 = .289 für habituelle Aktivität, FHerzfrequenz(1,83) = 30.309, p < .001; np2 = .275 für akute Aktivität). Die bisherigen Ergebnisse deuten auf positive Effekte von sowohl akuter als auch habitueller Aktivität auf die Stressreaktivität und -regeneration hin. Es bedarf jedoch noch weitergehender Analysen, um Stärke und Richtung der Effekte genauer betrachten zu können.


Longitudinal mixed methods examination of the relationship between physical exercise, stress levels and wellbeing

Sandra Klaperski

University of Roehampton, Vereinigtes Königreich

It has long been recognised that physical exercise, stress and health are closely interrelated. Previous studies have shown that higher perceived stress levels can lead to a reduction in exercise behaviour, that participation in exercise can decrease perceived stress and that exercise can act as moderator of the stress-health relationship (Klaperski, 2017). However, it has not yet been examined how individuals perceive physical exercise to be related to their stress and wellbeing levels and whether stress reduction and/or stress buffer effects can also be found on a daily basis and with regard to objectively assessed physical activity levels. The current study explores these questions by using a longitudinal mixed methods approach: The interplay between physical exercise, stress and wellbeing was examined in 24 physically active students (first wave November to December 2016; second wave February to March 2017). Each participant completed three different assessments: First, participants’ objective physical activity levels were continuously monitored for 4 weeks by means of two different physical activity trackers (Fitbit ChargeHR, ActivPAL3micro). Second, subjective physical exercise, stress and wellbeing levels were assessed by means of a brief daily online diary as well as detailed questionnaires before and after the 4-week study period. Third, participants shared their personal understanding of the relationship between physical exercise, stress and wellbeing in a 10-min interview at the end of the study. Preliminary findings (based on data from wave 1 only) indicate that participants felt better and less depressed on days on which they exercised compared to days on which they were inactive (p < .05). No differences were found with regard to exercise and daily perceived stress levels or the stress-wellbeing relationship. Insightful qualitative findings emerged in the interviews: All participants stated they believed that physical exercise would help them to cope with stress and to feel better; however, participants held very conflicting views about the type of exercise which they considered to help them to cope with stress. Overall, the results of this study corroborate evidence showing that exercise has acute positive effects on wellbeing but they do not support the assumption that exercise leads to stress buffer effects on a daily basis. Furthermore, qualitative findings suggest it might not be correct to assume that exercise in general buffers and/or reduces stress but that a much more idiographic approach must be taken to better understand what types of exercise can buffer and/or reduce stress how and when.


Sport als Ressource zur Erhaltung des psychischen und körperlichen Wohlbefindens im Kontext von Stressbelastungen bei Studierenden

Daniel Waschkowski, Jürgen Gießing

Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, Deutschland

Aktuelle Studien stellen bei Studierenden ein vergleichsweise hohes Stresslevel fest (vgl. Herbst et al., 2016; Brandl-Bredenbeck et al., 2013). Stress begünstigt ein negatives Gesundheitsverhalten und hat somit mindestens einen indirekten Einfluss auf den Gesundheitszustand einer Person (vgl. Krohne, 1997). Zur Erhaltung eines guten körperlichen und psychischen Gesundheitszustandes hängt im weiteren Lebenslauf viel von der Anforderungsbewältigung mithilfe von Widerstandsressourcen ab (Becker, 2002). In der Studie werden Zusammenhänge zwischen dem empfundenen Stress und dem Bewegungsverhalten mit internen Ressourcen in Form von positiven und negativen Bewältigungsstrategien überprüft und der Einfluss dieser Ressourcen auf das körperliche und psychische Wohlbefinden beleuchtet. Hierzu wurden N = 220 Studierende (n = 139 weiblich) der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau (M = 23.1 Jahre, SD = 2.75) mittels eines Online-Fragebogens unter anderem zu deren Stressempfinden (PSS-4), Wohlbefinden (FAHW), genutzten Stressbewältigungsstrategien (SCI), Resilienz (RS-11) und Bewegungsverhalten (BSA) befragt. Eine einfache Regressionsanalyse zeigt, dass der empfundene Stress zu 40% die Streuung im psychischen Wohlbefinden erklärt, F(1, 219) = 148.02, p < .001. Es zeigt sich außerdem, dass mit einer Zunahme an empfundenem Stress eine signifikant häufigere Nutzung der gesundheitlich nicht empfehlenswerten Bewältigungsstrategie eines erhöhten Zigaretten- und Alkoholkonsums (r(220) = .17, p < .05) einhergeht. Auch korreliert der empfundene Stress jeweils signifikant negativ mit der Nutzung von Sport als Ausgleich in stressigen Phasen (r(220) = -.18, p < .01), einer positiven Einstellung im Umgang mit Stress (r(220) = -.36, p < .001) sowie der Resilienz (r(220) = -.38, p < .001). Zudem zeigen sich signifikante Korrelationen zwischen dem Umfang an sportlicher Aktivität und den oben genannten vier Variablen. Die multiple Regressionsanalyse zeigt, dass diese vier Variablen einen signifikanten Einfluss auf körperliches und psychisches Wohlbefindens haben. 17% der Streuung im körperlichen (F(4, 219) = 12.45, p < .001) und 38% der Streuung im psychischen Wohlbefinden (F(4, 219) = 32.43, p < .001) werden durch die vier unabhängigen Variablen erklärt, was nach Cohen (1992) jeweils einem starken Effekt entspricht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Stress mit für die Gesundheit nachteiligen Copingstrategien in Verbindung steht und das Wohlbefinden indirekt als auch direkt negativ beeinflusst. Sport hingegen kann als eine von mehreren relevanten Ressourcen zur Erhaltung des Wohlbefindens angesehen werden und einen wichtigen Beitrag zu einer gesunden Entwicklung im Lebenslauf von Studierenden leisten.


Unzureichende kräftige körperliche Aktivität ist bei hoher Stresswahrnehmung mit einer erhöhten adrenokortikalen Stressreaktivität assoziiert

Markus Gerber, Sebastian Ludyga, Manuel Muecke, Flora Colledge, Serge Brand, Uwe Pühse

Universität Basel, Schweiz

Die Mechanismen, mit denen sich die gesundheitswirksamen Effekte von körperlicher Aktivität erklären lassen, werden heute noch nicht vollständig verstanden. Das Ziel dieser Studie ist es deshalb Fragebogen-basierte und experimentelle Methoden der Stressforschung zu verbinden, um herauszufinden, ob der Einfluss von kräftiger körperlicher Aktivität auf die physiologische und psychologische Stressreaktivität durch die Stresswahrnehmung der Untersuchungspersonen moderiert wird. Die Stichprobe bestand aus 42 Universitätsstudierenden (M = 21.2 Jahre, 52% Frauen). Die Untersuchungspersonen schätzten mit Hilfe eines Fragebogens ihren Stressbelastungsgrad ein. Zudem trugen sie während sieben Tagen ein Akzelerometer-Gerät. Um Unterschiede hinsichtlich der adrenokortikalen, autonomen und psychologischen Stressreaktivität zu untersuchen, wurde das freie Speichelkortisol, die Herzfrequenz, die Zustandsangst sowie zwei Stimmungsparameter (positive Gestimmtheit, Ruhe) vor, während und nach dem Trier Social Stress Test (TSST) erfasst. Die Teilnehmenden wurden mit Hilfe der Cut-off Werte des American College of Sports Medicine (ACSM) in zwei Gruppen kategorisiert, die die Mindestempfehlungen für kräftige körperliche Aktivität erfüllten vs. nicht erfüllten. Ein hoher wahrgenommener Stressbelastungsgrad in Kombination mit unzureichender kräftiger körperlicher Aktivität (< 3x 20min/week) waren mit einer erhöhten Kortisolreaktivität auf den TSST assoziiert (p < .05). Die Unterschiede hinsichtlich Kortsiolreaktivität zeigten sich auch nach Kontrolle von Alter, Geschlecht und BMI. Keine signifikanten Gruppenunterschiede ergaben sich im HInblick auf die Herzfrequenz. Hingegen zeigte sich bei Studierenden mit hoher Stressbelastung und unzureichender kräftiger körperlicher Aktivität ein weniger günstiger Affekt über die ganze Testsituation hinweg (p < .05).Die Studie deutet darauf hin, dass kräftige körperliche Aktivität bei Studierenden mit hoher wahrgenommener Stressbelastung ein besonders hohes stress-protektives Potenzial aufweist. Die Förderung von vermehrter körperlicher Aktivität stellt somit bei jungen Erwachsenen eine erfolgsversprechende Strategie zum Aufbau von physiologischer und psychologischer Stressresilienz dar.



 
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