Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Session
AK 22: Motivation und Volition im Freizeit- und Gesundheitssport
Zeit:
Samstag, 27.05.2017:
10:50 - 12:10

Chair der Sitzung: Reinhard Fuchs, Universität Freiburg
Ort: Hörsaal 103
120 Plätze, Fabrikstrasse 6

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Präsentationen

Subjektive sportbezogene Deutungsmuster und Handlungsorientierungen Jugendlicher und junger Erwachsener in der Schweiz

Claudia Klostermann1, Christelle Hayoz1, Torsten Schlesinger2, Siegfried Nagel1

1Universität Bern, Institut für Sportwissenschaft, Schweiz; 2Technische Universität Chemnitz, Institut für angewandte Bewegungswissenschaften, Deutschland

Der Jugendsport hat sich in den vergangenen Jahren zu einer facettenreichen Bewegungs- und Sportkultur entwickelt (Gomolinsky, 2008). Neben dem traditionellen Vereinssport gibt es heutzutage unzählige Bewegungsmöglichkeiten für junge Menschen, die sich über kommerzielle Sportangebote und informellem «light sports» bis hin zum Szenensport erstrecken (Borgers et al., 2015; Lamprecht, Fischer, Wiegand & Stamm, 2015). Neben dieser Beschreibung des sich wandelnden Sport – und Bewegungsverhaltens, blieb jedoch bislang weitgehend unberücksichtigt, inwieweit sich die subjektiven Bedeutungs- und Sinnzuschreibungen sowie sportbezogenen Handlungsorientierungen ebenfalls ausdifferenziert haben und wie diese mit dem individuellen Sport- und Bewegungsverhalten verknüpft sind. Ausgehend von einer Ausdifferenzierung des Sports wird das Sportverhalten auf theoretischer Ebene als eine mit einem subjektiven Sinn verbundene Wahlhandlung zwischen verschiedenen Alternativen (d. h. welche Sportaktivität wann, wo, wie und mit wem ausgeführt wird) konzeptualisiert (Esser, 2001; Schimank, 2010). Sportliche Aktivität kann auf unterschiedliche erklärungsrelevante Komponenten menschlichen Handelns zurückgeführt werden: auf Situationsdeutungen, der Wirkungsweise sozialer Normen oder bestehender Gewohnheiten sowie als bewusste Entscheidung aufgrund von Nutzenabwägungen unter Berücksichtigung individueller Präferenzen, Ziele und Erwartungen. Zur Erfassung subjektiver sportbezogener Deutungsmustern und Handlungsorientierungen wurden in der Deutsch- und Westschweiz wohnhafte sportlich aktive sowie inaktive Jugendliche und junge Erwachsene (N = 8) im Alter von 16 bis 24 Jahren mittels halbstrukturierter Interviews zur eigenen Sportpraxis sowie zu den subjektiven Deutungsmustern und Handlungsorientierungen zu Sport, Bewegung, Körper, Gesundheit und Freizeit befragt. Zur Auswertung wurde die dokumentarische Methode nach Bohnsack (2013) angewendet. Insgesamt konnten vier übergeordnete Typen sportbezogener Handlungsorientierungen anhand des vorliegenden Interviewmaterials unterschieden werden: «Leistungs- und Wettkampforientierung», «Autonomie und Freiwilligkeit», «Körperidealorientierung» und «Gesundheitsorientierung». Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen auf, dass sich die Sportmodelle von Heinemann (2007) trotz der zunehmenden Vielfalt im individuellen Sportverhalten Jugendlicher und junger Erwachsener, zumindest teilweise, wiederfinden lassen und dass diese mit unterschiedlichen subjektiven Deutungsmustern und Handlungsorientierungen verknüpft sind. In den subjektiven Deutungsmustern der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind dabei neben den bereits in den Sportmodellen verankerten zweck- und wertrationalen Orientierungen (z. B. Leistungs- und Wettkampforientierung sowie Gesundheits- und Körperorientierungen) noch weitere affektuelle und traditionale Handlungsorientierungen (z. B. Bedürfnis nach sportlich-körperlicher Aktivität oder gewohnheitsmässiges Sportengagement) von Bedeutung. Darüber hinaus können den einzelnen sportbezogenen Sinnzuschreibungen (z. B. Förderung der Gesundheit) jeweils ganz unterschiedliche Handlungsorientierungen nach Weber (2002) zugrunde liegen (z. B. Gesundheitsförderung als wertrationale oder zweckrationale Handlungsorientierung).


Effekte des Interventionsprogramms MoVo-LISA auf die sportliche Aktivität bei KHK-PatientInnen: Ergebnisse einer randomisiert kontrollierten Studie

Stephan Kinkel1, Ramona Wurst2, Reinhard Fuchs2

1Park Klinikum, Deutschland; 2Universität Freiburg

Kognitiv-behaviorale Interventionen haben ein gutes Potential, das Sport- und Bewegungsverhalten nachhaltig zu verändern (Geidl et. al., 2012). In der vorliegenden Untersuchung wurde das MoVo-LISA Programm (Göhner & Fuchs, 2007) erstmalig in einem RCT-Design an inaktiven KHK-PatientInnen im Rahmen eines stationären Rehabilitationsaufenthaltes evaluiert und auf seine Wirksamkeit überprüft. Die Überprüfung erfolgte auf der Basis einer zweiarmigen, randomisiert kontrollierten Interventionsstudie. Mit Followup-Messungen nach 6 Wochen, 6 Monaten und 12 Monaten (post-Reha) wurden zwei Gruppen von anfänglich sportlich-inaktiven KHK-PatientInnen hinsichtlich ihrer Sportaktivität varianzanalytisch verglichen, und zwar eine Interventionsgruppe n = 100 [Standardbehandlung der Klinik plus MoVo-LISA] und eine Kontrollgruppe n = 102 [Standardbehandlung ohne MoVo-LISA]. Insgesamt konnten in der Längsschnittanalyse 119 PatientInnen (IG = 62) und (KG = 57) ausgewertet werden. Im zeitlichen Verlauf nach der Rehabilitation konnten die PatientInnen beider Untersuchungsgruppen ihre Sport- und Bewegungsaktivität signifikant steigern. Varianzanalytisch zeigte sich zwischen beiden Gruppen ein deutlicher Zwischensubjekteffekt (p < .001). Querschnittsanalytisch ergab sich in der IG nach sechs Wochen post Reha ein signifikant (p < .001) höherer Gesamtumfang der Sportaktivität gegenüber der Kontrollgruppe. Nach 12 Monaten war dieser Effekt (p < .001) in der IG gegenüber der Kontrollgruppe weiterhin nachweisbar. Die Ergebnisse bestätigen die Wirksamkeit von MoVo-LISA auf der Basis eines RCT-Designs bei inaktiven KHK-PatientInnen im Rahmen eines stationären Rehabilitationsaufenthaltes. Daten auf Basis von Selbstangaben per Fragebögen könnten im Sinne der sozialen Erwünschtheit oder des Sich-nicht-erinnern-könnens verzerrt sein. Jedoch ist die Möglichkeit der Verzerrung der Daten in beiden Gruppen gegeben, somit ist zumindest eine Vergleichbarkeit der Gruppen trotz fehlender Objektivierung und Limitierung der Daten gewährleistet.


Langzeiteffekte des MoVo-LISA-Programms auf das sport- und bewegungsbezogene Barrierenmanagement: Ergebnisse einer randomisiert-kontrollierten Studie

Ramona Wurst1, Stephan Kinkel2, Nadine Kasten1, Reinhard Fuchs1

1Universität Freiburg Institut für Sport und Sportwissenschaft, Deutschland; 2Parkklinikum Bad Krozingen

Das sport- und bewegungsbezogene Barrierenmanagement stellt eine wichtige psychologische Determinante der körperlichen Aktivität dar. Ergebnisse aus nicht-randomisiert kontrollierten Studien stützen die Annahme, dass durch das MoVo-LISA-Programm signifikante Verbesserungen dieser Determinante erzielt werden können (Göhner, Seelig & Fuchs, 2009). In der vorliegenden Untersuchung werden die Effekte des Programms auf das Barrierenmanagement erstmalig auf der Basis eines RCT-Designs mit einem Follow-up von 12 Monaten überprüft. Insgesamt N = 202 anfänglich inaktive KHK-PatientInnen (Kontrollgruppe [KG]: n = 102; 26% ♀; MAlter = 60 Jahre; Interventionsgruppe [IG]: n = 100; 21% ♀; MAlter = 57 Jahre) nahmen an der randomisiert kontrollierten Studie teil. Die KG absolvierte das reguläre Rehaprogramm, die IG zusätzlich das MoVo-LISA-Programm. Zu fünf Messzeitpunkten (T1/T2 = vor/direkt nach der Reha, T3 = 6 Wochen nach der Reha, T4/T5 = 6/12 Monate nach der Reha) wurden neben der sportlichen Aktivität auch die beiden Determinanten „Wahrgenommene Barrieren zur Sportteilnahme“ sowie „Gegenstrategien zur Überwindung der Barrieren“ erfasst (Krämer & Fuchs, 2010). Aus dem Quotienten der beiden Determinanten wurde ein Index für das sport- und bewegungsbezogene Barrierenmanagement (BM) gebildet und mit einer zweifaktoriellen ANOVA mit Messwiederholung sowie mit t-Tests für unabhängige Stichproben analysiert. Die Analysen zeigen, dass die Determinante BM neben einem signifikanten Zeiteffekt (p < .001, F(3, 347) = 12.307, η² = .058) auch einen signifikanten Interaktionseffekt Messzeitpunkt x Gruppe (p < .001, F(3, 347) = 9.047, η² = .043) aufweist. Post-hoc-Analysen belegen für die KG keine Veränderungen über die Zeit (p = .418, F(3, 309) = 0.959, η² = .009), während für die IG signifikante Verbesserungen nachweisbar sind (p < .001, F(3, 295) = 18.877, η² = .160). Diese positiven Veränderungen sind auch noch 12 Monate nach der Intervention festzustellen (t(99) = - 4.56, p < .001, d = 0.466). Mit dieser Studie wird zum ersten Mal auf Basis einer RCT gezeigt, dass das MoVo-LISA-Programm in der kardiologischen Reha einen signifikanten Beitrag zur langfristigen Verbesserung des sport- und bewegungsbezogenen Barrierenmanagements leistet. Damit ist auch eine wichtige Voraussetzung dafür erfüllt, dass mit dem Programm MoVo-LISA eine nachhaltige Optimierung des Aktivitätsverhaltens erzielt werden kann.


Same same but different?! – sportbezogene Motivations- und Volitionsprofile im Jugendalter

Vanessa Gut, Julia Schmid, Achim Conzelmann

Universität Bern, Schweiz

Motivationale und volitionale Merkmale sind für das Sporttreiben im Jugendalter wichtige Einflussfaktoren (Biddle, Atkin, Cavill & Foster, 2011). Bisher dominierte in diesem Forschungsfeld vorwiegend ein variablen-orientierter Ansatz und wenige Studien verfolgten ergänzend dazu einen person-orientierten Ansatz (Lindwall, Weman-Josefsson, Sebire & Standage, 2016; Wang, Morin, Liu & Chian, 2016). Beim person-orientierten Ansatz steht das Zusammenspiel mehrerer Variablen und die Betrachtung von Individuen im Fokus (Bergman & Anderson, 2010; Bergman & Lundh, 2015). Dadurch werden mögliche Wechselwirkungen in Form von Kompensations- und Synergieeffekte zwischen einzelnen Variablen berücksichtigt, z. B. kann eine tiefe Selbstwirksamkeit durch andere Faktoren kompensiert werden (Reyes Fernandez, Montenegro, Knoll & Schwarzer, 2014). Zusätzlich wird Wissen für zielgruppenspezifische Massnahmen zur Förderung sportlicher Aktivitäten generiert (Sudeck, Lehnert & Conzelmann, 2011). Das Ziel der vorliegenden Studie ist daher unterschiedliche motivationale und volitionale Profile bei Jugendlichen zu identifizieren und zu untersuchen, wie die unterschiedlichen Profile mit dem Sportvolumen zusammenhängen. Schweizer SchülerInnen der 9. Klasse (N = 1'155, M = 15.29, SD = 0.65, 53% weiblich) wurden einmalig zu ihrem Sportverhalten, zu motivationalen Merkmalen (Absicht sportlich aktiv zu sein, sportbezogene Selbstkonkordanz) und zu volitionalen Merkmalen (sportbezogene Selbstwirksamkeit, Handlungsplanung) befragt. Um Jugendliche mit ähnlichen Profilen zu gruppieren, wurden eine latente Profilanalyse mittels des R-Pakets «mclust» (Fraley, Raftery, Scrucca, Murphy & Fop, 2017) durchgeführt. Es konnten vier unterschiedliche Motivations- und Volitionsprofile bei den Jugendlichen identifiziert werden: Profil 1 «die Absichtsvollen» (15%, wöchentliches Sportvolumen: 209 Minuten), Profil 2 «die Absichtslosen mit überdurchschnittlicher Volition» (32%, wöchentliches Sportvolumen: 269 Minuten), Profil 3 «die extrinsisch Motivierte mit tiefer Volition» (18%, wöchentliches Sportvolumen: 112 Minuten) und Profil 4 «die intrinsisch motivierten, selbstwirksamen Planenden» (35%, wöchentliches Sportvolumen: 285 Minuten). Die gefundenen Profile weisen auf Kompensationsmöglichkeiten zwischen einzelnen Merkmalen hin. So haben beispielsweise die Jugendlichen in Profil 2 im Vergleich zu denjenigen des Profils 4 eine sehr geringe Absicht Sport zu treiben, sie weisen jedoch mit Ausnahme dieses Merkmals ein ähnliches Profil und Sportvolumen wie die Jugendlichen des Profils 4 auf. Die Befunde verdeutlichen die Notwendigkeit eines person-orientierten Ansatzes, um zielgruppenspezifisches Wissen zur Förderung sportlicher Aktivitäten bei Jugendlichen zu gewinnen. Um diese ersten Erkenntnisse zu bestätigen und zu vertiefen, bedarf es allerdings weiterer Forschung. Daher sollte in einem nächsten Schritt die Replikation der gefundenen Profile anhand einer weiteren Stichprobe angestrebt werden. Ausserdem sollte zukünftig untersucht werden, wie die unterschiedlichen Profile längerfristig mit dem Sportverhalten zusammenhängen (z. B. beim Übergang von der obligatorischen Schulzeit in eine weitere Ausbildung).



 
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