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Sitzungsübersicht
Session
AK 14: Psychologische Aspekte des Nachwuchsleistungssport
Zeit:
Freitag, 26.05.2017:
12:40 - 14:00

Chair der Sitzung: Elke Knisel, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Ort: Hörsaal 104
120 Plätze, Fabrikstrasse 6

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Präsentationen

Entwicklung, Durchführung und Evaluation einer sportpsychologischen Intervention zur Förderung des Leistungsmotivs bei NachwuchsathletInnen

Marie Hengst

Universität Leipzig, Deutschland

Heckhausen (1965) definiert das Leistungsmotiv als das überdauernde Bestreben, sich mit Gütestandards auseinanderzusetzen und unter Umständen die eigene Leistung zu erhöhen. In besonderem Maße ist das Erleben und Verhalten in leistungsthematischen Situationen von der Ausprägung des Leistungsmotivs abhängig (Fries, 2002). Die Möglichkeit dieses Motiv zu stärken beschäftigt die Forschung seit den sechziger Jahren. In den letzten 20 Jahren wurden die Effekte von Trainingsprogrammen zur Förderung des Leistungsmotivs vor allem in den Bereichen Schule und Beruf untersucht, jedoch ungenügend im Kontext Sport evaluiert (Kellmann, Gröpel & Beckmann, 2011; Stoll, Pfeffer & Alfermann, 2010). Zielstellung ist es daher, die Wirksamkeit einer sportpsychologischen Intervention zur Förderung des Leistungsmotivs zu evaluieren. Die Grundlage der Intervention beruht auf den theoretischen Arbeiten des Selbstbewertungsmodells und beinhaltet ein Zielsetzungs- und Reattributionstraining sowie die Schulung von positiven Selbstbewertungen (Heckhausen, 1972). Neben der Entwicklung und Durchführung der Intervention wurde eine Ergebnis- und Prozessevaluation nach dem Evaluationsmodell von Kirkpatrick (1998) durchgeführt. Der Forschungsfrage wurde in einer kontrollierten, prospektiven Studie mit quasi-experimentellem Forschungsdesign nachgegangen. Die Wirksamkeitsüberprüfung der Intervention erfolgte mit drei Messzeitpunkten. Die Erhebung fand vor und nach dem 12-wöchigen Interventionsprogramm bei N = 22Sportlerinnen und N = 29Sportler (Alter: M = 14.92 Jahre, SD = 1.84) statt. Das Follow up erfolgte nach einer dreimonatigen Selbstbeobachtungsphase. Die Trainingsgruppen betreiben verschiedene Sportarten, wie beispielsweise Nordische Kombination, Ski Alpin oder Biathlon. Zur Erfassung des Leistungsmotivs wurde der standardisierte Fragebogen „sportbezogener Leistungsmotivationstest“ eingesetzt (Frintrup & Schuler, 2007). Das sportpsychologische Training erfolgte einmal wöchentlich für 60 Minuten (n = 31). Die Wirksamkeitsüberprüfung erfolgte anhand des Vergleiches der Effekte von Versuchs- und Kontrollgruppe. Die Kontrollgruppe (n = 20) erhielt kein Treatment. Die Ergebnisse zeigen, dass durch ein sportpsychologisches Training das Leistungsmotiv zugunsten der Experimentalgruppe gefördert werden konnte. Für die abhängige Variable wird ein signifikanter Interaktionseffekt ZEIT*GRUPPE [F(2; 98) = 3.731, p < .033, η2= .07] sowie ein signifikanter Haupteffekt des Faktors ZEIT [F(2,98) = 11.88, p < .000, η2= .19] berichtet. Mittels Post Hoc Test zum Faktor ZEIT zeigt sich, dass sich die abhängige Variable signifikant über die Zeit verändert [F(2,60) = 17.17, p < .00, η2 = .36], indem der Gesamtwert vom Prä- zum Posttest (p = .003), vom Posttest zum Follow up (p = .044) wie auch vom vom Prätest zum Follow (p = .000) ansteigt. Die Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Trainierbarkeit von Motiven im Kontext Sport. Die Intervention kann sowohl als ganzheitliches Trainingsprogramm wie auch als Teilübungen in den Bereichen Zielsetzung, Attribution und Selbstbewertung im Coaching der Sportpsychologie angewendet werden.


Burnout im Nachwuchsleistungssport und mentale Toughness als Schutzfaktor gegen Stress

Markus Gerber1, Simon Best1, Fabienne Meerstetter1, Sebastian Ludyga1, Serge Brand1, Sandrine Isoard-Gautheur2, Renzo Bianchi3, Henrik Gustafsson4

1Universität Basel, Schweiz; 2Universität Grenoble Alpes, Frankreich; 3Universität Neuchâtel, Schweiz; 4Universität Karlstad, Schweden

Jugendliche Leistungssportler sind oftmals erheblichen Stressbelastungen ausgesetzt, wobei chronischer Stress negative Konsequenzen nach sich ziehen kann wie Burnout-Symptome (Raedeke, 1997). Die Prävalenz von Burnout bei Leistungssportlern wird aktuell zwischen 1-5% geschätzt (Gustafsson, Kentää & Hassmén, 2011). Diese Daten sind aber mit Vorsicht zu geniessen, weil sie auf sportspezifischen Instrumenten beruhen (Raedeke & Smith, 2001), die sich nicht an klinisch relevanten Kriterien orientieren (Gustafsson, Madigan & Lundkvist, 2017). Das Ziel der vorliegenden Studie ist es deshalb, die Prävalenz von Burnout im Nachwuchsleistungssport mit Hilfe eines etablierten Messinstrument zu schätzen sowie die Rolle der mentalen Toughness (deutsch: mentale Stärke) als Schutzfaktor gegen Stress zu untersuchen. Die Stichprobe bestand aus 257 NachwuchsleistungssportlerInnen aus dem Raum Nordwestschweiz (M = 16.82 Jahre, SD = 1.44, 36% Frauen). Burnout wurde mit dem Shirom Melamed Burnout Measure (SMBM) erfasst. Werte von ≥ 4.40 wurden als „klinisch relevant“ interpretiert. Die subjektive Stresswahrnehmung wurde mit der Perceived Stress Scale (PSS), die mentale Toughness mit dem Mental Toughness Questionnaire (MTQ) erhoben. Die multivariaten Zusammenhänge wurden mit hierarchischen Regressionsanalysen untersucht. Insgesamt berichteten 31 Jugendliche (12%) klinisch relevante Burnout-Symptome. Stress (b = .42, p < .001), mentale Toughness (b = -.19, p < .01) sowie die Interaktion zwischen Stress und mentaler Toughness (b = -.19, p < .001) waren mit der Burnout-Symptomatik assoziiert. Jugendliche mit hoher mentaler Toughness gaben bei hoher Stressbelastung signifikant niedrigere Burnout-Werte an als Peers mit niedrigen Toughness-Werten. Bei tiefer Stressbelastung war die mentale Toughness nicht mit der Burnout-Symptomatik assoziiert. Unter Verwendung eines etablierten Instruments zeigte sich, dass etwa jede/r achte NachwuchsleistungssportlerIn klinisch relevante Burnout-Symptome aufwies. Während hoher Stress mit mehr Burnout-Symptomen assoziiert war, scheint der mentalen Toughness bei hoher Stressbelastung eine Schutzfunktion zuzukommen.


Bedeutung der Emotionalen Intelligenz im Nachwuchsleistungssport

Stucke Christine, Knisel Elke

Otto-von-Guericke-Universität, Deutschland

Das Konstrukt der Emotionalen Intelligenz (EI) beschreibt die Fähigkeit, Emotionen bei sich und anderen Personen wahrzunehmen, zwischen emotionalen Zuständen zu unterscheiden und diese Informationen für die Steuerung von Denk- und Verhaltensprozessen zu nutzen (Salovey & Mayer, 1990). Studien zeigen, dass Sportler mit einer höheren EI optimal in Training und Wettkampf agieren (Lane et al., 2009) und insbesondere im Mannschaftssport erfolgreicher sind (Laborde et al., 2016). Die Mehrzahl der Untersuchungen wurde mit erwachsenen Sportlern durchgeführt. In der vorliegenden Studie wird der Frage nachgegangen, welche Ausprägung die EI bei NachwuchsleistungssportlerInnen aufweist und welche Auswirkungen auf die Kaderzugehörigkeit bestehen. An einer Längsschnittstudie (12/2011-06/2016) nahmen 330 NachwuchsleistungssportlerInnen (m = 210, w = 120; MWAlter = 15,4J, SD = 1,47) teil. 125 SportlerInnen trainieren in Individualsportarten (LA/Schw), 116 in Mannschaftssportarten (Hb) und 89 in den Sportarten Kanu/Rudern (Individual/Mannschaft). Zweimal jährlich wurden mit dem BarOn Emotional Quotient Inventory: Youth Version (vgl. Bar-On & Parker, 2000) emotionsbezogene Kompetenzen, Persönlichkeitseigenschaften und –dispositionen (intra-personale und interpersonelle Skala, Stressmanagement, Anpassung, allgemeine Stimmung, positiver Eindruck sowie Emotionaler Quotient-EQ) erfasst. Die Ergebnisse der VAunivariat zeigen, dass Sportler in fünf Skalen signifikant höhere Werte aufweisen als Sportlerinnen. Altersgruppeneffekte treten in der intrapersonellen (p = .01) und Stressmanagementskala (p =. 016) auf. Dabei steigen die Werte der intrapersonellen Skala mit zunehmenden Alter an, die der Stressmanagementskala fallen. MannschaftssportlerInnen zeigen lediglich in der interpersonellen Skala höhere Werte (p = .044) als IndividualsportlerInnen bzw. Kanuten/Ruderer. Es ergeben sich keine signifikanten Unterschiede (Haupteffekte) zwischen SportlerInnen mit und ohne Kaderstatus. Allerdings können in der intrapersonellen Skala und beim EQ Interaktionseffekte nachgewiesen werden. MannschaftssportlerInnen mit Kaderstatus haben die höchste Ausprägung der intrapersonellen Skala, IndividualsportlerInnen mit Kaderstatus die geringste (p = .05). Männliche Mannschaftsportler mit Kaderstatus weisen den höchsten, weibliche Individualsportler mit Kaderstatus den geringsten EQ auf (p = .044). Im Längsschnitt (VAMWW) steigen bei allen Skalen die Werte im Verlauf von 18 Monaten an, die Haupt- und Interaktionseffekte (Geschlecht/Sportart/Kader) sind jedoch nicht signifikant. Die vorliegenden Ergebnisse bestätigen teilweise die in der Literatur aufgeführten Effekte (Laborde et al., 2016). So schreiben sich Athleten eine höhere EI zu als Athletinnen. MannschaftssportlerInnen zeigen nur beim Einschätzen und Verstehen der Emotionen anderer höhere Werte. KaderathletInnen haben insgesamt keine höhere Ausprägung der EI, eine Differenzierung ist nur vor dem Hintergrund des Geschlechts und der Sportart möglich. Ausgehend von der Annahme, dass eine höhere EI zu besserer mentaler Widerstandsfähigkeit, effektiveren Copingstrategien und zu höherer Leistungsfähigkeit beiträgt (Cowden, 2016), wäre zu prüfen, inwieweit geschlechts- und sportartspezifische EI-Trainingsprogramme eine Leistungsoptimierung im Jugendalter unterstützen.


Zusammenhang zwischen der emotionalen Intelligenz und der Selbstwirksamkeit bei jungen AthletInnen

Elke Knisel, Christine Stucke

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland

Studien weisen auf Zusammenhänge zwischen der emotionalen Intelligenz und der sportlichen Leistung hin (Crombie, Lombard & Noakes, 2009; Lane et al., 2010; Zizzi, Deaner & Hirschhorn, 2010). Angenommen wird, dass dies auf eine adäquate Stressbewältigung in Training und Wettkampf zurückzuführen ist (Laborde et al., 2014). In diesem Kontext stellt sich die Frage, welche Rolle die Selbstwirksamkeitserwartung und damit die Überzeugung Stresssituationen erfolgreich zu bewältigen, spielt. Forschungen innerhalb der pädagogischen Psychologie weisen auf einen Zusammenhang zwischen emotionaler Kompetenz und der Selbstwirksamkeit bei (Sport-)Lehrkräften hin. Eine hohe Selbstwirksamkeit kann angesichts hoher Anforderungen im Lehrberuf als Stresspuffer wirken (Abdolvahabi, Bagheri & Kioumarsi, 2012; Chan, 2004). Im Nachwuchsleistungssport ist der Zusammenhang von emotionalen und kognitiven Kompetenzen und Prozessen bislang wenig untersucht. An der Studie nahmen 120 Athletinnen und 210 Athleten des Olympiastützpunktes Sachsen-Anhalt im Alter von 13 bis 24 Jahren (M = 15.4; SD = 1.47) in den Sportarten Rudern, Kanu, Leichtathletik, Schwimmen und Handball teil. Untersucht wurden die Zusammenhänge zwischen der Emotionalen Intelligenz gemessen mit der deutschen Version (Stucke, 2009) des BarOn Emotional Quotient Inventory, Youth Version (Bar-On & Parker, 2000) und der allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung (Schwarzer & Jerusalem, 1999) bei den AthletInnen in drei Altersgruppen (13-15, 16-18 und über 19 Jahre). Für die gesamte Untersuchungsgruppe (r = .522; p < .01) als auch für die Athletinnen (r = .496; p < .01) und Athleten (r = .516; p < .01) in den drei Altersgruppen 13-15 Jahre (r = .529; p < .01), 16-18 Jahre (r = .464; p < .01) und über 19 Jahre (r = .705; p < .05) ergeben sich signifikante Zusammenhänge zwischen dem Emotionalen Quotienten und der Selbstwirksamkeit. Die sechs Skalen des BarOn Emotional Quotient Inventory korrelieren signifikant mit der Selbstwirksamkeit. Die multiple Regressionsanalyse ergibt Stressmanagement (β = .124, p = .006), Anpassung (β = .430, p = .000) und allgemeine Stimmung (β = .283, p = .000) als signifikante Prädiktoren für die Selbstwirksamkeit. Allerdings zeigt sich, dass für die Athletinnen Anpassung und allgemeine Stimmung signifikante Prädiktoren für die Selbstwirksamkeit sind. Bei den 13-15jährigen sind Stressmanagement, Anpassung und allgemeine Stimmung signifikante Prädiktoren, während bei den 16-18jährigen allgemeine Stimmung und den über 19jährigen Anpassung signifikanter Prädiktor für die Selbstwirksamkeit ist. Die Ergebnisse unterstreichen die Zusammenhänge zwischen der emotionalen Intelligenz und der Selbstwirksamkeit. Die Untersuchung der Beziehung zwischen emotionaler Intelligenz und psychologischen Faktoren scheint für die angewandte Sportpsychologie bedeutsam. So fanden Lane et al. (2009) einen positiven Zusammenhang zwischen emotionaler Intelligenz und dem Einsatz von Selbstgesprächs-, Vorstellungs- und Aktivierungsstrategien. Die Frage wird sein, ob sich durch ein Training der emotionalen Intelligenz die Selbstwirksamkeitserwartungen verbessern lassen insbesondere hinsichtlich des Vertrauens in die eigene emotionale Kompetenz in kritischen Wettkampfsituationen.



 
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