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Sitzungsübersicht
Session
AK 23: Exekutive Funktionen in der leistungssportlichen Entwicklung
Zeit:
Samstag, 27.05.2017:
10:50 - 12:10

Chair der Sitzung: Günter Amesberger, Universität Salzburg
Ort: Hörsaal 104
120 Plätze, Fabrikstrasse 6

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Präsentationen

Theoretische Verankerung exekutiver Funktionen und deren faktorielle Struktur

Thomas Finkenzeller1, Sabine Würth1, Björn Krenn2, Günter Amesberger1,3

1Universität Salzburg; 2Universität Wien; 3BS - Österreichisches Bundesnetzwerk Sportpsychologie

Aktuelle Studien haben das enorme Potenzial exekutiver Funktionen (EF) für die sportpsychologische Diagnostik aufgezeigt. Unter EF werden psychische top-down Prozesse verstanden, die in die Bereiche Inhibition, Arbeitsgedächtnis und kognitive Flexibilität unterteilt werden (Diamond, 2013). Diesen drei Bereichen wird für die Erbringung von sportlicher Leistung eine hohe Augenscheinvalidität zugesprochen. So muss beispielsweise ein Fußballspieler irrelevante Reize ausklammern, sich schnell an verändernde Spielsituationen anpassen und schnell die Strategie ändern (Vestberg u. a., 2012). Empirisch konnte bereits nachgewiesen werden, dass die Ausprägung von EF sowohl zwischen jugendlichen (Verburgh u. a. 2014, Huijgen u. a., 2015) als auch zwischen erwachsenen FußballspielerInnen (Vestberg u. a., 2012) mit einem unterschiedlichen Leistungsniveau differenziert sowie dass EF eine hohe prognostische Validität für die sportliche Leistung im Fußball haben (Vestberg u. a., 2012). Diese Aspekte führten ausgehend vom Modell EF nach Diamond (2013) zur Entwicklung einer umfassenden Testbatterie, die in der sportpsychologischen Diagnostik des Österreichischen Bundesnetzwerks für Sportpsychologie (ÖBS) und im Rahmen von Aufnahmeprüfungen österreichischer Schulsportmodelle eingesetzt wird. Die Testbatterie umfasst eine Eriksen Flanker Aufgabe (Pontifex & Hillman, 2007) mit kongruenten und inkongruenten Reizen, eine erweiterte, komplexe Form der Eriksen Flanker Aufgabe bestehend aus jeweils zwei unterschiedlichen kongruenten und inkongruenten Bedingungen und zwei unterschiedlichen Stopp-Bedingungen sowie eine 2-back Aufgabe mit Reizen aus Würfeln, geometrischen Figuren und Zahlen. Ziel dieser Studie ist es die Konstruktvalidität der Testbatterie zur Erfassung EF zu bestimmen. Die Testbatterie wurde von 185 ÖBS-AthletInnen und 333 NachwuchssportlerInnen (518 SportlerInnen; MAlter = 17.51, SD = 5.08; Minimum-Maximum = 13.08 - 41.25) bearbeitet. Eine explorative Faktorenanalyse (EFA) mit Kennwerten aus allen drei Tests (Hauptkomponentenanalyse, Varimax, KMO = .76) führt zu vier Faktoren, die inhaltlich als Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit (31.38% Varianzaufklärung), Arbeitsgedächtnisleistung (17.35%), Interferenzkontrollleistung (16.07%) und Interferenzkontrollgeschwindigkeit (11.74%) bezeichnet werden können. Anschließende EFA, die getrennt für ÖBS- und den NachwuchssportlerInnen durchgeführt wurden, zeigen ähnliche Faktorlösungen in beiden Teilstichproben. Die EFA liefern vielversprechende Ergebnisse gemäß dem Modell von Diamond (2013) in der Erfassung EF mit Ausnahme der Dimension kognitiver Flexibilität und der Subdimension Antwortinhibition. Die Testbatterie scheint geeignet zu sein, um eine Vielzahl von EF von jugendlichen und erwachsenen LeistungssportlerInnen zu messen. Ansätze zum Bilden eines Kennwertes für kognitive Flexibilität aus beiden Flankeraufgaben und die Erweiterung um die Subdimension Antwortinhibition durch Hinzunahme einer Stopp-Signal-Aufgabe werden diskutiert.


Exekutive Funktionen im Sportartenvergleich bei Nachwuchs- und SpitzenathletInnen

Björn Krenn1,3, Thomas Finkenzeller2, Sabine Würth2, Günter Amesberger2,3

1Universität Wien; 2Universität Salzburg; 3BS - Österreichisches Bundesnetzwerk Sportpsychologie

Exekutive Funktionen (EF) stellen ein kognitives Merkmal höherer Ordnung dar, welche Teilaspekte wie die Inhibition (Ausblenden irrelevanter Reize), das Arbeitsgedächtnis (Verarbeitung, Zwischenspeicherung und Abgleich von Informationen) oder auch die kognitive Flexibilität (Anpassung an variierende Bedingungen) umfassen (Diamond, 2013). Ihre hohe Bedeutsamkeit für die sportliche Leistungserbringung konnte ebenso gezeigt werden (Alves et al., 2013), wie die förderlichen Effekte von Sport und Bewegung auf die Entwicklung der EF (Jacobsen & Matthaeus, 2014). Unklar scheint bislang, ob AthletInnen gleicher Leistungsniveaus in unterschiedlichen Sportarten auch Unterschiede in den EF begründen bzw. ob ein potentieller Unterschied im Erwachsenenalter auftritt und/oder bereits im Jugendalter Bestand hat. Drei Tests zur Erfassung der EF (vgl. Finkenzeller, Würth, Krenn & Amesberger, 2017) wurden 185 AthletInnen (112 männlich/73 weiblich; 23.25 ± 4.47 Jahre) des Spitzensportförderungsprogramms des österreichischen Sportministeriums und 333 SchülerInnen (216/117; 14.32 ± .70 Jahre) österreichischer Schulsportmodelle vorgegeben. Die Datenerhebung erstreckte sich von Oktober 2015 bis Dezember 2016. Die individuellen Sportarten wurden nach Voss, Kramer, Basak, Prakash und Roberts (2009) in statische (z. B. Schießen), dynamische (z. B. Ski Alpin) und strategische Disziplinen (z. B. Volleyball) eingeteilt. Mittels MANOVA wurde geprüft, ob Unterschiede in den vier Faktoren der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, Arbeitsgedächtnisleistung, Interferenzkontrollleistung und Interferenzkontrollgeschwindigkeit zwischen den Alterskohorten und Sportkategorien auftraten. Die MANOVA offenbarte signifikante Einflüsse der Alterskohorte sowie der Sportartenkategorie bei der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit (Alter: F(1,512)= 65.44, p ˂ .001, η2 = .12; Sportart: F(2,512) = 3.08, p = .047, η2 = .01) und dem Arbeitsgedächtnis (Alter: F(1,512) = 22.66, p ˂ .001, η2 = .04; Sportart: F(2,512) = 5.30, p = .005, η2 = .02). Bei Interferenzkontrolle (F(1,512) = 26.05, p ˂ .001, η2 = .05) und Interferenzkontrollgeschwindigkeit (F(1,512) = 15.38, p ˂ .001, η2 = .03) zeigte sich ausschließlich ein signifikanter Unterschied der Alterskohorten. Die Ergebnisse zeigten höhere Werte der EF der Gruppe der SpitzensportlerInnen im Vergleich zu den NachwuchsathletInnen. Einzig beim Faktor Interferenzkontrollgeschwindigkeit zeigten NachwuchsathletInnen bessere Kennwerte. Der Vergleich der Sportartenkategorien zeigte bessere Werte der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und Arbeitsgedächtnisleistung bei strategischen versus statischen und dynamischen Sportarten. Etwaige Interaktionseffekte der Alterskohorten und Sportartenkategorien fielen nicht signifikant aus. Die Ergebnisse zeigen, dass die Ausprägung der EF mit dem Alter zunahm und sie vor allem bei Sportarten mit hohen strategischen und interagierenden Anteilen höher ausgeprägt waren. Die Resultate unterstreichen die Bedeutsamkeit der EF vor allem in Spielsportarten und auf sehr hohem sportlichem Leistungsniveau.


Exekutive Funktionen und mentale Kompetenzen bei Nachwuchs- und EliteathletInnen im Vergleich

Günter Amesberger1, Thomas Finkenzeller1, Björn Krenn2, Sabine Würth1

1Universität Salzburg; 2Universität Wien

Während Exekutive Funktionen (EF) bereits gut untersucht sind, liegen zum Bezug von EF zu mentalen Kompetenzen (MK) im Leistungssport kaum Informationen vor. Zudem scheint es in der sportpsychologischen Diagnostik von besonderem Interesse, wie sich subjektive Einschätzungen und objektive Leistungsparameter zueinander verhalten und im Laufe der Entwicklung verändern. In einem unechten Längsschnitt wurden dazu NachwuchsportlerInnen mit SpitzensportlerInnen verglichen. Die Stichprobe der Spitzen- (N = 86, M = 25.54, SD = 3.46) und NachwuchsleistungssportlerInnen (N = 304, M = 14.35, SD = .075) wurde auf Sportarten eingeschränkt, die dynamisch und strategisch herausfordernd sind (vgl. Krenn et al., 2017). Neben den bei Finkenzeller et al. (2017) beschriebenen EF-Tests wurde zur Erfassung der MK auf ausgewählte mentale Kompetenzen (Finkenzeller, Bernatzky & Amesberger, 2008) zurückgegriffen, die mit der Leistungsfähigkeit in EF-Tests in Beziehung stehen könnten: Entspannungsfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Handlungsorientierung nach Fehlern sowie die motivationalen Komponenten Hoffnung auf Erfolg und Furch vor Misserfolg. Zum Aufdecken der Bezüge wurden hierarchische Clusteranalysen getrennt für Nachwuchs- und SpitzensportlerInnen gerechnet (Ward-Methode, euklidische Distanz). Es hat sich jeweils eine drei Clusterlösung mit höchst signifikanten Unterschieden in den je einbezogenen Variablen herauskristallisiert. Cluster eins der NachwuchsportlerInnen ist gekennzeichnet durch schnelle Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, eine niedrige Fehlerquote sowie eine geringe Inhibitionszeit. Mental stellen sich diese SportlerInnen weniger entspannt, schlechter in der Fehlerbewältigung und misserfolgsängstlicher als Cluster zwei dar, welcher objektiv gleiche Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit - allerdings bei deutlich erhöhter Fehlerquote, also schlechterer Interferenzkontrollleistung - aufweist. Cluster drei vereint Personen mit deutlich langsamerer Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und schwächerer Arbeitsgedächtnisleistung bei ähnlicher mentaler Einschätzung wie Personen in Cluster eins. Bei den SpitzensportlerInnen stimmen mentale Einschätzung und EF-Leistungen besser überein. Cluster eins zeigt eine hohe Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit mit einer gewissen Fehleranfälligkeit bei inkongruenten Reizen. AthletInnen in Cluster zwei sind ähnlich schnell und weniger fehleranfällig bei geringerer Furcht vor Misserfolg. Cluster drei hat die höchste Fehleranfälligkeit sowie die geringste Leistung im Arbeitsgedächtnis. Die Ergebnisse weisen auf deutliche Unterschiede zwischen Nachwuchs- und SpitzensportlerInnen hin, die entwicklungspsychologisch auf eine im Altersverlauf zunehmende Integration mentaler Aspekte in die Leistungsfähigkeit bei EF-Tests vermuten lässt.


Exekutive (Dys-)Funktionen als möglicher Prädiktor von Sportverletzungen

Sabine Würth1, Thomas Finkenzeller1, Björn Krenn2, Günter Amesberger1

1Universität Salzburg; 2Universität Wien

Exekutive Funktionen (EF) umfassen die kognitiven Aspekte der Inhibition (Ausblenden irrelevanter Reize), des Arbeitsgedächtnisses (Verarbeitung, Zwischenspeicherung und Abgleich von Informationen) und der kognitiven Flexibilität (Anpassung an variierende Bedingungen) (Diamond, 2013). Aktuelle Studien untersuchen die Bedeutung von EF auf die sportliche Leistung (Alves et al., 2013) sowie die förderlichen Effekte von Sport und Bewegung auf die Entwicklung der EF (Jacobsen & Matthaeus, 2014). Obgleich das Stress-Verletzungsmodell (Andersen & Williams, 1988) kognitiven Prozessen einen wesentlichen Einfluss auf Verletzungsereignisse zuschreibt, wurde bislang nicht hinterfragt, welche Rolle in diesem Zusammenhang exekutive Funktionen spielen. Zu erwarten ist, dass eine hohe Verletzungsrate mit eingeschränkten EF einhergeht. Drei Tests zur Erfassung der EF (vgl. Finkenzeller, Würth, Krenn & Amesberger, in diesem Band) wurden 185 AthletInnen (112 männlich/73 weiblich; 23.25 ± 4.47 Jahre) des Spitzensportförderungsprogramms des österreichischen Sportministeriums vorgegeben (Okt. 2015 bis Dez. 2016). Zusätzlich wurden von den SportlerInnen Verletzungsereignisse in den letzten 12 Monaten inkl. verletzungsbedingter Sportpausen (in Tagen) erfasst. In einer ersten querschnittlichen Datenanalyse wurde geprüft, welchen Zusammenhang Verletzungsereignisse mit den Indikatoren der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, Arbeitsgedächtnisleistung, Interferenzkontrollleistung und Interferenzkontrollgeschwindigkeit zeigen. Produkt-Moment-Korrelationen zeigen, dass nur geringe Zusammenhänge zwischen den Indikatoren der EF und der Anzahl von Verletzungsereignissen sowie verletzungsbedingter Fehltage zu finden sind (r = -.17 bis r = .16). Signifikant erweisen sich der Zusammenhang zwischen richtigen Reaktionen im nback-task (Arbeitsgedächtnis) mit den Fehltagen (r = .16; p = .03) und der Anzahl schwerer Verletzungen (r = .15; p = .04) sowie Fehlern bei inkongruenten Reizen im Flanker-Task (Interferenzkontrollleistung) mit den Fehltagen (r = -.17; p = .02). Die Effekte bleiben nach Auspartialisieren von Einflüssen des Alters und Geschlechts erhalten. Die Ergebnisse dieser explorativen querschnittlichen Studie zeigen, dass EF nur einen geringen Zusammenhang mit Verletzungsereignissen bei SpitzensportlerInnen zeigen. Komponenten des Arbeitsgedächtnisses sowie der Interferenzkontrollleistung sind demnach leicht positiv mit Verletzungen assoziiert und damit konträr zu der eingangs formulierten Erwartungen. Dies legt den Schluss nahe, dass gut ausgeprägte EF keinen protektiven Effekt auf das Auftreten von Sportverletzungen haben, sondern eher zu deren Entstehung beitragen. Weitere Analysen sowie längsschnittliche Daten sind indiziert, um den Bedeutungsgehalt dieses Befundes vor dem Hintergrund moderierender Faktoren und entwicklungsbedingter Veränderungen zu diskutieren. Sie werden auf der Tagung präsentiert.



 
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