Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Session
AK 17: Affektive Prozesse im Freizeitsport
Zeit:
Samstag, 27.05.2017:
9:00 - 10:20

Chair der Sitzung: Darko Jekauc, Humboldt-Universität zu Berlin
Ort: Hörsaal 103
120 Plätze, Fabrikstrasse 6

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Präsentationen

Eine qualitative Analyse emotionaler Einflussfaktoren in Sport

Benjamin Wienke, Darko Jekauc

Humboldt-Universität zu Berlin

Obwohl aktuelle Studien zeigen, dass Emotionen fest mit dem Verhalten in einem sportlichen Kontext verknüpft sind, fehlt noch immer ein hinreichendes Verständnis der Hintergründe und Prozesse der Emotionsbildung und -steuerung, um darauf aufbauende, erfolgreiche Trainings- und Sportprogramme zu entwickeln. Das Ziel dieser Studie ist es, Aspekte und Situationen im Sport und im Training zu identifizieren, welche eine positive emotionale Reaktion bei TeilnehmerInnen regelmäßiger und langfristiger sportlicher Aktivitäten auslösen. An dieser Studie nahmen 24 Erwachsene, jeweils 12 Frauen und 12 Männer, aufgeteilt auf drei Altersgruppen teil, welche eine Mannschafts-, oder Individualsportart bereits seit mindestens fünf Jahren betrieben. Halbstrukturierte Tiefeninterviews mit Fragen über die Sport- und Trainingsgewohnheiten, der langfristigen Teilnahme und der emotionalen Reaktion in einem sportlichen Umfeld wurden durchgeführt, um Situationen und Aspekte zu ermitteln, in welchen die sportlichen Aktivitäten positive Emotionen auslösen und ausgelöst haben. Die Interviews wurden wörtlich transkribiert und gemäß den Prinzipien der Grounded Theory ausgewertet. Die identifizierten Konzepte wurden gruppiert und in verschiedenen Kategorien zusammengefasst, welche wesentliche Mediatoren von Emotionen in Sport und Training repräsentieren. Vier Faktoren wurden identifiziert, welche das Auftreten positiver Emotionen im Sport begünstigen. Der wichtigste und dominanteste Einflussfaktor auf die emotionale Reaktion in einem sportlichen Umfeld ist das Kompetenzerleben. Es tritt meist im Zusammenhang mit persönlichem oder kollektivem Erfolg und Fortschritt auf, gemessen an Wettkampfergebnissen oder anderen Herausforderungen und selbstgesetzten Zielen. Ein weiterer Faktor ist das soziale Erleben, welches Formen der Kommunikation und Interaktion mit anderen Personen im sportlichen Kontext, aber auch die Gruppenzugehörigkeit und enge Beziehungen oder Freundschaften beinhaltet. Der dritte identifizierte Faktor lautet Neues Erleben und meint den erlebnisbezogenen Kontrast zu Lebensbereichen außerhalb des Sports, wie Arbeit, Familie und anderen Freizeitaktivitäten oder einem monotonen, repetitiven Alltag. Der vierte Faktor – und der einzige körperbezogene – ist das Körpererleben, welches alle Formen der physischen Ermüdung und Erschöpfung beschreibt, die ein angenehmes körperliches Empfinden und allgemeines Wohlbefinden nach sich ziehen, aber auch den physischen Ausgleich zum generell bewegungsarmen Alltag. Die Ergebnisse dieser Studie bieten Ansatzpunkte, um Sport- und Trainingsprogramme so zu entwickeln oder zu optimieren, dass dabei verstärkt positive Emotionen ausgelöst werden, was eine langfristige Bindung der TeilnehmerInnen an diese Bewegungsprogramme wahrscheinlicher machen dürfte.


Sportaktivitäten im alltäglichen Handlungsverlauf: Situative Assoziationen zwischen individuellen Zielen, Aktivitätsgestaltung und affektivem Befinden

Stephanie Jeckel, Gorden Sudeck

Eberhard Karls Universität Tübingen

Eine Vielzahl an Studien bestätigt die interindividuelle Variabilität von akuten Effekten sportlicher Aktivität auf das affektive Befinden (z. B. Ekkekakis, Parfitt & Petruzzello, 2011). Weiter zeigen aktuelle Studien, dass auch innerhalb einer Person akute affektive Reaktionen auf Sportaktivitäten substanziell variieren (Unick et al., 2015). Daher kann angenommen werden, dass das befindensregulative Potenzial sportlicher Aktivitäten ebenso situativ variabel sein kann. In einer ambulanten Assessment-Studie wurden deshalb affektive Reaktionen auf Sportaktivitäten im alltäglichen Handlungsverlauf analysiert, um mögliche Einflussfaktoren für situativ variable Befindensveränderungen identifizieren zu können. Vorab wurde erstens untersucht, inwieweit affektives Befinden (Valenz, Ruhe, positive Aktivierung) vor der Sportaktivität, Ziele für Sportaktivitäten (z. B. Gewichtsregulation, Ablenkung) sowie Aktivitätsparameter (z. B. objektive Aktivitätsdosis, wahrgenommene Anstrengung) situativ innerhalb von Personen variieren. Zweitens wurde geprüft, ob diese Aktivitätsparameter mit affektivem Befinden oder situativen Zielen vor der Sportaktivität assoziiert sind. Drittens wurde für die affektiven Reaktionen nach der Sportaktivität analysiert, inwieweit diese mit den Aktivitätsparametern oder spezifischen situativen Zielen zusammenhängen. An der ambulanten Assessment-Studie über sieben Tage nahmen 46 FreizeitsportlerInnen (25 Frauen; MAlter = 32) teil. Sie waren insgesamt 139-mal sportlich aktiv, so dass pro Person im Mittel etwa drei Sportaktivitäten in die Analyse eingingen. Aktivitätsparameter wurden objektiv (Akzelerometrie, EKG-Signal) erfasst, wobei hier die Intensität kombiniert mit der Dauer als Aktivitätsdosis (in METh) betrachtet wurde. Affektives Befinden (MDBF; Wilhelm & Schoebi, 2007), situative Ziele (in Anlehnung an BMZI; Lehnert, Sudeck & Conzelmann, 2011) sowie wahrgenommene Anstrengung (RPE; Borg, 2004) wurden eventbasiert direkt vor bzw. nach Sportaktivitäten per Smartphone erfragt. Die Ergebnisse anhand mehrebenenanalytischer Regressionsmodelle bestätigen, dass affektives Befinden (ICCValenz = 0.48, ICCRuhe = 0.43, ICCpositive Aktivierung = 0.42), Ziele vor Sportaktivitäten (z. B. ICCGewichtsregulation = 0.80; ICCAblenkung = 0.42) sowie Aktivitätsparameter (ICCAktivitätsdosis = 0.21; ICCwahrg. Anstrengung = 0.55) situativ innerhalb von Personen variieren. Für die zweite Fragestellung (AV: Aktivitätsparameter) zeigt sich, dass einem höheren Ruheempfinden und stärker ausgeprägten Zielen zur Gewichtsregulation bzw. zur Ablenkung eine höhere Aktivitätsdosis folgt. Im Rahmen der dritten Fragestellung (AV: affektives Befinden nach der Sportaktivität) konnte beobachtet werden, dass diese höhere Aktivitätsdosis mit einer höheren positiven Aktivierung nach der Aktivität einherging. Demgegenüber fiel das Ruheempfinden geringer aus, wenn eine höhere Anstrengung wahrgenommen wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl affektives Befinden vor Sportaktivitäten, spezifische Ziele als auch die Aktivitätsgestaltung innerhalb einer Person variieren. Dies hat wiederum Einfluss auf die situative Variabilität affektiver Reaktionen nach sportlicher Aktivität. Die Ergebnisse unterstreichen insgesamt die Bedeutsamkeit situativ variierender Parameter, wenn es um das befindensregulative Potenzial sportlicher Aktivität geht.


Affective responses in mountain hiking - A randomized controlled trial focusing on differences between indoor and outdoor activity

Martin Niedermeier1, Jürgen Einwanger2, Arnulf Hartl3, Martin Kopp1

1University of Innsbruck, Austria; 2Austrian Alpine Association; 3Institute of Ecomedicine, Paracelsus Medical University, Salzburg, Austria

Affective responses during physical activity are important for engagement in physical activity programs and for adherence to a physically active lifestyle (Rhodes et al., 2015). Although mountain activities, such as mountain hiking, show a high prevalence in alpine regions, the main body of literature is focusing on physical activity in flat environments. However, both the physiological and the environmental conditions of mountain hiking are different than walking in flat environments, which might influence affective responses differently (Barton et al., 2010). Therefore, the aims of the present study were (1) to analyse affective responses of a single bout of mountain hiking and (2) to detect possible influences of the environment on affect during this activity. Using a within-subject-design, 47 healthy participants were randomly exposed to three different conditions in small groups: outdoor mountain hiking, indoor treadmill walking, and sedentary control situation (approximately 3 hours each). Assessments included the Feeling Scale (Hardy et al., 1989), Felt Arousal Scale (Svebak et al., 1985) and a mood survey (Abele-Brehm et al., 1986). Repeated measures ANOVAs were used to analyse differences between the conditions. 42 participants completed the study. Compared to the control situation, the participants showed a significant increase in affective valence (ηp² = .43), activity (ηp² = .21), elation (ηp² = .31), and calmness (ηp² = .25), and a significant decrease in fatigue (ηp² = .37), anxiety (ηp² = .28) after mountain hiking. Outdoor mountain hiking also showed significantly greater positive effects on affective valence (ηp² = .12), activity (ηp² = .11), and fatigue (ηp² = .16) than indoor treadmill walking. The results indicate, that a single bout of a 3-hour physical activity intervention (mountain hiking) elicits higher positive and lower negative affective responses compared to a sedentary control situation. These changes in affect are believed to raise motivation to maintain exercise behaviour in future situations (Williams et al., 2008). Additionally, the data suggest a synergetic effect of physical activity and being outdoors.


Affekt und nachfolgendes Bewegungsverhalten – Eine ambulante Assessment-Studie zum Zusammenhang unter Alltagsbedingungen

Christina Niermann1, Christian Herrmann2, Birte von Haaren-Mack3, Dave van Kann4

1Karlsruher Institut für Technologie; 2Universität Basel; 3Deutsche Sporthochschule Köln; 4University of Maastricht

In Bezug auf die Steuerung von gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen, wie z. B. dem Bewegungsverhalten, werden traditionell vor allem motivationale, volitionale und kognitive Prozesse untersucht. Seit einigen Jahren werden neben solchen eher bewussten Prozessen auch unbewusste Prozesse untersucht. Unbewusste Prozesse werden automatisch durch externale (z. B. situative Faktoren) oder internale (z. B. Affekte) Reize aktiviert und spielen für die Regulation des Verhaltens im Alltag eine wichtige Rolle (Kremers et al., 2006). Ziel dieser Studie war es, den Zusammenhang zwischen positivem und negativem Affekt und dem nachfolgendem Bewegungsverhalten unter Alltagsbedingungen zu untersuchen. Des weiteren sollte untersucht werden, welche Rolle Gewohnheit bezüglich dieses Zusammenhangs spielt. Es wurde eine ambulante Assessment-Studie mit 89 Personen (33.7% männlich, M = 45.2 Jahre, SD = 8.1) durchgeführt. Über Smartphones wurde an fünf aufeinanderfolgenden Tagen am Nachmittag (nach der Arbeit) positiver und negativer Affekt erfasst (POMS, Cranford et al., 2006). Das Bewegungsverhalten wurde kontinuierlich mit Accelerometern gemessen. Die Gewohnheitsstärke bzgl. regelmäßiger körperlicher Aktivität wurde per Fragebogen (SRHI, Thurn et al., 2014) vor Beginn der ambulanten Assessment-Phase erfasst. Es wurden Mehrebenenanalysen (Random-Intercept-Modelle) berechnet mit moderater bis intensiver körperlicher Aktivität als abhängige Variable (im Zeitraum zwischen der Abfrage des Affekts am Nachmittag bis zum Zubettgehen). Positiver Affekt am Nachmittag ging mit vermehrter körperlicher Aktivität (β = .23, p < .05) und negativer Affekt mit reduzierter körperlicher Aktivität im nachfolgenden Zeitraum einher (β = -.20, p < .05). Darüber hinaus zeigte sich eine signifikante Interaktion zwischen Affekt und Gewohnheitsstärke: Eine starke Gewohnheit scheint sowohl den Einfluss von positivem Affekt (β = .21, p < .05) als auch den Einfluss von negativem Affekt (β = -.14, p < .05) auf die nachfolgende körperliche Aktivität zu verstärken. Affekte scheinen für die Verhaltenssteuerung im Alltag eine wichtige Rolle zu spielen. In Bezug auf den Einfluss von positivem Affekt entsprechen die Ergebnisse den Befunden voriger Untersuchungen. Die Befunde zum Einfluss von negativem Affekt auf das nachfolgende Bewegungsverhalten sind jedoch inkonsistent. Diese Inkonsistenz könnte – zumindest zum Teil – in den unterschiedlichen Erfassungsmethoden von Affekt begründet sein. Zum Einfluss stabilerer Konstrukte wie Gewohnheitsstärke liegen bisher keine vergleichbaren Befunde vor. Entgegen der Annahme verstärkt eine starke Gewohnheit in dieser Studie nicht nur den Einfluss positiven Affekts sondern auch negativen Affekts. Diese Zusammenhänge sollten in weiteren Studien genauer untersucht werden.



 
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