Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Session
AK 16: Sport und Persönlichkeit: Struktur und Entwicklung
Zeit:
Samstag, 27.05.2017:
9:00 - 10:20

Chair der Sitzung: Mirko Schmidt, Institut für Sportwissenschaft
Chair der Sitzung: Frank Hänsel, Technische Universität Darmstadt
Ort: Hörsaal 102
120 Plätze, Fabrikstrasse 6

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Präsentationen

Selbstwahrnehmung motorischer Kompetenzen (SEMOK) – Zur Beziehung zwischen tatsächlichen und wahrgenommenen motorischen Kompetenzen bei Kindern

Christian Herrmann, Uwe Pühse, Harald Seelig

Departement für Sport, Bewegung und Gesundheit, Universität Basel, Schweiz

Im Schulsport (z. B. Conzelmann, Schmidt & Valkanover, 2011), im Kinder- und Jugendsport (z. B. Gerlach & Brettschneider, 2011) sowie im Gesundheitssport (z. B. Stiller, Pfeffer & Alfermann, 2008) wird auf die entwicklungspsychologisch bedeutsame Rolle einer positiven Selbstwahrnehmung hingewiesen. Nach dem prozessorientierten Exercise and Self-Esteem Model (EXSEM; Sonstroem & Morgan, 1989) verbessern Personen durch sportliche Aktivität ihre motorischen Leistungen (funktional-somatische Verbesserung), schätzen sich in der Bewältigung von sportlichen Anforderungen kompetent ein (Selbstwahrnehmung), bewerten sich positiv (Selbstbewertung) und nehmen sich als wertvoll wahr (Generalisierung). Im vorliegenden Beitrag wird eine Operationalisierung der Selbstwahrnehmung motorischer Kompetenzen (SEMOK) vorgestellt und im Rahmen einer Validierungsstudie (N = 310 Kinder; 53% Mädchen; M = 11.26 Jahre, SD = 0.49) empirisch überprüft. Zur Einschätzung der Konstrukt- und Kriteriumsvalidität des SEMOK-Testinstruments wurden Faktoranalysen und Strukturgleichungsmodelle berechnet. Hierfür wurden neben den motorischen Basiskompetenzen (Herrmann & Seelig, 2017) weitere Außenkriterien (u. a.; sportliches Selbstkonzept, Gerlach, 2008; Interesse am Sport, Deutscher Sportbund, 2006; Anstrengungsbereitschaft; Kunter et al., 2003; Vereinssportengagement) erfasst und in Beziehung zum SEMOK-Testinstrument gesetzt. Mit den acht SEMOK-Testitems wurden ein exploratorisches Strukturgleichungsmodell (CFI = .98; RMSEA = .057) und eine konfirmatorische Faktorenanalyse (CFI = .98; RMSEA = .053) berechnet. Beide Analysen bestätigten eine zweifaktorielle Struktur des SEMOK-Testinstruments mit den Faktoren Selbstwahrnehmung Sich-Bewegen und Selbstwahrnehmung Etwas-Bewegen, wie sie von den MOBAK-Testinstrumenten (u. a. Herrmann & Seelig, 2017) zur Erfassung motorischer Basiskompetenzen bekannt ist. Die latenten Zusammenhänge der SEMOK-Faktoren mit den MOBAK-Faktoren lagen bei r = .73/.83, mit dem sportlichen Selbstkonzept bei r = .75/.75. Die Außenkriterien (u. a. Geschlecht, Interesse, Vereinssportengagement) hingen mit den SEMOK-Faktoren in ähnlicher Weise zusammen, wie mit den MOBAK-Faktoren. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass in Übereinstimmung mit dem EXSE-Modell der Einfluss der motorischen Basiskompetenzen auf das sportliche Selbstkonzept über die Selbstwahrnehmung motorischer Kompetenzen mediiert wurde. Die Bestätigung der zweifaktoriellen Struktur sowie die Zusammenhänge mit Außenkriterien gaben erste Hinweise auf die Konstrukt- und Kriteriumsvalidität des SEMOK-Testinstruments. Es konnte die enge Verbundenheit motorischer Basiskompetenzen mit deren Selbstwahrnehmung sowie dem sportlichen Selbstkonzept gezeigt werden.


Fähigkeits- und Fertigkeitsdimensionen des physischen Selbstkonzepts im Kindesalter

Dennis Dreiskämper, Till Utesch, Maike Tietjens

Institut für Sportwissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Das physische Selbstkonzept stellt bereits im Kindesalter ein wichtiges Korrelat zu physischer Aktivität, motorischen Fähigkeiten sowie globalen Selbsteinschätzungen dar (Babic et al., 2014). Dabei findet vor allem während der Grundschulzeit eine Entwicklung des physischen Selbstkonzepts hin zu einer höheren Abstraktion, Differenzierung und Organisiertheit statt (Harter, 1999; Gerlach, 2008). Für diese Ausdifferenzierung schlagen Marsh et al. (1994) und für den deutschsprachigen Raum Stiller und Kollegen (2004) eine Hierarchisierung analog den motorischen Fähigkeiten Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit etc. vor. Ein entsprechendes Instrument, der PSK-K (Dreiskämper et al., 2015), zeigt für das Alter von acht bis elf Jahren signifikante Zusammenhänge zwischen den physischen Selbstkonzept-Facetten und den entsprechenden motorischen Leistungen sowie zum Wohlbefinden auf. Im englischsprachigen Raum hingegen wird die physische Selbstwahrnehmung von Kindern als Mediator zwischen motorischen Leistungen und sportlicher Aktivität betrachtet (Stodden et al., 2008). Die physische Selbstwahrnehmung wird dabei nach Harter (1993) sowie Barnett et al. (2016) in die Fertigkeitsdimensionen Lokomotion und Objekt-Kontrolle unterteilt. Unklar ist bis heute, welche Form der physischen Selbsteinschätzung (Fähigkeiten vs. Fertigkeiten) durch Kinder in welchen Entwicklungsstufen genutzt wird und wann sich diese Facetten im Kindesalter ausdifferenzieren. Ziel dieser Studie ist es daher, einen Fragebogen zur Messung der Wahrnehmung der motorischen Fertigkeiten zu validieren, der gemeinsam mit dem PSK-K einsetzbar ist, um die Differenzierung des physischen Selbstkonzepts im Kindesalter spezifischer zu untersuchen. Die Items des Fragebogens zur Wahrnehmung motorischer Fertigkeiten im Kindesalter (PMC-C) wurden von der bestehenden Bilder-Skala (Barnett et al., 2016) sowie den Items des Tests of Gross Motor Development 3 (TGMD-3, Ulrich, 2017) adaptiert und in einer Pilot-Studie (Klasse 2-4, N = 97) getestet. In der Hauptstudie wurden die polychorische Reliabilität, die Skalen-Validität (mithilfe probalilistischer Schwellenparameter) sowie die angenommene Zwei-Faktoren-Struktur durch eine CFA getestet. Die Ergebnisse zeigen eine gute Konstrukt-Validität (χ2/df = 1.76, N = 197, p < .001, TLI = .91, CFI = .90, RMSEA = .06) und internale Konsistenz (Cronbach’s Alpha = .79 - .91) für den 24 Items umfassenden Fragebogen. Alle Schwellenparameter sind geordnet, die Skalen zeigen substantielle Korrelationen zu physischer Aktivität (r = .56 - .62, p < .001) und Sportfreude (r = .36 - .43, p < .001). Die Ergebnisse zeigen, dass der PMC-C ein valides und ökonomisches Instrument zur Messung der wahrgenommenen Fertigkeiten im Kindesalter darstellt. Die Differenzierung hinsichtlich Fertigkeiten und/oder Fähigkeiten sowie die Ausdifferenzierung des physischen Selbstkonzepts im Kindesalter, die sich auch in den unterschiedlichen Instrumenten (Bilderskalen und Fragebögen) widerspiegelt, ermöglichen es Forschungsfragen hinsichtlich der Selbstkonzeptentwicklung im Kindesalter zu bearbeiten, die in diesem Beitrag aufgezeigt werden sollen.


Sportbezogenes Fähigkeitsselbstkonzept und Selbstwertgefühl – Zum moderierenden Effekt der Zentralität bei Knaben und Mädchen im frühen Jugendalter

Benjamin Rubeli, Achim Conzelmann, Mirko Schmidt

Institut für Sportwissenschaft, Universität Bern

Die Frage nach dem Einfluss von sportlicher Aktivität auf das Selbstwertgefühl ist von grosser sportpsychologischer Bedeutung (Stiller & Alfermann, 2005). Eine empirische Bestätigung, dass Sport im positiven Sinne zur Selbstwertbildung beiträgt, ist bislang allerdings nicht abschliessend gelungen (z. B. Ekeland, Heian, Hagen & Coren, 2005). Eine mögliche Erklärung hierfür wird im moderierenden Einfluss der Zentralität auf den Zusammenhang zwischen sportbezogenem Fähigkeitsselbstkonzept (sFSK) und Selbstwertgefühl gesehen (z. B. Marsh, 2008). Dieser Wirkmechanismus stellt zudem einen möglichen Erklärungsansatz für geschlechtsspezifische Unterschiede dieses Zusammenhangs dar (z. B. Seyda, 2011). Bis anhin wurden diese Wirkmechanismen mit Blick auf das frühe Jugendalter noch nicht hinreichend untersucht. Vor dem Hintergrund dieser Forschungslücke wurde bei N = 257 Primarschulkindern (52.5% Mädchen; MAlter = 11.3 Jahre, SDAlter = 0.70) mit einer Strukturgleichungsmodellierung untersucht, ob die Zentralität den Effekt des sFSK auf das allgemeine Selbstwertgefühl moderiert (Vorgehen nach Lin, Wen, Marsh & Lin, 2010). Mit einer Multigruppenanalyse wurde zudem getestet, ob Knaben ihren sportlichen Fähigkeiten im Vergleich zu Mädchen eine höhere Zentralität zuschreiben, und ob damit einhergehend das sFSK der Knaben einen stärkeren Effekt auf deren Selbstwertgefühl aufweist. Die Fit-Indizes weisen akzeptable Anpassungsgüten an die empirischen Daten auf (χ2= 73.57, p = .010, df = 48, χ2/df = 1.53, CFI = .970, RMSEA = .046, SRMR = .043). Erwartungsgemäss lassen sich ein signifikanter Effekt des sFSK (β = .69, p < .001, R2 = .47), kein signifikanter Effekt der Zentralität (β = .14, p = .336, ΔR2 = .01) und ein signifikanter Effekt des Interaktionsfaktors (β = .18, p = .005, ΔR2 = .05) auf das allgemeine Selbstwertgefühl feststellen. Obwohl bei den Knaben eine signifikant höhere Zentralität als bei den Mädchen festgestellt werden konnte (M= 0.27, ϕ = 0.28, M= 0, ϕ = 0.30; Δχ2 = 15.07, df = 4, p = .005, d = 0.49), zeigt sich zwischen den Geschlechtergruppen kein unterschiedlicher Effekt des sFSK auf das allgemeine Selbstwertgefühl (Δχ2 = 6.83, df = 3, p = .08). Die Befunde verweisen auf individueller Ebene auf einen moderierenden Einfluss der Zentralität, jedoch nicht auf geschlechtsspezifisch-normativer Ebene. Da Menschen ihre Ausprägung der Zentralität nicht zwingend an einem interindividuellen, sondern an einem intraindividuellen Referenzrahmen ableiten, wird eine Erklärung für die kontroverse Befundlage in der nicht berücksichtigten idiographischen Operationalisierung der Zentralität gesehen.


Faktorielle und konvergente Validität der Exercise Identity Scale

Fabienne Ennigkeit1, Frank Hänsel2

1Institut für Sportwissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt; 2Institut für Sportwissenschaft, Technische Universität Darmstadt

Dem Konzept der Exercise Identity als Ausmaß, in dem sich ein Individuum als sportlich trainierende Person wahrnimmt, wird großes Potential für die Erforschung der Bindung an sportliche Aktivität zugesprochen (Rhodes et al., 2016). Zur Messung der Exercise Identity hat sich die Exercise Identity Scale (EIS, 9 Items; Anderson & Cychosz, 1994) etabliert, deren Faktorenstruktur in jüngerer Vergangenheit kontrovers diskutiert wurde (Murray et al., 2013; Reifsteck et al., 2016). Es finden sich sowohl Hinweise auf eine eindimensionale (z. B. Vlachopoulos et al., 2008) als auch auf eine Zwei-Faktoren-Lösung mit den Subskalen „Role Identity“ und „Exercise Beliefs“ (z. B. Wilson & Muon, 2008). Ziel der vorliegenden Studie war es daher, für die deutschsprachige Übersetzung der EIS drei alternative Faktormodelle (Ein-, Zwei-, Bifaktor-Modell) sowie die konvergente Validität der Übersetzung zu prüfen. In einer Online-Studie beantworteten 530 deutsche MuttersprachlerInnen (65% weiblich; Alter: M = 30.49 Jahre, SD = 12.09; 72% sportlich aktiv) die übersetzte EIS sowie weitere Instrumente zur Überprüfung der konvergenten Validität (z. B. sportbezogene Selbstwirksamkeit; Fuchs & Schwarzer, 1994). Eine Teilstichprobe (n = 221) bearbeitete die EIS im Abstand von ca. zwei Wochen (M = 15.16 Tage, SD = 1.89) nochmals. Die Fit-Statistiken lagen für alle drei getesteten Modelle im akzeptablen Bereich (Ein-Faktor-Modell: CFI = .969, RMSEA = .080; Zwei-Faktor-Modell: CFI = .973, RMSEA = .076; Bifaktor-Modell: CFI = .989, RMSEA = .058), allerdings korrelierten die beiden Faktoren im Zwei-Faktoren-Modell sehr hoch (r = .98). Obwohl χ²-Differenztests die beste Passung für das Bifaktor-Modell auswiesen, deuteten die Faktorladungen sowie weiterführende Analysen zum Verhältnis des generellen und der beiden spezifischen Faktoren (ECV = .96, ωHGeneral = .96, ωsRole Identity = .05, ωsExercise Beliefs < .01; Reise, 2012) darauf hin, dass die EIS Exercise Identity als eindimensionales Konstrukt abbildet. Für das eindimensionale Modell konnte die metrische und skalare Invarianz über die beiden Messzeitpunkte sowie zwischen Männern und Frauen bestätigt werden. In Bezug auf die konvergente Validität lagen die manifesten Korrelationen zwischen den EIS- und anderen Skalen-Werten in der erwarteten Höhe, z. B. r = .73 für die sportbezogene Selbstwirksamkeit. Die Annahme einer eindimensionalen Struktur scheint für die deutsche Übersetzung der EIS die beste Wahl zu sein. Die spezifischen Faktoren erklären über den generellen Faktor hinaus kaum Varianz und sind auch theoretisch nur schwer begründbar (Murray et al., 2013). Die Kennwerte zur konvergenten Validität sprechen dafür, die Übersetzung der EIS im deutschen Sprachraum anzuwenden, auch wenn weitere Validierungsstudien folgen sollten.



 
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