Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Session
AK 24: Soziale Interaktionen im Sport
Zeit:
Samstag, 27.05.2017:
10:50 - 12:10

Chair der Sitzung: Roland Seiler, Universtät Bern
Ort: Seminarraum B103
36 Plätze, Fabrikstrasse 8

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Präsentationen

Persönlichkeit und Emotionen als Einflussfaktoren von Teameinbruch im Feldhockey

Vanessa Wergin, Zsuzsanna Zimanyi, Jürgen Beckmann

Technische Universität München

Wenn eine Sportmannschaft in einem wichtigen Spiel plötzlich eine schlechtere Leistung erbringt als zuvor (Apitzsch, 2006) und abrupt die Kontrolle über das Spiel verliert (Boss & Kleinert, 2015), spricht man von kollektivem Teameinbruch. Das Konzept der emotionalen Ansteckung bietet einen möglichen Erklärungsansatz für dieses Phänomen, wobei angenommen wird, dass sich negative Emotionen zwischen Spielern einer Mannschaft übertragen und dadurch einen Teameinbruch auslösen (Apitzsch, 2006). Kuhls PSI-Theorie (2001) zufolge haben insbesondere lageorientierte Personen Probleme, negativen Affekt zu bewältigen und gelten als anfälliger für Rumination und negative Emotionen als Handlungsorientierte. In einer Feldstudie wurde untersucht, ob sich Leistung und Affekt von Sportlern in Teameinbruch-Situationen von Spielsituationen ohne Teameinbruch unterscheiden. Zudem wurde überprüft, inwiefern Handlungs- und Lageorientierung (HO/LO) Affekt und Leistung von Athleten in Teameinbruch-Situationen beeinflussen. Im Rahmen der Feldstudie wurden 90 Feldhockey-Spieler aus 5 Mannschaften in verschiedenen Spielsituationen untersucht, wobei Affekt vor und nach jedem Spiel durch den PANAS (Watson, Clark & Tellegen, 1988), HO/LO mittels des HOSP (Beckmann, 2003) sowie Laufleistung der Spieler anhand von GPS-Daten erhoben wurden. 2 Mannschaften mit 33 Athleten erlebten in je einem Spiel einen Teameinbruch, welcher durch T-Tests für abhängige Stichproben hinsichtlich der aufgeführten Variablen mit einem verlorenen Spiel der jeweiligen Mannschaft ohne Teameinbruch verglichen wurde. Zusätzlich wurden Varianzanalysen mit Messwiederholung durchgeführt, um mögliche Interaktionen zwischen HO/LO, Affekt und Leistung zu testen. Im Durchschnitt zeigten die Sportler nach einem Spiel, in dem ein Teameinbruch stattgefunden hatte (M = 18.96, SE = 5.30), signifikant negativere Emotionen als nach einem verlorenen Spiel, in welchem kein Einbruch stattgefunden hatte (M = 17.08, SE = 4.92), t(25) = -2.39, p < .05, r = .69. Insgesamt unterschied sich die Laufleistung der Spieler nicht signifikant zwischen den beiden Bedingungen Teameinbruch und kein Teameinbruch. Handlungsorientierte (M = 129.0, SE = 3.58) zeigten im Spiel ohne Teameinbruch eine signifikant höhere Laufleistung als Lageorientierte (M = 118.01, SE = 3.83), t(22) = -2.09, p < .05. Die Varianzanalysen mit Messwiederholung ergaben keine signifikanten Interaktionen zwischen HO/LO, Affekt und Leistung. Die Ergebnisse deuten auf einen Zusammenhang zwischen negativem Affekt und Teameinbruch hin. Es wird vermutet, dass dieser durch HO/LO moderiert wird, sich jedoch aufgrund der kleinen Stichprobengröße keine signifikanten Ergebnisse zeigen. Mit einer größeren Stichprobe an Athleten, die einen Teameinbruch erleben, sollte die Hypothese persönlichkeitsabhängiger Unterschiede in der Laufleistung bei Teameinbruch erneut untersucht werden. Da die Anzahl auftretender Teameinbrüche im Feldexperiment nicht beeinflusst werden kann, müssen weitere Datenerhebungen erfolgen, um mehr Teameinbrüche aufzuzeichnen.


Instructor quality as a predictor of self-determined motivation in group exercise classes

Julia Herb1, Meghan McDonough2, Jennifer Breithecker3, Christina Rogler3, Ulrike Hegar1, Hans-Peter Brandl-Bredenbeck3, Petra Gieß-Stüber1

1Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Deutschland; 2University of Calgary; 3Universität Augsburg

Self-determined forms of motivation are a key-predictor for participation in exercise classes. Grounded in self-determination theory (SDT: Deci & Ryan, 2002) this study aims at explaining the relationships between perceived instructor quality (QU) and participant’s motivation (MO) in group exercise classes and the mediational role of psychological needs in this relationship. Data was collected in health related exercise programs of two German universities. Participants (N = 926) were predominantly students (88%), and a few academic staff (7%), other university staff (1%) and external individuals (4%). 84% of the participants were female, and 14% male, with a mean age of 23.9 years (SD = 5.8). QU was assessed with 9 items that captured individual feedback, precision of instructions, structuring the lesson, and interpersonal involvement. Satisfaction of the psychological needs of autonomy (AUT), competence (COM) and social relatedness (SOC) were assessed as well as four different forms of motivation: intrinsic (INTRI), identified (IDENT), introjected (INTRO) and extrinsic (EXTRI). Structural equation modelling with bootstrapped estimates of the indirect (meditated) pathways was used to examine relationships between these variables. The solution showed a mediocre model fit: Chi-square = 2493.23, df = 409; CFI = .83; RMSEA = .07 (CI = .07; .08), SRMR = .88. The model explained 72% of variance in INTRI (p < .01), 47% in IDENT (p < .01), 4% in INTRO (p = .04), and 5% in EXTRI (p = .02). As expected, higher perceived instructor quality predicted higher intrinsic and identified as well as lower introjected motivation indirectly through the pathways of psychological needs. The strongest mediator was AUT followed by COM and SOC in all relationships. The prediction of extrinsic motivation was more complex: we found an indirect negative effect of QU on EXTRI via COM and an indirect positive effect of QU on EXTRI via SOC. Results indicate that instructor quality in health related exercise classes might be vital for participants to develop more self-determined forms of motivation and hence facilitate participation. AUT and COM mediated the relationships between QU and MO in the expected direction, and the role of SOC had a more complex role.


Team Verständnis im Sport: Ein deutschsprachiges Instrument zur Messung von „Shared Mental Models“

Charlotte Raue, Linda Schücker, Dennis Dreiskämper, Kathrin Staufenbiel, Bernd Strauß

Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Deutschland

Die sportliche Leistungsfähigkeit eines Teams wird u. a. von der Interaktion und dem Verständnis der Teammitglieder untereinander beeinflusst. So nehmen Eccles und Tenenbaum (2004) an, dass die leistungsrelevante Komponente Koordination innerhalb eines Teams besser wird, je ähnlicher die mentalen Modelle (engl. Shared Mental Models, SMM) der einzelnen Teammitglieder sind. Unter SMM versteht man ähnliche Wissens-Strukturen, die Teammitglieder teilen und auf deren Basis sie akkurate Erwartungen formen und ihr eigenes Verhalten dem Bedarf der Aufgaben und den Teammitgliedern anpassen können (Cannon-Bowers et al., 1993). Während im englischen Sprachraum zur Messung von SMM in Teams, speziell angepasst auf den Sport, mit dem „Shared Mental Model Team Sport Questionnaire“ (SMMTSQ, Gershgoren, 2013) ein valider Fragebogen vorliegt, finden sich gegenwärtig keine deutschsprachigen Instrumente zur Erhebung mentaler Modelle im Teamsport. Ziel der gegenwärtigen Studie ist es deswegen, den SMMTSQ für den deutschen Sprachraum zu validieren und hinsichtlich seiner komplexen Konstruktvalidität zu prüfen. Der SMMTSQ besteht aus 50 Items auf 13 Subfaktoren, die wiederum drei hierarchisch übergeordneten Faktoren (situationelle Kognitionen, generelle Kognitionen und Wirksamkeitsüberzeugungen) zugeordnet sind. Die jeweiligen Subfaktoren bestehen aus zwei (Skala Erfahrung) bis fünf (Skala Teamziele) Items auf einer 5-Punkt-Likert-Skala. Der Fragebogen wurde mithilfe einer Muttersprachlerin vorwärts- und rückwärts übersetzt. In einer Online-Befragung füllten N = 580 (282 weiblich, 48.6%) aktive, am Saisonbetrieb teilnehmende TeamsportlerInnen aus verschiedenen Sportarten den Fragebogen aus. Im Durchschnitt waren die TeilnehmerInnen 26.96 Jahre alt (SD = 8.51), haben durchschnittlich 15.59 Jahre (SD = 7.94) Erfahrung in dem jeweiligen Sport und spielen dabei im Schnitt seit 4.88 Saisons (SD = 4.54) in ihrer Mannschaft. Die Ergebnisse der konfirmatorischen Faktorenanalyse mittels R können das hierarchische Model nicht bestätigen (RCFI = .88; RRMSEA = .05; 90%-CI: .05 - .06; SRMR = .07). Jedoch zeigen die 13 Subfaktoren in einem korrelativen Modell einen ausreichendenen Modelfit (RCFI = .90; RRMSEA = .05; 90%-CI: .04 - .05; SRMR = .06). Ebenso weisen sie eine zufriedenstellende bis gute interne Konsistenz (.63 ≤ Cronbach’s α ≤ .83) und eine gute Trennschärfe (.34 ≤ r ≤ .74) auf. Weitere Analysen zeigen, dass Männer in den Subfaktoren Antizipation (ηp2 = .01) und Kreativität (ηp2 = .01) höhere Werte als Frauen aufweisen, hingegen finden sich in den anderen 11 Subfaktoren keine Geschlechterunterschiede. Die hierarchische Modellstruktur kann für diese deutsche Version des SMMTSQ nicht bestätigt werden. Die 13 einzelnen Skalen als solche scheinen allerdings brauchbar. Die weitere Zielsetzung ist daher, sowohl theorie- als auch empiriegeleitet ein tragfähiges Modell von SMM zu entwickeln.


Ist die Entwicklung von Vertrauen zwischen SportlerIn und TrainerIn abhängig vom digitalen Kontext der Kommunikation?

Sydney Querfurth, Linda Schücker, Bernd Strauß

Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Deutschland

Vertrauen ist ein wichtiger Bestandteil der Trainer-Athlet Beziehung (z. B. Jowet, 2007). Neue Kommunikationswege (z. B. E-Mail oder App) ergänzen oder ersetzen klassische face-to-face Kommunikation zwischen SportlerInnen und TrainerInnen. Diese digitale Kommunikation bietet zwar einerseits viel Potential (z. B. die Vernetzung von SportlerInnen und TrainerInnen), ist aber andererseits noch nicht viel erforscht. Die digitale Kommunikation bietet einen ärmeren Kontext für die Kommunikation (Daft & Lengel, 1986) und kann sich somit negativ auf die Beziehung und auf das Vertrauen auswirken. Ziel dieser Studie war es daher zu untersuchen, wie sich das Vertrauen (gemessen als die wahrgenommene Kompetenz und Integrität, sowie das wahrgenommene Wohlwollen; Mayer, et al., 1995), in Abhängigkeit von verschiedenen Kommunikationskontexten entwickelt. N = 71 (31 weiblich) TeilnehmerInnen nahmen an einem vierwöchigen Lauftraining teil, um die Laufzeit über 3000m zu verbessern. Während der Trainingsphase führte eine Gruppe wöchentlich teil-strukturierte persönliche Gespräche, eine Gruppe hatte in der ersten Woche ein persönliches Gespräch und wechselte dann auf E-Mail-Kontakt und die dritte Gruppe kommunizierte nur über wöchentliche E-Mails. Als Trainerinnen wurden eingeweihte Sportstudentinnen eingesetzt, die die Rolle der Trainerin erfüllt haben. Dabei wurden zwei verschiedene Trainerinnen eingesetzt, um individuelle Persönlichkeitsunterschiede zu kontrollieren. Zur Postmessung füllten die TeilnehmerInnen einen Vertrauensfragebogen sowie Fragen zu Sympathie und Motivation (n = 58, 81,7%) aus, bevor sie anschließend den zweiten 3000m Lauf absolvierten (n = 49, 69%). Insgesamt verbesserten sich die TeilnehmerInnen um M = 44s (SD = 38s). Das Vertrauen wurde auf allen Dimensionen in allen Bedingungen hoch eingeschätzt und lag im Mittel zwischen M = 4.43 und M = 5.55 auf einer sieben-stufigen Likert-Skala. Eine zwei-faktorielle MANOVA mit Trainer und Kommunikationskontext als Faktoren ergab keinen signifikanten Trainer-Effekt (F(3,50) = 1.05, p = .38, η2 = 0.06), während der Haupteffekt Kommunikationskontext signifikant wurde (F(6,100) = 2.7, p < .05, η2 = 0.14). Die Anschließend durchgeführten einfaktoriellen ANOVAS mit dem Faktor Kommunikationskontext ergaben weder für wahrgenommene Kompetenz (F(2,58) = 0.39, p = .68, η2 = 0.01), wahrgenommenes Wohlwollen (F(2,58) = 1.95, p = .15, η2 = 0.07), noch für wahrgenommene Integrität (F(2,58) = 0.51, p = .61, η2 = 0.02) signifikante Effekte. Das Vertrauen in den Trainer war sowohl in der digitalen, als auch in der persönlichen Gruppe hoch. Daher deuten die Ergebnisse an, dass der Kontext der Kommunikation zwischen TrainerIn und SportlerIn nur eine untergeordnete Rolle spielt.



 
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