Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Session
AK 6: Affektive Prozesse im Schul-, Freizeit- und Gesundheitssport
Zeit:
Freitag, 26.05.2017:
8:30 - 9:50

Chair der Sitzung: Gorden Sudeck, Universität Tübingen
Ort: Hörsaal 103
120 Plätze, Fabrikstrasse 6

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Präsentationen

Affective-reflective theory of physical inactivity

Ralf Brand1, Panteleimon Ekkekakis2

1University of Potsdam; 2Iowa State University

Metaanalysen zeigen, dass mit Interventionsprogrammen zur Förderung des Gesundheitsverhaltens Bewegung und Sport nach wie vor lediglich kleine Effekte erzielt werden (davg. = 0.26, 95% CI 0.21-0.31; Ekkekakis & Zenko, 2016). Ein Grund dafür mag darin liegen, dass die bei weitem am häufigsten zur Fundierung solcher Programme herangezogenen psychologischen Theorien und Modelle (z. B. sozial-kognitive Theorie, Theorie des geplanten Verhaltens, transtheoretisches Modell, Selbstdeterminationstheorie) den Prozess der Verhaltensänderung akzentuiert vom anzustrebenden Verhaltensergebnis her betrachten und die einer möglichen Verhaltensänderung entgegenstehenden Kräfte, die inaktive Person im gewohnten Zustand körperlicher Inaktivität zurückhalten, weitgehend unberücksichtigt lassen. Auf die Erklärung eben dieser entgegenstehenden Kräfte fokussiert die Affective-Reflective Theory (ART) of Physical Inactivity. Die ART nimmt an, dass der bereits mit moderat-intensiver körperlicher Beanspruchung verbundene negative Affekt (core affect; relativ zur positiver valenzierten Befindlichkeit im Zustand körperlicher Inaktivität) der Intention zur Verhaltensänderung einen Handlungsimpuls entgegensetzt. Besondere Bedeutung schreibt die Theorie dabei der Unwillkürlichkeit (automaticity) gelernter affektiv evaluierender Prozesse zu. Diese lassen ein Gravitationsfeld um die gewohnte Verhaltensweise entstehen (körperliche Inaktivität; gravitation), zu dessen Überwindung Selbstkontrollkraft (self-control) eingesetzt werden muss. Mit der ART werden zwei bisher noch unverbundene Forschungslinien zusammengeführt. Während das Associative-Propositional Evaluation Model (Gawronsky & Bodenhausen, 2014) den metatheoretischen Rahmen zur Zwei-Prozess-Haftigkeit kognitiv informationsverarbeitender Prozesse liefert, sind grundlegende Annahmen über die Zusammenhänge zwischen sportlicher Beanspruchungsintensität und korrespondierendem Affekterleben dem Dual-mode Model of Affective Responses to Acute Exercise (Ekkekakis & Lind, 2005) entnommen. Neben den im Zentrum des Vortrags stehenden theoretischen Erörterungen wird ein kurzer Überblick über die zur ART bereits vorliegenden empirischen Befunde gegeben (z. B. Antoniewicz & Brand, 2014, 2016; Brand & Antoniewicz, 2017; Zenko, Ekkekakis & Arielis, 2016).


Deutschsprachige Versionen der Feeling Scale und Felt Arousal Scale: Validierung anhand eines Fahrradergometer-Stufenprotokolls

Maximilian Maibach1, Martin Niedermeier1, Gorden Sudeck2, Martin Kopp1

1Universität Innsbruck; 2Eberhard Karls Universität Tübingen

Akute Effekte sportlicher Aktivitäten auf das Befinden sind bereits seit drei Jahrzehnten Gegenstand der Gesundheits- und Sportpsychologie. Meta-analytische Befunde zeigen auf, dass hierbei moderate Verbesserungen des momentanen Befindens resümiert werden können (Reed & Ones, 2006). Die Erfassung akuter affektiver Reaktionen kann auf einer kategorialen oder dimensionalen Befindlichkeitskonzeption beruhen. Mehr-Item-Skalen der kategorialen Konzepte (z. B. Befindlichkeitsskalen, Abele-Brehm & Brehm, 1986) sind eher unökonomisch, wenn wiederholte Befragungen während und nach sportlicher Aktivität realisiert werden sollen. In dimensionalen Ansätzen können Basisdimensionen mit ein bis zwei Items ökonomisch erfasst und relevante affektive Reaktionsinhalte gebündelt beobachtet werden (vgl. Ekkekakis, 2008). Um Affekte vor allem während der sportlichen Aktivität festzuhalten (Williams et al. 2008), wird in aktueller internationaler Forschung (Review: Rhodes & Kates, 2015) daher vielfach auf zwei 1-Item-Skalen zurückgegriffen: zum einen die „Feeling Scale“ (FS, Hardy & Rejeski, 1989) zur Erfassung der affektiven Valenz (hedonistische Färbung von angenehm vs. unangenehmen Zuständen) und zum anderen die „Felt Arousal Scale“ (FAS, Svebak & Murgatroyd, 1985) zur Ermittlung der Aktivierung. Das Ziel dieser Studie war es, einen Beitrag zur Validierung der englischsprachigen Skalen, in einer ersten deutschsprachigen Version, zu leisten. Dabei unterscheiden sich die deutschsprachigen Versionen in sinngemäßen Übersetzungen einzelner Wörter, um die eindeutige Interpretation der Skalen im deutschsprachigen Kontext herzustellen. 82 auf dem Rennrad trainierende ProbandInnen (max. Leistung: 3.3 ± 0.6 Watt/kg) im Alter von 51.9 ± 8.6 Jahren absolvierten einen Fahrradergometer-Stufentest bis zur Ausbelastung. Vor und nach dem Test sowie alle 3 Minuten zum Stufenende wurden die deutschsprachigen Versionen der FS und der FAS sowie die Dimensionen Valenz (SAM-V) und Aktivierung (SAM-A) der sprachfreien Piktogramme des Self-Assessment Manikin (Bradley & Lang, 1994) vorgelegt. Als ein zentrales Ergebnis konnten unter Belastung Korrelationen (Spearman) zwischen FS und SAM-V von rs = 0.67 und zwischen FAS und SAM-A von rs = 0.51 beobachtet werden. Die Ergebnisse liefern damit vergleichbare Werte, wie sie auch von van Landuyt und Kollegen (2000) für die englischsprachigen Originalversion der FS (von 0.51 bis 0.88) und FAS (von 0.47 bis 0.70) und den Dimensionen des SAM feststellten. Die vorgestellten Skalen erweitern die Möglichkeiten für die Erhebung von affektiven Reaktionen vor, während und nach sportlicher Aktivität im deutschen Sprachraum und können die internationale Vergleichbarkeit der gewonnenen Ergebnisse verbessern. Da die englischsprachigen Versionen auch bei weniger trainierten, inaktiven Personen verwendet werden, empfehlen sich für die deutschsprachige Version weitere Validierungsstudien bei körperlich inaktiven Zielgruppen.


Die Fähigkeit zur bewegungsbezogenen Befindensregulation und der Verlauf affektiver Reaktionen während des ausdauernden Laufens bei Jugendlichen

Stephanie Haible1, Carmen Volk1, Yolanda Demetriou2, Oliver Höner1, Ansgar Thiel1, Gorden Sudeck1

1Eberhard Karls Universität Tübingen; 2Technische Universität München

Befindensverbesserungen durch sportliche Aktivität sind seit vielen Jahren ein bekanntes Phänomen. Aktuelle Forschungsarbeiten zeigen, dass zwischen positiven affektiven Reaktionen während moderat-intensiver sportlicher Aktivität und zukünftigem Sportverhalten ein Zusammenhang besteht (Rhodes & Kates, 2015). Art und Ausprägung affektiver Reaktionen während Sportaktivitäten werden u. a. durch verschiedene personale Faktoren beeinflusst. So wird beispielsweise die individuelle Fähigkeit zur bewegungsbezogenen Befindensregulation als eine förderungswürdige Facette der bewegungsbezogenen Gesundheitskompetenz erachtet (Sudeck & Pfeifer, 2016). Darunter wird verstanden, dass Personen in der Lage sind, körperlich-sportliche Aktivität situationsadäquat (z. B. in Abhängigkeit aktueller psycho-physischer Voraussetzungen) so zu gestalten, dass positive affektive Reaktionen sowie intendierte Befindensverbesserungen resultieren können. In einer quasi-experimentellen Feldstudie wurde erstens untersucht, inwiefern sich bei Jugendlichen individuelle Unterschiede im affektiven Erleben während zwei verschiedenen Belastungsanforderungen zeigen. Zweitens wurde geprüft, inwieweit diese in Verbindung mit der individuellen Fähigkeit zur bewegungsbezogenen Befindensregulation stehen. Die Untersuchungsgruppe setzte sich aus 65 Jugendlichen der 9. Klasse (♂ = 37; ♀ = 28) zusammen. Sie absolvierten an einem Termin sowohl bei Anforderung 1 (bestmögliche Zeit über eine Mittelstreckendistanz) als auch bei Anforderung 2 (konstantes Halten einer Laufgeschwindigkeit bei mittlerer selbstgewählter Intensität) 15 Runden à 50m. Pro Runde wurden Herzfrequenz, Rundenzeit sowie durch Zuruf die affektive Reaktion (aR) erfasst. Die aR dient als abhängige Variable für die vorliegende Fragestellung und wurde mit der Feeling-Scale erhoben (1-Item-Format; Hardy & Rejeski, 1989). Die Fähigkeit zur bewegungsbezogenen Befindensregulation (BR) wurde anhand von vier Items erfragt (Sudeck & Pfeifer, 2016; α = .87). Die Jugendlichen wurden für eine Unterschiedsprüfung in drei annähernd gleich große Gruppen eingeteilt (UV: ‚BR hoch‘ vs. ‚BR mittel‘ vs. ‚BR niedrig‘). Der Unterschied in den Befindensverläufen der Gruppen wurde, neben einer deskriptiven Beschreibung, rundenweise varianzanalytisch ausgewertet. Diese Gruppenvergleiche ergeben für Anforderung 1 und Anforderung 2 signifikante Unterschiede ab Runde 6 bzw. Runde 5 bei mittleren bis hohen Effektstärken (ηp2 = .10-.16 bzw. ηp2 = .09-.23). Deskriptiv ist für alle Gruppen bei Anforderung 1 ein Abfall der aR über die Zeit sowie gegen Ende ein Anstieg zu beobachten. Die Gruppe ‚BR-niedrig‘ zeigt dabei einen deutlicheren Abfall. Bei Anforderung 2 bleibt die aR der Gruppen ‚BR-hoch‘ und ‚BR-mittel‘ im Mittel annähernd konstant und fällt am Ende eher positiver aus. Die aR der Gruppe ‚BR-niedrig‘ verläuft mit zunehmender Laufzeit negativer. Die Studie zeigt individuelle Unterschiede im affektiven Erleben Jugendlicher während verschiedener Ausdauerbelastungen. Die Fähigkeit zur bewegungsbezogenen Befindensregulation im affektiven Erleben spiegelt sich in Abhängigkeit der verschiedenen Belastungsanforderungen wider, was auf eine Bedeutsamkeit der personalen Befähigung, Bewegung zur Befindensregulation einsetzen zu können, hinweist.


Kompetenzerleben und Zugehörigkeit als Affekttrigger im Sportunterricht – Eine experimentelle Studie

Sascha Leisterer, Darko Jekauc

Humboldt-Universität zu Berlin

Das affektive Erleben der SchülerInnen im Sportunterricht ist ein wesentlicher Aspekt für die Persönlichkeitsentwicklung und die lebenslange Motivation, Sport zu treiben (Bailey, 2009). Ausgehend von der Selbstbestimmungstheorie (Deci & Ryan, 2015) untersuchen wir das Erleben von Kompetenz und Zugehörigkeit als situationsspezifische Affekttrigger im Sportunterricht, um die Wirkungsweise auf das Affekterleben zu untersuchen. Die Hypothese lautet: Kompetenzerleben oder soziale Zugehörigkeit beeinflussen das affektive Erleben im Sportunterricht positiv. Eine experimentelle Querschnittsstudie, in der Kompetenzerleben und Zugehörigkeit in motorischen Aufgaben induziert wurden, prüft die Hypothese im Schulsport mit Kontroll-Interventionsgruppen-Design. An vier Sekundarschulen einer deutschen Großstadt wurden SchülerInnen der neunten und zehnten Klassenstufe (N = 258 (davon 129 weiblich); MAlter = 14,50; SDAlter = 0,58) den Untersuchungsgruppen randomisiert zugeordnet. Das Kompetenzerleben wurde im Jump and Reach Test in drei Richtungen manipuliert: Leistungsrückmeldungen suggerierten Erfolg (nErfolg = 40), Misserfolg (nMisserfolg = 33) oder waren neutral (nneutral = 47). Die Zugehörigkeit wurde in einem Pendel-Memory-Lauf in zwei Richtungen manipuliert: soziale Interaktion durch Partnerarbeit (nPartnerarbeit = 63) und neutral durch Einzelarbeit (nEinzelarbeit = 75). Unmittelbar vor und nach den jeweiligen Manipulationen der unabhängigen Variablen erfolgte die Erfassung des affektiven Befindens (abhängige Variable) durch die zwei Subskalen Valenz und Arousal des Self-Assessment Manikin (Bradley & Lang, 1994). Als Kontrollvariablen wurden Alter, Geschlecht, die Sportnote aus dem Vorjahr und die habituelle sportliche Aktivität erfasst. Zur Datenanalyse wurde eine ANOVA mit Messwiederholung gerechnet, in der die zeitliche Dimension der Prä- und Post-Messung bezüglich des Affekts (intraindividuelle Ebene) und der Vergleich zwischen den Bedingungen einer Intervention (interindividuelle Ebene) analysiert wurden. Die Analyse zeigt sowohl auf interindividueller Ebene eine höhere Valenz nach erlebter Zugehörigkeit, F(1, 133) = 11.86, p < .001, η2 = .082, als auch auf der intraindividuellen Ebene, F(1, 133) = 4.63, p < .05, η2 = .03. Außerdem zeigt sich ein positives Valenzerleben bei der Erfolgsrückmeldung (Kompetenzerleben) im intraindividuellen Vergleich, F(2, 116) = 9.64, p < .01, η2 = .14. Auf intraindividueller Ebene verringert sich das Arousal ausschließlich nach dem Erleben von Erfolg, F(2,117) = 3.38, p < .05, η2 = .06. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die eingangs aufgestellte Hypothese zum Teil angenommen werden kann. Die Ergebnisse implizieren für den Sportunterricht, dass das (positive) Kompetenzerleben und eine kooperative, soziale Interaktion bestärkt und gefördert werden sollen. Jedoch zeigt die Studie auch, dass ein Bedarf an experimenteller Forschung herrscht, um die Effekte von Kompetenz und Zugehörigkeit auf das Affekterleben umfassender zu erklären.



 
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