Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Tagung.
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Sitzungsübersicht
Session
Poster: Posterpräsentation
Zeit:
Donnerstag, 25.05.2017:
14:30 - 15:50

Ort: Foyer Registration
Fabrikstrasse 8

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Präsentationen

Consequences of outward emotional reactions in table tennis

Julian Fritsch1,2, Alexander Tibor Latinjak3, Antonis Hatzigeorgiadis1, Dennis Redlich4

1University of Thessaly, Greece; 2University of Copenhagen, Denmark; 3University of Girona, Spain; 4Deutsche Sporthochschule Köln, Deutschland

A sport competition involves numerous situations where an athlete can either come closer or move further away from the goal of winning, e.g. by either scoring or losing a point. Both situations are known to elicit intense emotions (Lazarus, 2000). Research looking at the impact of emotions on sport performance has almost exclusively focused on its subjective experience, neglecting its behavioral components (such as gestures, verbalizations, or facial expressions). These outward emotional reactions are stated to affect the athlete’s as well as the opponent’s performance (Moesch, Kenttä, Bäckström, & Mattsson, 2015). By using a qualitative naturalistic video-assisted design (Martinent & Ferrand, 2009), the purpose of this exploratory study was to reveal more specific consequences of outward emotional reactions explaining its impact on sport performance. Twelve matches involving seven male and five female amateur German table tennis players (Mage = 28.41; SD = 8.30) were recorded during the regular season. Not later than 36 hours after the recorded match, the footage was used to conduct self-confrontation interviews. All interviews were conducted face-to-face (Mlength = 51.88 minutes; SD = 16.10) and targeted (among others) the player’s outward emotional reactions and their perceived consequences on the own and the opponent’s performance. Thereafter, an inductive analysis with the research questions as a broader deductive framework was employed to reveal elementary units of meaning. The results indicate that negative outward emotional reactions can increase negative feelings, impair concentration, increase physical fatigue, release perceived pressure, and increase motivation. Positive outward emotional reactions can increase confidence, enhance motivation, release pressure, impair concentration and increase physical fatigue. With regards to potential effects on the opponent, negative outward emotional reactions can increase the opponent’s confidence, reveal tactical information, and decrease the opponent’s motivation. On the contrary, positive outward emotional reactions can decrease the opponent’s confidence, reveal tactical information, and increase the opponent’s motivation. In line with Moesch et al. (2015) and Furley, Moll, and Memmert (2015), the findings revealed a wide range of potential effects of outward emotional reactions on the player as well as on the opponent. Interestingly, players reported beneficial and detrimental consequences for both positive and negative outward emotional reactions. This could explain why previous studies did not find a consistent relationship between outward emotional reactions and performance (e.g., Moesch, Kenttä, Bäckström, & Mattsson, 2016). Future studies are warranted to investigate personal and situational variables determining the specific consequence of an outward emotional reaction.


Vorbereitung eines disziplinübergreifenden sportpsychologischen Rahmenkonzepts im Deutschen Schützenbund

Marion Sulprizio1,2, Jeannine Ohlert1,3, Pia von Keutz1, Stefan Müller4

1Deutsche Sporthochschule Köln, Deutschland; 2MentalGestärkt; 3Das Deutsche Forschungszentrum für Leistungssport - momentum; 4Deutscher Schützenbund

Im Schießsport wird der Erfolg im Spitzenbereich weniger als in anderen Sportarten von körperlichen sondern vielmehr von mentalen Voraussetzungen bestimmt (Kratzer, 2013; Haywood, 2006). Der Deutsche Schützenbund wünscht eine Systematisierung und Vereinheitlichung seiner sportpsychologischen Betreuung sowohl im Nachwuchs- als auch im Erwachsenenbereich und über alle vier Disziplingruppen (Bogen, Flinte, Gewehr, Pistole) hinweg. Dies soll durch eine sportpsychologische Rahmenkonzeption gewährleistet werden, welche in den Rahmentrainingsplan des DSB eingearbeitet wird. Im vorliegenden Projekt wird ein Transfer in den Schießsport in Anlehnung an das von Linz & Ohlert (2016) erstellte sportpsychologische Rahmenkonzept des Deutschen Handballbundes geleistet. Zur Umsetzung des Vorhabens erfolgte (a) zunächst die Sichtung und inhaltliche Strukturierung vorhandener Rahmenkonzeptionen. (b) Im zweiten Schritt des Projekts wurden zwei umfassende Befragungen der dem DSB zugehörigen KaderathletInnen bzw. TrainerInnen zu ihren bisherigen Erfahrungen mit sportpsychologischer Betreuung im DSB sowie ihren Wünschen für die Zukunft durchgeführt. (c) Im dritten Projektschritt wurde auf Basis der Informationen aus den vorangehenden Projektschritten im Rahmen von Fokusgruppen erarbeitet, was sich die verschiedenen Akteure des DSB (AthletInnen, TrainerInnen, SportpsychologInnen) zukünftig von einer sportpsychologischen Rahmenkonzeption erhoffen und welche konkreten Inhalte sie wünschen. (a) Neben der ausführlichen DHB-Konzeption konnten bei der Sichtung verschiedener nationaler und internationaler Verbände hinsichtlich bereits bestehender sportpsychologischer Rahmenkonzeptionen das Konzept des Deutschen Skiverbandes für den Bereich Ski Alpin sowie die Expertise zur Sportpsychologie im Deutschen Schwimmverband herangezogen werden. International wurden Konzepte aus Dänemark und Österreich, die insbesondere die Trainerausbildung fokussieren sowie sportpsychologische Maßnahmen des Schweizer Judo- und Jiu-Jitsu-Verbands analysiert. (b) Die befragten AthletInnen (N = 136) gaben je nach OSP- und Disziplin-Zugehörigkeit sehr unterschiedliche Nutzungsraten sportpsychologischer Betreuungen an; für 30,8% hat sich die Betreuung gelohnt, 31,7% würden diese weiterempfehlen. Die TrainerInnen halten die Betreuung für ihre Athletinnen und für sich selbst für recht wichtig und wünschen sich eine Zunahme der Häufigkeit sportpsychologischer Maßnahmen (auch für sich selbst). (c) Zentrales Diskussionsthema der Fokusgruppen war die Erarbeitung von praktischen Implikationen aus den Ergebnissen der Projektschritte a und b. Inhaltlich wurden verbesserte Coach-the-Coach-Angebote, sportpsychologische Basisangebote bereits auf Landesebene, eine verbesserte Integration sportpsychologischer Angebote in jeden Lehrgang sowie eine Optimierung der Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren, Vereinen und Verbänden diskutiert. Unter Berücksichtigung dieser Daten kann im kommenden Jahr der erfolgreiche Transfer einer sportpsychologischen Rahmenkonzeption auch in den DSB gewährleistet werden.


Der Einfluss ökologischer Eigenschaften auf Passentscheidungen im Fussball

Silvan Steiner1, Stephan Rauh1, Martin Rumo2, Karin Sonderegger2, Nicolas Emery2, Roland Seiler1

1Universität Bern, Institut für Sportwissenschaft, Schweiz; 2Eidgenössische Hochschule für Sport Magglingen

Passspiele können in entscheidendem Ausmass zur Teamleistung im Fussball beitragen. Passentscheidungen müssen in komplexen und dynamischen Spielsituationen getroffen werden. Gemäss ökologisch-orientierten Überlegungen nehmen Fussballer in der Umwelt liegende Hinweisreize als Passaffordanzen wahr, welche im Sinne von Handlungsangeboten Passentscheidungen beeinflussen. Eine Szenario-basierte Untersuchung ergab, dass Positionierungen vor dem Ball, in der Nähe des Ballführers, lose Verteidigung sowie offene Passwege ökologische Aspekte darstellen, die Pässe begünstigen (Steiner, 2015). Das Ziel dieser Untersuchung war, die Untersuchung mit echten Spieldaten zu replizieren. Spieldaten von fünf Meisterschaftspartien der höchsten Schweizerischen U-18 Liga wurden analysiert. Die Daten wurden mit dem Local Position Measurement Systems des BASPO erhoben. Das System ist in der Lage, die Positionen aller 22 Spieler mit hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung zu erfassen. Mit Hilfe von Videoaufzeichnungen wurden 1778 Situationen mit komplettierten Pässen identifiziert. Zu jeder Passsituation wurden die Positionen aller 22 Spieler exportiert. Für jeden Mitspieler wurden die Positionierung in Relation zur aktuellen Ballposition, die Distanz zum Ballführer, die Verteidigung durch Gegenspieler sowie die Offenheit des Passweges bestimmt. Zusätzlich wurden die Laufgeschwindigkeiten aller Spieler berücksichtigt. Mit logistischen Regressionen wurden die Effekte der ökologischen Variablen auf Passentscheidungen geschätzt. Alle Variablen hatten signifikante Effekte auf Passentscheidungen (alle p < .001). Die odds ratios für Pässe waren erhöht, wenn Mitspieler vor dem Ball positioniert waren, nah zum Ballführer standen, lose verteidigt wurden und offene Passwege aufwiesen. Für Mitspieler mit hoher Laufgeschwindigkeit stieg die Wahrscheinlichkeit eines Passzuspiels zusätzlich an. Das Modell ergab ein Cox & Snell R2 von .137 und ein Nagelkerke’s R2 von .279. Durch das Modell konnten 8.9% der Pässe bzw. 99.1% der Fälle, die keinen Pass erhielten, korrekt vorhergesagt werden. Eine nach Passsituationen getrennte Betrachtung ergab, dass diejenigen Mitspieler mit den höchsten Wahrscheinlichkeitswerten innerhalb einer Situation in 40% aller Fälle dem tatsächlichen Passempfänger entsprachen. Die Resultate bestätigen bisherige Befunde zu Passentscheidungen in computerbasierten Spielszenarien und weisen sogar höhere Pseudo R2-Werte aus. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass Passentscheidungen im zeitgedrängten Wettkampfsetting noch stärker durch ökologische Hinweisreize beeinflusst werden, als dies in computerbasierten Untersuchungen der Fall ist. Während die statistischen Kennwerte die Bedeutung ökologischer Hinweisreize bestätigen, weist die prädiktive Leistung des Modells Optimierungsbedarf auf. Die berücksichtigten ökologischen Eigenschaften stellen nicht immer ausreichende Bedingungen zur Entscheidungsvorhersage dar. Sie können als Anreiz stiftende (affording) bzw. einschränkende (constraining) Faktoren interpretiert werden (Nitsch, 2009). Ergänzende Untersuchungen zu subjektiven Entscheidungskriterien im objektiv-ökologischen Umfeld sind wünschenswert.


Bernese Motive and Goal Inventory in leisure and health sports (BMZI): Further validation and an updated version

Julia Schmid1, Vanessa Gut1, Gorden Sudeck2, Achim Conzelmann1

1Universität Bern, Schweiz; 2Universität Tübingen, Deutschland

Tailored interventions are called for in order to promote physical activity effectively. Sport-related motives and goals are presently rarely included systematically in the design of interventions, despite the key role they play in wellbeing and adherence to exercise (Sudeck, & Conzelmann, 2011; Klusmann, Musculus, Sproesser, & Renner, 2016). The Bernese Motive and Goal Inventory (BMZI) allows an individual diagnosis of the motives and goals in leisure and health sports in people in middle adulthood (35-year to 64-year-old). Since its development in 2011 (Lehnert, Sudeck, & Conzelmann, 2011), the questionnaire has been applied in research and practice several times. We have revealed certain indications that the questionnaire should be slightly modified. Thus, the present study aims 1) to cross-validate the original inventory with new samples in the area of leisure and health sports and 2) to examine the necessity of an updated version of the BMZI. The study is based on data from two samples: A first sample consists of 448 employees of Swiss companies and authorities (M = 48.8 years, 30% women). A second sample consists of 853 patients at the beginning of an inpatient medical rehabilitation program in Germany (M = 52.9 years, 43% women). To explore options for further improvements of factorial validity we added some new items to distinguish between the factors fitness and health instead of a common factor health/fitness. We used Exploratory Structural Equation Modeling (Marsh, Morin, Parker, & Kaur, 2014) to validate the original and an updated version of the BMZI. The global model fit of the original BMZI as well as of the updated BMZI can be described as good. However, the updated version of the questionnaire had a better indicator reliability. The updated BMZI covers the following seven motives and goals: Body/Appearance, Contact, Competition/Performance, Fitness, Health, Aesthetics, Distraction/Catharsis. The BMZI is recommended as an economical inventory for the individual diagnosis of important psychological preconditions of sport participation in middle adulthood. Future studies should consider to use the updated version of the questionnaire.


Globaler Stress in der Studieneinstiegsphase des Sportstudiums: Zusammenhänge mit Stressbewältigung und studienspezifischen Stressoren

Jens Kleinert, Chloé Chermette, Carolin Bastemeyer, Alina Schäfer

Deutsche Sporthochschule Köln, Deutschland

Der Studieneinstieg ist eine stressvulnerable Phase im Rahmen eines Hochschulstudiums, die nicht selten mit Studienabbruch endet (Brandstätter et al., 2006, Fellenberg & Hannover 2006, Hornung & Fabian 2001). In dieser Zeit stellen unter anderem studienspezifische Aufgaben, neue Lebensbedingungen und ein neues soziales Umfeld studienspezifische Stressoren dar (Heublein & Wolter, 2011), die je nach Bewältigungsmöglichkeiten mit dem globalen Stresslevel mehr oder weniger stark zusammenhängen. Die vorliegende Querschnittstudie hinterfragt, inwieweit neben studienspezifischen Stressoren die Stressbewältigung zur Aufklärung des globalen Stressniveaus bei Studieneinsteigern im Sportstudium beiträgt. Es wurden 288 Sportstudierende (35.1 % weiblich; Alter: M = 20.59, SD = 2.64; Semester: M = 1.1, SD = .41) im ersten Studienabschnitt (Basisstudium) befragt. Globaler Stress wurde mittels der deutschen Version des Perceived Stress Questionnaires (Fliege et al., 2005) erfasst. Stressbewältigung (SB) wurde in Bezug zu Stress innerhalb von Lehrveranstaltungen (SB-LV) als auch in Bezug zu Stress außerhalb der Lehre (SB-AU) mit dem BriefCope (Knoll et al., 2005) operationalisiert. Studienspezifische Stressoren (SpSt) wurden in Anlehnung an frühere Studien (Herbst et al. 2016,) mittels 54 Items, aufgeteilt in sechs Dimensionen, erfasst. Zur Analyse wurde globaler Stress durch eine schrittweise Regressionsanalyse in vier Blöcken vorhergesagt (I: SpSt, II: SB-LV, III: SB-AU, IV: Alter, Geschlecht und Gedanken an einen Studienabbruch). Das abschließende Regressionsmodell sagt die Hälfte der Variabilität an globalem Stress vorher (r2korr = .49; p < .001). Signifikante Prädiktoren von globalem Stress sind studiengangsspezifischen Stressoren (Studium im Allgemeinen: β = .30, Lehrveranstaltungen: β = .17, Soziales Umfeld: β = .15, Organisation des Lebens: β = .12), Bewältigungstechniken in der Lehre (supportives Coping: β = -.15) und Bewältigungstechniken außerhalb der Lehre (evasives Coping: β = .13). Außerdem sind Gedanken an einen Studienabbruch (β = .13) und das weibliche Geschlecht (β = .10) mit globalem Stress assoziiert. Erwartungsgemäß können studienspezifische Stressoren den größten Anteil an globalem Stress in der Studieneingangsphase vorhersagen. Darüber hinaus kommt der Stressbewältigung jedoch eine ergänzende Rolle zu, die sich innerhalb und außerhalb der Lehrveranstaltungen unterscheidet. In zukünftigen längsschnittlich angelegten Untersuchungen sollte hinterfragt werden, ob Bewältigung die Beziehung zwischen studienspezifischen Stressoren und der Entwicklung von globalem Stress mediiert.


Validierung einer deutschsprachigen Version des „Thoughts Occurence Questionnaires Sport“ (TOQS) zur Erfassung von kognitiver Interferenz im Sport

Philipp Röthlin1, Stephan Horvath1, Daniel Birrer1, Leonie Güttinger2, Martin grosse Holtforth3

1Eidgenössische Hochschule für Sport Magglingen, Schweiz; 2Universität Zürich, Schweiz; 3Universität Bern, Schweiz

Konzentration ist für die sportliche Leistungserbringung sehr wichtig (Moran, 2009). Die Störung der Konzentration durch eigene Gedanken wird als kognitive Interferenz bezeichnet. Im englischsprachigen Raum wird diese Interferenz mit dem Thought Occurence Questionnaire Sport (TOQS; Hatzigeorgiadis & Biddle, 2000) erfasst. Der vorliegende Beitrag validiert eine deutsche Version (TOQS-D) an zwei Stichproben bestehend aus insgesamt 348 Sporttreibenden (56% männlich, MAlter = 25, SDAlter = 6, 61% Teamsportarten, 53% Mitglied im Schweizer Nationalkader). Eine explorative Faktorenanalyse (Stichprobe 1) sowie eine konfirmatorische Faktorenanalyse (Stichprobe 2) bestätigen die Struktur der Originalversion mit drei interkorrelierenden Faktoren: Leistungssorgen, aufgabenirrelevante Gedanken und Fluchtgedanken. Die Skala hat gute Reliabilitätswerte (interne Konsistenz: α = .89; Retestreliabilität: r = .82). Zudem zeigt der TOQS-D die erwartete konvergente Validität (Konzentrationsstörungen, Wettkampfangst), divergente Validität (Achtsamkeit) und Kriteriumsvalidität (Selbsteinschätzung der sportlichen Leistung). Mit dem TOQS-D liegt somit ein geeignetes Instrument vor, um kognitive Interferenz im deutschen Sprachraum zu erfassen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob es einer Kurzversion bedarf, um in der Praxis kognitive Interferenz effizient zu monitoren. Zukünftige Arbeiten sollten ausserdem die Veränderungssensititivät des TOQS nach sportpsychologischen Interventionen untersuchen.


„Ich bin richtig gut im Sport!“ Das physische Selbstkonzept von Kindergartenkindern im Vergleich zu Grundschulkindern

Lena Henning1, Till Utesch1, Christine Graf2, Nina Ferrari2, Dennis Dreiskämper1

1Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Deutschland; 2Deutsche Sporthochschule Köln

Das physische Selbstkonzept ist mit verschiedenen Faktoren gelingender Entwicklung wie beispielsweise der physischen Aktivität und dem globalen Selbstwert assoziiert (Babic et al., 2014). Laut Harter (1999) und Gerlach (2008) findet mit zunehmendem Alter eine Entwicklung des physischen Selbstkonzepts hin zu mehr Differenziertheit, Organisiertheit und Abstraktionsfähigkeit statt. Junge Kinder neigen zudem dazu, ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen (Harter, 1988). Es stellt sich daraus ableitend die Frage, ab welchem Alter tatsächlich valide Aussagen über das physische Selbstkonzept getroffen werden können. Während Kränzl-Nagl und Wilk (2000) konstatieren, dass erst ab dem Alter von zwölf Jahren valide Aussagen getroffen werden können, geht Harter (1985) davon aus, dass diese bereits ab acht Jahren möglich seien. Ziel dieser Studie ist daher die Güte der Selbsteinschätzung motorischer Leistungen sowie theoriekonforme Geschlechterunterschiede über die Spanne des Kindesalters zu untersuchen. Im Rahmen des vom BMBF geförderten Projekts „Gesund Aufwachsen“ wurden das physische Selbstkonzept und die motorischen Fähigkeiten von insgesamt 725 Kindern aus Kindergärten (n = 294) sowie der ersten (n = 135) und dritten (n = 296) Klasse erfasst. Das physische Selbstkonzept wurde im Kindergarten sowie der ersten Klasse mit der Bilderskala P-PSC-C (Tietjens et al., im Review; 8 Items, 4-Punkt-Likert-Skala) und in der dritten Klasse mit dem PSK-K (Dreiskämper et al., 2015; 22 Items, 4-Punkt-Likert-Skala) untersucht. Die motorischen Fähigkeiten wurden mit dem KiMo-Test im Kindergarten (Klein et al., 2011) und dem Dordel-Koch-Test in der Schule (Dordel & Koch, 2004) mit fünf bzw. sieben Items untersucht, die die einzelnen Dimensionen der motorischen Leistungsfähigkeit Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Ausdauer und Koordination abdecken. Rangkorrelationen (Kendalls-τ) zeigen keine substantiellen Zusammenhänge zwischen den Items des physischen Selbstkonzepts und den entsprechenden Motorik-Items im Kindergarten (-.10 ≤ τ ≤. 11) und mit einer Ausnahme (Kraft: τ = .24) in Klasse 1 (.01 ≤ τ ≤. 10). In Klasse 3 zeigen Pearson-Korrelationen signifikante Zusammenhänge zwischen Selbstwahrnehmung und Motorik (.14 ≤ r ≤ .39). Für Kindergartenkinder und Grundschulkinder zeigen sich zudem linksschiefe Einschätzungen (Kategorie 4: „das kann ich richtig gut“ mit 47.4% - 81.5%). Während sich Jungen in der 3. Klasse signifikant höher einschätzen als Mädchen (t(299.04) = 3.15, p = .002, d = 0.36), kann dies für die Kindergartenkinder und SchülerInnen der 1. Klasse nicht festgestellt werden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Kinder im Kindergartenalter und in der ersten Schulklasse ihre motorischen Fähigkeiten noch nicht realistisch einschätzen können. Es ist davon auszugehen, dass die kindliche Selbstüberschätzung sowie fehlende Erfahrungen die Selbstwahrnehmung beeinflussen. Weitere Analysen sollten zeigen, ob theoriebasierte Selbstwahrnehmungsprozesse wie externale und internale Vergleiche zu anderen Facetten (z. B. Attraktivität) bereits im frühen Kindesalter vorliegen (Sonstroem, 1997).


Karriereentwicklung von Schweizer SportpsychologInnen

Nicola Jänsch, Roland Seiler, Andreas Hirschi

Universität Bern, Schweiz

Obwohl das Berufsbild der Sportpsychologie stetig bekannter sowie populärer wird und durchaus ein Markt für gut ausgebildete SportpsychologInnen besteht (Seiler, 2009), investieren in der Schweiz nur wenige den Grossteil ihrer Arbeitszeit in sportpsychologische Tätigkeit und generieren daraus ein entsprechendes Einkommen (Blaser, Stocker, Jänsch & Seiler, in Druck). Dieses Ergebnis war Anregung für eine genauere Analyse der Karriereentwicklung von etablierten, in der Praxis tätigen und nach objektiven Kriterien erfolgreichen SportpsychologInnen. Die Untersuchung fand in Form von qualitativen Einzelfallanalysen statt. Mit Hilfe eines selbstentworfenen Interviewleitfadens thematisierte die halbstrukturierte Befragung vier Bereiche: die Entscheidung bezüglich der Karrierewahl, die Stufen der bisherigen Karriereentwicklung und eingesetzte Strategien, die erlebten Barrieren und Ressourcen sowie den selbst evaluierten Karriereerfolg. Die Teilnehmenden (N = 10) berichten zumeist, durch ihre persönliche Erfahrung im Leistungssport oder durch starkes Interesse in diesem Bereich auf die Sportpsychologie gestossen zu sein. Die Karriereentwicklung erstreckt sich in den meisten Fällen über verschiedene Aufgaben- und Tätigkeitsbereiche, sowohl in der Praxis als auch in der Forschung. Ein Grossteil der Befragten war bzw. ist zudem auch in anderen Tätigkeitsbereichen ausserhalb der Sportpsychologie aktiv tätig. Berichtete Karrierestrategien umfassen proaktive Verhaltensweisen wie Wissensaneignung durch Weiter- und Fortbildung, Steigerung des eigenen Bekanntheitsgrades und Aufbau eines Netzwerkes. Die Teilnehmenden berichten von vorwiegend externen Karrierebarrieren, zu denen befristete Arbeitsverträge, fehlende Bereitschaft zur finanziellen Investition bei Sportlern und Verbänden, familiär bedingte, niedrige Flexibilität oder Gender-Stereotypen zählen. Externe Ressourcen liegen vor allem in der emotionalen und finanziellen Unterstützung durch Familie und Umfeld, einem breiten kollegialen Netzwerk, fachlicher Weiterbildung und in einem zweiten Standbein neben der Sportpsychologie zur Existenzsicherung. Daneben werden jedoch auch interne Ressourcen wie hohe Anpassungsfähigkeit und Flexibilität sowie gutes Zeitmanagement genannt. Den eigenen Karriereerfolg definieren die Teilnehmenden vor allem über die persönliche Zufriedenheit mit den ausgeübten Aufgaben sowie über eine hohe Qualität der ausgeführten Interventionen. Die Untersuchung zeigt kritische Punkte einer sportpsychologischen Karriereentwicklung auf. Dies kann zum einen AbsolventInnen, die gerne im Feld Sportpsychologie Fuss fassen möchten, bei einer möglichst effizienten Planung ihrer Karrieren helfen sowie zum anderen Anregungen für die Weiter- und Fortbildung von SportpsychologInnen geben. Vor allem die Ergebnisse zu eingesetzten Karrierestrategien sowie Barrieren und Ressourcen scheinen hierfür relevant.


Stress and depression in high-performance athletes with back pain

Johanna Belz1, Jahan Heidari2, Claudia Levenig2, Monika Hasenbring2, Michael Kellmann2, Jens Kleinert1

1Deutsche Sporthochschule Köln, Deutschland; 2Ruhr Universität Bochum, Deutschland

Competing at a high level in sport typically involves physical training with high loads on the spine, increasing the risk for high-performance athletes to suffer from back pain (BP) (Baranto, Hellström, Cederlund, Nyman, & Sward, 2009). The association between BP and psychological variables, such as stress and depression, has been extensively researched and confirmed in the general population (e.g. Linton, 2000; Pincus, Burton, Vogel, & Field, 2002). In high-performance sport, however, this relationship has received little scientific attention to date (Heidari, Hasenbring, Kleinert, & Kellmann, 2016). Therefore, the aim of this cross-sectional study was to investigate the relationship between BP and both stress and depression in high-performance athletes. The study sample consisted of 154 German high-performance athletes with BP (51% female; Mage = 18.81 years, SDage = 5.05 years). Athletes completed questionnaires assessing the BP they were experiencing (BP intensity and BP-related disability; CPG; Klasen, Hallner, Schaub, Willburger, & Hasenbring, 2004), their overall stress level (REST-Q; Kallus, 2016) and their risk for depression (PHQ-2; Kroenke, Spitzer, & Williams, 2003). Pearson correlations were computed to assess the relationship between BP (BP intensity and BP-related disability) and both stress and risk for depression. Effects of age and gender on the size of correlation coefficients were tested via Fisher r-to-z transformations (Fischer, 1915). Results revealed positive correlations between stress and BP intensity (r = .249, p < .01) and between stress and BP-related disability (r = .175, p < .05). Moreover, positive correlations were found between the risk for depression and BP intensity (r = .163, p < .05) and between the risk for depression and BP-related disability (r = .239, p < .01). No gender or age effects were found concerning the aforementioned correlation coefficients. Although both stress and depression are associated with BP intensity and BP-related disability, stress seems to be more strongly associated with BP intensity and depression more strongly associated with BP-related disability. It might be the case that the association between stress and BP intensity is based on more psycho-physiological processes, whereas the association between depression and pain-related disability is more an outcome of emotional processes.


Transcranial direct current stimulation (tDCS) of the cerebellum increases motor adaptation

Nils Henrik Pixa, Marvin Menger, Fabian Steinberg, Michael Doppelmayr

Institut für Sportwissenschaft Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutschland

In everyday life people have to adapt their behavior on changes in the environment. Especially in sports, an adequate motor adaptation is highly important and neurophysiological studies revealed that the cerebellum is a keystructure for motor adaptation (Donchin et al., 2012). Non-invasive brain stimulation approaches (for an overview see Buch et al., 2017) showed that a modulation of the cerebellum affects motor adaptation (e.g. reduced error rate) and a recently published study by our group showed that cerebellar anodal tDCS increases motor adaptation in a mirror drawing task due to enhanced neuronal activity within the cerebellum (Doppelmayr et al., 2016). Purpose of the present study was to reproduce our findings with a slightly varied electrode montage and a computer-based motor adaptation task. Thirty-two healthy, right-handed, young volunteers participated in this double-blind study and were randomly assigned to two groups (STIM: n = 16; SHAM: n = 16). The task was to move a mouse cursor with the right hand as fast and accurate as possible to a target displayed on a computer screen. Each block consists of 24 targets displayed in random positions, but in an equidistance to the starting point in the middle of the screen. After a pretest the motion of the cursor was changed from 0° to a perturbation of 60°. During the adaptation-phase 12 perturbation-blocks (60°) were performed while simultaneously participants of the STIM-group received anodal tDCS (1mA for 20 min.) over the cerebellum (10% below the inion) with four return-electrodes (PO7, PO8, O1 & O2; 10-20-EEG-System), whereas participants of SHAM only received sham stimulation. Immediately after the adaptation-phase and again after a time period of 20 minutes posttests were conducted, while in the second posttest a de-adaptation (0°) was additionally measured. Mean initial error (IEr) and reaction time (RT) were analyzed by 2x4 ANOVAs. For the IEr the results showed a significant main effect of TIME, F(2,58) = 27.80, p < .001, ηp² = .49, and a significant interaction of TIME x GROUP, F(2,58) = 3.69, p < .001, ηp² = .11, indicating reduced IEr for STIM. For RT a significant main effect of TIME, F(2,58) = 37.10, p < .001, ηp²= .56, but no significant interaction emerged. Neither for IEr nor for RT significant main effects for GROUP were found. Our results fit well in the concept that the cerebellum is significantly involved in motor adaptation and confirm recent findings within tDCS studies. Further our data reveal a beneficial effect of cerebellar anodal tDCS on motor adaptation.


Trainierbarkeit der motorischen Fähigkeiten als Talentprädiktor bei Nachwuchseishockeyspielern

Pascal Stegmann, Lars Lenze, Claudia Zuber

Universität Bern, Schweiz

Die Auswahl der richtigen Talente gehört im Eishockey zu einer der grössten Schwierigkeiten, die es zu bewältigen gibt. Es ist eine Herausforderung, zu entscheiden, welcher der jungen Spieler tatsächlich das Potential besitzt, im Erwachsenenalter zu den Besten zu gehören. Die heutige Talentforschung empfiehlt eine weite und dynamische Talenterfassung (Güllich, 2013). Demnach sollen die Talente regelmässig und in diversen Faktoren getestet werden. Hohmann (2009) erarbeitete dazu sechs Talentprädiktoren, welche die Höchstleistung im Erwachsenenalter vorhersagen sollen. In dieser Studie steht der Talentprädiktor der Trainierbarkeit – in diesem Fall der eishockeyrelevanten motorischen Fähigkeiten – im Vordergrund. Die Trainierbarkeit beschreibt die Plastizität unter spezifischen Trainingsanforderungen (Conzelmann, 2009). Es soll untersucht werden, ob Spieler, welche sich schneller entwickeln – also trainierbarer sind – eher als talentiert eingeschätzt werden. Vergleichbare Studien gibt es bisher weder im Eishockey noch in anderen Sportarten. Dafür wurden N = 42 Spitzennachwuchseishockeyspieler (MAlter = 16.74, SDAlter = 1.48) untersucht. Im Abstand von acht Wochen wurden die drei motorischen Fähigkeiten Schnelligkeit (20m-Sprint; Bös, 2001), Sprungkraft (Squat Jump, Counter Movement Jump; Bös, 2001) und Wendigkeit (20yard-shuttle-test, T-test; Wood, 2008) erhoben. Die Trainierbarkeit wurde als Anpassungsgeschwindigkeit (z-standardisierte Differenz zwischen Pre- & Posttest) operationalisiert. Sechs Monate nach der Posttestmessung wurden die Probanden vom Cheftrainer mittels Talentfragebogen eingeschätzt. Aufgrund des eingeschätzten Potentials wurden die Spieler der Gruppe «mehr» oder «weniger» talentiert zugeteilt. Mit Hilfe des Summenscores der Trainierbarkeit der drei motorischen Konstrukte wurde mit einer ANCOVA die jeweilige Zuteilung zu den beiden Talentgruppen überprüft. Das Alter der Spieler sowie die Eingangsleistung zum Messzeitpunkt t1 wurden als Kovariate in das Modell einbezogen. Dabei wurden signifikante Effekte von Alter (F(1, 38) = 9.18, p = .004, η2 = .19), von Eingangsleistung t1 (F(1, 38) = 5.82, p = .02, η2 = .13) jedoch nicht von der Talentgruppierung (F(1, 38) = 4.00, p = .53, η2 = .10) festgestellt. Das bedeutet, dass die Trainereinschätzung signifikant mit dem Alter und der Eingangsleistung der Spieler, jedoch nicht signifikant mit der Trainierbarkeit der motorischen Fähigkeiten zusammenhängt. Möglicherweise fokussieren sich die Trainer zur Talenteinschätzung also eher auf die Leistungsauffälligkeit als auf die Trainierbarkeit. Als weiteren Erklärungsansatz könnte der in dieser Studie eher enge Fokus auf die motorischen Fähigkeiten herangezogen werden. Eine einseitige Beachtung eines Einzelmerkmals – hier die Trainierbarkeit der motorischen Fähigkeiten – muss im Sinne eines weiten Talentbegriffs als ungenügend beurteilt werden. Ebenso ist anzunehmen, dass motorische Fähigkeiten eine geringere Eignung als Talentprädiktoren aufweisen als technische Fertigkeiten (Lidor, Côte & Hackfort, 2009).


Einfluss von Wettkampfbelastung auf eine mehrdimensionale Erholungs-/Beanspruchungsbilanz im Elite Jugendfußball

Maximilian Pelka1, Peter Schneider2, Michael Kellmann1,3

1Ruhr-Universität Bochum, Deutschland; 2Fussball Club Carl-Zeiss Jena; 3University of Queensland, School of Human Movement Studies, Australia

Während einer regulären Spieltagswoche im Fußball ist eine optimale Erholungs-/Beanspruchungsbilanz von entscheidender Bedeutung für die Leistungsfähigkeit (Dupont et al., 2010). Die wahrgenommene Ermüdung/Beanspruchung nach dem Wettkampf steht hierbei im Einklang mit physischen und neuromuskulären Veränderungen (Thorpe et al., 2016). Da Erholung und Stress mehrdimensionale Prozesse sind (Kellmann, 2010), sollte der Schwerpunkt zusätzlich auch auf mentale und emotionale Parameter nach dem Wettbewerb gelegt werden. Das Ziel dieser Studie war es, Veränderungen der physischen, mentalen und emotionalen Zustände nach Spielen im Verlauf einer Fußballsaison zu quantifizieren. Über den Untersuchungszeitraum von vier Monaten (12 Spiele) bearbeiteten 25 Spieler (MAlter = 17.5, SDAlter = .5 Jahre) einer U19 Junioren-Bundesliga-Mannschaft die Kurzskala Erholung/Beanspruchung (KEB, Kellmann et al., 2016) zweimal wöchentlich, Montag- und Freitagmorgen zwischen 7 und 9 Uhr. Um eine differenziertere Analyse zu ermöglichen, wurde das Team nach Thorpe et al. (2016) in zwei Gruppen unterteilt. Einerseits diejenigen die mehr als 60 Minuten in einem Spiel eingesetzt wurden (Gruppe 1) und andererseits diejenigen, die weniger als 60 Minuten gespielt haben (Gruppe 2). Wilcoxon Ranksummen Tests ergaben signifikante Unterschiede zwischen den Freitags- und Montagsbewertungen der Spieler. Für beide Teilgruppen waren jedoch unterschiedliche Bereiche relevant. Die Spieler in Gruppe 1 waren mit Blick auf die Veränderungen von Freitag auf Montag physisch (Z = -2.98, p < .01, r = -.86) und mental (Z = -2.93, p < .01, r = -.85) weniger erholt. Für Gruppe 2 ergab sich ein anderes Muster. Diese Gruppe war montags weniger mental erholt (Z = -2.20, p < .05, r = -.64) und emotional stärker belastet (Z = -2.60, p < .01, r = -.75). Die Ergebnisse der vorliegenden Studie weisen darauf hin, dass Spieltage am Wochenende einen Einfluss auf die subjektive (Selbst-)Bewertung von physischen, mentalen und emotionalen Erholungs-/Beanspruchungszuständen haben. Diese Bewertungen unterscheiden sich zwischen Spielern die mindestens zwei Drittel eines Spiels gespielt haben und denen die weniger gespielt haben. Der Erklärungsansatz liegt nahe, dass die erstgenannte Gruppe hauptsächlich durch die Spielbelastung beansprucht wurde (physische und mentale Beanspruchung) während die zweigenannte Gruppe eher durch die Nicht-Berücksichtigung beeinflusst wurde (emotionale und mentale Beanspruchung). Um diese These zu stützen, bedarf es weiterer Untersuchungen. Vorläufig kann jedoch bilanziert werden, dass die Erholungs-Beanspruchungssituation nach Spieltagen mehrdimensional scheint. Im Sinne von Leistungsoptimierung und Wohlbefinden sollten daher alle Bereiche in der Nachbereitung eines Spiels bedacht werden.


Acute effect of exercise on affective responses and cravings in patients with alcohol use disorder

Carina Bichler1, Martin Niedermeier1, Anika Frühauf1, Nicole Längle3, W. Wolfgang Fleischhacker2, Sergei Mechtcheriakov2, Reinhard Haller3, Martin Kopp1

1Universität Innsbruck, Österreich; 2Department für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Universität Innsbruck; 3Krankenhaus Maria Ebene

Physical exercise programs may increase abstinence rate in patients with alcohol use disorder (Wang, Wang, Wang, Li, & Zhou, 2014). However, adherence to physical exercise programs is influenced by acute affective responses during the activity and preferences regarding the type of physical exercise (Williams et al., 2008; Abrantes et al., 2011). There is a lack of research on acute affective responses and changes in cravings to different types of physical exercise bouts in patients with alcohol use disorder in clinical settings (Hallgren, Vancampfort, Giesen, Lundin, & Stubbs, 2017; Manthou et al., 2016). Thus, the aim of the present study was to assess the effect of different exercise types on affective responses and cravings. 15 in-patients with diagnosed alcohol use disorder were recruited during regular withdrawal treatment. In a randomized within-subject experimental study, all participants completed three 60-minutes group-sessions (group size ≤ 5): a nordic-walking-condition (NW), a yoga-gymnastics-condition (YG) and a passive control condition (PC). Craving (Alcohol Urge Questionnaire; Bohn, Krahn, & Staehler, 1995), affective valence (Feeling Scale; Hardy & Rejeski, 1989) and perceived activation (Felt Arousal Scale; Svebak & Murgatroyd, 1985), were assessed before, during, immediately after, as well as 10 and 180 minutes post treatment. Repeated measures ANOVAs revealed statistically significant interaction effects in affective valence (p = 0.010, ηp² = 0.23) and perceived activation (p = 0.033, ηp² = 0.16). Affective valence was increased significantly during NW in contrast to YG (ηp² = 0.34). Perceived activation significantly increased during NW vs. PC (ηp² = 0.34) as well as during YG vs. PC (ηp² = 0.33). In YG compared to PC, this differences also lasted for the measuring point 10 minutes after session (ηp² = 0.26). For cravings, there were no significant differences between treatment conditions for baseline versus any subsequent measurement point (p = 0.285, ηp² = 0.09) and no differences were found according to changes in cravings between NW and YG (p = 0.263, ηp² = 0.09). Results demonstrated that an acute exercise bout improves affective responses in patients with alcohol use disorder and indicated preferences towards NW compared to YG regarding affective valence during exercise. However, effects did not outlast for further measuring points. Related to results of current literature, a bout of physical exercise may provide some short-term motivation for abstinence in therapeutic settings and help preventing alcohol relapse through establishing alternative behavioural patterns.


Begrenzte und Ökologische Rationalität: Heuristische Entscheidungsprozesse erklären Expertiseunterschiede im Nachwuchsleistungsfußball

Lisa Musculus1, Benedikt Kosak1, Bettina Kretschmann1, Estelle Schell1, Justin Klandermann1, Lachezar Avrenliev1,2, Lukas Hombach1, Matthias Reubold1, Matthias Rißmaier1, Nizar Nakleh1, Nora Winkelmann1, Philipp Chiteala1, Silvana Höft1, Sinikka Heisler1, Sven Krüger1, Oliver Kapner1, Taner Memis1, Benedikt Hammans2

1Deutsche Sporthochschule Köln, Deutschland; 21. FC Köln

Im Fußball ist gutes Entscheidungsverhalten wichtig, um im Erwachsenenalter Expertise auszubilden (Mann et al., 2007). Unklar ist, ob sich entsprechende Expertiseunterschiede bereits bei jungen Fußballern herausbilden. Diese Studie untersuchte basierend auf der Take-The-First-Heuristik (TTF, Johnson & Raab, 2003), ob professionelle Nachwuchsfußballer bessere Entscheidungen treffen als weniger hochklassige Nachwuchsfußballer. Darüber hinaus erweitert diese Studie die bisherige Forschung dadurch, dass der Einfluss von Zeit- und Gegnerdruck auf Entscheidungsprozesse, eingebettet in die theoretische Grundannahme Ökologischer Rationalität, untersucht wurde (Todd, Gigerenzer & ABC Research Group, 2012). Unter Verwendung eines Experten-Novizen Designs wurde das Entscheidungsverhalten von Nachwuchsfußballern aus einem professionellen Nachwuchsleistungszentrum (n = 86) mit Nachwuchsfußballern aus einem weniger hochklassigen Verein (n = 83) verglichen. Die Spieler wurden in einem videobasierten, zeitlich okkludierten Optionsgenerierungsparadigma getestet. Der Entscheidungstest umfasste 18 Videos. Bei neun der 18 Videos wurde Zeitdruck induziert, sodass die Spieler 7.5 Sekunden Zeit zur Optionsgenerierung hatten, während sie bei den anderen neun Videos ohne Zeitdruck 30 Sekunden Zeit hatten, Optionen zu generieren. Hypothesenkonform zeigte sich ein Expertise-Effekt: Professionelle Nachwuchsfußballer generieten weniger Optionen, waren weniger dynamisch inkonsistent in ihren Entscheidungen und wählten qualitativ hochwertigere Optionen im Vergleich zu weniger hochklassigen Nachwuchsfußballern. Darüber hinaus verstärkten Zeit- und Gegnerdruck die Verwendung von TTF entsprechend Ökologischer Rationalität-Annahmen. Die Ergebnisse untermauern, dass sich durch die TTF vorhergesagte Expertise-Unterschiede in Entscheidungsprozessen bereits bei jungen Fußballern herauskristallisieren. Außerdem demonstrierte die Studie, dass Zeit- und Gegnerdruck als relevante Umwelteinflüsse im Fußball die Verwendung von einer einfachen Entscheidungsfrage wie TTF förderte. Basierend auf den Ergebnissen werden theoretische Erweiterungen der TTF hinsichtlich der beobachteten Umwelteinflüsse diskutiert. Außerdem werden Implikationen für die Sportpraxis mit Fokus auf die Gestaltung von Entscheidungstrainings unter Berücksichtigung relevanter Drucksituationen, angeführt.


Combined eye movement training and skill training enhances table tennis forehand drive performance and retention

Fahimeh Habibifar, Alireza Farsi, Fahimeh Basiri

Department of behavioral and cognitive sciences in sport, faculty of sport sciences and health, Shahid Beheshti University (SBU),Tehran, Iran, Islamische Republik

Though it is well recognized that visual training enhances motor skills performance and learning, little is known as regards the effect of combined visual and skill training on motor skill performance and retention. In the present study, we compared the efficiency of skill training complemented with eye movement training versus skill training and eye movement training alone in performance and retention of table tennis forehand drive. Forty healthy non-athlete students (mean age 21.50 ± 0.78 years) were randomly assigned into four equal groups (n = 10) of eye movement training, skill training, combined eye movement and skill training and control. All participants showed a similar level of physical fitness and did not participate in any activities which might affect the results of our study. The participants in experimental groups underwent 4 weeks of training. The training sessions lasted for 45 minutes, three times a week. The participants in skill training group practiced table tennis forehand drive in training sessions. For eye movement training group, we used a computerized software in which the participants had to respond with a key press to the direction of visual stimuli presented in random locations on the computer screen. The participants in combined eye movement and skill training group underwent eye movement training along with forehand drive practice. Test of forehand drive accuracy was administered before and immediately after four weeks of training. 24 hours after the post-test, the participants took part in the retention test. The findings showed that combined skill and eye movement training and also the tennis training alone had significant effect on performance (p = 0.001) and retention of forehand drive (p = 0.005). These findings support the use of eye movement exercises as a complementary method for skill training. Therefore, it is suggested that coaches and athletes consider eye movement training when designing a training program for skills like table tennis forehand drive.


Auswirkungen eines 6-wöchigen Achtsamkeitstrainings auf die Laufleistung, die Laufökonomie, das Flow-Erleben und das Stressempfinden

Julia Limmeroth1, Antje Hill2, Linda Schücker2, Norbert Hagemann1

1Universität Kassel, Deutschland; 2Universität Münster, Deutschland

Ein achtsamkeitsbasiertes Training dient der Reduzierung von Stress, Angst und Depressionen und trägt zu einem effektiven Umgang mit Emotionen bei (vgl. Brown, Ryan & Creswell, 2007). Mehrere Autoren haben bereits auf die potenziellen Vorteile für Athleten in Bezug auf die Entwicklung dieses Bewusstseinszustands hingewiesen (Salmon, Hanneman & Harwood, 2010). Gerade im Ausdauersport besteht die Möglichkeit, dass achtsamkeitsbasierte Ansätze einem leistungshemmenden Aufmerksamkeitszustand entgegenwirken, da sie externale und internale Aufmerksamkeitsstrategien miteinander verknüpfen könnten. Mit dieser Studie soll ermittelt werden, ob durch ein 6-wöchiges Achtsamkeitstraining die Laufleistung und Laufökonomie von AmateurläuferInnen verbessert werden kann. Die ProbandInnen (N = 42; n = 15 weiblich) waren LäuferInnen (Alter: M = 35,14; SD = 7,59), die randomisiert auf eine Experimentalgruppe (n = 20) und eine Wartekontrollgruppe (n = 22) aufgeteilt wurden. Beide Gruppen absolvierten ein sportliches Training zur Marathonvorbereitung. Die Experimentalgruppe durchlief zusätzlich das Achtsamkeitsprogramm, das an das von Kabat-Zinn (1990) entwickelte MBSR-Konzept angelehnt ist und auf dem Ansatz von Bertollo et al. (2015) - Fokussierung auf die individuelle Kernkomponente beim Laufen - aufbaut. Durch regelmäßige Treffen und das individuelle Üben wurde die Achtsamkeit sowohl in Ruhe als auch unter Belastung trainiert und mittels Telefongesprächen sowie dem Führen von Tagebüchern überwacht. Alle ProbandInnen absolvierten zu Beginn und zum Ende der Intervention einen leistungsdiagnostischen Test. Neben der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max) wurden unter anderem die Herzfrequenz (min-1) sowie die Laktatkonzentration (mmol/l) bei entsprechender Geschwindigkeitsangabe (km/h) aufgenommen. Es wurde der Cortisolspiegel gemessen und die ProbandInnen mussten psychologische Fragebögen ausfüllen (z. B. Borg-Skala und Flow-State-Scale-2). Grundsätzlich lässt sich ein Trainingseffekt bei beiden Gruppen für zentrale leistungsdiagnostische Parameter im submaximalen Bereich (z. B. Sauerstoffaufnahme, Laufgeschwindigkeit, Atemökonomie, aerobe & anareobe Schwelle) feststellen (alle p < .05). Allerdings haben sich keine signifikanten Vorteile für die Experimentalgruppe ergeben, wenngleich sich deskriptiv Hinweise für positive Effekte bezüglich der Atemökonomie sowie des Laktatabbaus herauskristallisiert haben und weiterer Untersuchungen erfordern. Unterschiede in den weiteren psychologischen Variablen konnten nicht gefunden werden (alle p > .05) Folgestudien sollten die Länge der Intervention – orientiert an der Länge von MBSR-Ansätzen – berücksichtigen, um dadurch möglicherweise die Wirksamkeit zu erhöhen, beispielsweise durch eine verbesserte Regeneration, wodurch wiederum eine Steigerung der Leistungsfähigkeit erreicht werden könnte. Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse und dem bestehenden Forschungsdefizit bezüglich achtsamkeitsbasierter Ansätze wird empfohlen, weitere Untersuchungen mit einer anderen Personengruppe z. B. mit ProfisportlerInnen durchzuführen. In der Regel versprechen sich diese einen positiven Nutzen von sportpsychologischen Interventionen für ihre Leistungsfähigkeit.


Rückenübungen zu Hause? Verhaltensregulation und Selbstwirksamkeit bei jungen AthletInnen mit und ohne Rückenschmerz

Jens Kleinert1, Johanna Belz1, Jahan Heidari2, Claudia Levenig2, Monika Hasenbring2, Michael Kellmann2

1Deutsche Sporthochschule Köln, Deutschland; 2Ruhr Universität Bochum, Deutschland

Rückenschmerzen sind ein weitreichendes Problem im Leistungssport, das bei 18 - 65% der SportlerInnen beobachtet werden kann (Trompeter et al., 2016). Daher sind Rückenübungen wichtige Aspekte sowohl des Trainings als auch der selbstorganisierten Prävention zu Hause. Während im Training Rückenübungen bereits zum Standard gehören (Goertzen & Zinser, 1998) ist wenig bekannt über die Häufigkeit und Regulation selbstorganisierten Rückentrainings (SORT). Daher war das Ziel der vorliegenden Studie herauszufinden, ob und in welchem Umfang AthletenInnen SORT betreiben und inwiefern Beziehungen zur Verhaltensregulation und zur Selbstwirksamkeit bestehen. Es wurden 157 Athletinnen und 182 Athleten (Alter M = 18.3 Jahre, SD = 5.39) in einer Querschnittstudie befragt. Erfasst wurde, ob die Befragten SORT betreiben (ja/nein) und in welchem Umfang dies geschieht (wöchentliche Frequenz x durchschnittliche Dauer); außerdem wurden die autonome sowie kontrollierte Verhaltensregulation (12 Items, basierend auf der Organismic Integration Theory, Deci & Ryan, 2000) sowie die handlungsspezifische Selbstwirksamkeit (MSES; Rodgers, et al., 2008) erfasst. Verhaltensregulation, Selbstwirksamkeit, Alter, Geschlecht und das Vorhandensein von Rückenschmerz in den letzten drei Monaten wurden mittels logistischer Regressionsanalyse als Prädiktoren von SORT (ja/nein) getestet. Bei SORT-Aktiven wurden dieselben Prädiktoren mittels linearer Regression auf Frequenz, Dauer und Umfang des Trainings hin getestet (Std./Woche). Von den TeilnehmerInnen gaben 50.7% an, selbstorganisiertes Rückentraining durchzuführen. Das Durchführen des Trainings (ja/nein) konnte zum Teil durch autonome Regulationsformen erklärt werden (r2 = .174): Die Wahrscheinlichkeit des Trainings stieg mit dem Ausmaß an intrinsischer Regulation (OR = 1.35), identifizierter Regulation (OR = 1.43) und introjizierter Regulation (OR = 1.39), während externale Regulation mit einer reduzierten Wahrscheinlichkeit von SORT zusammenhängt (OR = 0.79). Weder das Alter, noch das Geschlecht, noch das Vorhandensein von Rückenschmerz (46.8%) erklärte SORT. Bezogen auf die Befragten, die ein SORT durchführen, wird im Mittel 1.9 mal pro Woche (SD = 1.02) ein Rückentraining für eine durchschnittliche Dauer von 20.9 Minuten (SD = 15.75) durchgeführt. Die Häufigkeit des Trainings konnte am ehesten durch die Selbstwirksamkeit (β = .26), die mittlere Trainingsdauer am ehesten durch die intrinsische Regulation (β = .23) und das Alter (β = .18) erklärt werden. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Verhaltensregulation und Selbstwirksamkeit jeweils eigene Erklärungsanteile für selbstorganisiertes Rückentraining aufweisen und somit (theoriekonform) unterschiedliche Prozesse der Verhaltensteuerung betreffen: während Verhaltensregulation eher mit grundlegenden Verhaltensentscheidungen verbunden ist (Training ja/nein) scheint Selbstwirksamkeit bedeutsamer für die Umsetzbarkeit und Einbettung in tägliche oder wöchentliche Routinen. Aufgrund des Querschnittsdesigns der Studie gilt es, diese Überlegungen in Längsschnittdesigns zu verifizieren.


Zum Zusammenhang von Kognition und Alltagsaktivität bei Kindern und Jugendlichen - Die KoAlA-Studie

Maria Meier1, Lea Ueberholz2, Nadine Kasten3, Jana Strahler4, Reinhard Fuchs3, Kathrin Wunsch3

1Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschland; 2Institut für Psychologie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; 3Institut für Sport und Sportwissenschaft, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; 4Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft, Justus-Liebig-Universität Gießen

Die positiven Effekte körperlich-sportlicher Aktivität und Fitness auf kognitive Leistungen im Kindesalter sind hinreichend belegt (z. B. Fedewa & Ahn, 2011; Chaddock, Pontifex, Hillman & Kramer, 2011; Hillman & Schott, 2013). Ebenso konnte bereits bestätigt werden, dass eine akute Stressbelastung die kognitive Leistungsfähigkeit bei Kindern negativ beeinflusst (Quesada, Wiemers, Schoofs & Wolf, 2012). Bisherige Studien beschränken sich vorwiegend auf die Untersuchung der Zusammenhänge zweier Variablen (Stress und Aktivität, z. B. Martikainen et al., 2013; Aktivität und Kognition, z. B. Drollette et al., 2016; Kognition und Stress, z. B. Quesada, Wiemers, Schoofs & Wolf, 2012). Ziel der vorliegenden Studie ist es daher, die Wirkung körperlich-sportlicher Aktivität bzw. Fitness der Kinder als protektiven Faktor zur Minderung der Stressreaktion und zum Erhalt der kognitiven Leistungsfähigkeit in Stresssituationen zu untersuchen. Es wurden N = 55 SchülerInnen im Alter von 10 bis 12 Jahren untersucht (MAlter = 10.82 Jahre, 38% weiblich). Alltagsaktivität wurde an sieben aufeinander folgenden Tagen mittels Accelerometrie sowie smartphonegestützen Befragungen (ecological momentary assessment; EMA) erfasst. Zur Messung der Fitness absolvierten die Kinder den 20-Meter PACER Test (Meredith & Welk, 2010). Zudem wurde der TSST-C (Buske-Kirschbaum et al., 1997) als standardisiertes Instrument zur Messung der individuellen Stressreaktion appliziert, in dessen Anschluss die Kinder eine OSPAN-Aufgabe zur Messung ihrer Arbeitsgedächtnisleistung lösten (Turner & Engle, 1989; Unsworth et al., 2005). Sowohl die physiologische Stressantwort der SNS- (α-Amylase, Herzfrequenz, Herzratenvariabilität und Blutdruck) und der HHNA-Achse (Kortisol), sowie die psychologische Stressantwort (Angst, Affektivität, wahrgenommene Stressbelastung) wurden gemessen. Zusätzlich wurde die Intelligenz der Kinder mittels Spearman’s Progessivem Matrizentest (SPM; Heller, Kratzmeier & Lengfelder, 1998) als mögliche konfundierende Variable der Arbeitsgedächtnisleistung erfasst. Erste Ergebnisse zeigen in der vorliegenden Stichprobe keine bivatiaten Korrelationen zwischen Alltagsktivität bzw. Fitness der Kinder und deren physiologischen Stressreaktionen (r(53) = -.26, p > .05 für Aktivität; r(51) = -.23, p > .05 für Fitness) bzw. deren Performanz in der Arbeitsgedächtnisaufgabe (r(51) = .01, p > .05 für Aktivität; r(51) = .22, p > .05 für Fitness). Ebenso konnte kein Einfluss der Stressbelastung auf die kognitive Leistungsfähigkeit gefunden werden (r(51) = -.12, p > .05). Die Stressreaktion konnte für unterschiedliche Parameter durch Haupteffekte der Messzeitpunkte nachgewiesen werden (z. B. FKortisol(2, 68) = 10.11, p < .001, ηp2 = .19; FHerzfrequenz(2, 76) = 51.21, p < .001, ηp2 = .54). Die vorliegenden Ergebnisse deuten zwar darauf hin, dass der hypothetisierte Zusammenhang nicht vorhanden ist. Dies kann jedoch eventuell auf der Einfachheit vorliegender Vorab-Analysen basieren. Demnach sind weitergehende (Moderations-)Analysen abzuwarten, bevor eine endgültige Interpretation der Ergebnisse stattfinden kann.


Der Zusammenhang von motorischer Entwicklung und exekutiven Funktionen im Kindesalter

Edda van Meurs, Utesch Till, Dreiskämper Dennis

Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Deutschland

Das Grundschulalter (fünf bis zehn Jahre) stellt eine kritische Phase für die gelingende Entwicklung von sowohl Motorik als auch Kognition dar (Ahnert et al., 2003; Wassenberg et al., 2005). Bisherige Studien zum Zusammenhang dieser Facetten konzentrierten sich auf eine Auswahl von exekutiven Funktionen, vornehmlich Arbeitsgedächtnis, Inhibition und kognitive Flexibilität (Roebers & Kauer, 2009; Westendorp et al., 2014), aber auch auf allgemeine mathematische und verbale Leistungen oder den IQ auf der kogntiiven Ebene sowie Fitness- und Aktivitätsparametern. In vielen Studien konnte ein positiver Effekt von Motorik auf Kognition gezeigt werden (Hillmann & Schott, 2013). Aerobe Ausdauer und Fitness beeinflussen z. B. kognitive Kontrolle und Reizklassifizierung positiv, was unter anderem einer höheren bilateralen Aktivierung des präfrontalen Kortex und der P3-Komponente der Stimulus-abhängigen Potenziale zugeordnet wird. In der bestehenden Literatur wird jedoch nicht eindeutig zwischen Fitness und motorischen Fertigkeiten sowie der physischen Aktivität differenziert. Ziel dieser Studie ist es, quer- und längsschnittliche Daten von ca. 180 Kindern der ersten bis dritten Klassen zu erheben, um die Einflüsse von Fitness, motorischen Fertigkeiten und physischer Aktivität von Kindern auf deren gesundheitliche Entwicklung sowie exekutive Funktionen zu untersuchen. Fitness wird mithilfe des FitnessGram (The Cooper Institute, 2010), Fertigkeiten (Objektkontrolle, Lokomotion) prozess-orientiert durch eine Kurzform des Test of Gross Motor Development-3 (neun Items; Ulrich, 2016) erhoben, die physische Aktivität durch Elternfragebögen. In einer Pilotstudie (N = 105) erwies sich der kombinierte Test als ökonomisch durchführbar. Für die Erfassung der exekutiven Funktionen wurden zwei computer-basierte Aufgaben eingesetzt. Der Erisken-Flanker-Test, als Messinstrument für Inhibition (Eriksen & Eriksen, 1974), wurde in einer weiteren Pilotstudie an einer Grundschule mit Kindern der dritten und vierten Klasse (N = 32) auf seine Durchführbarkeit getestet. Die Test-Genauigkeit erwies sich als hoch (M = .87, SD = .12). Das Arbeitsgedächtnis wird durch einen N-Back-Tests mit einer 1-back und 2-back Bedingung getestet. Die Daten der ersten Kohorte werden Ende Februar erhoben, zum jetzigen Zeitpunkt liegen noch keine Ergebnisse vor. Es wird erwartet, dass besonders in früheren Schuljahren neben der Fitness auch die prozess-orientiert erhobenen Fertigkeiten mit den exekutiven Funktionen zusammenhängen. Des Weiteren wird vermutet, dass sich zwar die motorischen wie auch kognitiven Leistungen über die Spanne der Kindheit verbessern. Die Ergebnisse werden auch im Hinblick auf die Einflussmöglichkeiten der sportlichen Aktivität auf kognitive Parameter diskutiert.


Kinematic and behavioral evidence for the effect of different demonstrations on the retention of golf putting skill

Fahimeh Habibifar, Alireza Farsi, Faezeh Tohiditabar, Behrouz Abdoli

Department of behavioral and cognitive sciences in sport, faculty of sport sciences and health, Shahid Beheshti University (SBU),Tehran, Iran, Islamische Republik

In the course of the study, the results of the demonstration are shown in the table below. In the course of the study, the results are shown in the following table Putting skill in golf. For this purpose, 50 healthy non-athlete university student without any prior experience in golf putting skills in the course of this course, perceptual demonstration, video demonstration and two combined groups of perceptual video demonstration And video-perceptual demonstration. The two combined groups were based on the arrangement of demonstrations. While in the perceptual-video-demonstration, first the perceptual demonstration and then the video demonstration was presented to the participants, in video-perceptual demonstration group the arrangement of the demonstration was the reverse. The participants received a written instruction about golf putting skill and completed a 10-trials pre-test. After the pre-test, (4 blocks of 20 trials per day). 24 hours after the last acquisition session, all participants took part in a 10-trials retention test. The kinematic data (wrist angle, plot speed and putting skill total time). There was a significant difference in wrist angle between the different groups (p < 0.05). Though all experimental groups' wrist angle scores, the improvement was more pronounced in the combined groups and the video perceptual model had the best scores in the wrist angle. No significant difference in the performance of the swing swing phase. The characteristics of golfing skill. The findings are based on the conceptualization of social cognitive theory.


The Pictorial Scale of Physical Self-Concept for young children (P-PSC-C): A feasibility-study

Maike Tietjens1, Dennis Dreiskämper1, Till Utesch1, Nadja Schott2, Lisa Barnett3, Trina Hinkley3

1Universität Münster, Deutschland; 2Universität Stuttgart, Deutschland; 3Deakin University, Australia

Self-concept is regarded as both an important predictor and as a consequence of behavior. Developing a positive and healthy self-concept is said to be one of the most important steps in human development. Children’s self-perception of motor skills and physical fitness is said to be an important mediator between skills and physical fitness and physical activity. To understand the development and the differentiation of the physical self-concept of children and its components an age-appropriate self-perception scale is needed. The objectives of this study were (1) to develop a pictorial scale of physical fitness for pre-school children (3-6), and (2) to describe the face validity and feasibility of the scale. The study sample included 27 kindergarten children (Mage = 4.93, SD = .87). Validity was assessed through administration of the Pictorial Scale for Physical Self-Concept in pre-school age (P-PSC-C) compared with children’s fundamental movement skill competency (TGMD)-3, children’s perceived movement skill competence (Barnett et al., 2015), height, weight, and demographics. The face validity was favorable. Expectable negatively skewed response distributions in all items were found. The perceived physical fitness is significantly correlated with perceived locomotion (r = .478, p < .01) and perceived object control (r = .413, p < .01), whereas perceived locomotion and perceived object control correlate with r = .740, p < .01. No significant correlations with motor performance and physical appearance were found. However, a significant positive correlation between perceived physical fitness and enjoyment in sports (r = .453, p < .01) was observed. The graphical illustrations within each domain facilitated children’s participation in the study. In accordance with other pictorial scales in this age group response distributions showed comparable results (cf. Barnett et al., 2016, e.g., negatively skewed answer distribution within the items). It appears that nearly all children perceive themself as highly competent, as shown in other physical self-perception assessments in early childhood.The high correlation between perceived locomotion and perceived object control and lower correlation between the physical fitness dimension and the motor skill dimensions could be seem in terms of the hierarchical and multidimensional model by Marsh et al. (1994). The lack of correlations between perceptions and actual skill shows, that children in this age group cannot accurately report their skill level. Nevertheless, in terms of motivational process it might be more import that children perceive themselves as being able to do something than being accurate and realistic in their perception. Future studies should examine quality criteria such as reliability and validity of the introduced P-PSC-C.


Geschlechtsspezifische Bevorzugung eines ko- oder monoedukativen Unterrichts im Zusammenhang mit Sportart und physischem Selbstkonzept

Aline Friedrich, Michael Doppelmayr

Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutschland

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Diskussion um den koedukativen Sportunterricht in Deutschland wurde untersucht, ob das Physische Selbstkonzept (Stiller, Alfermann & Würth, 2004) in Zusammenhang mit der individuellen Vorliebe für mono/koedukativen Sportunterricht sowie mit unterschiedlichen Motivationsparametern steht. 537 SchülerInnen (SuS) (12 bis 16 Jahre aus der 7. bis 9. Klasse) wurden befragt. Als Messinstrument dienten der auf eine 6-stufige Skala erweiterte Fragebogen zur Messung des PSKs (Stiller et al., 2004), die Sport-Motivation-Scale (Mallet et al., 2007), eine Erhebung der Sportpartizipation und der Sportnote sowie eine 9-stufige Ratingskala zum Erfassen der Wünsche der SuS hinsichtlich ko/monoedukativem Unterricht (U-Vorliebe). Hierbei wurde erfragt, ob die SuS lieber nur mit Mädchen, gemischtgeschlechtlich oder lieber nur mit Jungs Sportunterricht hätten. Dies wurde für den „Schulsport gesamt“ als auch für 12 ausgewählte Sportarten erhoben. Werte von 1 bedeuten eine Vorliebe für ausschließlich gleichgeschlechtlichen und Werte von 5 eine für vornehmlich gemischten Unterricht. In einem ersten Schritt wurden die PSK-Werte mittels zweifaktorieller Varianzanalyse (Geschlecht X Schulstufe) untersucht. Der einzige signifikante Effekt wurde für Geschlecht gefunden F(1,426) = 14,11, p < .001, ηp² = .064 und repliziert, dass Jungs ihr PSK (M = 4.45, SD = 0.67) höher einschätzen als Mädchen (M = 4.09, SD = 0.72). Zur Untersuchung der Schulstufen- und Geschlechtsunterschiede in Hinblick auf U-Vorliebe wurde für die 13 erhobenen Parameter je eine zweifaktorielle ANOVA durchgeführt. Entsprechend Bonferroni-Korrektur werden nur Ergebnisse mit p < .005 berichtet. Für den Faktor Geschlecht ergaben sich bei Leichtathletik F(1,426) = 14.88, p < .001, ηp² = .034, Schwimmen F(1,426) = 103.37, p < .001, ηp² = .195, Fußball F(1,426) = 14.74, p < .001, ηp² = .033, Basketball F(1,426) = 12.99, p < .001, ηp² = .033, Gymnastik/Tanz F(1,426) = 91.83, p < .001 ηp² = .133 und Turnen F(1,426) = 114.37, p < .001, ηp² = .212 signifikante Unterschiede die zeigen, dass Jungs stärker zu gemischtgeschlechtlichem Unterricht neigen als Mädchen (Mittelwert aller Sportarten: Jungs M = 4.42, SD = 1.07; Mädchen M = 4.08, SD = 1.01). Weder für Schulstufe noch für die Interaktion wurden signifikante Effekte gefunden. Zusammenhänge zwischen PSK und U-Vorliebe wurden mittels Spearman Korrelationen getrennt für Jungs und Mädchen analysiert. Während bei den Mädchen sowohl der PSK Gesamtscore r(206)= .289, p < .001, als auch einige Subkomponenten mit den Werten zur Vorliebe für gemischten Schulsport korrelieren finden sich bei den Jungs keine solchen Ergebnisse. Die Daten bestätigen 1) den Befund, dass Jungs ihr PSK höher einschätzen als Mädchen, 2) dass Jungs koedukativem Unterricht gegenüber aufgeschlossener sind und 3) dass nur bei den Mädchen eine signifikante positive Korrelation von PSK (Subskalen) und dem Wunsch nach koedukativem Unterricht auftritt. Weitere Daten zu Korrelationen der einzelnen Altersgruppen und der unterschiedlichen Sportarten sowie Ergebnisse zu motivationale Faktoren werden präsentiert und es wird auch auf die Analyse der Organisationsform des Sportunterrichts (Sportklassen) eingegangen.


Psychologische Aspekte von Sportverletzungen

Nadja Walter, Marc-Oliver Löw, Sebastian Ernst

Universität Leipzig, Deutschland

Eine Reihe von Untersuchungen bestätigte die im Stress-Verletzungs-Modell von Williams und Andersen (1998) postulierten Zusammenhänge von Verletzungsinzidenz und den psychosozialen Variablen Persönlichkeit (z. B. Risikobereitschaft, Wettkampfangst), Stressvergangenheit (z. B. kritische Lebensereignisse, daily hassles) und Bewältigungsressourcen (u. a. Blackwell & McCullagh, 1990; Junge, 2000; Junge, Dvorak, Rösch, Graf-Baumann, Chomiak & Peterson, 2000; Kleinert, 2005, 2006; Petrie, 1993). Nach dem Stress-Verletzungs-Modell erleiden AthletInnen weitaus häufiger eine Sportverletzung, bei denen belastende Lebensereignisse vorliegen, die Defizite im Bereich Stressbewältigung aufweisen und/oder bei denen zudem bspw. eine auffällige Wettkampfängstlichkeit vorliegt. Bezüglich der Variable Stressvergangenheit finden sich jedoch nur wenig aktuelle Untersuchungen; eine der jüngeren stammt nach unserer Kenntnis von Ivarsson und Johnson (2010). Ziel der vorliegenden Studie ist daher die Untersuchung des Zusammenhangs von Stressvergangenheit und Sportverletzungen bei jungen LeistungsathletInnen als Beitrag zum aktuellen Forschungsstand. Mithilfe des Life Experiences Survey (LES; Sarason, Johnson & Siegel, 1978) wurden berufliche und schulische sowie private und sportbezogene Ereignisse und Veränderungen bei 96 TeilnehmerInnen (Alter: M = 17.5, SD = 4.9, 47 Männer, 49 Frauen) erfragt und im Hinblick auf deren möglichen Zusammenhang mit Sportverletzungen untersucht. Die insgesamt 25 verschiedenen Lebensereignisse wurden im ersten Schritt als positiv oder negativ und in einem zweiten Schritt hinsichtlich deren Einfluss auf einer 4-stufigen Skala (kein Einfluss bis großer Einfluss) bewertet. Varianzanalysen sowie lineare Regressionen zeigen, dass verletzte AthletInnen signifikant häufiger negative Ereignisse und Veränderungen (M = 3.2, SD = 2.5) berichten als nicht verletzte AthletInnen (M = 2.0, SD = 2.5) (F(1,94) = 5.424, p = .022, η2= .055). Zudem hat die Anzahl der als negativ beschriebenen Ereignisse und Veränderungen einen bedeutsamen Einfluss auf die Verletzungswahrscheinlichkeit (β = .372, p = .008). Das Risiko einer Sportverletzung stellt sich als sportartunabhängig (Mannschafts- vs. Individualsportart) und als unabhängig vom Geschlecht dar. Signifikante Unterschiede konnten jedoch hinsichtlich des Wettkampfniveaus (internationales vs. nationales vs. regionales Niveau) nachgewiesen werden (F(2,93) = 3.426, p = .037, η2= .069). Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die Summe der als negativ empfundenen Ereignisse und Veränderungen als ein relevanter Risikofaktor für Sportverletzungen zu betrachten ist. Insbesondere die Bewertung und im Nachfolgenden die Bewältigung verschiedener Veränderungen oder Erlebnisse scheint dabei eine wesentliche Rolle zu spielen und zieht praktische Implikationen nach sich.


Was will ich lernen - was kann ich schon? Erfassung themenspezifischer Studiermotivation bei Sportlehramtsstudierenden

Jens Kleinert, Fabian Pels

Deutsche Sporthochschule Köln, Deutschland

Die gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahren gehen mit neuen Herausforderungen für LehrerInnen einher. Zunehmend heterogene Klassenzusammensetzungen erfordern einen differenzierten und sensiblen Umgang mit SchülerInnen und erhöhen darüber hinaus das Stresspotenzial für Lehrkräfte. Diese Veränderungen erfordern auch für die universitäre Ausbildung neue Lehrinhalte. Fraglich ist jedoch, ob Studierende für diese Inhalte motiviert sind, wobei günstig für Studiermotivation eine hohe wahrgenommene Valenz des Themas (Bedeutungsperspektive) und eine eher niedrige eigene Kompetenzeinschätzung zum Thema (Lernperspektive) sind. Daher wird in der vorliegenden Studie untersucht, wie von Studierenden die thematische Valenz und die eigene Kompetenz (als Faktoren der Studiermotivation) in Hinsicht auf die Themen Inklusion, Schülermotivation und Stressbewältigung eingeschätzt werden. Befragt wurden 259 Sportlehramtsstudierende (Alter M = 21.64, SD = 2.67; 44.0% weiblich; 73.8% im ersten Semester). Das Fragebogeninstrument zur Studiermotivation besteht für jedes der drei Themen aus acht Items, aufgeteilt in themenspezifische Valenz (jeweils zwei Items zu Relevanz und Interesse) und themenspezifische Kompetenz (jeweils zwei Items zu Wissen und Fertigkeiten). Die Binärstruktur des Fragebogens wurde für jedes Thema mittels konfirmatorischer Faktorenanalysen geprüft. Sowohl die Faktoren Valenz und Kompetenz als auch die Differenz aus beiden (d. h. Studiermotivation) wurden mittels Messwiederholungsanalysen zwischen den drei Themen verglichen (inkl. Bonferroni-adjustierter post-hoc-t-Tests). Außerdem wurden jeweils Geschlechtseffekte geprüft und das Alter kontrolliert (Kovariate). Das angenommene zweifaktorielle Modell der Studiermotivation (Valenz x Kompetenz) konnte für alle drei Themen bestätigt werden (Inklusion/Schülermotivation/Stress: CMIN/DF = 1.65/1.85/1.57; CFI = .99/.99/.99; TLI = .99/.98/.98; RMSEA = .05/.06/.05). Unterschiede zwischen den Themen zeigen sich für Valenz (η2 = .024), Kompetenz (η2 = .086) und die Studiermotivation (η2 = .038): Die Valenz des Themas Schülermotivation wird höher eingeschätzt als die der Themen Stress und Inklusion. Kompetenzeinschätzungen für die Themen Stress und Schülermotivation liegen höher als für das Thema Inklusion. Die Studiermotivationen für die Themen Inklusion sowie Schülermotivation liegen im Vergleich zum Thema Stress höher. Geschlechtseffekte zeigen sich lediglich bei der Valenz (η2 = .029; das Thema Inklusion ist bei Frauen bedeutsamer als bei Männern). Studiermotivationen in der universitären Ausbildung von Sportlehrkräften unterscheiden sich je nach Thema. Insbesondere beim Thema Stressbewältigung schätzen Studierende die Bedeutsamkeit verhältnismäßig niedrig und die eigenen Kompetenzen verhältnismäßig hoch ein, was für die Studiermotivation in diesem Thema ungünstig erscheint. Für die Motivierung von Studierenden könnten die Daten Hinweise darauf geben, in welchen Themen der universitären Ausbildung die Bedeutsamkeit hervorgehoben werden sollte (Inklusion, Stress) oder wo die studentische Kompetenz kritischer hinterfragt werden könnte (Stress, Schülermotivation).


Lebensqualität bei jugendlichen LeistungssportlerInnen aus Mitteldeutschland

Sebastian Ernst, Nadja Walter, Marc-Oliver Löw

Universität Leipzig, Deutschland

Jedes sechste Kind und jeder fünfte Jugendliche in Deutschland leidet an einem hohen Stressmaß (Ziegler, 2015). Als Ursachen dafür werden wenig Freizeit, wenig Autonomie, Parentifizierung und hohe Erwartungen der Eltern angeführt. Dadurch fehlt den Kindern und Jugendlichen „selbstbestimmte Qualitätszeit“ (ebd. S. 3). Trifft dies auch auf die Zielgruppe der jugendlichen LeistungssportlerInnen zu? In dieser Studie sollen auf sportartspezifische bzw. leistungssporttypische Umstände zurückzuführende Beeinflussungsfaktoren auf die Lebensqualität analysiert werden. Insgesamt nahmen 114 NachwuchsleistungssportlerInnen (Alter: MW = 13.96; SD = 1.97; Geschlecht: w = 53; m = 61) an der Befragung, die zwischen Oktober 2015 und April 2016 mittels des Inventar zur Erfassung der Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen (ILK; Mattejat & Remschmidt, 2006) durchgeführt wurde, teil. Reliabilität und Validität des ILK wurden von Mattejat und Remschmidt (2006) als „zufriedenstellend und konzeptkonform“ (S. 9) eingeschätzt. Die Stichprobe setzte sich aus 28 EinzelsportlerInnen und 86 MannschaftssportlerInnen zusammen, welche in Mitteldeutschland in folgenden Sportarten aktiv sind und zum Teil die Sportschulen in Leipzig bzw. Halle besuchen: Turnen, Rhythmische Sportgymnastik, Schwimmen, Basketball, Fußball und Volleyball. T-Tests für unabhängige Stichproben ergaben keine signifikanten Unterschiede zwischen der wahrgenommenen Lebensqualität von InternatsschülerInnen (MW = 21.95; SD = 3.34) und Zuhause lebenden SchülerInnen (MW = 22.00; SD = 2.77). Beide Werte entsprechen einem Optimalitätsscore von 79%. Auch zwischen MannschaftssportlerInnen (MW = 22.98; SD = 2.77) und EinzelsportlerInnen (MW = 21.71; SD = 3.74) konnten keine Signifikanzen ermittelt werden. Jedoch unterscheiden sich diese beiden Gruppen bezüglich des Optimalitätsscores. So erreichen EinzelsportlerInnen einen Wert von 78%, wohingegen die MannschaftssportlerInnen einen Wert von 82% aufweisen. Der Faktor Unterbringung scheint daher bezüglich der empfundenen Lebensqualität eher von untergeordneter Bedeutung zu sein. Dies ist insoweit bemerkenswert, da Suldo, Thalji-Raitano, Hasemeyer, Gelley und Hoy (2013) postulieren, dass sich 19% der Varianz der Lebenszufriedenheit von Schulkindern über das Schulumfeld aufklären. Zusätzlich hat die Umgebung einer Eliteschule laut Elbe und Beckmann (2005) einen positiven Effekt auf die Persönlichkeitsentwicklung. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass in der Studie mögliche Unterschiede durch Alterseffekte verschleiert werden. Eine nach Altersgruppen gestaffelte Untersuchung ist angedacht und könnte Aufschluss hierüber liefern. Deskriptive Unterschiede im Rahmen des Optimalitätsscores zwischen Einzel- und MannschaftssportlerInnen lassen sich möglicherweise auf die verschiedenartigen Anforderungen (bzgl. Kommunikation, Kohäsion, Interdependenzen) zwischen Individual- und Teamsportarten zurückführen. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass durch das Zusammenfassen zahlreicher unterschiedlicher Sportarten Effekte ausbleiben könnten. In künftigen Studien könnten differenzierte Einteilungen der Sportarten gewählt werden.


Einflussfaktoren auf die subjektive Relevanz verschiedener potenzieller Vertrauenskomponenten in Volleyballmannschaften

Christina Plath

Universität Vechta, Deutschland

Das Konstrukt Vertrauen nimmt einen zentralen Stellenwert in interpersonalen sowie kollektiven Interaktionen und Beziehungen ein (Luhmann, 2014). Während entsprechende theoretische Ansätze und empirische Fundierungen bzgl. der Bedeutsamkeit von Vertrauen für organisationale und schulische Kontexte existieren (u. a. Mayer, Davis & Schoormann, 1995; Schweer, 2017), finden sich vergleichsweise wenige Analysen insbesondere für den Bereich des Sports (s. Dreiskämper, 2014). Dabei wird Vertrauen vor allem hinsichtlich der TrainerInnen-AthletInnen-Beziehung sowie bzgl. des Einflusses auf die Mannschaftsleistung diskutiert (Dirks, 2000; Mach et al., 2010). Gemäß einer differentiell-psychologischen Perspektive resultiert Vertrauen aus der komplexen Wechselwirkung personaler sowie situationaler Faktoren und ist folglich als bereichsspezifisch anzusehen (Schweer, 2014). Infolgedessen ist davon auszugehen, dass kontextspezifische Vertrauenskomponenten existieren, die sich hinsichtlich der subjektiven Bewertung der Bedeutsamkeit interindividuell unterscheiden und Einfluss auf die Vertrauensgenese ausüben. Ziel dieser Studie ist es, die Bedeutsamkeit potenzieller Vertrauenskomponenten insbesondere für interagierende Sportarten am Beispiel der Sportart Volleyball zu identifizieren. Auf Grundlage der Ergebnisse einer leitfadengestützten Interviewstudie (N = 12) wurde ein Fragebogen entwickelt, der u. a. die Bedeutsamkeit von zwölf verschiedenen Komponenten für das Vertrauensklima (Akzeptanz von Persönlichkeitstypen, Hilfestellung, Unterstützung bei persönlichen Problemen, Zusammenhalt in kritischen Phasen, fairer Umgang, ehrliche Rückmeldung zu sportlicher Leistung, gegenseitiger Respekt, Wertschätzung sportlicher Leistung, freundschaftliche Beziehungen, offene Kommunikation, Verschwiegenheit, Ehrlichkeit) innerhalb von Volleyballmannschaften via dreistufiger Ratingskala erfasst. Die Erhebung wurde im Nachwuchsleistungsbereich (N = 150) durchgeführt. Darüber hinaus wurden weitere personale und situationale Variablen (Geschlecht, Liga, Position, Startaufstellung, Trainingshäufigkeit pro Woche, Aktivitätsdauer, Führungsposition) erfasst und hinsichtlich eines möglichen Einflusses auf die Relevanz der potenziellen Vertrauenskomponenten ausgewertet. Den Komponenten „Zusammenhalt in kritischen Phasen“, und „gegenseitiger Respekt“ messen die ProbandInnen prozentual die größte Bedeutung bzgl. des mannschaftlichen Vertrauensklimas zu. Bzgl. der personalen Faktoren „Position“ und „Führungsposition“ sowie der situationalen Faktoren „Liga“, „Startaufstellung“ und „Trainingshäufigkeit“ zeigen sich signifikante Unterschiede mindestens hinsichtlich einer der zwölf Komponenten, während sich dies nicht für die Variablen „Geschlecht“ und „Aktivitätsdauer“ zeigt. Es bestehen signifikante Zusammenhänge zwischen „Aktivitätsdauer“ und der Komponente „fairer Umgang“ (p = .021, ρ = -.192), zwischen „Führungsposition“ und der Komponente „Verschwiegenheit über mannschaftsinterne Angelegenheiten“ (p = .018, ρ = -.205) sowie zwischen „Startaufstellung“ und der Komponente „Verschwiegenheit über mannschaftsinterne Angelegenheiten“ (p = .006, ρ = -.236). Die Ergebnisse ermöglichen erste kontextspezifische Aussagen über die Bedeutsamkeit von Komponenten, die im Rahmen mannschaftlicher Vertrauensgenese eine wesentliche Rolle spielen. Limitierend ist anzumerken, dass sich mit den Ergebnissen ausschließlich Aussagen über den Nachwuchsleistungsbereich treffen lassen. Zukünftig sollte die Übertragbarkeit der Befunde auf Leistungsmannschaften im Erwachsenenbereich überprüft werden.


Der Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und dem Erholungs-Beanspruchungszustand nach physischer Belastung und anschließender Erholung

Annika Hof zum Berge1, Andrea Führer1, Maximilian Pelka1, Michael Kellmann1,2

1Ruhr-Universität Bochum, Deutschland; 2University of Queensland, Australia

Optimale Leistungen im Sport sind nur zu erbringen, wenn sich Sportler nach einem Wettkampf angemessen erholen und eine Balance zwischen Trainingsbelastung und adäquater Erholung finden können (Rowbottom et al., 1998). Bisherige wissenschaftlich überprüfte Erholungsstrategien zielen vorwiegend auf eine Veränderung des Erregungszustandes durch das Konzept der Kognitiven Verhaltenstherapie (Heidenreich et al., 2007) ab. Anders als kontrollbasierte Handlungskonzepte, die versuchen negative Emotionen zu eliminieren und durch positive zu ersetzen, setzt sich der achtsamkeitsbasierte Ansatz ein nicht bewertendes Bewusstsein und die Akzeptanz des eigenen psychischen Zustands zum Ziel (Jekauc & Kittler, 2015). Bisherige Studien zur Achtsamkeit im Sport konzentrierten sich primär auf den Einfluss von Achtsamkeit auf die Leistungsfähigkeit. Studien zum Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und dem Erholungs-Beanspruchungszustand von Sportlern liegen bisher nicht vor. Zielsetzung der Studie war es erste empirische Belege für diesen Zusammenhang sowohl nach physischer Beanspruchung als auch anschließender Erholung zu finden. 41 Studierende (22.24 ± 3.6 Jahre; sportliche Tätigkeit 6.54 ± 2.93 Std./Woche) absolvierten einen submaximalen Stufenbelastungstest, gefolgt von einer 25-minütigen Erholungsphase in einem abgedunkelten Raum mit Bett. Subjektive Erholungs- und Beanspruchungswerte wurden nach Belastung und nach Erholung mit der Kurzskala Erholung und Beanspruchung (KEB; Kellmann et al., 2016), bestehend aus vier Erholungs- und vier Beanspruchungsitems, ermittelt. Achtsamkeitswerte wurden nach der Belastung mit der deutschen Kurzversion des Kentucky Inventory of Mindfulness Skills (KIMS-Short; Höfling et al., 2011) erhoben, welche aus 20 Items, aufgeteilt auf vier Subskalen, besteht. KEB-Items und KIMS-Short-Subskalen korrelierten nach der Belastung nicht signifikant. Nach der Erholungsphase korrelierte die KIMS-Short-Subskala Beschreiben mit Körperliche Leistungsfähigkeit (rs = .32, p < .05), Emotionale Ausgeglichenheit (rs = .48, p < .01), Muskuläre Beanspruchung (rs = -.41, p < .01), sowie Allgemeiner Beanspruchungszustand (rs = -.36, p < .05). Die KIMS-Short-Subskala Mit Aufmerksamkeit Handeln korrelierte mit Emotionale Ausgeglichenheit (rs = .40, p < .05), Aktivierungsmangel (rs = -.39, p < .05) und Emotionale Unausgeglichenheit (rs = -.38, p < .05). Insgesamt zeigt sich, dass Achtsamkeit zwar nicht mit dem Empfinden von Erholung und Beanspruchung unmittelbar nach physischer Belastung zusammenzuhängen scheint, jedoch mit dem Erholungs-Beanspruchungszustand nach einer Erholungsphase. Der Ausdruck des eigenen Zustandes (Beschreiben) scheint sowohl mit körperlicher als auch emotionaler Empfindung einherzugehen, während das aufmerksame Handeln die emotionale Befindlichkeit abzudecken scheint. Weitere Studien sollten daher überprüfen, ob ein gezieltes Achtsamkeitstraining bei SportlerInnen (zum Beispiel in Anlehnung an Kaufman et al., 2009) deren Regenerationsfähigkeit und Erholungsprozess sowohl subjektiv als auch objektiv (auf physiologischer Ebene) optimieren kann. Eine Ausweitung der Erkenntnisse auf den Leistungssportkontext ist ebenfalls anzustreben.


Qualitätsmanagement im Nachwuchsleistungssport - Entwicklung eines Instrumentes zur Qualitätssicherung im Nachwuchsleistungsfußball.

Michael Kellmann, Fabian Loch

Ruhr-Universität Bochum, Deutschland

Die Hauptaufgabe der Nachwuchsleistungszentren (NLZ) im Fußball besteht darin, eine qualitativ hohe Ausbildung und Betreuung der Talente zu gewährleisten. Neben dem sportlichen nimmt auch das soziale Umfeld, insbesondere die Eltern mit ihrer besonderen Unterstützungsrolle, einen entscheidenden moderierenden Einfluss auf einen erfolgreichen Karriereweg (Martindale et al., 2010). Wissenschaftliche Ansätze zur Qualitätssicherung der Talentförderung und -betreuung im Nachwuchsleistungsfußball liegen bislang nicht vor. Das Ziel der Studie war es, Testitems zu generieren sowie ein Erhebungsinstrument zu entwickeln, das zunächst aus Elternsicht die subjektive Qualitätsbeurteilung (Zufriedenheit) der Nachwuchsförderung misst, um damit Stärken und Entwicklungspotenziale der Nachwuchsförderung im NLZ zu ermitteln. Zur Fragebogenkonstruktion wurden mittels Literatursichtung und Interviews (N = 24) Untersuchungsdimensionen entwickelt, die die Nachwuchsförderung im NLZ abbilden. Hieraus sind sechs inhaltliche Qualitätsdimensionen mit insgesamt 30 Aussagen zur Einschätzung der Jugendarbeit aus Elternsicht entstanden. Offene Fragen, die auf Stärken und Optimierungsmöglichkeiten abzielen, ergänzen die jeweiligen Dimensionen. Die Daten von insgesamt 103 Eltern bzw. Elternteilen (U9 bis U16) konnten ausgewertet werden. Der Zugang zur Stichprobe wurde über die Kontaktdaten des NLZs realisiert. Zur statistischen Analyse der Fragebogenstruktur und Reliabilität wurde eine explorative Faktorenanalyse (EFA) als Hauptachsenanalyse mit Promax-Rotation durchgeführt sowie die interne Konsistenz (Cronbach-Alpha) getestet. Für die vorliegenden Daten zeigte der Bartlett-Test auf Sphärizität (χ2 = 2004.334; df = 435; p < .001) sowie der Kaiser-Meyer-Olkin-Test (KMO = .889) signifikante Ergebnisse. Die Berechnung der Faktorenanalyse ergab ein sechs-Faktorenmodell des Fragebogens mit Eigenwerten von 12.19 bis 1.12, die insgesamt 67% der Gesamtvarianz erklärten. Die Faktorladungen lagen in einem Bereich von .353 bis .979. Die Testung der internen Konsistenz erzielte unbefriedigende bis sehr gute Cronbach-Alpha Werte (α = .65 bis .94). Anhand dieser Analyseergebnisse wurden Testitems eliminiert bzw. neu formuliert sowie ein ermittelter Faktor in zwei inhaltlich differenzierte Faktoren (Sportliche Betreuung & Ausbildungsphilosophie) getrennt. Die ermittelte erweiterte Fragebogenversion umfasst sieben Faktoren (Sportliche Betreuung, Ausbildungsphilosophie, Betreuung & Kommunikation, Schulische Ausbildung, Infrastruktur für Eltern, Trainingsgelände & Sportliche Ausstattung, Doppelbelastung Sport & Schule) mit 44 Testitems sowie der optionalen Dimension Fahrdienst (6 Items). Eine statistische Überprüfung dieser Fragebogenstruktur steht noch aus. Um die Faktorenstruktur zu verbessern, sollten nachfolgende Studien die erweiterte Fragebogenversion und die Reliabilität erneut testen sowie die Modellgüte mittels konfirmatorischer Faktorenanalyse überprüfen. Ergänzende Befragungen von JugendspielerInnen und MitarbeiterInnen scheinen sinnvoll, um ein valides Instrument zur Qualitätssicherung für die Praxis im NLZ nutzbar zu machen.


Guidelines for optimally assisting athletes out of sport under a career span developmental perspective

Erika Ruchti, Daniel Birrer, Gareth Morgan

Eidgenössische Hochschule für Sport Magglingen, Schweiz

An important topic in sport psychological consultations are career transitions of talented and elite athletes. To date a less noticed transition is the athletic retirement. The aim of the proposed guidelines is to provide a systematic theory-based support for sport psychologists working with athletes that are considering retiring. Based on a narrative review guidelines for beneficial support of elite athletes’ transition out of sport are outlined. They are based on the working model of Kuettel et al. (2017), on the holistic lifespan model of Wylleman and Lavallee (2004), and on the FTEM (Foundations, Talent, Elite, Mastery) framework of Gulbin et al. (2013). The working model recommends considering three domains to identify a highly successful transition: low perceived adaptation difficulties in different life domains, a short duration of the adaptation process, and a high satisfaction with the transition. The lifespan model proposes five specific career levels to consider in the transition of athletes, which we combine with ten developmental phases stemming from the FTEM. On the base of this three, theories, models and findings on athletic retirement were sighted in an extensive literature search. The literature suggests transition demands, potential resources and barriers, characteristics of the individual, the career end and the environment as predictors of the transition quality. Based on these considerations, a chart flow was constructed with relevant questions that an applied sport psychologist may consider when supporting athletes during the transition to the discontinuation. Example questions are: how satisfied are you with the transition? How supportive is your private and sport environment? Did you voluntarily end your career? We suggest that career retirement guidelines should holistically support athletes’ transition out of sport and into their career after elite sport considering career span development.


Effect of a sensory motor exercise program on motor proficiency and reading in children with dyslexia

Fahimeh Habibifar1, Alireza Farsi1, Fariba Pirvandi1, Behrouz Abdoli1, Jalil Fathabadi2

1Department of behavioral and cognitive sciences in sport, faculty of sport sciences and health, Shahid Beheshti University (SBU),Tehran, Iran, Islamische Republik; 2Department of psychology, Shahid Beheshti university, Tehran, Iran

Dyslexia as a disability with a neurobiological origin. 4% of school-aged children. In the course of our study, we investigate the effect of a sensory-motor program on the reading and the fine and big motor skills of children with dyslexia. 16 children with dyslexia aged 7-8 years without any other neuropsychological disorder background (e.g. ADHD, mental retardation). The experimental group underwent sixteen 45-minutes sessions of a sensory-motor program. The participants were evaluated by Bruininks-Oseretsky Test of Motor Proficiency (BOT-2) and Reading and Dyslexia Test (NEMA) in a pre-posttest design. A series of test results. After 16 sessions of the motor intervention, Bruininks-Oseretsky Test of Motor Proficiency. In addition, our sensory-motor exercises greatly enhanced reading skills in the experimental group. The pattern of results revealed that sensory-motor-based exercise enhances motor proficiency and reading skill in children with dyslexia. Therefore, sensory-motor exercises could be used by therapists to mitigate impairments in children with dyslexia. The results are explained by the cerebellar deficit hypothesis.


Zusammenhang der Leistungsauffälligkeit motorischer Fähigkeiten und der Spielleistung im Eishockey

Lars Lenze, Pascal Stegmann, Claudia Zuber

Institut für Sportwissenschaft, Universität Bern, Schweiz

Das Problem einer erfolgreichen Talentprognose und der Selektion von möglichen zukünftigen Topathleten mittels motorischer Tests konnte von Seiten der Talentforschung noch nicht abschliessend mit (prädiktiv) validen Kriterien gelöst werden (Lidor, Côté & Hackfort, 2009). Im Eishockey werden motorische Testresultate neben dem Eis beispielsweise beim NHL Combine Test vor dem NHL Draft als einzige objektive Kriterien nebst Spielstatistiken zur Leistungsbeurteilung der Spieler hinzugezogen (Wood, 2008). Ein Blick auf bisherige Studien aus Nordamerika zeigt, dass mittlere bis starke Zusammenhänge zwischen motorischen Tests neben dem Eis und der (späteren) Spielleistung bestehen (Burr, Jamnik, Dogra & Gledhill, 2007; Fennert, 2013). Tarter et al. (2009) konnten mit einer motorischen Testbatterie die spätere Leistung mit über 60% Wahrscheinlichkeit bestimmen. Diese Resultate konnten bislang nicht auf den europäischen bzw. Schweizer Eishockeysport generalisiert werden. Das Ziel dieser Untersuchung ist es deshalb zu prüfen, ob neben dem Eis erhobene motorische Tests als Prädiktoren in der Talentselektion für die Juniorennationalteams im Schweizer Eishockey eingesetzt werden können. Dazu wurden Spitzennachwuchseishockeyspieler getestet (N = 54, MAlter = 16.85, SDAlter = 1.46). Als motorische Tests wurden zwei Wendigkeitstests (T-Test und 20 Yard Shuttle Test; Wood, 2008), zwei Sprungtests (Squat Jump und Counter Movement Jump; Bös, 2001) sowie ein 20m Sprint (Bös, 2001) verwendet. Zur Messung der Spielleistung wurden Trainereinschätzungen des Cheftrainers und die Zugehörigkeit zu einem Junioren-Nationalkader am Ende der darauffolgenden Saison hinzugenommen. Es zeigten sich signifikante Zusammenhänge zwischen allen motorischen Tests ausser dem Squat Jump und der Trainereinschätzung zur Spielleistung, wobei die Wendigkeitstests den stärksten Zusammenhang aufwiesen (20 Yard Shuttle Test r = .51, T-Test r = .49, 20m Sprint r = .43, Counter Movement Jump r = .40, Squat Jump r = .22). Bezüglich Nationalmannschaftszugehörigkeit konnte nur für den 20 Yard Shuttle Test ein signifikanter Unterschied mit besseren Leistungen der Nationalspieler ermittelt werden (t(53) = 2.91, p = .005, d = 0.79). Der Gesamtscore der fünf motorischen Tests korrelierte mit der eingeschätzten Spielleistung mit r = .48. Die Ergebnisse machen deutlich, dass motorische Tests neben dem Eis auch in der Schweiz einen Zusammenhang mit der Spielleistung aufweisen. Die Wendigkeit zeigte sich hier als besonders aussagekräftige Fähigkeit. Diese Befunde weisen insofern auf eine Relevanz von motorischen Fähigkeiten als Talentmerkmal im Eishockey über einen Zeitraum von einer Saison hin, so dass dieses Talentmerkmal als eines von vielen Teilkriterien berücksichtigt werden kann. In Zukunft ist zu prüfen, ob sich die gefundenen Ergebnisse auch über einen längeren Zeitraum, bestenfalls bis ins Höchstleistungsalter, generalisieren lassen.


The effect of task difficulty and visual feedback on balance and muscle activity in elderly women

Alireza Farsi, Fahimeh Habibifar, Hadis Kavianipour

Department of behavioral and cognitive sciences in sport, faculty of sport sciences and health, Shahid Beheshti University(SBU),Tehran, Iran, Islamische Republik

The purpose of present study was to determine the effect of different levels of balance task difficulty and visual feedback on balance and activity of selected muscles in elderly women. Fourteen healthy elderly women (mean age 57.65 yrs) were selected voluntarily. Participants were asked to stand still on a stability platform under two conditions (with visual feedback and without visual feedback) in three levels of difficulty (6, 8, and 10). Stability index scores (Overall, Anterior- Posterior and Medial-Lateral index) were calculated by a Biodex Balance System. EMG activity of gastrocnemius, tibialis anterior, peroneus longus, rectus femoris and biceps femoris muscle were measured with surface electromyography. Duration of each test was 20 seconds and the rest times were 20 seconds. Findings showed that with increasing task difficulty, score of Medial-Lateral balance (p = 0.02) and EMG activity of rectus femoris (p < 0.001), gastrocnemius EMG (p = 0.01), tibialis anterior (p < 0.001) increased significantly. In addition, there was a significant decrease in the scores of overall balance (p = 0.001), anterior-posterior balance (p = 0.01) and Medial-Lateral balance (p = 0.01) and significant increase in rectus femoris (p < 0.001), peroneus longus (p = 0.01), biceps femoris (p = 0.003) EMG activity in visual feedback condition compared to without feedback condition. The pattern of the results showed that increasing task difficulty increases postural sway and availability of visual feedback can improve balance and reduce the postural sway in elderly women.


Herausforderungen beim Einstieg in den Spitzensport aus Sicht junger Handball-NationalspielerInnen

Marion Sulprizio1,3, Jeannine Ohlert1,2, Pia von Keutz1

1Deutsche Sporthochschule Köln, Deutschland; 2Das Deutsche Forschungszentrum für Leistungssport - momentum; 3MentalGestärkt

Für jugendliche SportlerInnen stellt der Übergang vom Breitensport in den Leistungs- und anschließend Spitzensport häufig eine Phase dar, in welcher erstmalig im eigenen Leben wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen, z. B. Wechsel in einen höherklassigen Verein, Umzug ins Sportinternat oder Steigerung der Trainingsumfänge (Alfermann, 2006). Eine sportpsychologische Unterstützung kann helfen, diese besondere Lebensphase optimal zu bewältigen. Ziel der Studie war es daher, die besonderen Bedarfe jugendlicher Handball-NationalspielerInnen in dieser Phase zu erfragen, um adäquate Unterstützung leisten zu können. Mittels strukturierter Interviews wurden sowohl zwölf jugendliche NationalspielerInnen (sechs männlich, sechs weiblich, 15-16 Jahre) als auch zwölf Junior-NationalspielerInnen (sechs männlich, sechs weiblich, 17-20 Jahre) des Deutschen Handballbundes (DHB) zu ihren aktuellen respektive vergangenen Entscheidungen sowie dem jeweiligen Unterstützungsbedarf durch die Sportpsychologie befragt. Die Interviews wurden inhaltsanalytisch ausgewertet. Die Mehrheit der Befragten empfand bzw. empfindet den Einstieg in den Spitzensport als Herausforderung und tut/tat sich relativ schwer mit den in diesem Zusammenhang zu treffenden Entscheidungen, weil beispielsweise das Elternhaus verlassen werden und/oder der Verein gewechselt werden sollte. Zudem wurde die erste Phase in einer neuen Umgebung (Verein oder Internat) als Herausforderung empfunden. Rückhalt und Hilfe erfahren viele durch ihre Familie, aber auch durch Trainer. Die meisten befürworten zusätzlich eine Unterstützung durch die Sportpsychologie für bzw. nach diesen wichtigen Entscheidungen. Lediglich jeweils zwei der Jugend- und JuniorInnen-NationalspielerInnen waren der Meinung, dass ihnen die Sportpsychologie in dieser Phase nicht helfen könne. An relevanten Themen wurden neben der Doppelbelastung und zeitlichen Koordination von Schule und Sport vor allem der Wechsel in ein fremdes Umfeld sowie die Trennung von der eigenen Familie als bedeutsame Herausforderungen genannt. Junge HandballspielerInnen erleben den Einstieg in den Spitzensport durchaus als Herausforderung, bei der sie sich Unterstützung durch die Sportpsychologie wünschen. Basierend auf den in den Interviews generierten Themen wurden anschließend bei mehreren DHB-Lehrgängen sportpsychologische Workshops mit den jüngsten DHB-KaderspielerInnen durchgeführt, um diese hinsichtlich der bereits getroffenen sowie anstehenden Entscheidungen zu unterstützen. Abschließend wird eine Evaluation der Workshops durchgeführt, um diese ggf. langfristig in die Jugendförderung des DHB integrieren zu können. Zu beachten ist, dass die Ergebnisse aufgrund ihrer Fokussierung auf Handball nicht ohne weiteres auf andere Sportarten zu übertragen sind.


Faulty assumptions and the potential inflating effect on doping prevalence figures: Exploring noncompliance in the Unrelated Question Model

Sebastian Brückner1,2, Andrea Petróczi2

1Olympiastützpunkt Saarbrücken, Deutschland; 2Kingston University London, UK

Equivocal information on doping prevalence has prompted the World Anti-Doping Agency (WADA) to explore alternative methods for prevalence estimation. In epidemiology, indirect estimation methods are used to reduce self-protective evasive responding (Pitsch, 2015). One such model, the Unrelated Question Model (UQM, Greenberg et al., 1969) - which consists of two questions, only one of which refers to the sensitive area being researched - was piloted by WADA at two major sporting events; and resulted in significantly higher prevalence rate (43,6% and 57,1%, respectively) than laboratory tests (< 2%) or the Athlete Biological passport (14%). Despite enhanced protection, estimation models remain susceptible to noncompliance (NC). Such NC to the randomisation process underlying the UQM might be responsible for the large discrepancy between the UQM estimation and the previously available prevalence information. The present study tested the assumption of a potential inflating effect of NC to UQM randomisation. Behaviour that violates business code of ethics was selected to better understand cognitive processes that underlie compliance with instructions, trust in the protection provided and motivation for honest/dishonest responding. Business ethics violation was considered a good model for doping violation in elite sport. Participants were invited through Surveymonkey data collection service and randomly assigned to one of two versions of the UQM. Both versions offered an equal level of protection but differed in the degree of control over the randomisation process. 124 participants completed the study (40.3% male; mean age: 45.82 ± 16.17 years; no significant age difference between the groups [p > .05]). Participants in the group with no control over randomisation found completing the survey easier but also felt more exposed and trusted less in the survey. The most often cited reasons for compliance were: participants valuing honesty (35.5%; significantly different from all other factors [p < .001]), trust in methodology (15.8%), and severity of the consequences if exposed (14.6%). Responses supported the hypothesis that if participants are given the option to control randomisation, changing the controllable parameter so the sensitive question can be avoided is the commonly used method (Fisher's exact χ2 = 14.12; p = .003); and it is not even considered cheating. Taken together, the results show that safe survey conditions protecting against exposure and consequences are not sufficient for admitting transgression. Non-compliance was present despite anonymity and added protection. Next, focus groups with elite athletes will be conducted to explore their views on the issues emerged.


Der Putting-Yips bei Squashspielern: Einfluss der Sportbiografie?

Martin Klämpfl, Joshua Amponsah, Tobias Schaltonat

Department für Sportwissenschaft, Universität der Bundeswehr München

Der Yips beeinträchtigt als aufgabenspezifische unwillkürliche Bewegungen die Leistungen von AthletInnen. Vielfältige aber noch ungeklärte Ursachen wurden bisher berichtet, die einerseits in der Neurologie und andererseits in der Psychologie angesiedelt sind (z. B., Lobinger, Klämpfl & Altenmüller, 2014). Der Yips als motorisches Phänomen vereint beide Bereiche und wird als konditionierte Reaktion charakterisiert. Die konditionierte Reaktion könnte u. a. über die individuelle Sporterfahrung angeeignet sein (Marquardt, 2009). Erste Untersuchungen deuten auf einen Zusammenhang zwischen der Sportbiografie, genauer gesagt der individuellen Erfahrungen in Schlägersportarten, und den Putting-Yips (Klämpfl, Philippen & Lobinger, 2014). Das Ziel der vorliegenden Studie war diesen Zusammenhang empirisch zu untersuchen. Squashspieler (N = 22; Alter: M = 45 Jahre, SD = 14; Squash-Erfahrung: M = 22 Jahre, SD = 10; Squash-Häufigkeit: M = 3 Stunden pro Woche, SD = 2) ohne Golfvorerfahrung führten einhändige 1Meter-Putts jeweils sieben Mal in vier verschiedenen Bedingungen (rechts/links vorwärts/rückwärts) aus. Dabei wurde der Arm- und Schlägerbereich mit einer Kamera aufgenommen und die Leistung (Anzahl gelochter Putts) festgehalten. Über ein Expertenvideorating wurden 32% der Squashspieler mit einem Putting-Yips identifiziert (schwach: n = 4; mittel: n = 1; stark: n = 2), der nur in einer Puttingbedingung (rechts vorwärts) auftrat. Es gab keinen Leistungsunterschied zwischen Yips-Betroffenen (M = 4.7, SD = 2.6) und Unbetroffenen (M = 6.1, SD = 1.2), t(7.23) = 1.40, p = .204. Lediglich bei drei Yips-Betroffenen hatten die unwillkürlichen Bewegungen starke negative Auswirkungen auf die Leistung (Anzahl gelochter Putts ≤ 3 von 7 Putts). Der Putting-Yips trat bei Squashspielern ohne Golfvorerfahrung auf, was gegen die rein neurologische (aufgabenspezifische Erfahrung) und für die motorische Erklärung spricht. Zunächst wäre jedoch noch zu klären, ob der Putting-Yips ein generelles Phänomen ist und Personen ohne jegliche Sporterfahrung betroffen sein können. Zudem könnte untersucht werden, ob der Putting-Yips auch bevorzugt bei TennisspielerInnen in Erscheinung tritt, wie es zu einer Konditionierung in der Schlägersportart (z. B., Schlagtechnik und Spielerfahrung) kommt und sie auf das Putting übertragen wird.


Selbsteinschätzung, Zufriedenheit und wahrgenommenes Trainerverhalten bei jugendlichen FußballspielerInnen in Japan und Deutschland

Marc-Oliver Löw1, Dorothee Alfermann1, Yoshinori Okade2, Guido Geisler2, Masao Nakayama2

1Universität Leipzig, Deutschland; 2University of Tsukuba

Primäres Ziel dieser Studie ist ein Vergleich von jugendlichen AthletInnen aus Deutschland und Japan, die zwei kulturell unterschiedliche (z. B. in Kollektivismus und Sportsystem) und zugleich ähnliche Nationen (z. B. in Individualismus und Wirtschaftssystem) darstellen. Es wurden 216 männliche und 115 weibliche Mitglieder von leistungsorientierten Fußballteams in Japan und Deutschland im Alter von 14 bis 17 Jahren (U15 bis U18) im Hinblick auf motivationale Merkmale und wahrgenommenes Trainerverhalten befragt. Die ProbandInnen füllten standardisierte Fragebogen zur Zielorientierung (Task, Ego), Furcht vor negativer Bewertung (FNE), wahrgenommenen Kompetenzen, wahrgenommenem Trainerverhalten (LSS, CART-Q), motivationalem Trainingsklima (PMCSQ) und Zufriedenheit aus. Es wird erwartet, dass japanische AthletInnen wettbewerbsorientierter sind, ein stärker wettbewerbsorientiertes Trainingsklima wahrnehmen, ihre Kompetenzen niedriger einschätzen und eine höhere Furcht vor negativer Bewertung (FNE) äußern als Deutsche. Geschlechterunterschiede wurden überprüft, sind aber eher unbedeutend. Die Ergebnisse zeigen, wie vorhergesagt, eine höhere Ego-Orientierung und Furcht vor negativer Bewertung auf Seiten der japanischen FußballspielerInnen. Ebenso nehmen sie ein stärker wettbewerbsorientiertes Trainingsklima wahr, während sich im Aufgabenklima (Mastery Climate) keine Unterschiede zeigen. Die deutschen FußballerInnen zeigen eine höhere Aufgabenorientierung und nehmen bei den TrainerInnen mehr Instruktionsverhalten und emotionale Nähe wahr als die japanischen FußballerInnen. In der Selbsteinschätzung von sportlichen Kompetenzen weisen die deutschen ProbandInnen substantiell höhere Werte auf. Ebenfalls sind sie deutlich zufriedener mit Trainer/Training als die japanischen FußballerInnen. Zugleich aber lässt sich deren Zufriedenheit zu etwa 50% durch wahrgenommenes Trainerverhalten (Commitment, Positives Feedback) erklären, die Zufriedenheit der deutschen ProbandInnen nur zu 25% (Nähe/Closeness). Die Ergebnisse ähneln denen einer früheren Studie der Autoren mit japanischen und deutschen SchwimmerInnen (Alfermann, Geisler & Okade, 2013), wobei dort die Vorhersage der Zufriedenheit bei den japanischen SchwimmerInnen bei 50%, bei den deutschen nur bei null lag. Insgesamt lassen sich die Ergebnisse zum einen auf der Basis von kulturellen Unterschieden zwischen beiden Nationen erklären (cultural influence hypothesis), zum anderen als Folge des gemeinsamen Einflusses der Kultur des Wettkampfsports (athletic imperatives hypothesis).


Wie nehmen Fans und Nicht-Fans das Image von Fußball-Bundesligavereinen wahr? – Eine Imagemessung mit der Konzept-Mapping-Methode

Wolfgang Geise1, Fabian A. Geise2

1Hochschule Niederrhein, Deutschland; 2Universität Twente, Niederlande

Das Vereinsimage stellt eine zentrale Ziel-/Wirkungsgröße im Rahmen der identitätsorientierten Führung eines Fußball-Bundesligavereins dar (Woisetschläger et al., 2013; Burmann et al., 2012; Schilhaneck, 2008). Es ist das Fremdbild, d. h. die ganzheitliche und subjektiv geprägte Wahrnehmung des Vereins durch die relevanten Zielpersonen (Fans, Nicht-Fans, Sponsoren etc.). Für die Kontrolle und den Einsatz von Marketingmaßnahmen ist es für das Vereinsmanagement folglich notwendig zu wissen, wie das Image des Vereins von verschiedenen Zielgruppen wahrgenommen wird (Preuß, 2014; Riedmüller, 2014). Der Konzept-Mapping-Ansatz stellt ein offenes Image-Messverfahren dar (Esch, 2005). Charakteristisch für diesen Ansatz ist, dass sich die individuellen Vorstellungen/Assoziationen der Befragten als Knoten (= Konzepte) und die zwischen ihnen bestehenden Beziehungen als Kanten rekonstruieren lassen (Joiner, 1998). Diese offene Methode wird am Beispiel des Bundesligavereins Borussia Mönchengladbach dargestellt. Die Stichprobe beträgt 65 Studierende (21 Fans, 44 Nicht-Fans). Für die Erhebung und Analyse der Konzeptmaps der Befragten wurden drei Forschungsphasen durchlaufen: (1) Ermittlung der Konzepte für die individuellen Konzeptmaps einschließlich einer Einstellungsmessung, (2) grafische Darstellung der individuellen Konzeptmaps (= Konzept-Mapping; das Mapping schließt die Bewertung der einzelnen Konzepte von ++ (= 5) bis - - (= 1) durch die Befragten mit ein) und (3) inhaltsanalytische Zusammenfassung der individuellen Maps der Fans und Nicht-Fans zu je einer (interindividuellen) Makro-Konzeptmap. Eine Makro-Konzeptmap kann als rekonstruiertes gruppenspezifisches Vereinsimage aufgefasst werden. Hierbei stellen die einzelnen Makro-Konzepte die Kernelemente des Vereinsimages aus der Sicht der Fans bzw. Nicht-Fans dar. Für die Gruppe der Fans können 21 Makro-Konzepte identifiziert werden. Von diesen sind 19 (90,5 %) positiv, ein Makro-Konzept ist neutral und ein weiteres ist negativ ausgeprägt. Besonders positiv fallen z. B. die Makro-Konzepte Teilnahme Europa League (durchschnittlicher Makro-Konzeptwert 4,8), Gutes, nachhaltiges Wirtschaften im Verein (4,7), Fans/Fanszene (4,6) und Trainer L. Favre (4,6) auf; als negativ wurde die Imagefacette Ultras (1,8) beurteilt. Für die Gruppe der Nicht-Fans wurde ein Imagenetzwerk mit 23 Makro-Konzepten ermittelt. Von diesen sind 17 (73,9 %) positiv, vier sind neutral und zwei negativ ausgeprägt. Zu den am günstigsten ausgeprägten Makro-Konzepte zählen u.a. Viele sportliche Erfolge in der Vergangenheit (4,6), Trainer L. Favre (4,6) und Wirtschaftlich erfolgreicher Verein (4,4). Mit Ultras/Hooligans (1,3) und Derby/Rivalität mit 1. FC Köln (2,2) konnten zwei negative Makro-Konzepte aufgedeckt werden. Üblicherweise wird das Vereinsimage mit Hilfe geschlossener Multi-Item-Ansätze gemessen. Die Vor- und Nachteile der offenen Konzept-Mapping-Methode gegenüber geschlossenen Messansätzen werden im Einzelnen dargelegt. In diesem Zusammenhang wird auch auf Fragen der Reliabilitäts- und Validitätsprüfung eingegangen. Schließlich werden methodische Weiterentwicklungen dieses offenen Messansatzes aufgezeigt.


Validierung des Akutmaßes und der Kurzskala zur Erfassung von Erholung und Beanspruchung im Sport im Kindes- und Jugendalter

Sarah Kölling1, Michael Kellmann1,2

1Ruhr-Universität Bochum, Deutschland; 2University of Queensland, Australia

Das Akutmaß (AEB) und die Kurzskala (KEB) Erholung und Beanspruchung haben sich als praktikable Monitoringinstrumente im Leistungssport etabliert (Kellmann et al., 2016). Da bereits im Nachwuchsleistungssport hohe Trainingsumfänge und –intensitäten gängige Praxis sind, ist hier ein Monitoring und Regenerationsmanagement wichtig. Die Validierung der beiden Verfahren erfolgte jedoch mit jungen Erwachsenen (ab 16 Jahren). Das Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, die psychometrischen Eigenschaften im Altersbereich zwischen 10 und 16 Jahren zu untersuchen. Im ersten Schritt füllten 303 NachwuchsleistungssportlerInnen (14-16 Jahre) die Originalfragebögen AEB, bestehend aus 32 Adjektiven, die zu vier Erholungs- und vier Beanspruchungsskalen zusammengefasst werden, sowie die KEB, bei der die acht Skalen des AEB direkt als Items auf der 7-stufigen Likert-Skala (0-6) beantwortet werden, aus. Abweichend vom Original konnte „verstehe ich nicht“ als weitere Antwortmöglichkeit angekreuzt werden. Im zweiten Schritt wurden im AEB einige Items mit Beispielen sowie die KEB-Items jeweils mit einem Beispielsatz versehen und von 95 jüngeren Jugendlichen im Leistungssport (10-13 Jahre) ausgefüllt. Es wurden Berechnungen zur inneren Konsistenz (Cronbachs α), Trennschärfe sowie Korrelationen zwischen AEB-Skalen und KEB-Items durchgeführt. In der ersten Erhebung lag Cronbachs α bei den meisten AEB-Skalen zwischen .73 und .84, ausgenommen Emotionale Ausgeglichenheit (α = .60) und Emotionale Unausgeglichenheit (α = .66), während Cronbachs α für die Kurzskala Erholung bei α = .75 und Kurzskala Beanspruchung bei α = .70 lag. Korrelationen zwischen AEB und KEB lagen zwischen rs = .50 und .65. Nach Modifikation der Fragebögen lag bei den 10-13-Jährigen Cronbachs α zwischen .71 und .82; geringere Werte erzielten Mentale Leistungsfähigkeit (α = .68) und Emotionale Ausgeglichenheit (α = .50), wovon bei letzterer zwei Items niedrige Trennschärfe (rit < .30) aufwiesen. Weitere Trennschärfekoeffizienten lagen bei rit > .30. Bei der KEB lag Cronbachs α zwischen .80 und .83. AEB und KEB korrelierten zwischen rs = .51 und .67. Aufgrund der kleinen Stichprobe sind diese Ergebnisse als vorläufig zu betrachten, wobei der Einsatz der meisten Skalen bereits bei 10-13-Jährigen als vielversprechend eingestuft werden kann. Die Skala Emotionale Ausgeglichenheit sollte für ein besseres Verständnis modifiziert oder bei den Jüngeren von der Interpretation ausgeschlossen werden, was bereits im Manual angedeutet wurde (Kellmann et al., 2016). Die bisherigen Ergebnisse legen, in Anlehnung an Dreiskämper et al. (2015) nahe, dass bestehende Verfahren nicht ohne entsprechende Validierung bei der Zielpopulation der jüngeren Jugendlichen einzusetzen sind.


Der Einfluss der Wertigkeit unerwarteter Objekte auf Unaufmerksamkeitsblindheit

Dennis Redlich1, Carina Kreitz1, Daniel Memmert1, Robert Schnuerch2

1Deutsche Sporthochschule Köln, Deutschland; 2Universität Bonn, Deutschland

Das Phänomen der Unaufmerksamkeitsblindheit zeigt, dass wir deutlich erkennbare, aber unerwartet auftretende Objekte oft nicht bewusst wahrnehmen, wenn unsere Aufmerksamkeit einer anderen Aufgabe zugewandt ist. Dieser Fehler der bewussten Wahrnehmung spielt unter anderem im Sportkontext eine Rolle, wenn beispielsweise günstig platzierte, eigentlich klar sichtbare Anspielpartner in Ballsportarten übersehen werden. Frühere Forschung hat gezeigt, dass diverse situationale Faktoren beeinflussen, ob Unaufmerksamkeitsblindheit entsteht oder nicht. Unter anderem wird die bewusste Wahrnehmung von der persönlichen oder generellen Bedeutung eines Reizes beeinflusst. Dies führt zu der allgemeineren Annahme, dass die Wertigkeit des unerwarteten Objektes entscheidend dafür sein könnte, ob es wahrgenommen oder übersehen wird. Diese Überlegung passt zu neueren Modellen der selektiven Aufmerksamkeit, die postulieren, dass die wertbasierte Anziehung von Aufmerksamkeit ein dritter Mechanismus neben der endogenen, zielgerichteten sowie der exogenen, reizgesteuerten Orientierung ist. In einer Laborstudie (N = 200) wurde daher untersucht, ob der Wert, der mit den Eigenschaften eines Reizes assoziiert ist, das Auftreten von Unaufmerksamkeitsblindheit beeinflusst. Es wurde vorhergesagt, dass ein unerwartet erscheinendes Objekt, dessen zentrales visuelles Merkmal mit hoher finanzieller Belohnung assoziiert wird, mit höherer Wahrscheinlichkeit bewusst wahrgenommen wird als ein Reiz, dessen Haupteigenschaft mit niedriger Belohnung assoziiert wird. Die Probanden durchliefen zunächst eine Trainingsphase, in der eine implizite Assoziation zwischen verschiedenen Farben und einer darauffolgenden finanziellen Belohnung (hoch vs. niedrig) hergestellt wurde. Anschließend absolvierten sie eine zweite Aufgabe, in der ein unerwartetes Quadrat in einer der zuvor erlernten Farben erschien. Entgegen unserer Erwartung hatte die Höhe der Wertigkeit, die mit der Farbe des unerwarteten Objektes assoziiert war, keinerlei Einfluss auf die Entdeckenswahrscheinlichkeit dieses Objektes. Diese Befunde deuten darauf hin, dass wertbasierte Aufmerksamkeitsanziehung möglicherweise kleine, implizit messbare Effekte (wie verlangsamte Reaktionen) zur Folge hat, allerdings nicht darüber entscheidet, ob ein Reiz wahrgenommen wird oder nicht. Auch ist denkbar, dass die künstlich erlernte, monetäre Wertigkeit nicht vergleichbar ist mit natürlicheren Formen der Wertigkeit, die bekanntermaßen einen klaren Einfluss auf Unaufmerksamkeitsblindheit haben. Eine hohe finanzielle Belohnung, die im Laborexperiment kurzzeitig erlernt wird, hat demnach nicht die gleichen Effekte wie die subjektive Relevanz (z. B. des eigenen Namens) oder die überlernte Bedeutung biologischer Hinweisreize (z. B. von Gesichtern oder lebendigen Objekten). Die vorliegende Studie trägt somit sowohl zu einem besseren Verständnis der Mechanismen der Unaufmerksamkeitsblindheit als auch zu unserem Wissen über die Grenzen der wertbasierten Aufmerksamkeitsanziehung bei.


Entwicklung eines sportspezifischen Erhebungsinstruments zur Erfassung von Burnout bei Trainern (AVEM-Coaches)

Matthias Kempe1, Chris Englert2

1Deutsche Sporthoschschule Köln, Deutschland; 2Universität Bern, Schweiz

In den meisten Gesellschaftsbereichen wird das Problem Burnout mittlerweile verstärkt thematisiert und die frühzeitige Symptomerkennung ist in vielen verschiedenen Berufsgruppen (z. B. Manager, Ärzte und Lehrer) seit vielen Jahren Gegenstand der Forschung (Maslach & Leiter, 2016). Im Vergleich dazu ist das Thema Burnout in sportbezogenen Berufsgruppen (z. B. Trainer, Funktionsteam eines Trainerstabes) bislang wenig bis gar nicht erforscht worden (Maslach, Jackson & Leiter, 1997). Aufbauend auf diesem Kritikpunkt soll in diesem Forschungsprogramm ein sportspezifisches Erhebungsinstrument für Trainer und deren Funktionsteams zur Erfassung von Burnout entwickelt und validiert werden. Hierfür dient der Fragebogen des Arbeitsbezogenen Verhaltens– und Erlebensmusters (AVEM; Schaarschmidt & Fischer, 1996) zur Burnout-Diagnostik bei LehrerInnen als Grundlage. Der Vorteil dieses Ansatzes liegt, im Gegensatz zu anderen Fragebögen, u. a. darin, Personen auf Grund ihrer individuellen Ausprägungen einem von vier Typen zuzuordnen, die sich jeweils in ihrer Burnout Symptomatik unterscheiden. Die Items des AVEM wurden in einem ersten Schritt durch Expertenbefragungen von Trainern aus dem Bereichen Fußball, Basketball und Hockey sportspezifisch angepasst. Anschließend wurde die faktorielle Struktur des AVEM-Coaches überprüft. Hierfür wurden insgesamt 150 Trainer und MitarbeiterInnen aus dem Funktionsteam (Co-Trainer, Athletiktrainer, Scout) via einer online Version des AVEM-Coaches befragt. Als Einschlusskriterium wurde festgesetzt, dass die Trainertätigkeit hauptamtlich ausgeübt und zur Finanzierung des Lebensunterhaltes dienen muss. Zukünftige Studien werden u. a. darauf abzielen, die Konstruktvalidität und die Reliabilität des AVEM-Coaches zu überprüfen. Der AVEM-Coaches ermöglicht eine ökonomische Diagnose Burnout-gefährdeter Trainer und bietet somit die Möglichkeit, einer drohenden Burnout-Symptomatik zeitnah entgegenwirken zu können.


Kurzzeiteffekte von zwei unterschiedlichen Sportinterventionen (Joggen vs. Qigong) auf das aktuelle Wohlbefinden gesunder ProbandInnen

Andre Berwinkel1, Hey Stefan2, Weigelt Matthias1

1Universität Paderborn, Deutschland; 2movisens GmbH, Deutschland

Positive Effekte akuter Sport- und Bewegungsinterventionen auf das aktuelle Wohlbefinden sind für den aeroben Ausdauerbereich gut dokumentiert (Alfermann & Stoll, 1996; 2010), während körperwahrnehmungsbetonte Interventionen wenig erforscht sind. Vor diesem Hintergrund liefern dimensionale Ansätze im Bereich affektiver Reaktionen (u. a. Circumplex Modell, Ekkekakis, 2008) den Vorteil der sensitiven Veränderungsmessung. Diese Studie soll die Frage beantworten, ob sich die beiden unterschiedlich akzentuierten Sport- und Bewegungsinterventionen (Qigong vs. Joggen) auch unterschiedlich auf ausgewählte Parameter des aktuellen Wohlbefindens bei gesunden ProbandInnen auswirken und ob dieser Effekt abhängig von der Intensität der Interventionen ist? In dieser Studie wurden 25 gesunde ProbandInnen (Alter: 24,20 ± 3,16 Jahre, 8 ♂, 17 ♀) getestet. Die ProbandInnen absolvierten an drei aufeinanderfolgenden Wochen eine einmalige Einheit Qigong und Joggen sowie eine Kontrollbedingung (jeweils 60 Minuten an einem Termin pro Woche) im within-subject Design (Reihenfolge ausbalanciert/randomisiert). Zur psychologischen Diagnostik kam der Mehrdimensionale Befindlichkeitsfragebogen (MDBF; Dimensionen: Ruhe-Unruhe, gute-schlechte Stimmung, Wachheit-Müdigkeit), das Self-Assessment-Manikin (SAM; Dimensionen: Valenz, Aktiviertheit, Dominanz), die Feeling Scale (FS; Dimension: Stimmung) und die Felt-Arousal Scale (FAS; Dimension: Aktiviertheit) im Prä-Posttest Vergleich zum Einsatz. Der Kcal-Verbrauch wurde zur Erfassung der Intensität über Akzelerometer (movisens GmbH) erhoben. Die statistische Auswertung der Fragebögen erfolgte mittels Varianzanalysen für die Faktoren „Messzeitpunkt“ und „Intervention“ (Innersubjektfaktor) sowie „Reihenfolge der Intervention“ (Zwischensubjektfaktor). Es ergaben sich für nahezu alle gemessenen Parameter signifikante Haupteffekte für den Faktor „Intervention“ sowie signifikante Interaktionen der Faktoren „Messzeitpunkt“ x „Intervention“ (alle p’s < .05). Der Effekt für die Reihenfolge der Interventionen wurde nicht signifikant. Post-hoc Analysen lieferten Hinweise auf signifikante Unterschiede zwischen den Interventionen Qigong und Joggen hinsichtlich der Konstrukte Ruhe-Unruhe und Wachheit-Müdigkeit (MDBF), Aktiviertheit (SAM, FAS), Stimmung (Feeling Scale) und Dominanzerleben (SAM). Demnach sind die ProbandInnen nach einer Intervention Qigong signifikant ruhiger und gelassener, weniger aktiviert/entspannter und müder. Nach einer Intervention Joggen berichten die ProbandInnen über signifikant bessere Ergebnisse für die aktuelle Stimmung und das Dominanzerleben. Der Kcal-Verbrauch während der Jogging-Einheit (1,3 Kcal/KG) war höher als der während der Qigong-Einheit (7,7 Kcal/KG; p < .05). Es zeigten sich unterschiedliche Ergebnisse in Abhängigkeit der beiden Interventionen, welche sich mit der Erwartungshaltung in Bezug auf die Interventionen decken. Demnach scheint eine Intervention Joggen geeignet zu sein, um die Stimmung aufzuhellen (z. B. bei negativen Verstimmungen), während eine Intervention Qigong einen Entspannungszustand begünstigt. Die Unterschiede im Kcal-Verbrauch zwischen den Interventionen Qigong und Joggen deuten daraufhin, dass die Intensität der körperlichen Aktivität möglicherweise einen Einfluss auf die Effekte hat.


Profile motorisch-kognitiver Interferenzen bei Kindern und Jugendlichen

Nadja Schott, Pia Bönisch, Jasmin Fischer, Thomas Klotzbier

Universität Stuttgart, Deutschland

Die Fähigkeit zu Gehen und dabei gleichzeitig beispielsweise einen Text auf dem Mobiltelefon zu tippen, dabei Hindernissen aus dem Weg zu gehen sowie weitere Distraktoren aus der Umwelt auszublenden, verdeutlichen die Komplexität dieser Aufgabe (Hausdorff et al., 2005). Obwohl das Gehen bei Kindern und Jugendlichen ab 7 Jahren auf geraden Strecken bereits weitgehend automatisiert abläuft, könnten Zusatzaufgaben, die unterschiedliche kognitive Dimensionen (u. a. Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, Arbeitsgedächtnis, Inhibition) ansprechen auch zu unterschiedlichen motorischen Effekten führen (Al-Yaha et al., 2011). Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, welche der kognitiven Funktionen, die bei Kindern und Jugendlichen noch deutlichen Entwicklungsschüben unterworfen sind (Best, 2010), zu motorischen Leistungseinbußen oder –verbesserungen auf geraden Strecken bzw. einem Zick-Zack-Kurs führen. 72 Kinder und Jugendliche (10-14 Jahre; 48 Jungen, 24 Mädchen) bearbeiteten Aufgaben mit unterschiedlichem kognitiven Load (Einfach-RT, n-back, Stroop, serielle Substraktionsaufgabe, Uhraufgabe; Walshe, Patterson, Commins & Roche, 2015; Trail-Walking-Test, Schott, 2015) sowohl unter Einzel-, als auch unter Doppelaufgabenbedingung. Die motorische Aufgabe bestand aus dem Gehen um ein 5x5m großes Quadrat für 60 Sekunden; einzig beim Trail-Walking-Test absolvieren die Probanden einen Zick-Zack-Kurs von 42m Länge. Für jede Aufgabe werden motorische und kognitive Doppelaufgabenkosten (DAK) berechnet (Hall, Echt, Wolf & Rogers, 2011). Unabhängig von der Art der kognitiven Aufgabe sowie von Alter und Geschlecht resultierten alle Zusatzaufgaben in Abnahmen in der Gehgeschwindigkeit im Vergleich zur Baseline (p < .001). Während verschiedene Aufgaben, die die exekutiven Funktionen ansprechen, vergleichbare DAKs beim Geradeausgehen bedingen (~15 bis 20%), verursacht bereits eine einfache Aufgabe zur Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit höhere DAKs auf einem Zick-Zack-Kurs (36%), eine Aufgabe zur kognitiven Flexibilität resultiert in DAKS von durchschnittlich 96%. Deutliche Verluste in der Lösungsrate von Einzel- zu Doppelaufgabe ergaben sich für die Uhraufgabe (73%), n-back (53%), und Stroop (22%), nicht aber die serielle Substraktionsaufgabe (-0.05%). Die vorliegenden Ergebnisse verdeutlichen die unterschiedlichen Effekte, die kognitive Aufgaben mit niedrigem und hohem Load auf die Gehgeschwindigkeit haben können. Darüber hinaus führt die Variation in der motorischen Aufgabe zu deutlicheren Effekten bzgl. der Doppelaufgabenkosten. In zukünftigen Studien müssen nun spezifische Gangparameter (u. a. Harmonic Ratio) sowie die neuronalen Korrelate der verschiedenen Kombinationen motorischer und kognitiver Aufgaben untersucht werden.


Gesundheitlicher Nutzen von Bewegung bei Studierenden hinsichtlich der Förderung des Wohlbefindens in Abhängigkeit vom Bewegungscharakter

Daniel Waschkowski, Jürgen Gießing

Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, Deutschland

Aktuelle Studien stellen bei Studierenden ein vergleichsweise hohes Stresslevel fest (vgl. Herbst et al., 2016; Brandl-Bredenbeck et al., 2013), das sich auch in einem steigenden Behandlungsbedarf im Bereich psychischer Erkrankungen niederschlägt, welcher bei Studierenden fast doppelt so hoch wie in der Gruppe gleichaltriger Erwerbstätiger liegt (vgl. Techniker Krankenkasse, 2015). Ausgehend von der These von Berger (1996), nach der Sport vor allem dann positive Wirkung auf das psychische Wohlbefinden hat, wenn er um seiner selbst willen im Sinne eines „Playouts“ und weniger als „Workout“ betrachtet wird (vgl. Gerber, 2009), wurden Zusammenhänge zwischen dem körperlichen und psychischen Wohlbefinden und verschiedenen „Bewegungsarten“ untersucht. Um den Grad der Stressbelastung sowie das Wohlbefinden der Studierenden zu erfassen und Zusammenhänge mit dem Bewegungsverhalten der Studierenden im Alltag sowie im Sport zu überprüfen, wurden N = 220 Studierende (n = 139 weiblich) der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau im Alter von 18 bis 34 Jahren (M = 23.1, SD = 2.75) mittels eines Online-Fragebogens unter anderem zum Stressempfinden (PSS-4), dem Wohlbefinden (FAHW) sowie dem Bewegungsverhalten (BSA) befragt. Die Untersuchung zeigt, dass die vorliegende Stichprobe ihr psychisches Wohlbefinden als signifikant niedriger als das körperliche (t(219) = 4.70, p < .001, d = .34) angab. Auch fühlten sich die Studierenden insgesamt gestresster als die Normstichprobe. Bei Betrachtung der Zusammenhänge mit dem Bewegungsverhalten lässt sich feststellen, dass mit steigender Alltagsaktivität in keinem Bereich des Wohlbefindens Steigerungen einhergingen. Es zeigt sich hingegen, dass sich mit einem steigendem Umfang an sportlicher Aktivität signifikante Steigerungen im psychischen (r(220)= .18, p < .01) und körperlichen Wohlbefinden (r(220)= .27, p < .001) ergaben. Jedoch scheint nicht allein der Umfang des ausgeübten Sports entscheidend, denn es hatten vor allem diejenigen ein höheres psychisches (r(220)= .22, p < .01) und körperliches Wohlbefinden (r(220)= .37, p < .001), die Sport als Ausgleich in stressigen Phasen nutzen, also bewusst zur angenehmen Abwechslung, unabhängig vom tatsächlichen Umfang und in Abgrenzung vom Wettkampfsport. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse kann vor allem die Art von sportlicher Aktivität, die aus Lust auf Bewegung und Ausgleich ausgeübt wird, als besonders geeignete Copingstrategie im Zusammenhang mit dem Wohlbefinden angesehen werden und somit einen Beitrag zu einer gelingenden Entwicklung im Lebenslauf leisten.


Entwicklung einer App zur Erfassung der wahrgenommenen Trainingsqualität und Wahrnehmungskongruenz von Athleten und Trainern im Volleyball (iQMvolley)

Sabine Krawietz1, Sören D. Baumgärtner2, Frank Hänsel1

1Technische Universität Darmstadt, Deutschland; 2Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main

Zur Bestimmung der Qualität von Trainingsprozessen sind nicht nur objektive Daten (z. B. Trainingsumfänge), sondern auch die Beurteilungen von Athleten und Trainern zu berücksichtigten (Hänsel, Werkmann, Schulz & Kappes, 2013). Zum einen beeinflusst die wahrgenommene Trainingsqualität objektive Verhaltensmaße (z. B. die Befolgung des Trainingsplans), zum anderen sind ausgeprägte Inkongruenzen zwischen Athleten und Trainern wenig förderlich. Im Rahmen des WVL-Projektes „Trainings- und Wettkampfqualität aus Athleten- und Trainersicht“ (QuATraS) wurde dazu ein sportartübergreifende Diagnosetool iQMsport („Integrierten Qualitätsmanagements im Leistungssport“) (Hänsel & Baumgärtner, 2015) entwickelt. In der Anwendung zeigte sich, dass das Diagnosetool zwar als sehr relevant eingeschätzt wurde, die Einbindung in ein internet-basiertes und umfangreiches Instrument die Nutzungshäufigkeit reduzierten. Zudem erschien die Auswertung für Teamsportarten ebenfalls verbesserungswürdig. Die Ziele der vorliegenden Studie (gefördert vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft - ZMVI4-072053/16-17) sind (1) die inhaltliche Adaptation an die spezifischen Beanspruchungsfaktoren und Trainingsinhalte des Sportspiels Volleyball, (2) die Integration einer vergleichenden Auswertung auf Teamebene sowie (3) technologisch die Entwicklung einer offline verfügbaren Applikation für Smartphones und Tablets. Problemzentrierte, leitfadengestützte Einzelinterviews wurden mit n = 10 Volleyball Bundes-/Landestrainern und n = 1 Nationalspielern durchgeführt. Zudem fand eine Expertengruppenbefragung mit n = 40 Bundes- und Landestrainern, Hochschulfachleitern und Athleten statt. Die Befragungen bezogen sich auf die wahrgenommene Trainingsqualität (iQMsport), welche die Dimensionen Beanspruchung, Bewertung der Trainingsqualität, Befindlichkeit und Zufriedenheit umfassen (z. B. „Welche Beanspruchungsfaktoren sind für Ihre Trainingsplanung relevant?“). Zudem wurden Antworten zu weiteren Einflussfaktoren (z. B. potenzielle Geschlechterunterschiede, Regeneration und schulische/studien-/berufsbedingte Belastungen) sowie Aussagen zur Ergebnisdarstellung und den möglichen Anwendungsmöglichkeiten einer für den Volleyballspitzensport zugeschnittenen App erfasst. Es folgte eine qualitative Inhaltsanalyse der Interviews nach Mayring (2015). Auf Basis der Expertenmeinungen wurde zum einen die Erhebung der wahrgenommenen Trainingsqualität für den Volleyballsport spezifiziert (z. B. Items zur Messung der Sprungkraft und der mentalen Trainingsbeanspruchung wurden hinzugefügt), zum anderen erachteten die Trainer es für wichtig, weitere, potenzielle Einflussfaktoren zu erfassen. Die neue Erhebung der wahrgenommenen Trainingsqualität und die ergänzenden Kategorien, Schlaf, Ernährung, private Belastung und Teamkohäsion dienten als Grundlage für die modulare Programmierung der App. Aktuell werden in vivo Testungen für die Plausibilität der Items und Skalentypen sowie der Benutzerfreundlichkeit der App mit einer Bundesliga (Hallen-) Volleyballmannschaft sowie A-Kader Jugendvolleyballmannschaften durchgeführt. Die Ergebnisse dazu werden im Vortrag ebenfalls diskutiert.


Ist der Blicktäuschungseffekt im Basketball robust gegenüber Übungseffekten?

Iris Güldenpenning1, Wilfried Kunde2, Matthias Weigelt1

1Universität Paderborn, Deutschland; 2Universität Würzburg, Deutschland

Der Blicktäuschungseffekt im Basketball spiegelt den Zeitverlust wider, der für einen Abwehrspieler entsteht, wenn er auf einen Pass mit Blicktäuschung reagieren muss, im Vergleich zu einem Pass ohne Blicktäuschung (z. B. Kunde, Skirde & Weigelt, 2011). Bekannt ist weiterhin, dass der Täuschungseffekt durch folgende Kontextfaktoren moduliert wird: (1) die Häufigkeit, mit der eine Blicktäuschung auftritt (Alhaj Ahmad Alaboud, Steggemann, Klein-Soetebier, Kunde & Weigelt, 2012), (2) die sportliche Expertise des Beobachters (Weigelt, Güldenpenning, Steggemann-Weinrich, Alhaj Ahmad Alaboud & Kunde, in press), (3) das Erleben einer Blicktäuschung im unmittelbar vorangegangenen Versuch und (4) die Art des Bildmaterials (für beide Faktoren, Alhaj Ahmad Alaboud, Güldenpenning, Steggemann-Weinrich, Kunde & Weigelt, 2016). Unklar ist bisher, ob der Blicktäuschungseffekt durch Übung reduziert werden kann. Dies wird in der vorliegenden Studie untersucht. An der Studie nahmen 20 NovizInnen teil (12 weiblich; M = 23 Jahre). Als Stimulusmaterial wurden Videosequenzen eines Basketballspielers benutzt, der entweder einen Pass nach links bzw. rechts spielte und dabei entweder in die gleiche (Direktpass) oder die andere Richtung (Blicktäuschung) blickte. Die Videos wurden in einer Größe von 250 x 190 cm an eine Wand projiziert. Die ProbandInnen sollten so schnell wie möglich die Passrichtung durch eine Abwehrbewegung mit dem ganzen Körper nach links bzw. rechts und das Drücken eines Antwortbuzzers klassifizieren. Insgesamt absolvierten die ProbandInnen 2000 Übungsversuche, verteilt über 5 Testtermine an aufeinanderfolgenden Tagen mit jeweils 400 Versuchen (50% Blicktäuschungen). Die Reaktionszeiten (ab Videobeginn bis zum Loslassen der Ausgangstasten) wurden mittels einer ANOVA mit Messwiederholung für die Faktoren Bedingung (Direktpass vs. Blicktäuschung) und Testtag (1, 2, 3, 4, 5) ausgewertet. Sowohl der Faktor Bedingung wurde signifikant (F(1, 19) = 178,52, p < .001; ɳp2 = .90), als auch der Faktor Testtag (F(1, 76) = 21.39, p < .001, ɳp2 = .53) und die Interaktion beider Faktoren (F(1, 76) = 3.82, p < .05, ɳp2 = .17). Zur Überprüfung eines Übungseffektes wurde mittels eines t-Tests für verbundene Stichproben die Größe des Blicktäuschungseffektes (M = 44ms, SD = 12ms) am ersten Testtag mit der Größe des Blicktäuschungseffektes (M = 36ms, SD = 16ms) am fünften Testtag verglichen. Dieser Vergleich wurde signifikant (t(19) = 2.40, p < .05). Der Blicktäuschungseffekt hat sich im Verlauf der Studie um 18% reduziert. Wir werden dieses Ergebnis vor dem Hintergrund strategischer versus automatischer Anpassungseffekte diskutieren.


How to increase sport-enjoyment in adolescence? - Validation of a questionnaire for measuring the factors influencing enjoyment in physical education

Eliane Stephanie Engels, Philipp Alexander Freund

Leuphana Universität Lüneburg, Deutschland

The importance of sport enjoyment for a long-term commitment to physical activity is well established (Scanlan, Carpenter, Schmidt, Simons, & Keeler, 1993). But which factors influence sport enjoyment, and how can enjoyment in physical education be increased during the critical phase of adolescence? In the age group from 12-18 years, there is a need for increasing enjoyment in sport because physical activity decreases and the risk of overweight increases (Kurth & Schaffrath Rosario, 2007). In a prior study we developed and validated a short instrument for measuring different facets of enjoyment in physical education. Based on theoretical approaches, sport-enjoyment (Scanlan & Simons, 1992) was refined to a 3-factor model (pleasure; flow-experience; relaxation). The present study aimed to measure the influencing factors of these three facets of Sport-Enjoyment in physical education. We used inductive and deductive approaches for item generation. First, we conducted a qualitative pretest (explorative interviews) to get information directly from students of the appropriate age groups. We also used available instruments and extant empirical findings for item and scale development. The items and scales were tested by expert consultation, cognitive interviewing technique, and three pretests (n1 = 68, n2 = 312, n3 = 366). The final instrument includes seven scales (Social Involvement, Social Handling, Autonomy/Determination, Teacher-Skills, Parental-Support, Perceived Competence, General Athleticism), each consisting of three items. The psychometric examination was assessed with N = 1'466 students (M = 14.39 age, SD = 1.28, 50.4% female) from grades 7 to 10. The scales showed good levels of score reliability. Confirmatory factor analysis supported the hypothesized 7-factor structure. Correlations with existing scales were consistent with theoretical assumptions. Based on regression-analysis we will also examine the strength of determination of these factors influencing sport-enjoyment. With regard to these results, we can derive interventions to optimize physical education classes and increase enjoyment in physical activity with a view to develop an active lifestyle. In conclusion, the constructed questionnaire is a valid, economic, and theoretically based instrument of high practical relevance for the application in physical education.


Observed changes in characteristics of exercise dependence symptoms at endurance athletes comparing times of measurement of two competition seasons

Melanie Schipfer1, Brian Cook2, Oliver Stoll1

1Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Germany; 2California State University Monterey Bay, Seaside, CA,USA

It is theorized that exercise dependence may exist on a continuum with sedentary lifestyle and excessive exercising as its extremes (Hagan & Hausenblas, 2003). However no longitudinal studies to date have examined how symptoms may change in athletes who are at risk for exercise dependence. The aim of this exploratory study was to examine changes in exercise dependence symptoms in endurance athletes with 14 times of measurement during the competition season 2013 and 2014. The sample consists of 10 triathletes and one long distance runner that completed 14 times in six–week-intervals the Questionnaire to Diagnose Exercise Dependency in Endurance Sport (FESA; five subscales, 16 items; Schipfer, 2015) and three times the Exercise Motivation Inventory-2-German (EMI-2; 15 subscales, 54 items; Ingledew & Sullivan, 2002). Data in our study was obtained from self-report surveys. As such, it is not possible to make clinical diagnoses or other inferences on patterns of addiction development. Therefore, repeated measures ANOVA with LSD post hoc were run to examine potential changes in exercise dependence symptoms. Significant within-subjects effects were found on FESA subscales positive consequences [F(1,13) = 1.901, p = .035], interference with social life [F(1,13) = 3.660, p = .000] withdrawal symptoms [F(1,13) = 5.781, p = .000], FESA-total-score [F(1,13) = 3.841, p = .000], EMI-2 social pressure [F(1,2) = 4.495, p = .020], and EMI-2 social appreciation [F(1,2) = 4.274, p = .035]. The mentioned subscales of the FESA showed a decline in their means over the 14 times of measurement on a scale 7-point-likert-scale for positive consequences from M(t1) = 5.9 ± 0.2 to M(t14) = 5.4 ± 0.4), interference with social life from M(t1) = 2.5 ± 1.2 to M(t14) = 1.5 ± 0.7), withdrawal symptoms from M(t1) = 4.8 ± 1.2 to M(t14) = 3.2 ± 1.5) and for FESA-total-score (minimum of 12 till a maximum of 42) from M(t1) = 22.1 ± 4.9 to M(t14) = 17.6 ± 4.7). Pairwise comparisons showed a decline in the means on a 6-point-likert-scale for EMI-2 social pressure (mean difference = -.302, p = .002) and EMI-2 social appreciation (mean difference = -.484, p = .005) between seventh (November 2013) and tenth (March 2014) times of measurement. Despite the small sample size changes in exercise dependence symptoms during the two competitive seasons were found. Changes during the two competitive seasons indicates - related to the mentioned FESA subscales - on a change of the social environment of the athletes. A closer contact to other athletes and a reduced contact to a less- or non-sportive environment could lead to a reduction in withdrawal symptoms and interference in social life which will also affect the FESA-total-score. Pairwise comparisons for the EMI-2 subscales could be based on the time of competitive season: competition preparation (March), immediate competition preparation (August) and off-season (November).


‘Food Addiction’, exercise dependency and perfectionism in German athletes

Carolin Hauck1, Melanie Schipfer2, Thomas Ellrott1

1Georg-August-Universität Göttingen, Germany; 2Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Germany

The concept of ‘Food Addiction’ (FA) receives increasing attention, both in popular press and in scientific research. In 2009 addictive like eating behavior, referred to here as FA, was made measurable by the questionnaire Yale Food Addiction Scale (YFAS, updated version: YFAS 2.0, 2016; Gearhardt et al., 2016). It is based on the substance-related and addictive disorders criteria of the fifth version of the Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-V; APA, 2013), because addictive like eating behavior was made responsible for overconsumption of food (Gearhardt et al., 2009). Research shows that people who show addictive behaviors tend to be vulnerable for further disorders: for example exercise dependence (NIDA, 2011, Volkow et al., 2010). Perfectionistic tendencies “may contribute to an unhealthy commitment to exercise” (Hill et al., 2015). Thereupon correlations between food addiction, exercise dependency and pathologic exercise behavior were hypothesized. In 2016, a total of 1'204 German athletes (inclusion criterion: ≥ 4 hours sports/week, 80% endurance athletes, all levels) completed an online questionnaire. They filled in the YFAS 2.0 (Gearhardt et al., 2016), the questionnaire to Diagnose Exercise-Dependency in Endurance Sports (FESA; Schipfer et al., 2015) and the multidimensional inventory of perfectionism in sport (MIPS; Stöber et al., 2004). Prevalence of FA was 6.3% and risk for exercise dependency was 2.8%. A statistically significant relationship between FA and exercise dependence exists (χ2 = 10.507, df (1), p = .001, Phi-Coefficient = .101). In order to approach for modeling the relationship between FA, perfectionism and exercise dependency, a logistic regression analysis was conducted: the odd for FA is elevated by 77% for higher perfectionistic tendencies and by 11% with present exercise dependence. FA is influenced as well by both perfectionism and exercise dependence. Until now, it is unclear whether FA is a single disorder, or part of an existing eating disorder, like binge eating disorder (Hauck et al., 2016). Perfectionism is meant to be more specific to those with eating disorders – probably also FA – and is even suspected to be a part of the phenomenology of these disorders (Forsberg & Lock, 2006). Research shows that perfectionistic tendencies “may contribute to an unhealthy commitment to exercise” (Hill et al., 2015). Current study shows that FA, perfectionism and exercise dependence are linked. This is relevant for athletes and coaches in order to prevent a vicious circle. Further research, especially on the association of FA with eating disorders, is needed on this topic.


Entwicklung eines Fragebogens zur Früherkennung psychischer Risikofaktoren bei TrainerInnen

Paul Schaffran1, Sebastian Altfeld1, Christian Zepp2, Jens Kleinert2, Michael Kellmann1,3

1Ruhr-Universität Bochum, Deutschland; 2Deutsche Sporthochschule Köln; 3The University of Queensland

Die Förderung und Erhaltung der psychischen Gesundheit von handelnden Personen im Sport rückt zusehends in den Fokus der Sportwissenschaft (Fletcher & Scott, 2010). Die Perspektive der TrainerInnen wurde bislang jedoch kaum beleuchtet (Goodger, Gorely, Lavallee & Harwood, 2007). Vor allem die Mechanismen, welche zu einer Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit führen, sind weitestgehend ungeklärt. Dies betrifft sowohl die Ursachen psychischer Störungen, als auch deren Präventionsmöglichkeiten. Ziel dieser Studie war die Entwicklung und Validierung eines Fragebogens zur Früherkennung psychischer Risikofaktoren bei Trainerinnen und Trainern. Dabei sollte sich der Fragebogen, basierend auf der Selbstbestimmungstheorie (Deci, Koestner & Ryan, 2001) und den stresstheoretischen Annahmen von Kallus und Kellmann (2016), auf die Erfassung kritischer Rahmenbedingungen, Bedürfnisbefriedigung und Belastungszustände fokussieren. Im ersten Schritt erfolgte eine Vorauswahl potentieller Fragebogenelemente. Hierzu diente der Erholungs-Belastungs-Fragebogen für TrainerInnen (Kellmann, Kallus & Altfeld, 2016) als Grundlage und wurde durch Skalen des Coach Motivation Questionnaire (McLean, Mallett & Newcombe, 2012) und der Basic Need Satisfaction Scale (Deci, Koestner & Ryan, 2001) erweitert. Studie 1 (N = 312) diente neben der exploratorischen Faktorenanalyse und Skalenreduktion auch der Konstruktvalidierung anhand der konvergenten Verfahren PHQ-2 (Kroenke & Spitzer, 2002) und WHO-5 (Bech, 2004). In Studie 2 (N = 449) erfolgte die konfirmatorische Faktorenanalyse sowie Reliabilitätsanalyse des Fragebogens. Gleichzeitig diente Studie 2 der Evaluation des Fragebogens. Das Ergebnis der explorativen Faktorenanalyse zeigte ein Modell mit drei Dimensionen (Risikofaktoren, Ressourcen, Burnout), welches durch die konfirmatorischen Faktorenanalyse sowohl für das Gesamtmodell (GFI = .91, AGFI = .86, CFI = .96, RMSEA = .09), als auch für die einzelnen Dimensionen Risikofaktoren (GFI = 1.0, AGFI = .98, CFI = 1.0, RMSEA = .05), Ressourcen (GFI = .97, AGFI = .91, CFI = .99, RMSEA = .11) und Burnout (GFI = .97, AGFI = .91, CFI = .99, RMSEA = .10) mit guten Fit Indizes bestätigt werden konnte. Zudem zeigte der Fragebogen ein inhaltlich hypothesenkonformes Korrelationsmuster mit den konvergenten Verfahren PHQ-2 und WHO-5 und auch die interne Konsistenz lag für alle Skalen im guten bis sehr guten Bereich (α > .7). Insgesamt stützen die Ergebnisse den gewählten Konstruktionsansatz. Als nächsten Schritt sollte die Änderungssensitivität im Rahmen einer Längsschnittstudie untersucht und der Fragebogen weiter validiert werden. Zudem könnte eine Screening-Version des vorliegenden Fragebogens (60 Items) dem Ruf der Sportpraxis nach kurzen und ökonomischen Verfahren gerecht werden.


Legitimacy of anti-doping policies from the viewpoint of elite athletes

Meike Kolb1, Dennis Dreiskämper1, Andrea Petroczi2, Pia Holzgreve1, Sebastian Brückner3, Bernd Strauss1

1Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Deutschland; 2School of Life Sciences, Pharmacy and Chemistry, Kingston University, UK; 3Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saarland, Deutschland

Athletes’ perception of Anti-doping policy and strategies of sport federations is discussed as an influential factor on possible doping behaviour (Overbye et al., 2015). The Anti-doping work of sport federations can be observed with different foci, e.g., thrustworthiness, transparency or legitimacy (Efverström et al., 2016). Legitimacy is defined as a psychological property of an authority, institution, or social arrangement that leads those connected to it to believe that it is appropriate, proper, and just. (Tyler, 2005).The project which involves six countries (Germany, Greece, Italy, Russia, Serbia and the UK) aims to explore the perceptions of clean athletes towards the legitimacy of anti-doping policies, their trust in organisations responsible for implementing anti-doping and the support of anti-doping policies by clean athletes in order to advance the anti-doping policies. The present study focuses on results from Germany. Semi-structured interviews were conducted in groups of six to seven elite athletes (M = 25.10 years, SD = 4.28 years; N = 19, 47.4% male; individual and team sport mixed; actual or former member of the Registered Athlete Testing Pool for example of National Anti-Doping Agency Germany). The 2h focus group interviews were recorded, transcribed verbatim and coded by two researchers using qualitative data analytical software (MAXQDA) for a thematic analysis.The qualitative results indicate that elite athletes are aware of legitimacy problems of national and international sport federations regarding appropriateness and fairness in methods and procedure of anti-doping policies. At the same time the athletes say that Anti-Doping policies preserve “clean sport”. They feel that they have to bring a high level of commitment to being clean. Although fulfilling these demands, athletes perceive only little support for this. Individual athletes describe how they take a high level of responsibility for getting informed. Team sport athletes state that they are not as proactive, but the choaching staff is said to be responsible. Also, athletes percieve a gap of information. Recent scandals in doping seem to influence athletes' trust in relevant anti-doping policies. Also, their perceptions of the national federation differ to those of other countries, exhibiting the typical ingroup/outgroup bias. Such disparity in anti-doping legitimacy perceptions poses a significant challenge to globalised anti-doping. The influence of actual media reports about Doping-scandals to the perception of own experience cannot be completely excluded. Deeper analysis and comparison with qualitative data collection is planned to review and complete the results.


Zwischen Autonomie und Abhängigkeit - Aus der Lebenswelt "benachteiligter" Jugendlicher im institutionalisierten Leistungssport

Lena Tessmer

Universität Hildesheim, Deutschland

Jugendliche im Leistungssport sind ein wichtiges, aber nicht immer ausreichend beleuchtetes Thema in der sportwissenschaftlichen Forschung. (vgl. Borchert, 2013; vgl. Brettschneider, 1998; vgl. Brettschneider & Heim, 2001; vgl. Brettschneider & Richartz, 1996; vgl. Richartz & Brettschneider, 1996). In der vorliegenden Studie wurden acht Fälle über 1½ Jahre begleitet und zu ihren Erfahrungen im System des Leistungssports befragt. Dieses System ist ein hoch selektives und gewährt nur vielversprechenden sportlichen Talenten Zugang (vgl. Pallesen & Schierz, 2010; vgl. Teubert, 2009). Vor diesem Hintergrund ist es besonders interessant „gesellschaftlich benachteiligte“ Jugendliche (Jugendliche mit Migrationshintergrund und Jugendliche mit körperlicher Behinderung) über ihre Zugangserfahrungen in das System zu befragen, um auch vor dem Hintergrund der institutionellen Diskriminierung (vgl. Gomolla & Radtke, 2009) ihre Erfahrungen zu erfassen. Die erste Forschungsfrage nimmt unter anderem auf diesen Aspekt Bezug: „Wie ist es Jugendlichen mit unterschiedlichen Teilhabevoraussetzungen gelungen, Zugang zu einem so exklusiven System wie dem des Leistungssports zu erhalten?“. Hiermit werden die individuellen und biographisch geprägten Verläufe ins Zentrum des Forschungsinteresses gestellt. Die zweite Forschungsfrage „Wie beschreiben diese Jugendlichen selbst ihren erfolgreichen Verbleib in diesem Fördersystem?“ hat einen starken Gegenwartsbezug und nimmt vor allem die aktuelle Lebenswelt mit ihren relevanten Themen in den Fokus. Die Daten sind unter einer konstruktivistischen Leitvorstellung erhoben und analysiert worden. Die Lebenswelt der jungen AthletInnen wurde mit der phänomenologischen Soziologie nach Schütz (vgl. Schütz & Luckmann, 2003) betrachtet. In einem qualitativen Längsschnitt wurden acht junge LeistungssportlerInnen (2 Rollstuhlfahrer und 6 Jugendliche mit Migrationshintergrund, insg. 5 männliche und 3 weibliche Jugendliche) einer Eliteschule des Sports im Alter von 11 bis 21 Jahren zwei Mal befragt. Die erste Interviewphase fand im Herbst/Winter 2014 statt und die zweite Interviewphase wurde zwischen dem 03. Juni 2015 und 06. Januar 2016 durchgeführt. In der zweiten Phase wurde im Sinne der Grounded Theory (vgl. Flick, 1999; vgl. Strauss & Corbin, 1996) auf ein zirkuläres Analyse- und Auswertungsverfahren Wert gelegt. Mit der Analysemethode der Grounded Theory wurde eine Kategorie formuliert: „Zwischen Autonomie und Abhängigkeit“, die die Zerrissenheit der jungen SportlerInnen überblicksartig zusammenfasst und abbildet. Die jungen Talente streben nach Unabhängigkeit und begeben sich gleichzeitig und freiwillig in ein geordnetes System, das viele Regeln vorgibt. Das Jonglieren mit diesen zwei Seiten wird in der Kategorie zusammengefasst. Der Dropout-Fall eines jungen Kunstturners, stellt eine Abweichung gegenüber den anderen Fällen dar und lässt sich somit nicht der genannten Kategorie zuordnen. Er wird deswegen gesondert als Einzelfall analysiert und aufgearbeitet.


Assessment of interindividual coordination in sport: A scoping review

York-Peter Klöppel

Universität der Bundeswehr, Deutschland

Since its early days, theoretical sport psychology research has predominantly focused on individuals. Many researchers, however, highlight the need for more research to be conducted on teams (Carron et al., 2012). More specifically, the present study focuses on the social-cognitive aspects of teams, i.e the ability of individuals to coordinate their efforts and share their task knowledge. The aim of this systematic review is to provide a theoretical framework for interindividual coordination that could serve as the base for the development of a tool that measures regulation mechanisms underlying coordination between individuals.The methodologically rigorous scoping review approach (Arksey & O’Malley, 2005) is used to fulfil the aims of this study. A systematic search of empirical studies and book chapters is carried out in the data bases using relevant keywords. The inclusion criteria are (a) written in English or German, (b) relevant to the topic, and (c) published in peer reviewed journals, conference papers, or book chapters. Furthermore, the references are explored and key journals are hand-searched to identify additional contributions. Adapted from Mathieu et al.’s (2008) framework for teamwork and team effectiveness and Eccles and Tenenbaum’s (2004) social-cognitive conceptualization of team coordination and communication in Sport, a framework for interindividual coordination is proposed. Interindividual coordination is divided into three stages, namely pre-process-, in-process-, and post-process coordination. The framework’s key components based on the action theory framework (Nitsch & Hackfort, 1981) are the nature of the task, the setting and the team members’ characteristics. This review highlights that despite an increasing number of articles concerning the social characteristics of sports teams (Eccles & Tenenbaum, 2004), the literature on cognitive aspects is scarce. The proposed framework for interindividual coordination fills a gap in the literature and can serve as a base for further research in this area. A tool to measure underlying regulation mechanisms of interindividual coordination, including a computer-based test, subjective self-reports and a video-based behaviour assessment, is proposed.


Apps und Bewegung: Wie Pokémon GO die physische Aktivität (nicht) beeinflusst

Till Utesch1, Dennis Dreiskämper1, Maike Tietjens1, Lisa Barnett2, Trina Hinkley2, Stijn Mentzel1

1Westfälische Wilhelms-Universtität Münster, Deutschland; 2Deakin University, Melbourne

Physische Inaktivität zählt zu den weltweit größten Gesundheitsrisiken (WHO, 2004; Hills, King & Armstrong, 2007). Für Menschen jeden Alters forschen WissenschaftlerInnen daher nach Lösungen, um nachhaltig Bewegungsverhalten zu fördern. Eine Ursache der Inaktivität, die gleichwohl auch als Weg in die Aktivität fungieren kann, ist die heutzutage ausgiebige Nutzung von Smartphones. Durch klassische Fitness-, Sport- oder Spiele-Apps mit entsprechenden Anreizsystemen kann das Bewegungsverhalten von Nutzern positiv beeinflusst werden (vgl. Lister, West, Cannon, Sax & Brodegard, 2014). Eine aktuell viel genutzte Spiele-App ist das im Juli 2016 erschienene Spiel Pokémon GO. Spielende werden durch den Anreiz, dass verschiedene Spielelemente nur durch Bewegung (geschätzt über GPS-Koordinaten) erreicht werden können (z. B. das Sammeln seltener Pokémon), in dieser App zur Bewegung animiert. Durch in-App Käufe kann die Bewegungsnotwendigkeit umgangen werden. Ziel dieser Studie ist es, die durch Pokémon GO hervorgerufene Bewegungsveränderung (Gehen sowie moderate bis anstrengende Bewegung; MVPA) abzubilden sowie Verläufe des Bewegungsverhaltens zu erklären. Eine Woche nach dem Erscheinen der App nahmen 572 Erwachsene (M = 25,31, SD = 7,2), die direkt nach der Veröffentlichung mit dem Spielen begonnen hatten, im Rahmen von Straßen- und Onlinebefragungen teil. Für vier Zeiträume (t0 reguläre Woche, t1 eine Woche, t2 zwei Wochen und t3 fünf Wochen nach Veröffentlichung der App) wurden physische Aktivität durch den IPAQ („Gehen“, „MVPA“) erfasst. Darüber hinaus wurden objektive Daten erhoben (gelaufene Kilometer sowie Erfahrungspunkte), die von der App automatisch gespeichert werden. Als mögliche erklärende Variablen wurden Fanstatus, Flowerleben, Anzahl der spielenden Freunde, Bildungsstand und demographische Variablen erhoben. Multilevel mixed-curve Modelle ergaben einen durchschnittlichen Zuwachs von Gehen von geschätzten 366 Minuten pro Woche von t0 zu t1. Das Bewegungsverhalten war jedoch vier Wochen nach App-release (t3) wieder auf Ausgangsniveau. Äquivalente Effekte wurden für MVPA und gelaufene km gefunden. Die Erfahrungspunkte hingegen zeigen sogar eine kurvilineare Progression des Spielverhaltens. Entgegen der Vermutung konnte keine der angenommenen erklärenden Variablen weitere Varianz aufklären. Diese Studie deutet an, dass eine App (insbesondere kurzfristig) vor allem bei der spielaffinen Bevölkerung zu mehr Bewegungsverhalten führen kann. Nach Rheinberg (2006) haben die möglichen in-App Käufe, die dem Spielenden das Umgehen von Bewegung ermöglichen, die persönlichen Motive so verändert, dass das Spielverhalten bereits nach vier Wochen konform mit Hull’s (1943) law of less work adaptiert wurde. Trotz anfänglicher Motivation war Bewegung nicht mehr zwingend nötig und wurde eingestellt. Apps, deren Ziel die Animation zu mehr Bewegung ist, sollten entsprechende Bezahlsysteme vermeiden.


Wirkung von Golfsport auf die Selbstwirksamkeitserwartung von Kindern

Carolin Tuch

Karlsruher Institut für Technolgie, Deutschland

Weniger als ein Drittel aller Heranwachsenden erreichen die geforderte Bewegungszeit von 90 min täglich (Graf et al., 2013). Auch hinsichtlich der Sportpartizipation lässt sich ein deutlicher Trend feststellen: jüngere Kinder bewegen sich weitaus häufiger, länger und intensiver als Jugendliche (EU Working Group "Sport and Health", 2008). Eine stark ausgebildete allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung (SWE) kann die Regelmäßigkeit der Teilnahme an außerschulischen Sportangeboten erhöhen (Bös, 2009; Desharnais, Bouillon & Godia, 1986). Golfen vermittelt ein Gefühl der Freiheit und der Autonomie, verbessert die Selbstkompetenz, den Selbstwert, die Resilienz, das Selbstwertgefühl, die Empathie, die Lebensqualität und die SWE (Drane & Block, 2006). Aufgrund der Gegner- und Zeitunabhängigkeit beim Golfen können die SchülerInnen gezielt an ihrer Problemlösefähigkeit und somit auch an der Ausbildung ihrer SWE arbeiten (Muff, 2008). Auf Basis der nachgewiesenen positiven Wirkungen des Golfens wurde diese Sportart in der vorliegenden Studie als Interventionsmaßnahme eingesetzt, um die SWE von Kindern zu stärken und somit die körperliche Aktivität in der Freizeit zu erhöhen. Die teilnehmenden SchülerInnen wurden auf Grundlage der Klassenverbände in zwei Gruppen aufgeteilt: Die Kontrollgruppe (KG; n = 25) trainierte Fußball und die Interventionsgruppe (IG; n = 25) erhielt Golftraining. Die Sportart der Kontrollgruppe wurde durch den Schullehrplan vorgegeben. Die Intervention erfolgte vom 14.04.2016 (T1) - 08.07.2016 (T2). Die SchülerInnen erhielten acht Einheiten Golf-, beziehungsweise Fußballtraining über eine Dauer von 90 min. Zu T1 und T2 wurde der Fragebogen zur allgemeinen SWE (ASWE; Schwarzer & Jerusalem, 1999) erhoben. Zusätzlich wurden Parameter zur Vorerfahrung im Golfen, Geschlecht und Persönlichkeit (Hamburger Persönlichkeitsfragebogen für Kinder; HAPEF-K; Wagner & Baumgärtel, 1978) erfragt. Für die Auswertung wurde eine Varianzanalyse mit Messwiederholung gerechnet. Sowohl die KG (F = 19.739; p < .001), als auch die IG (F = 80.891; p < .001) zeigten signifikante Anstiege der ASWE. Der Golfsport wirkte sich tendenziell positiv auf die Höhe der ASWE aus (F = 3.050; p = .087). Weder die Persönlichkeit, noch das Geschlecht, das Alter oder die Vorerfahrung im Golfen moderierten die Ergebnisse. Es kann angenommen werden, dass sich Golfsport im Vergleich zum Fußball tendenziell positiv auf die Entwicklung der ASWE von Kindern auswirkt. Allerdings sollte in weiteren Studien untersucht werden, inwieweit sich durch eine Verlängerung der Interventionszeit die vermutete positive Wirkung des Golftrainings auf die ASWE nachweisen lässt, um eine fundierte Begründung für die Integration des Golfens in den Schulsport zu liefern. Für Folgeuntersuchungen könnte es weiterhin aufschlussreich sein, die Veränderung der Freizeitaktivität als eine abhängige Variable in die Untersuchung einzubeziehen.



 
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